Multitouch-Tablets:
Fingerfarbenmalen

Das iPad kommt langsam, aber gewaltig, und es ist nicht allein: eine ganze Welle von Tablets rollt über uns herein und beschert uns Geräte, von denen wir bisher noch nicht einmal wussten, dass wir sie brauchen – und die eigentlich nicht zu gebrauchen sind – jedenfalls nicht zum ernsthaften Arbeiten. Ein Kommentar zu den aktuellen Tablet-Computern.


Irgend ein Witzbold hat einmal gesagt: Computer lösen Probleme, die wir ohne sie nicht hätten.

Und so scheinen auch die Tablets wie das iPad ihre eigenen Aufgaben selbst mitzubringen. Denn ich halte sie in der derzeit angebotenen Form für kein ernstzunehmendes Arbeitsgerät – ganz im Gegensatz zur ersten Generation der Tablet-PCs, die noch einen Stift brauchten, um anständig zu funktionieren.

Die neuesten Tablet-PCs agieren auf Fingerbefehl und verstehen mehrere Berührungen gleichzeitig – “Multitouch” heißt das und erlaubt es, das Gerät frei im Raum schwebend sich drehen zu lassen. Naja, zumindest die Ergebnisse. Auf der Strecke bleibt dabei die Produktivität. Weshalb wir das iPad hier auch in der Kategorie “Heimelektronik” und nicht mehr unter “Computer” führen.

Für das Lesen von Zeitungen und Büchern ist die Bedienung “mitti Fingers”, wie der Ruhrpottler sagen würde, praktisch und entspricht in etwa den eigenen Benutzergewohnheiten (wobei selbst das Diskussionstoff für lange Sommerabende vor dem Kamin gibt): man schiebt den Inhalt von oben nach unten, blättert hin und her, und holt sich heran, was nicht zu erkennen ist.

Soweit so gut. Sobald jedoch eigene Inhalte in die Intelligenzplatten hinein sollen, wird es schwierig. Die virtuelle Tastatur erlaubt das zügige Tippen mehr schlecht als recht. Die Texterkennung von Geschriebenem wurde der Multitouch-Fähigkeit geopfert, ja selbst handgeschriebene Notizen, mit den Stift-Tablets noch möglich, lassen sich nur mühsam einzugeben.

Alles, was dabei auf den Multitouch-Tablets herum kommt, ist ein mühsames Gekritzel – es sei denn, man war als Kind ein Meister im Fingerfarbenmalen. Mit den Ersatzstiften kann man auch nicht wirklich gut schreiben. Insgesamt sind die Tablets für ernsthafte Schreibübungen außerdem zu lahm. Klar: ich kann eine Tastatur anschließen, dann fehlt mir jedoch immer noch die Maus, und ich muss immer hoch und runter mit der Hand um den Cursor zu platzieren, denn die Maus wurde ja auch geopfert. Das ist unter dem Strich so umständlich, dass kaum jemand die modernen Tablets zum Schreiben benutzen wird, wage ich einfach mal zu prophezeien.

Genau wie die akustische Bedienung. Das wäre durchaus eine Alternative. Da das iPad das Betriebssystem von seinen kleinen Brüdern geerbt hat, sollte es auch das können.

Doch obwohl die Spracherkennung schon seit mehr als zehn Jahren marktreif ist und auf den (englischsprachigen) Android-Geräten der neusten Generation nachweislich hervorragend funktioniert, trauen sich wohl die wenigsten auf der freien Wildbahn, ihr Tablet anzubellen oder ihm gar Content einzuflößen. Das geht ja auch gar nicht: ist schon der normale Aufenthalt im Zug mit einander per Telefon peinliche Teile der Lebensgeschichte diktierenden Reisenden eine Zumutung, möchte ich gar nicht wissen, wie es wäre, würde man dort aktuelle Geschäftsberichte per Sprache eingeben wollen.

Ein Toaster kann nicht backen

Somit bleiben das iPad und seine Mitbewerber irgendwo auf dem halben Weg zwischen überzüchtetem Mediaplayer und ernsthaftem Arbeitsgerät stecken, und jeder, der sich eins gekauft hat, wird irgendwann dann doch noch ein Netbook dazu nehmen oder ein anderes Gerät, mit dem man tatsächlich etwas schaffen kann.

Oder zum reinen Konsumenten bunter Bilder verkommen.

