Arimaz Pingo im Test:
Abhängiger Deskroboter

Pingo ist eine Mischung aus Tamagotchi, Wifi-Benachrichtigungsdienst und Spielzeugroboter. Leider ist er auf den PC sehr angewiesen.

Pingo, mydeskfriend von Arimaz
Pingo, mydeskfriend von Arimaz

Von Simon Wüthrich

Auf dem Schweizer Jungfraujoch hielt mir an einem Startup-Event Pierre Bureau, Gründer von Arimaz, ein gefrästes Plastikding unter die Nase, das entfernt an Pingu erinnerte und Tamagotchi sowie akustischen Newsreader vereinen sollte: Der Protoyp seines Produkts “mydeskfriend” – Pingo.

Seit Ende 2009 kann Pingo über arimaz.com bestellt werden. Und Pierre hat uns einen Schreibtisch-Freund zum Test überlassen.

Wobei – Freund? Ich muss gestehen, ich gehöre definitiv nicht zur Zielgruppe:

Pingo ist etwas für Menschen, die einen festen Arbeitsplatz haben, den sie zu des Pinguins Spielwiese machen können. Ein grosser Schreibtisch ist ideal, nicht umsonst nennt Arimaz das Ding Mydeskfriend. Es sollte aber kein schwarzer sein: Pingo findet sich nur auf hellen Oberflächen zurecht. Und Pingo braucht eine Umgebung, die sein Surren und Quäken erträgt. Bibliotheken, Arbeitsräume an der Uni oder Grossraumbüros sind definitiv nicht sein Habitat – die Anzahl natürlicher Feinde ist schlicht zu hoch. Ich aber arbeite ausschliesslich mit einem Laptop, mal unterwegs, mal an der Uni, mal in einer Bibliothek und nur selten daheim. Kaum Zeit für Pingo also.

Und, bei aller Sympathie – Pingo hat Sensoren, ich liebe Dinge mit Sensoren, wirklich! -, wenn ich nach Hause komme, will ich mich nicht um einen Plastikpinguin kümmern müssen. Ich will dem Ding weder virtuelle Vitamintabletten, noch Kekse, noch Fische verfüttern. Ich will auch nicht ganz real den kleinen Pinguin am Kopf kratzen. Vielleicht sähe das anders aus, wenn sich Pingo an einem fixen Arbeitsplatz eingenistet hätte – zwischendurch Pingo kratzen, könnte Entspannung in den Arbeitsalltag bringen.

Nun könnte man einwenden, dass ich im wohlverdienten Feierabend Pingo nicht hätscheln, sondern stattdessen einfach anweisen solle – Pingos Sprachbefehlerkennung hat mich übrigens beeindruckt -, mir RSS-Feeds vorzulesen oder Nachrichten abzuspielen, die mir andere Pingobesitzer über die auf Facebook integrierte Steuerung geschickt haben.

Pingo wird säuerlich, wenn man sich nicht um ihn kümmert. Dann glühen seine Augen rot und er flitzt murrend umher, Aufmerksamkeit und Zuneigung fordernd. Glücklicherweise verfügt Pingo im Gegensatz zu einem Haustier aus Fleisch und Blut über einen Ausschaltknopf.

Wer nun meint, meine Gefühle für Pingo seien so kalt wie das ewige Eis der Antarktis, dem rufe ich entgegen: Gemach! Wir hatten auch schöne Stunden, Pingo und ich.

In Erinnerung wird mir bleiben, wie der Kleine eines schönen Tages das Herz einer guten Bekannten eroberte. Sie war so angetan von dem Winzling, dass sie ihn einen Nachmittag lang fütterte, streichelte und in den Schlaf wiegte – mich hätte sie dabei fast vergessen.

Ob so viel weiblicher Zuneigung schnellten sämtliche Wohlfühlindikatoren in der Facebook-App tief in den grünen Bereich; das waren Pingos glücklichste Stunden. Und an diesem Nachmittag konnte auch ich aufsteigende Gefühle der Sympathie nicht unterdrücken. Ich war fast schon stolz auf den Kleinen, als er ganz erschöpft von der ganzen Liebe, die ihm da entgegengebracht wurde, zum ersten Mal selbstständig den Weg zu seinem Futtertrog, einer Lade- und Funkstation, fand. Dieser Moment – ich erkannte: Pingo ist schlau! – hätte den Anfang einer schönen Freundschaft markieren können. Hätte.

Was mich in den letzten Wochen davon abgehalten hat, in meiner Freizeit mehr mit Pingo zu spielen, ist eben jene Lade- und Funkstation.

Pingo kann sich nicht direkt über ein W-LAN mit dem Internet verbinden, und er braucht nicht nur virtuelles, sondern reales Futter; daher fährt er ab und an in die Ladestation, um seine Akkus aufzufrischen. An diesen für Pingo lebensnotwendigen Gegebenheiten scheiterte unsere Freundschaft:

Ich muss Pingos Futtertrog an den USB-Port meines Laptops anschliessen, wenn ich mit ihm spielen will. Ohne den Umweg über meinen Laptop kommt Pingo weder an die RSS-Feeds noch an die virtuellen Fische, Vitaminpillen oder zu seiner Elektrizität. Ein Miniroboter, der Inhalte aus dem Internet vorlesen kann, sollte sich auch selbständig mit demselben verbinden können. Das hat Violet beim Nabaztag besser gelöst.

Wer wie ich sensorbestückten Spielsachen nur schwer widerstehen kann und einen fixen Arbeitsplatz hat, an dem er Pingos Futtertrog aufstellen kann, wird vielleicht glücklicher als ich es wurde – vorausgesetzt er ist willens, sich dieses Glück 92 Euro plus Mehrwertsteuer oder 139 Franken kosten zu lassen.

Auf Facebook hat Pingo immerhin knapp 600 Freunde.

Arimaz mydeskfriend Pingo

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2 Kommentare

  1. Igor Myroshnichenko
    schrieb am 31. Januar 2010 um 15:50 Uhr (#)

    Ich vermute Mal, dass die Deutsche aussprache genau so mißerabel ist, wie auch bei anderen gadgets, dehalb… würde ich für Deutschland nicht bestellen.

  2. Simon Wüthrich
    schrieb am 1. Februar 2010 um 09:34 Uhr (#)

    Als ich den Pingo auf meinem Schreibtisch rumsausen liess, sprach er noch kein Wort Deutsch. Dies wird sich gemäss Pierre Bureau bald ändern. Ganz generell: Die Aussprache ist so schlecht nicht – für so ein kleines Gerät.

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