Eindrücke vom Apple iPad:
Eine neue Geräteklasse

Das iPad von Apple ist eine neue Gadget-Klasse: Ein “Zweihänder” – solide verarbeitet, relativ schwer und doch bequem zu bedienen, mit brilliantem Bildschirm und – unerwartet schnell. Rasend schnell. Die ersten Testeindrücke von Andreas Göldi aus Boston.

Ohne Übertreibung ist das iPad von Apple wohl das am meisten erwartete Gadget seit langem. Seit Jahren ranken sich Gerüchte um Apples Pläne für einen Tabletcomputer. Im Januar kündigte Steve Jobs endlich das real gewordene Produkt an, und seit dem 3. April wird das Gerät in den USA verkauft. In den meisten europäischen Ländern wird es Ende April verfügbar sein.

Nach einem erstaunlich effizienten Kaufprozess – wir hatten unser vorbestelltes iPad nach nur 15 Minuten in den Händen – galt es, erste Eindrücke von diesem wirklich neuartigen Gerät zu sammeln.

Schliesslich passt das iPad in keine bestehende Gadget-Kategorie so richtig rein. Es ist einfacher und funktionell limitierter als ein Tablet-PC unter Windows, aber viel leistungsfähiger als ein Smartphone. Apple versucht also nichts weniger, als eine neue Gerätekategorie für den Konsumentenmarkt zu schaffen.

Erste Eindrücke sind da wichtig, und das iPad enttäuscht nicht. Wie man es von Apple gewohnt ist (und für diesen Preis wohl auch erwarten kann), wirkt die Verarbeitung sehr hochwertig. Der Rücken des Gerätes ist aus solidem Aluminium gefertigt, und der Screen überzeugt sofort durch eine helle, farbkräftige Darstellung. In der Hand fühlt sich das iPad etwas schwerer an als erwartet, aber mit 680g Kampfgewicht kann man es problemlos auch längere Zeit ermüdungsfrei halten – mit zwei Händen freilich.

Die Bedienungselemente sind schnell aufgezählt: Es gibt einen Home- und Lock-Button, einen Lautstärkeregler, einen Schalter, der das automatische Kippen des Bildes beim Bewegen des Geräts verhindern kann, und einen Kopfhöreranschluss. Das war’s auch schon. Die Interaktion mit den iPad findet wie beim iPhone fast ausschliesslich über den Touchscreen statt.

Bei den ersten Schritten mit dem iPad fällt sofort eins auf: Es ist schnell. Richtig, richtig schnell. Ein bisschen kommt dieser Eindruck vielleicht auch vom naheliegenden Vergleich mit dem iPhone. Subjektiv sind manche Dinge auf dem iPad gut und gern zehn Mal schneller, und darum erhält man den Eindruck rasender Geschwindigkeit.

Auch beim Surfen im Web – wohl die Tätigkeit, die den direktesten Vergleich zu einem ausgewachsenen Computer erlaubt – kann das iPad gut mit einem ausgewachsenen PC mithalten. Die sehr komplexe Homepage von spiegel.de lud das iPad komplett in etwa 25 Sekunden, schneller als ein Core-Duo-Macbook Pro mit Safari. Nur unter Google Chrome war der Mac in den meisten Fällen etwas schneller. Als Surfboard braucht das iPad also keinen Vergleich zu scheuen.

Der Screen fühlt sich anfänglich seltsam klebrig an, und der Finger gleitet manchmal nicht so mühelos über das Glas, wie man sich das wünscht. Aber das ist vielleicht auch Gewöhnungssache. Viel störender ist, dass der Screen sehr stark spiegelt — ähnlich wie bei den Macs der neusten Generation. Für ein Gerät, das unter anderem als eBook-Reader dienen soll, ist das nicht gerade praktisch. Vor allem bei hellem Umgebungslicht kann das Lesen auf dem iPad schnell mal etwas anstrengend werden.

