Livescribe Pulse Smartpen im Test (2/2):
Arbeiten und Zaubern

Der clevere Kugelschreiber von Livescribe zeigte im ersten Teil des Tests, wie er als autonome Lösung Notizen und Sprache verknüpft. Im 2. Teil demonstriert er die Zusammenarbeit mit PC, Mac, Web – und noch einige Zaubertricks.

Der Smartpen digitalisiert alles Geschriebene in spezielle Notizhefte und zeichnet das dabei Gesprochene digital auf. Schliesst man ihn mit der mitgelieferten USB-Dockingstation an den PC an, werden alle Daten in das mitgeliefert Programm “Livescribe Desktop” (Win/Mac) übertragen. Dieses verwaltet sämtliche Daten in Notizbüchern, die 1:1 die Papierwelt abbilden. Ein digitales Notizbuch lässt sich öffnen und wie eine gescannte Version am Bildschirm betrachten. Textpassagen, die mit einer Aufzeichnung verknüpft sind, erscheinen blau. Klickt man sie mit der Maus an, hört man das Gesprochene aus dem PC-Lautsprecher.

Pen und PC synchronisieren sich perfekt und vollautomatisch. Auch wenn man mehrere echte Notizhefte hat, werden neue Seiten automatisch in der richtigen digitalen Kopie eingefügt. Man darf sogar nachträglich an einer Papierseite Ergänzungen vornehmen. Nach der nächsten Synchronisation bilden die Kopien auf dem PC wieder genau die Papiervorlage ab.

Suche mit Handschrifterkennung
Besonders beeindruckend ist, dass die PC-Software automatisch eine Handschrifterkennung in den Notizbüchern durchführt. Alle so gefundenen Wörter werden in einen Index aufgenommen und sämtliche Notizbücher lassen sich so automatisch nach einem bestimmten Begriff durchforsten.

In meinem Test hat das trotz eher krakeliger Handschrift auch mit dem Begriff “neuerdings” geklappt. Sobald dieser oben links ins Suchfenster eingetippt wird, erscheinen treffende Notizen in denen der Suchbegriff auch gleich orange markiert wird.

Leider lassen sich die Notizen nicht über die Tastatur mit Indexeinträgen ergänzen. Man kann also eine bestimmte Seite nicht mit “Sitzungsprotokoll 22.1.” bezeichnen oder gar mit Tags einer Kategorie “Sitzungen” zuordnen. Solche Erweiterungen würden die Verwaltung grössere Notizenarchive vereinfachen.

Die Notizbuchseiten lassen sich einfach verwalten, zu einem neuen Buch zusammenkopieren, in unterschiedlichste Formate exportieren und natürlich drucken. Auch die Audioaufzeichnungen lassen sich organisieren und konvertieren.

Wenig überzeugt hat im Test die Zusatzsoftware MyScript, die als AddOn gekauft werden kann. Sie bringt eine zusätzliche Handschrifterkennung, wodurch sich Notizseiten dann beispielsweise als Word-Datei speichern lassen. Die Erkennungsgenauigkeit ist allerdings dürftig und die Integration in Livescribe Desktop mässig. Leider hinterlegt MyScript die erkannten Textinformationen nämlich nicht direkt in den Notizbüchern von Livescribe.

Einfach im Web publizieren
Simpel ist es auch, seine Notizen im Internet zu publizieren. Dazu stellt LiveScribe nach Registrierung kostenlos 500 Megabyte Platz zur Verfügung. Der Upload ins Internet geht einfach: Man markiert eine ohne mehrere Seiten und wählt “Upload”. Der Rest geschieht automatisch im Hintergrund.

Beim Transfer ins Internet kann man wählen, ob die Audioinformationen ebenfalls übertragen werden sollen. Standardmässig sind die Dokumente im Web privat, nur deren Besitzer kann sie nach Passwortanmeldung im Internet sehen. Sie lassen sich aber für die ganze Öffentlichkeit oder eine bestimmte Benutzerliste freischalten. Betrachter von nicht öffentlichen Dokumenten müssen ein kostenloses Konto bei Livescribe eröffnen.

Dank einer Flash-Applikation kann man einzelne Notizbuchseiten bildschirmfüllend lesen und mit Audio hinterlegte Passagen anklicken und anhören. Ferner lassen sich Notizbuchseiten einfach per PDF herunterladen, bei Facebook einstellen oder in beliebige Webseiten einlinken.