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15 Kommentare

  1. paul
    schrieb am 28. Mai 2010 um 09:00 Uhr (#)

    Wieviel Prozent seiner Zeit vor dem Computer verbringt der durchschnittliche User mit tatsächlicher produktiver Tätigkeit ?
    Für diejenigen die auch gerne mal “unproduktiv” durchs Netz surfen, Ihre Mails abrufen und den Verwandten & Freunden mal ein paar Bilder zeigen wollen ist so ein iPad doch genau das was gebraucht wird. Wenn ich meine Mutter, Tanten und Onkels am Rechner sehe dann läuft da nur Internet, Mail und Solitär. Da werden keine Videos geschnitten, da werden keine Abhandlungen verfasst, da wird vielleicht mal ein Foto von Hochformat aufs Querformat gedreht, aber das war es schon.

    Also, warum soll das iPad diese Zielgruppe nicht genau da abholen wo sie steht ? Ich denke genau das macht das iPad. Und genau das macht es soooo schwer für die Nerds & Geeks und “Computerexperten” dieser Welt. Es gibt da ein nagelneues Gadget und für dieses neue Gadget muss man plötzlich kein Experte mehr sein, nein Lieschen Müller kann es sofort und intuitiv bedienen, vollkommen ohne Hilfe und Lehrstunden durch den schlauen Enkel.

    Eure Einordnung des iPad unter die Rubrik Heimelektronik ist genau richtig, denn dort sind jetzt endlich die PC und apples dieser Welt angekommen: ganz normale Produkte für den Konsumenten. Ganz normale Produkte die man kauft, einschaltet und nutzt.

    1. Bastian Nutzinger
      schrieb am 28. Mai 2010 um 09:13 Uhr (#)

      Ganz meine Meinung.
      Offenbar scheint es den Profis nicht zu gefallen, dass sie jetzt nicht mehr die einzigen sind, die diese vermaledeiten Geräte bedienen können und das kratzt an ihrem Ego.

  2. Bastian Nutzinger
    schrieb am 28. Mai 2010 um 09:11 Uhr (#)

    Oha, ist da etwa jemand mit dem falschen Fuß aufgestanden?
    Also ich hatte bereits das vergnügen eine Zeit lang mit dem iPad zu arbeiten und muss sagen, für meine Bedürfnisse ist es vollständig ausreichend.
    Ob man damit “ernsthaft” arbeiten kann liegt, wen wundert es, daran welche Aufgaben man damit zu erledigen gedenkt.
    Würde ich darauf einen Blogartikel oder gar einen Roman schreiben wollen? sicher nicht.
    Würde ich darauf Entwickeln wollen und Code produzieren? Ganz bestimmt auch nicht.
    Beides brauche ich persönlich jedoch auch nicht. Bei meiner Arbeit geht es um das beantworten von E-Mails, das planen von Terminen, die ein oder andere Recherche im Internet, mal eine kleine Präsentation vorbereiten oder in einem Meeting ein paar Stichworte notieren. Auch das Anfertigen von Graphen und Mindmaps kommt hin und wieder vor und das alles hat wunderbar in meinem Test geklappt.
    Für mich persönlich ist “ernsthaftes” Arbeiten auf dem Gerät durchaus möglich. Das muss aber am Ende jeder selbst bewerten und hängt stark davon ab, welche Aufgaben er zu erledigen hat

  3. Thomas
    schrieb am 28. Mai 2010 um 09:48 Uhr (#)

    Produktivität sollte man selbst erst einmal definieren. Besteht Produktivität nur im Schreiben mehrseitiger Geschäftsberichte oder ist schon die Internet-Recherche, das Studium von Fachliteratur, das Lesen der aktuellen Berichte von den Finanzmärkten, die Abarbeitung der E-Mail-Korrespondenz, die Verwaltung der eigenen Termine oder einfache Vorarbeiten zur grafischen Gestaltung der nächsten Werbekampagne oder Website “Produktivität”.

    Und hängt nicht immer auch das, was man mit einem Computer machen kann, zu großen Teilen an seiner Software, also nicht nur dem Betriebssystem, sondern den nachinstallierbaren Programmen? Wer will da gleich die Kreativen in der Software-Entwicklung ignorieren und nicht darauf setzen, dass neue Hardware mit veränderten Möglichkeiten auch neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion hervorbringen. Als Apple die Eintasten-Maus einführte, zweifelte man als Kommandozeilen-geplagter CP/M-Nutzer wohl auch an der Nutzbarkeit dieser primitiven und deutlich unbrauchbaren Eingabetechnik.