Nach dem Auspacken will das iPad erstmal mit iTunes synchronisiert werden, zwecks Verknüpfung mit dem Apple-Account des Users. Den schliesslich soll man auf dem iPad vor allem Content konsumieren, nicht zuletzt natürlich den, der auf iTunes feilgeboten wird. Und dafür muss das iPad erstmal die Kreditkartennummer des Users kennen. Zu kaufen gibt es natürlich reichlich, das ganze iTunes-Angebot kann man direkt auf dem iPad erwerben.

Bei der ersten Synchronisierung kann man auch gleich seine iPhone-Applikationen rüberspielen, denn die laufen auch auf dem iPad. Allerdings sind iPhone-Apps natürlich für eine geringere Auflösung konzipiert und füllen darum nur einen Viertel der Screenfläche aus. Zwar kann man sie auf volle Grösse zoomen, aber dann sieht das ganze sehr pixelig aus. Folgerung: iPhone-Apps wird man auf dem iPad wohl nur als Notnagel verwenden. Aber die Entwicklercommunity sorgt auch schon vor und hat zum Start des iPad bereits 2300 Applikationen publiziert. Die wichtigsten Anwendungsfälle sind also abgedeckt.

Dass viele Entwickler aber keinen Zugang zu echten Testgeräten hatten, sondern nur auf Emulatoren testen konnten, merkt man aber deutlich. Nicht nur sind viele iPad-Apps noch ziemlich unstabil, sie sind auch ganz klar noch nicht so ganz für die Benutzung mit dem Touchscreen optimiert. Es wird wohl noch etwas dauern, bis die Entwickler die besondere Art der Benutzung dieses Geräts ganz im Griff haben.

Das iPad soll nicht nur für den Konsum von Inhalten brauchbar sein, sondern auch für einfachere Arbeiten. Darum ist es natürlich wichtig, ob man auf dem iPad gut tippen kann. Wie das iPhone bietet das iPad eine Bildschirmtastatur, und wie beim iPhone muss man sich die Sonderzeichen mühsam mit einer Umschalttaste holen. Steve Jobs sagte bei der iPad-Vorstellung, dass das Tippen darauf “ein Traum” sei. Das ist, vorsichtig gesagt, grob übertrieben. Immerhin, im Zweifingersystem kommt man auf eine recht gute Schreibgeschwindigkeit, aber blind tippen mit zehn Fingern kann man vergessen. Zum Glück will Apple aber auch bald schon eine externe Tastatur auf den Markt bringen, die da Abhilfe schaffen soll.

Die Batterielebensdauer konnten wir bisher noch nicht vollständig testen, denn in den ersten fünf Stunden der Benutzung kriegten wir die Batterie erst auf etwa 60% runter. Die von Apple versprochenen 10 Stunden Lebensdauer scheinen also durchaus realistisch zu sein.

Insgesamt ist der erste Eindruck vom iPad ein fast durchwegs positiver. Man hat ganz klar das Gefühl, ein gut durchdachtes Produkt in den Händen zu halten. Ohne Übertreibung: Apple zeigt mit dem iPad dem Rest der Branche wieder mal, wie man gute Gadgets baut. Aber auch die eine oder andere Kinderkrankheit wird recht bald offensichtlich. Der Spiegeleffekt des Screens, die teilweise etwas unstabilen Apps und die Tastatur lösen jedenfalls keine Begeisterungsstürme aus.

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15 Kommentare

  1. Ken
    schrieb am 4. April 2010 um 02:19 Uhr (#)

    Also ich freue mich drauf! Hoffentlich erscheint es wirklich Ende April auch hier.

    Zu spiegel.de: Mit welcher Internetverbindung braucht ihr da 25 Sekunden? Ich habe gerade getestet und es sind auf meinem PC gerade so 5 Sekunden. Auf meinem iPhone 3GS sind es 11 Sekunden.

    Ich hoffe ihr sagt mir, es war langsames Internet ;-).

