Asus EEE Tastatur und Maus im Test (2/2):
Erstaunlich aufmerksam

Die Funktastatur des Asus Eee-Programms ist eine kleine Desktop-Tastatur in Chiclet-Bauweise, die sich erstaunlich agil benimmt und dank kleiner Wege für Blindtipper wie Adler-Schreiber einen Tempogewinn bringen dürfte.

Chiclet-Tastaturen sind für den Desktop noch praktisch ncht zu finden, aber wer einmal eins der neuen Note- und Netbooks mit der Niedrighub-Tastatur und physisch getrennten Tasten bedient hat, wird das System entweder lieben oder hassen.

Ich gehöre als zirka 7,5-Finger-Tipper zu den Liebhabern des Systems, und das Eee-Funk-Keyboard-Set inklusive Maus hat mich sofort überzeugt. Die Installation und der Betrieb sind, wie der erste Teil dieses Tests zeigt, echtes Plug-and-Play. Jetzt wollen wir den Alltag eines Vielschreibers mit Adler-System unter die Lupe nehmen:

Sprechen wir zuerst kurz über die Maus:

Schnelle kleine Funkmaus

Wer kleine Zeigegeräte nicht mag, die locker in die Handfläche passen, wird mit dem Eee-Keyboardset nicht glücklich werden – es sei denn, er lässt die Maus einfach weg.

Die Maus bietet gerade genug Widerstand, dass man sie gut spürt, lässt aber eine flache Handhaltung zu. Das Scrollrad hat ein ausreichend festes Raster, so dass man nicht ständig aus Versehen in den Webseiten herumrollt.

Was ich bisher an Funkmäusen nicht mochte, war die erkennbare Verzögerung beim Ansprechverhalten. Davon ist an der Eee-Maus (und wahrscheinlich bei allen neuen Funkmäusen) nichts mehr zu spüren.

Hingegen bleibt die Maus bei voll belastetem Prozessor schon mal ein paar Sekunden “kleben”, eine Erscheinung, die bei USB- und PS2-Mäusen nicht auftritt.

Tastatur mit scharfen Kanten

Die Tastatur hingegen ist fast durchwegs eine positive Erfahrung. Mir hat natürlich besonders gefallen, dass sie in Grösse und Layout mit derjenigen des Notebooks komplett identisch ist (die amerikanische Typenbeschriftung ist ein anderes Thema, auf das ich gleich zurückkomme).

Hardwaremässig unterscheidet sich das Keyboard allerdings doch leicht von dem im Notebook. Erstens haben die Tasten – was angesichts der deutschen Bezeichnung “Kaugummi-Tastatur”, die Asus als Übersetzung für Chiclet gewählt hat, nicht zu erwarten – einen minimal besser spürbaren Druckpunkt als die integrierte Tastatur. Das mag erstaunen, aber es ist grade bei dem niedrigen Hub der Tasten angenehm, wenn man spüren kann, ob die leichte Berührung der Taste einen Tastendruck ausgelöst hat oder nicht.

Der zweite Unterschied ist ebenfalls verhältnismässig gering. Die Tasten sind in einem Hartplastik-Gehäuse eingebettet, welches das inzwischen typische Klavierlack-Design von Asus-Peripherie aufweist. Anders als die Aluplatte (oder das, was ich für Alu halte), aus der die Tasten im Notebook (Asus UL30A) vorstehen, sind die Kanten der Aussparungen dieser Plastik-Behausung verhältnismässig scharf.

Wenn man nun besonders schnell tippt und dazu die Finger horizontal verschieben muss – namentlich Adler-Tipper wie ich tun das wohl, für Zehnfingerschreiber ist das weniger ein Thema – bleibt man bisweilen ganz leicht an der Kante der noch niedergedrückten Taste hängen. Kein grosses Problem, aber ein merkbarer Unterschied im Vergleich zur integrierten Notebook-Chiclet-Tastatur.

Hallo Keyboard, aufwachen!

Das Ansprechverhalten der Tasten ist sehr gut. Der Unterschied zu den alten Langhub-Tastaturen mit den Hartplastik-Kappen, die eine konische Form und eine verhältnismässig kleine “Treffer-Oberfläche haben, ist enorm: Die Genauigkeit, mit der ich eine Taste treffen muss ist viel geringer. Auch wenn ich die Taste nur an der äussersten Ecke erwische, wird der Druck angenommen, ein Verkannten gibt es nicht. Der verhältnismässig grosse Abstand zur nächsten Taste hilft zusätzlich, Vertipper zu vermeiden.

Eine Verzögerung ist nicht erkennbar. Leicht irritierend ist allenfalls anfänglich, dass die Tastaur nach einer längeren Eingabepause – mir scheint, es müssen schon fünf Minuten oder so sein – in einen Standbymodus schaltet und den ersten Tastendruck dann zum Aufwachen nutzt, ohne ihn zu übermitteln.

Ausserdem ist die Leerschlagtaste offenbar nicht auf der ganzen Länge gleich gut mit Kontakten versehen, so dass sie als einzige leichte Schrägdrucke weniger verzeiht und gelegentlich einLeerzeichenaufderStrecke bleibt. Auch das dürfte ein Problem sein, mit dem sich Zehnfinger-Tipper weniger herumschlagen müssen.