Livescribe hat also mit dem Smartpen eine Lösung für drei Plattformen geschaffen. Als autonomer Pen ergänzt er Notizen mit Sprachaufzeichnung. Auf dem PC kommt die Funktion der automatischen Handschrifterkennung dazu, und zu guter Letzt lassen sich mit dem Pen erstellte Audio-Textdokumente auch einfach im Internet publizieren.

Zaubertricks
Letztlich ist der Smartpen auch ein guter Unterhalter für Kneipenrunden und Kinderbesuche. Der Kleincomputer enthält zahlreiche autonome Programme, die einen Nutz- aber meist einen grösseren Unterhaltungswert haben.

Mein persönlicher Favorit ist das Piano. Gestartet wird das Programm, indem man das Wort “Piano” auf das Papier schreibt und dieses doppelt antippt. Danach zeichnet man an einer beliebigen Stelle 9 senkrechte Linien und verbindet diese oben und unter mit einer waagrechten Linie. Fertig ist das Piano. Nun schreibt man noch die Buchstaben R und I auf das Blatt, um Rhythmusbegleitung und Instrument zu bestimmen. Auf dem Piano spielt man, indem man einfach mit der Kugelschreiberspitze die Tasten antippt. Der recht passable Ton kommt aus dem internen Lautsprecher des Smartpen. Das Ganze funktioniert verblüffend gut und sorgt vor allem bei Kindern für grosse Augen.

Witzig ist auch “Calc”, bei dem man Rechenaufgaben auf das Papier schreibt, deren Lösungen dann auf dem Display des Pen erscheinen. Was alles möglich wäre, zeigt die Übersetzer-Demo. Man schreibt dabei beispielsweise das Wort “One” auf das Papier und hört aus dem Mikrofon die arabische Übersetzung. Die Demo funktioniert leider nur mit wenigen Worten. Eine komplettes Wörterbuch haben wir im Store von Livescribe nur für das Sprachpaar Spanisch-Englisch gefunden. Eine Beschreibung aller verfübaren Programme gibt es beim Hersteller als PDF-Datei.

Fazit:

Livescribe hat beim Smartpen fast alles richtig gemacht. Auf der Wunschliste steht höchstens, dass er sich automatisch einschaltet, wenn man zu schreiben beginnt.

Clever wäre es, wenn der Pen auch als reiner OCR-Scanner auf normalem Papier funktionieren würde und man so schnell Web-Adressen, Telefonnummern und dergleichen übernehmen statt abschreiben könnte. Eine bessere Handschrifterkennung mit Lernfunktion wäre natürlich auch wünschenswert.

In der Praxis beweist die Lösung allerdings volle Alltagstauglichkeit. Freunde der Papiernotizbücher können diese dank dem Smartpen behalten und dennoch von moderner Arbeitsweise profitieren. Die Verbrauchsmaterialkosten durch Kauf der Bücher lässt sich verschmerzen. Diese sind übrigens in unzähligen Varianten erhältlich. Livescribe Pulse Smartpen (Affiliate-Link), Bezugsquelle Schweiz.

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2 Kommentare

  1. Elmar Bertschinger
    schrieb am 20. Mai 2010 um 18:39 Uhr (#)

    Ich bin von der ersten Version des Smartpen mit 1 GB gar nicht überzeugt. Ich habe ihn etwa eine Stunde gebraucht, ein Jahr nicht mehr und der Akku reichte mit einer vollen Ladung nur noch eine Stunde.

  2. pumphutt33
    schrieb am 19. Januar 2011 um 14:57 Uhr (#)

    @Elmar Bertschinger,
    das ist schade, aber normal – jedes Gerät, das man so lang nicht benutzt, büßt Funktionalität ein. Mittlerweile wurde der Smartpen gegenüber der Anfangsversion weiterentwickelt. So gibt es dann auch Versionen des Stifts mit 2GB und 4GB Speicher, die technisch auch weiterentwickelt sind. Für Studenten, Schüler, Lehrer, etc gibt es auch Kombipakete (z.B. bei http://www.cotec.de/livescribe-smartpen.html), z.B. mit der My Script Software, gegen Studentenausweis. Mit der My Script Software kann man das Handgeschriebene in digitalen Text umwandeln, den man dann beliebig weiterverarbeiten kann. Also das find ich super und nutze ich auch viel!

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