  2. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 4. April 2010 um 02:27 Uhr (#)

    @Ken: Keine Ahnung, die Leitung hier aus den USA hatte vielleicht gerade eine schlechte Phase, oder es war gerade irgendwas auf der Spiegel-Homepage, was das langsam machte. Die Zeit ist auch gemessen, bis die Seite wirklich voll fertig geladen ist, nicht, bis irgendwas sichtbar ist.

    Bottom List aber auch mit anderen getesteten Seiten, dass das iPad annähernd so schnell ist wie ein PC.

  3. PeterG
    schrieb am 4. April 2010 um 09:21 Uhr (#)

    Also wenn das iPad die Spiegelseite schneller als ein CoreDuo MacBook Pro lädt, spricht das nicht für das iPad sondern gegen das MacBook bzw. dessen Browser. Und 25 s sind ja wohl schnarchlangsam, wobei ich nur hoffen kann, dass das nur an einer ebenso schnarchlangsamen Internetverbindung lag. Auf einem uralten Pentium IV braucht Opera ca.3 s vom Aufruf der Seite bis zu kompletten Darstellung, auch mein HTC Touch HD ist mit Opera weit schneller als die für das iPad oben angegebene Zeit. Das als schnell zu empfinden zeugt von etwas verzerrten Wahrnehmung der Realität; fällt wohl eher in die Kategorie “ist toll, weil iPad”… ich glaube allerdings nicht, dass das wirklich so lahm ist.

  4. stefan
    schrieb am 4. April 2010 um 13:38 Uhr (#)

    …hm tolles Gerät, ohne Zweifel. Aber wofür brauch ich dass nochmal? Emails schreiben im Zug… geht mit dem netbook besser. EBooks lesen… mit verspiegelter Oberfläche? Surfen… ohne flash? Telefonieren… das ipad passt leider nicht in meine Hosentasche. Wie dem auch sei, ich bin mir sicher es wird viele Leute geben die sich dennoch so ein Gerät kaufen werden. Es ist schick und einfach eine nette Spielerei, aber wirklich nützlich… muss ja nicht alles sein. Aber eine erfolgreiche neue Geräteklasse sollte schon mehr können.

  5. MacMacken
    schrieb am 4. April 2010 um 14:33 Uhr (#)

    Auch beim Surfen im Web – wohl die Tätigkeit, die den direktesten Vergleich zu einem ausgewachsenen Computer erlaubt – kann das iPad gut mit einem ausgewachsenen PC mithalten. Die sehr komplexe Homepage von spiegel.de lud das iPad komplett in etwa 25 Sekunden, schneller als ein Core-Duo-Macbook Pro mit Safari. Nur unter Google Chrome war der Mac in den meisten Fällen etwas schneller. Als Surfboard braucht das iPad also keinen Vergleich zu scheuen.

    Mit Deinem Core Duo-Mac scheint ein Problem zu bestehen, die SPIEGEL-Website müsste wie schon von anderen erwähnt innert Sekunden geladen sein: http://macmacken.com/wp-c…ri_spiegelde_001.mov

    Die Batterielebensdauer konnten wir bisher noch nicht vollständig testen, denn in den ersten fünf Stunden der Benutzung kriegten wir die Batterie erst auf etwa 60% runter. Die von Apple versprochenen 10 Stunden Lebensdauer scheinen also durchaus realistisch zu sein.

    Bei einem neuwertigen Akku ist zu erwarten, dass er sehr gut abschneidet. Was aber verspricht Apple eigentlich im Bezug auf die Gesamtlebensdauer der Batterie?

    Zum Glück will Apple aber auch bald schon eine externe Tastatur auf den Markt bringen, die da Abhilfe schaffen soll.

    Heisst das, man kann die bestehenden Apple Bluetooth-Tastaturen nicht verwenden?

    1. Ole Begemann
      schrieb am 4. April 2010 um 16:03 Uhr (#)

      Heisst das, man kann die bestehenden Apple Bluetooth-Tastaturen nicht verwenden?

      Doch, kann man.

  6. loons
    schrieb am 4. April 2010 um 14:39 Uhr (#)

    mit meinem early 2008 Core2Duo MacBook lädt Spiegel.de auch innerhalb von 2-3sek. Über unsere Internetverbindung weiß ich jetzt nicht bescheid, aber 25 Sekunden und länger sind schon sehr extrem.

