Plantronics Backbeat 906 im Test (2/2):
Trocken hinter den Ohren

Das Backbeat-Headset von Plantronics ist für drahtlosen Musikgenuss und Telefonie im Alltag geeignet – für den Sport aber nur bedingt.

Am Backbeat 906 von Plantronics / Altec Lansing, das ich hier in den USA bei Amazon gekauft habe, hing ein grosser, gelber Kleber: “Wipe after each use”, also “nach jedem Gebrauch gut abwischen”.

Dieser gute Rat hat nichts damit zu tun, dass die weichen Gummistopfen der Kopfhörerteile direkt in den Gehörgang eingeführt werden und bei mangelnder Anwendung von Ohrenstäbchen verschmutzen können. Aber darauf komme ich gleich zurück.

Zunächst: Auch wenn das Hinter-Ohr-Headset nicht sonderlich ergonomisch aussieht, trägt es sich sehr angenehm.

Das Anlegen will zwar ein bisschen geübt sein, aber wenn man die Hörteile des Bluetooth-Headsets einmal richtig justiert hat und die Handgriffe kennt, geht es leicht, und danach sitzen die beiden Geräte des Backbeat von Plantronics wie angegossen hinter dem Ohr.

Den Sound liefern sie so ausserdem durch den “Direktanschluss” auf eine Weise, die bei Ohrhörern mit Schaumstoffknöpfen nicht garantiert ist.

Apropos Sound: Ich bin kein Hifi-Freak, fand aber den Klang des Backbeat ausserordentlich gut für ein Bluetooth-Headset – für meinen Geschmack fehlt es etwas am Bass, aber zumindest mit Audiogeräten mit Equalizer (den der Musikplayer in meinem Android-Handy leider vermissen lässt) kann das ja leicht geregelt werden.

Anders als andere Stereo-Bluetooth-Headsets überträgt das Plantronics Backbeat auch den Telefon-Ton auf beide Kopfhörer, was sehr sinnvoll ist und die Verständlichkeit deutlich erhöht.

Zur Telefonie: Das Mikrofon sitzt am Backbeat am linken Kopfhörerteil und ist nach vorne gerichtet, es ist also sehr weit vom Mund des Sprechers entfernt.

Auch wenn die Leistung des Mikrofons erstaunlich ist, Wunder sollte man nicht erwarten, und eine Lärmunterdrückung wie beim Voyager Pro konnte ich nicht ausmachen. Im Gegenteil: Wenn in direkter Sichtlinie vor einem eine Lärmquelle vorhanden ist, wird deren Krawall vom Mikrofon direkt aufgenommen. Auch Windgeräusche stören, wenn einem die Bise um die Ohren pfeift – ein Abdrehen des Kopfs hilft. Das sollte zwar bei einem Telefoniegerät vielleicht nicht so sein, aber schliesslich handelt es sich beim Backbeat 906 um einen Kompromiss zum Musikhören, mit dem man auch telefonieren kann.

Die Bedienelemente sind praktisch verteilt: Am linken Hörteil des Headsets liegt aussen auf dem Kopfhörer der Telefonie-Knopf, mit dem Gespräche angenommen und abgelehnt respektive beendet werden und die Sprachwahlfunktion des Mobiltelefons initiiert wird. Ausserdem sind am Hinter-Ohr-Teil hier auch der Micro-USB-Anschluss unter einer Gummilasche und der Ein-Aus-Schalter zu finden.

Das rechte Teil des Bluetooth-Headsets dagegen vereinigt die Musik-Steuerteile. Wiederum direkt auf dem Kopfhörer sitzt der Play/Pause-Knopf. Die Lautstärke wird mit einem winzigen, federnden Wippschalter gesteuert, der am Kopfhörerteil nach unten gerichtet angebracht ist und zugleich die vorwärts- und zurück-Steuerung für Playlisten übernimmt, indem man den kleinen Wippschalter etwas länger nach vorne oder nach hinten dückt.

Die beiden Hauptknöpfe auf den Kopfhörern sind zwar vielleicht wie schon bei andern Plantronics-Geräten beim Backbeat etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie auf den sozusagen frei vor dem Ohreneingang hängenden Lautsprecherteil angebracht sind und man, wenn man nicht sehr sachte vorgeht, beim Betätigen den Kopfhörer ins Ohr drückt.