    Eine derart absolute Absage scheint mir wenig durchdacht und sollte womöglich schon bald die Expertise des Autors in Frage stellen können.

  4. Martin
    schrieb am 28. Mai 2010 um 12:25 Uhr (#)

    Ich stimme Euch zu was Tablet Geräte angeht.
    Aber das ist hier neuerdings so üblich das erstmal gemeckert wird. Vor allem in Richtung Apple… schade
    Kritik ist wichtig und gut, aber nur wenn sie von allen Seiten ansetzt!

  5. jb
    schrieb am 28. Mai 2010 um 17:24 Uhr (#)

    Alle die sich jetzt über das iPad beklagen haben nicht das, was Steve Jobs, und schliesslich auch Apple, gross gemacht hat!

    Man kann das durchaus in drei Worte fassen: den richtigen Riecher

  6. m0
    schrieb am 28. Mai 2010 um 20:03 Uhr (#)

    Ich würde mir das iPad in 100 Jahren nicht kaufen da ich ganz einfach nicht wüsste was ich damit machen soll.
    Dinge wie im Internet surfen, Mails beantworten usw. kann ich unterwegs mit meinem Handy machen.
    Was mich wirklich stört ist der Preis wie so oft bei Apple. Es gibt viele Geräte die die Aufgaben die oben genannt werden leicht ausführen können und nicht so viel kosten.
    Denn wenn man ehrlich ist stellt das iPad wirklich nichts besonderes dar. Es ist nichts neues…aber es hat einen Apfel drauf.
    Ich gebe ja zu dass es spaß macht damit zu spielen aber der Preis ist mir einfach zu hoch wenn ich die Alternachtiven betrachte.
    Es kommt mir einfach so vor als für die Käufer verzweifelt Gründe suchen damit sie den Kauf von einem iPad “rechtfertigen” können.
    In den Kommentaren vor mir gab es nicht einen Grund der nur für ein iPad gesprochen hätte. Ein gewöhnliches Netbook wäre für die Dinge die genannt wurden auch brauchbar.
    Wer aber unbedingt ein Pad haben möchte…Wie wäre es dann mit dem WeTab?
    Man bekommt einfach bei Apple recht wenig für sein Geld. Wem der Apfel auf seinem Gerät das Geld wärt ist. Dem sei es gegönnt.

    mFg m.F.

  7. MadMike
    schrieb am 28. Mai 2010 um 20:21 Uhr (#)

    Den richtigen Riecher hat Steve Jobs in der Tat. Wartet mal ab – das iPad 3.0 wird (fast) all das haben, was man heute noch vermisst. Dann werden die Apple-Fans ihr drittes Pad kaufen müssen, wenn sie up to date sein wollen.
    Eines muss man Jobs lassen: Sein gewinnorientiertes Marketing ist tadellos. Schade, dass es den Verbraucher so viel kostet. Aber was tut man nicht alles für den Lifestyle?

  8. Flubber
    schrieb am 28. Mai 2010 um 21:23 Uhr (#)

    Ich wollte mir eigentlich dieses Gerät als Konsument im Wohnzimmer nutzen oder irgendwo anders im Haus. Gerade heute habe ich mir einen neuen Film gekauft, in dem auch eine Karte beilag, um eine digitale Copie legal(!) zu erwerben. Allerdings sind diese Copies Kopiertgeschützt und können von iTunes nicht erkannt werden, ergo dürfte man sich jetzt den legal erworbenen Film ein zweites mal , im iTunes Store kaufen…Sehr traurig das ganze. Wer an diesem Problem schuld ist weiß ich nicht, jedoch ist es für mich als Konsument sehr unangehem.
    Zusätzlich habe ich mal just for fun mal Flash für eine Woche vom PC deinstalliert; es wurde einigemaßen unerträglich damit zu arbeiten, bessergesagt zu recherchieren, was ja eigentlich auchnoch unter Konsum fällt.
    Mittlerweile weiß ich tatsächlich nichtmehr, ob dieses Produkt nach anfänglicher Begeisterung dann doch verstaubt…

  9. finestfun
    schrieb am 28. Mai 2010 um 22:36 Uhr (#)

    Die Dinger sind auch weniger zum “ernsthaften Arbeiten” gedacht, da die Zielgruppe doch eher eine andere ist.
    Kann mir auch nicht vorstellen wie das ganze gehen sollte aber schon allein optisch wäre es sicherlich ein ganz amüsantes Bild.
    Lassen wir uns überraschen.