  7. MacMacken
    schrieb am 4. April 2010 um 14:50 Uhr (#)

    Als Frage für heute Abend: Wie positioniert sich das iPad zwischen den verschiedenen Geräten?

    Computer plus Software und Internet-Verbindung, iPhone plus Software und Internet-Verbindung sowie iPad plus Software und Datenverbindung ist ja eher etwas für DINKs als für die breite Masse … das typische Publikum dürften angestellte Bürolisten sein … wobei sich früher oder später auch hier vermutlich die Frage stellt, ob man iPad und Smartphone benötigt oder ob neben dem iPad ein simples Handy genügt.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 4. April 2010 um 14:52 Uhr (#)

    Wie oben schon gesagt:
    Ich sitze hier in den USA, und darum sind europäische Sites oft erheblich langsamer. Das war ein Apfel-zu-Apfel-Vergleich (pun intended…) der Geschwindigkeit an der gleichen Leitung. Die wesentliche Aussage ist: das iPad ist vom Prozessor her in der Lage, Content gleich schnell aufzubereiten wie ein MacBook Pro.

  9. Wolfgang
    schrieb am 4. April 2010 um 16:51 Uhr (#)

    Mich hat es schon sehr geärgert, dass ich das iPad nicht gleich im Central Park ausprobieren konnte, sondern erst mit iTunes synchronisieren musste.
    Das eingeben von emailadressen und passwoertern ist eine Katastrophe, weil man immer zwischen den zwei Tastatur-Ansichten switchen muss. Fließtext geht überraschend gut, wie ich beim schreiben dieses Textes gerade merke ;-)
    Wie man merkt, habe ich aber noch Probleme mit groß/Kleinschreibung und umlauten.
    Die spiegelnde oberfläche stoert mich nicht so, aber sie ist im nu uebersaeht mit Fettflecken.
    Von der lade-Geschwindigkeit her, bin ich absolut positiv überrascht.

  10. detailgetreu
    schrieb am 4. April 2010 um 17:53 Uhr (#)

    Könnte es sein, dass auf dem iPad vielleicht die auf SPON so vielgeschätzte Werbung nicht blockiert wird? Die dürfte die Ladezeit um einiges erhöhen…
    Auf meinem Netbook erreiche ich trotz ca. 50 offener Tabs und parallelem Download trotzdem noch deutlich schnellere Zeiten.
    Die USA ist aber ja ohnehin nicht so die Breitbandnation schlechthin ;)

  11. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 4. April 2010 um 17:57 Uhr (#)

    @detailgetreu: Stimmt, daran habe ich gar nicht gedacht, weil ich nicht zu den Leuten gehöre, die Websites mit Ad-Blockern um ihre Werbeumsätze bringen wollen (Jetzt aber bitte keine Diskussion über Ad-Blocker. Danke).

    Ja, der Test war natürlich mit der kompletten Seite, inklusive aller Banner. Nur das ist ein sinnvoller Vergleich.

  12. MacMacken
    schrieb am 4. April 2010 um 18:39 Uhr (#)

    Ich blockierte lediglich Flash, was in meinem Screencast auch so zu sehen ist.

  13. Marc
    schrieb am 5. April 2010 um 11:06 Uhr (#)

    Das Apple BT Keyboard funktioniert, hier getestet

    http://intomobile.com/201…etooth-keyboard.html

    Funktioniert das iPad auch mit BT-Keyboards anderer Hersteller ?

  14. TOM
    schrieb am 5. April 2010 um 13:24 Uhr (#)

    Naja, wie immer, die hype wird sich legen. apple ist halt immer irgendwie die referenz und der anstosser zu neuem mit gutem aber “perfidem” marketing. mal sehn, was das deutsche wepad zu bieten hat. die haben sich ja weit ausm fenster gelehnt, mehr und billiger als ipad……dann mal raus damit!

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