Aber die logische Auteilung links/rechts ist leicht zu merken und sorgt dafür, dass man sehr schnell reflexartig den richtigen Knopf drückt. Jede Funktion im Backbeat wird durch ein eindeutiges akustisches Signal bestätigt, Auf- und abschwellende Pieptöne beispielsweise machen deutlich, in welche Richtung man die Lautstärke verstellt hat.

Der Tragekomfort des Bluetooth-Headsets ist verblüffend gut, ich habe es auf längere Zeit nicht nur nicht mehr gespürt, sondern regelrecht vergessen. Das geht auch ganz gut, weil sich die beiden Teile des Geräts dermassen diskret hinter den Ohrmuscheln verstecken, dass sie kaum mehr zu sehen sind.

Wer nicht mit einem dieser blau blinkenden Borg-Headsets am Kopf herumlaufen will, ist mit dem Backbeat gut bedient: Erst auf den zweiten Blick sieht man die beiden Stöpsel in den Ohren, die der Trägerin etwas vom Ruch einer Secret-Service-Agentin verleihen.

Fazit und Urteil:

Wenn wir zusammenfassen, bringt das Bluetooth-Headset Backbeat 906 von Plantronics viel Leistung (durch den zusätzlichen Bluetooth-Sender), eine simple Inbetriebnahme, standardisierte Anschlüsse (Micro-USB), hohen Tragekomfort, guten Musik- und akzeptablen Telefonieklang sowie eine logische und schnell zu beherrschende Bedienung.

Ich habe es dennoch zurückgeschickt.

Dafür war der gelbe Kleber verantwortlich, der eine Reinigung nach jedem Gebrauch empfiehlt. Denn er bestätigt das, was Dutzende von Käufern vor mir in den Reviews auf Amazon.com bemängelt haben: Das Backbeat ist nicht für den Einsatz beim Sport geeignet, jedenfalls nicht für Menschen, die heftig schwitzen. Zu denen gehöre ich leider: Nach wenigen Metern Jogging bin ich patschnass, und dabei schwitze ich vor allem am Kopf – das ist aber nun gerade derjenige Körperteil, an dem das Bluetooth-Headset angebracht ist.

Das Problem dabei ist die Bauweise, welche vor allem die Bedienelemente unzureichend abdichtet. Namentlich der Ein-Ausschaltknopf ist nicht nahtlos abgedeckt, sitzt aber genau hinter dem Ohr an der Stelle, wo sich die Schweissbäche sammeln. Auch die Lautstärke-Wippe unter dem rechten Kopfhörerteil ist ein mechanisches Konstrukt, unter dem elektronische Kontakte sitzen, die wohl schnell sehr nass werden, wenn ein Schwitzer wie ich nach fünf Kilometern aussieht wie ein begossener Pudel. Die Kopfhörer selber schliesslich sind mit teleskopartig ausziehbaren Röhrchen am Hinterohr-Teil angebracht, welche unmöglich dicht sein können und den von oben herabrinnenden Schweiss wohl direkt in die Kopfhörer leiten.

Das Resultat sind offenbar Kurzschlüsse und Korrosion in der Elektronik, die laut unzähligen Kundenberichten früher oder später streikt. Manchmal sind es einzelne Funktionen, in andern Fällen bleibt das Bluetooth-Headset einfach plötzlich stumm.

Ich habe meine Zweifel, dass sorgfältiges Abwischen nach schweisstreibendem Sport dagegen wirklich hilft. Schliesslich tropfe ich nicht erst dann, wenn ich meinen Trainingslauf beendet habe.

Wer wenig schwitzt oder das Bluetooth-Headset selten oder gar nicht beim Sport einsetzen will, ist mit dem Backbeat 906 (Affiliate-Link) von Plantronics, speziell der Ausführung mit dem zusätzlichen Bluetooth-Sender, meiner Ansicht nach gut bedient. Nichts sagen kann ich über die Batterielebensdauer, schätze aber, dass ein Einsatz über einen Tag hinweg kein Problem sein dürfte. Schade ist, dass das migelieferte Netzteil nur einen USB-Stecker und nicht ein Y-Kabel für das gleichzeitige Aufladen von Headet und Bluetooth-Sender aufweist. Ein solches ist aber als Zubehör erhältlich.

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