Apple iPad-Hintergründe:
Über CPU und Flash-Verzicht

Kai Zantke, 29. Januar 2010 14:19 Uhr, 18 Kommentare Kommentare

Das Apple iPad hat für Furore und Enttäuschung zugleich gesorgt. Wir erläutern, wieso Flash fehlt und was sich hinter der A4 CPU verbirgt.

Apple A4 "CPU" - Laut bsn ist da mehr ARM als Apple drin (Bild: bsn)
Apple A4 "CPU" - Laut bsn ist da mehr ARM als Apple drin (Bild: bsn)
Apple sagte, man werde in absehbarer Zeit kein Netbook herausbringen – und hat sich daran gehalten.

Denn das iPad benutzt weder MacOS noch eines der PC-Betriebssysteme, die auf Netbooks laufen oder laufen werden (Windows 7 Starter, Chrome OS, Android). Das iPad arbeitet mit einer erweiterten Version des iPhone-OS. Der ein oder andere Zuschauer sah sich in die guten alten PowerPC-Zeiten zurückversetzt, als Steve Jobs erwähnte, dass die CPU selbst entwickelt worden sei. Doch die Bezeichnung CPU für den A4 ist eigentlich gar nicht angebracht…

Apple A4-Prozessor

Das jedenfalls glaubt bsn. Stattdessen ist es ein SOC (System On the Chip), das aus zwei Hauptkomponenten besteht: einer ARM Cortex A9 MPCore CPU für die Rechenarbeit und einer ARM Mail 50-Serie GPU für die Bilddarstellung. SOCs haben vor allem stromspartechnische Vorteile. Sie sind aber auch billiger zu produzieren und schneller als diskrete Systeme (Quelle: D&R). Deshalb greifen auch Nvidias Tegra-Reihe und Qualcomms Snapdragon auf eine ähnliche Einheit zurück. Nominal könnte die A4-Einheit den ARM Prozessor sogar bis auf 1,3 GHz takten, doch der Leistungsgewinn würde mit einem enormen Anstieg der Coretemperatur erkauft, was mehr Abwärme und Stromverbrauch mit sich bringt.

Apples iPad muss ohne Flash auskommen
Apples iPad muss ohne Flash auskommen
Apple und (kein) Flash

Der iPod Shuffle kann’s nicht, der iPod kann’s auch nicht und das iPhone erst recht nicht: die Rede ist von Adobes Flash. Viele waren gestern etwas verwirrt, als man vernahm, dass Flash nicht unterstützt werden würde. Gerade in Amerika hat man mit Hulu eine sehr mächtige Video- und Musikplatform – auf Basis von Flash.

In Deutschland kann man mittels Flash-Player die Nachrichten auf Spiegel.de verfolgen oder auf neuerdings.com die neuesten Gadgets per YouTube-Einbindung bestaunen. Der iPad-Nutzer wird das Vergnügen nicht haben. Das muss eine bewußte Entscheidung von Apple gewesen sein, denn auf Adobes Flash-Plattform-Blog ist zu lesen, dass Adobe durchaus für das iPhone OS ein Flash Plug-in schreiben würde. Andererseits war schon früher einmal eine Unterstützung für alle Smartphones angekündigt worden, nur Apples iPhone ging leer aus, und damit auch das iPad, das ja das gleiche OS benutzt.

Man vermisst aber nicht nur die schönen blinkenden Werbebanner, die gut gemachten Flashgames, sondern auch die lustigen Videos. Ich möchte hier ein paar Zahlenbeispiele nennen: 75% aller Videoinhalte und 70% aller Online-Browserspiele sollen nur mit Flashtechnologie zugänglich sein – abgesehen von YouTube, denn da “gibts ja eine App für”.

Deswegen ist die Annahme nicht verwegen, dass aus “politischen” Gründen auf Flash verzichtet wird. Die iPhone- und iPod-Touch-Nutzer sollen Games im Appstore kaufen und nicht mit Flash spielen; Flashfunktionen wie Mikrofon- und Webcam-Zugriff ermöglichen auf dem PC auch kostenlose Videokonferenzen, was auf einem iPhone (ausser von den Anwendern) nicht erwünscht ist. Zu den Marketing-Strategien von Apple gibt auf netzwertig.com eine sehr einleuchtende Analyse von Andreas Göldi.

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18 Kommentare

  1. dertyp
    schrieb am 29. Januar 2010 um 15:25 Uhr (#)

    Schöne Zusammenfassung, danke!
    Aber ich glaube dass die Tatsache dass der iPod Shuffle kein Flash kann verschmerzbar ist, nachdem er noch nicht einmal ein Display hat ;)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 29. Januar 2010 um 17:19 Uhr (#)

      Haha,
      Kein Display und dann noch nicht einmal Flash ;)
      Gut erkannt, ich habe das eingestreut um die prinzipielle Ablehnung Apples gegen Flash darzustellen.

  2. Thomas
    schrieb am 29. Januar 2010 um 15:56 Uhr (#)

    Flash wäre echt ein nettes Feature, aber kein Must-Have.

    Adobe ist aber vermutlich alles andere als unschuldig an der Geschichte. Ist doch der Flash-Player auf OS X (der Desktop-Version) extrem ressourcenhungrig und für die meisten Browser-Abstürze verantwortlich. Nicht ohne Grund läuft Flash seit Snow Leopard nicht mehr direkt in Safari.