Ziffernblöcke sind für Sissys

Was gegen die Tastatur spricht, ist natürlich der Umstand, dass sie keinen Zahlenblock aufweist – und dass es sie vorerst erst in den USA mit US-Layout zu geben scheint.

Wer Viele Zahlen eingibt, wird auf den Zahlenblock nicht verzichten wollen und ist, wenn er ein Chiclet-ähnliches Verhalten, aber eine Volltastatur haben will, mit dem Logitech-Illuminated Keyboard (Affiliate-Link) wohl besser bedient.

Das kostet allerdings ein gutes Stück mehr als die Eee-Tastatur. Für mich ist der Zahlenblock ausserdem nur sehr selten von Bedeutung, er kam bisher vor allem für die Eingabe von Sonderzeichen via Ascii-Codes zum Einsatz.

Layout-Probleme mit Klebern bekämpfen…

Und damit sind wir beim amerikanischen Keyboard-Layout, das nicht nur bei diesem Eee-Keyboard, sondern bei allen amerikanischen Einkäufen für Europäer zum Problem werden kann.

Denn nicht nur sind die Tasten, namentlich die Sonderzeichen, anders beschriftet als auf der deutschen oder der schweizerischen Tastatur – was sich übrigens mit Klebern eines der US-Anbieter wie Datacal, dessen transparente Sticker ich auf dem Notebook-Keyboard aufgebracht habe, für wenige Euro beheben lässt (Geheimtipp für alle, die bisher vor dem Kauf eines Notebooks in den USA wegen der Tastenbeschriftung zurückgescreckt sind).

..und fehlende Tasten mit Makros

Damit ist aber leider der Umstand noch nicht behoben, dass die verschiedenen Layouts auch in verschiedener Anzahl Tasten kommen. Namentlich die linke Shift-taste ist je nach Layout grösser oder kleiner und macht Platz für eine Sonderzeichentaste, und die Enter-Taste ist entweder ein grosses gespiegeltes L oder nur ein Streifen und bietet auch dort Platz für eine weitere Taste.

Im konkreten Fall hat meine Eee-Tastatur, auch wenn ich sie im System auf Schweizerdeutsch einstelle, ganz einfach keine Taste für die Spitzklammern < und > – und wer mit HTML zu tun hat, braucht diese beiden Zeichen häufig.

Ich verwende ausserdem gerne das Copyright-Zeichen ©, das sich allerdings nur via Asci-Code (Alt+0169 auf dem Zahlenblock) eingeben lässt – was bei einer zahlenblockfreien Tastatur zwar durch Umschalten auf Numlock geht, aber extrem mühsam ist.

Die Lösung, die ich schliesslich gefunden habe und die mir inzwischen für zahlreiche andere Tasks sehr zugute kommt, heisst AutoHotkey. Das ist ein extrem möchtiges Makro-System für Windows, das zugelich sehr einfach zu erlernen und zu bedienen ist: Damit habe ich ein Makro geschrieben, das auf verschiedene Tastenkombinationen die Sonderzeichen ausgibt, die ich haben will (und einen Haufen andere Dinge automatisiert). AutoHotkey ist kostenlos und zugeich Gold wert – man kann damit Mausaktionen, Tastendrucke, Textkürzel und sogar Aufgaben mit Dialogabfragen schreiben oder bequem “aufnehmen”. Dabei ist das System einfacher zu verstehen als Microsofts Makro-Sprache aus dem Office-Paket.

Damit ist meine kleine Eee-Tastatur plötzlich zu einem mächtigen Eingabegerät gewachsen, das fast täglich weitere Funktionen hinzugewinnt.

Fazit: Kleine Ursache, grosser Tempogewinn

Insgesamt ist das Eee-Funktastatur-Set für rund 50 Dollar eine sehr erfreuliche Anschaffung. Ich bin eindeutig dank der Chiclet-Tastatur schneller beim Schreiben und ermüde weniger, weil die Wege auf der Tastatur kürzer geworden sind. Ich hätte es schon vorher mit vielen Zehnfinger-Tippern mit meinem wilden 7,5-Finger-Adler-System aufnehmen können, aber jetzt bin ich eindeutig so schnell wie die meisten meiner Kollegen (ohne allerdings blind tippen zu können).

Die Tastatur und Maus sehen gut aus und nehemn sehr wenig Platz auf dem Schreibtisch ein; dass sie sich durch blosses Umstecken des Dongle an jeden (Windows-) Rechner anstöpseln lassen, war eine positive Überraschung. Die Tastatur und Maus sind sofort nach Einschalten des Rechners verfügbar, was bei reinen Bluetooth-Geräten meines Wissens nicht der Fall ist. Ausserdem kann die Funk-Tastatur auch zum Sofa-Surfen und in Windows Mediacenter genutzt werden.