    1. Thomas
      schrieb am 29. Mai 2010 um 00:30 Uhr (#)

      Leute, definiert doch mal “ernsthaftes Arbeiten” und “Produktivität”. Ich kann hier auf dem iPad ohne weiteres und recht sicher dank Schrägstellung durch das Case locker mit 3-4 Fingern tippen und erreiche so Spitzen von bis zu 10 Anschlägen pro Sekunde – mehr schaffe ich auf einem Notebook auch nur mit Fehlern. Und auch wenn ich selbst seit zwanzig Jahren Software entwickle, kann ich dennoch akzeptieren, dass andere Menschen in Ihrem Beruf IT für andere, dem einen oder anderen eher banal anmutende Tätigkeiten einsetzen, die darum nicht an Professionalität leiden. Keiner muss sich ein iPad kaufen und darf sich ob seiner Investition in ein Netbook freuen …

      BTW: Pages auf dem iPad nicht sonderlich produktiv zu nennen erscheint mir ebenfalls fragwürdig. Und den Mangel einer Maus zu beklagen zeugt davon, dass man noch nicht realisiert hat, dass der Griff zur Maus zum Zeigen auf etwas, dass woanders – auf dem Screen – ist, um einige Schritte umständlicher ist, als mit dem Finger einfach auf das zu zeigen, was man eigentlich meint, der zeigt wenig Kenntnis von allgemeinen Richtlinien zum UI-Design.

  10. Jogi
    schrieb am 29. Mai 2010 um 10:34 Uhr (#)

    Hahaha, wie sich alle hier aufregen :)

    Naja, das erste iPad ist wie das erste iPhone, ganz nett, aber noch nicht der Burner, aber es “geht” weil wie bei einer schon bekannten Band der Name “zieht”. Das ist ok so und legitim. Schliesslich ist das iPad kein mieser Song, sondern ein solider Song.

    Aber eins ist sicher… genauso wie das 2. iPhone (Verkaufs – Hit!), wird die 2. Version des iPads viele Neuerungen haben die es ebenfalls zum Verkaufs – Hit! machen werden, weil Apple in all seinen 1. Produktversionen “immer” etwas wegläßt, damit sie jedes Jahr dem Kunden etwas Neues bieten und so immer steigenden Umsatz machen können.

    In diesem Sinne… happy buying!

    Ps.: Achso, ich warte auf die 2. Version… oder 3. Version… oder ich kaufe mir ein schickes Android-Tablet… da kann ich wenigstens drauf programmieren (und in den Shop stellen) was ich will ;-)

  11. jb
    schrieb am 30. Mai 2010 um 16:04 Uhr (#)

    Mit “dem richtigen Riecher” meine ich, dass Apple neue Konzepte bringt (Stichwort Multitouch) und auch den Mut hat, Altes abzuschneiden (Stichwort Flash).

    Die iPods sind, rein technisch gesehen, den Sony-Playern deutlich überlegen gewesen. Aber Apple hatte den Mut ein neues Bedienkonzept zu erarbeiten.

    Das iPhone war, rein technisch, den damaligen Smartphones ebenbürtig, von den Funktionen sogar unterlegen.

    Jetzt zum iPad. Wer es liebt mit dem iPhone/iPod und multitouch zu surfen, der wird dies auch mit dem iPad lieben. “Aber wieso denn auch zuhause? Ich habe doch dort einen Computer!” – Es gibt unzählige Seiten die ich viel lieber mit dem iPad sehen würde, angefangen mit einer Online-Zeitung, Map24 oder Google StreetView, Podcasts, etc…

  12. Florian Rachor
    schrieb am 7. Juni 2010 um 22:12 Uhr (#)

    Schreibt was Ihr wollt. 2Mio. verkaufte Stück, alle 3 Sek. eines. Ob einem das gefällt oder nicht, aber das iPad ist ein Blockbuster im klassichen Sinne des Wortes.

  13. m0
    schrieb am 8. Juni 2010 um 19:08 Uhr (#)

    Blockbuster = Gut???

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