Ich wundere mich ein wenig, dass nicht schon mehr von den Chiclet-Tastaturen für Desktops und keine Volltastaturen verfügbar sind. Mag sein, dass sich der lange Hub der hohen Plastikkappen-Tastaturen bisher rechtfertigte, weil viele Menschen noch von elektrischen Schreibmaschinen herkamen und heftige Tastendrucke gewohnt waren. Die Chiclet-Tastatur ist wohl auch weniger zur Verkürzung der Tastenwege als vielmehr für eine kompaktere Bauweise in Notebooks entwickelt worden.

Meiner Meinung nach (und offensichtlich auch derjenigen von Apple, die solche Trends jeweils kompromisslos umsetzt) ist das Chiclet-System aber ein Gewinn auch am Desktop.

Leider ist das Asus Eee-Keyboard-Kit derzeit offenbar im deutschsprachigen Raum noch nicht verfügbar.

Wir melden es, sobald sich das ändert.

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12 Kommentare

  1. Hugii
    schrieb am 4. Juni 2010 um 09:04 Uhr (#)

    Scheinbar bringts die Tastatur tatsächlich: vom 6,5 Finger-Adlersystem in Teil 1 hat sich der Redaktor innerhalb 1 Monates auf das 7,5 Finger-Adlersystem hochgearbeitet. Mit einem einfachen Dreisatz wäre nun zu bestimmen, wass das 10-Finger-Adlersystem zur Anwendung gelangt – wobei dies erst ohne Adler Sinn machen würde. ;-)

    BTT: Die kleine Apple-Tastatur durfte ich auch schon testen. Ist nett, leider stimmt das Layout in keiner Art und Weise mit dem des iPads überein. Mal auf ASUS warten…

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 4. Juni 2010 um 09:29 Uhr (#)

      Mal einer mehr, dann einer weniger: Das ist es doch, was Adlertipper interessanter macht als all die abgerichteten Blindschreiber. Ihre Tippfertigkeiten hängen natürlich auch von der Tagesform und dem Koffeinstand ab.

    2. wowow
      schrieb am 4. Juni 2010 um 20:32 Uhr (#)

      Koffeeinstand…Tippfehler…. 8`)

    3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 6. Juni 2010 um 04:16 Uhr (#)

      Für einmal kein Tippfehler.

    4. wowow
      schrieb am 6. Juni 2010 um 19:07 Uhr (#)

      Danke Peter für die Korrektur meiner (blöden) Korrektur! Und danke für diesen schönen Link, kannte ich noch nicht!! 8`)

    5. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 7. Juni 2010 um 21:43 Uhr (#)

      Gell wowow, der Link ist sagenhaft nützlich? Ich brauch ihn oft für Aardvark, wenn mal wieder jemand fragt “Was ist die Fläche der USA” oder so…

  2. Hugii
    schrieb am 7. Juni 2010 um 10:08 Uhr (#)

    Na, heissts nun “Koffeeinstand” oder Koffeinstand”? Oder war gar Koffeinstant” gemeint?

    BTT: Bis wann sollte denn die ASUS-Tastatur lieferbar sein?

    1. wowow
      schrieb am 7. Juni 2010 um 20:21 Uhr (#)

      Peter hatte recht: Koffeinstand

  3. Ivey
    schrieb am 9. Juni 2010 um 12:36 Uhr (#)

    Was ist an der Eingabe eines ASCII-Codes mit einer Nummerblock-freien Tastatur schwieriger? Ob man nun mit der linken Hand Fn und ALT gedrückt hält und mit der rechten 0XXX eingibt oder mit der linken Hand dabei nur ALT gedrückt hält, ist vom Aufwand doch identisch bzw. in Zeitunterschieden kaum zu erfassen…

    Funkmäuse ohne jegliche Ansprechverzögerung sind auch seit Ewigkeiten erhältlich, das älteste hier noch rumstehende Modell ist eine Logitech Funkmaus von 1998 (!), noch nichtmal optisch, die tadellos sofort reagiert. Auch die Nachfolgemodelle sind immer sofort bei der Sache, lediglich manche Hersteller und oder Produktreihen haben (erst in neuerer Zeit) unsägliche Stromsparmechanismen integriert, die sowohl Maus als auch Tastatur in einen sleep-Modus versetzen um aus 2-3 Monaten 4-5 Monate Akkulaufzeit zu machen. Zwar wird das offenbar bei den neuesten Modellen verbessert, aber auf der sicheren Seite ist man immer noch mit einer “schlafosen” Maus/Tastatur.

  4. phelan
    schrieb am 14. Juli 2010 um 16:44 Uhr (#)

    Gibt es denn auch eine Modellnummer zu Tastatur und Maus?

    Über die Einführung in Deutschland währe ich auch sehr dankbar … damit mein Schreibtisch mal wieder was schönes stylisches bekommt.

  5. Maria
    schrieb am 9. Februar 2011 um 16:06 Uhr (#)

    Finde ich eine klasse Idee.

  6. Tilo
    schrieb am 24. November 2011 um 19:40 Uhr (#)

    Aber bezüglich der Linux z.b. Ubuntu Kompatibilität hat noch keiner was gesagt??
    Ich will die Tastatur mit Ubuntu 11.4 einsetzen. Spannend ist der dongle. Bluetooth Dongles werden in der Regel sofort erkannt.

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