    Eigentlich bin ich ganz froh, wenn Apple Flash nicht unterstützt. Ich komme gut ohne den Games aus und so gibt es Druck die Videos im Internet auf offene Standards (HTML5) umzustellen. Wir werden sehen…

  3. clochard42
    schrieb am 29. Januar 2010 um 16:54 Uhr (#)

    Der Argumentation

    aus “politischen” Gründen

    kann ich nicht folgen. Wenn Flash-Spiele Geld kosten, dann würden sie das als App auch, wenn sie kostenlos sind, dann könnte es auch eine kostenlose App davon geben. Und die 30%, die Apple daran verdient sind ja nun auch nicht viel. Die meisten Apps sind kostenlos oder kosten nur wenige Euro.
    Warum heckt gleich jeder eine Verschwörungstheorie aus, wenn überflüssige Technologie nicht mehr unterstützt wird. Blue-Ray hat sich durchgesetzt, nach HD DVD fragt keiner mehr. 3 1/2 Zoll Disketten? Compact Cassette? VHS-Videorekorder? Vinylschallplatte?
    Zugegeben, Apple spielt Vorreiter für HTML5. Aber zum Teufel, wer unbedingt an Flash festhalten will, muss ja kein iPad kaufen.
    Mich interessiert mehr, welche neuen Möglichkeiten das iPad bietet.

    1. Jürgen
      schrieb am 29. Januar 2010 um 17:30 Uhr (#)

      Flash ist Standard, so einfach ist das. Flash hat sich durchgesetzt, genauso wie Blue-Ray. Ohne Flash Unterstützung taugt das iPad doch nicht wirklich als Surf-Maschine. Das Ding ist doch zum surfen auf der Couch gebaut worden, und dann kann es kein Flash? Wäre das iPad nicht von Apple sondern von irgend einer anderen Firma, dann würde keiner eines haben wollen. Das iPad ist halt total kastriert (kein USB, kein SD, usw…), schade eigentlich denn die Bedienung ist super und die Verarbeitung sicher auch.

    2. matidio
      schrieb am 29. Januar 2010 um 17:51 Uhr (#)

      @Juergen: Flash hat sich nicht durchgesetzt. Flash war immer da, es gab keine Konkurrenz und wann dann doch da war es zu spaet.
      Windows war auch mal Standard und wir sehen was daraus geworden ist. Eins von dreien. MS Office auch. Und wenn sie nicht aufpassen schwimmen ihnen die Felle da auch weg.
      Wenn Adobe nicht aufpasst ueberlebt sich Flash einfach, weil es von anderen Dingen einfach ueberholt wird. Und meiner Meinung nach ist die Insistenz mit der Adobe darauf draengt Flash auf iPhone & Co. einzusetzen ein Zeichen von Angst, dass es der Anfang vom Ende fuer Flash sein koennte. Es reicht HTML5 durchzusetzen und dann war’s das mit Flash …

    3. clochard42
      schrieb am 30. Januar 2010 um 01:12 Uhr (#)

      @Jürgen: Ja, Flash ist ein de facto Standard – heute. Das war die 3 1/2 Zoll Diskette damals auch – niemand konnte sich einen Computer ohne Diskettenlaufwerk vorstellen. Apple schon und es gab einen Aufschrei. Und jetzt? Wofür ist denn Flash notwendig? Dafür, dass ich eine Flash-Applikation im Flash-Plugin im Browser laufen lasse? Das erste iPhone hatte 128 MB RAM. Davon ungefähr 32 MB für die Anwendung. Das reicht gerade mal für den Browser, aber nicht für eine zusätzliche virtuelle Maschine (Flash-Plugin) und eine Anwendung darin. Das iPad wird mehr Speicher haben, aber sicher nicht so viel wie ein PC oder Mac, den man – auf meine Kosten – verschwenden kann.
      Wozu braucht es denn Flash? Wenn keine Web-Site mehr Flash verwenden würde, was wäre dann nicht mehr möglich?
      Und wenn das iPad nur halbwegs erfolgreich wird, wird es keine Flash-Seiten mehr geben. Youtube und Vimeo haben jetzt schon Flash lose Video-Player im test, andere folgen.

    4. clochard42
      schrieb am 30. Januar 2010 um 01:27 Uhr (#)

      Nachtrag: Es braucht einfach kein Flash im Browser mehr. Zum Darstellen von JPEG-Photos braucht man ja schließlich auch kein Plug-In.

  4. matidio
    schrieb am 29. Januar 2010 um 16:55 Uhr (#)

    So einfach ist das ganze nicht. Dass Flash fehlt stoert (mich) nur in den wenigsten Faellen. Und was die Beziehung Flash und Mac angeht empfehle ich folgenden Artikel:
    http://daringfireball.net…01/apple_adobe_flash

    Das resourcenfressende Flash ist der Hauptgrund der Crashes in OS X und die Entwickler von Safari sind so weit gegangen, die Plugin-Api
    so umzuschreiben, dass Flash nicht immer Safari mit in den Abgrund zerrt.

    Wenn man den von Adobe angegebenen Nummern glaubt (wie glaubwuerdig sie sind ist eine andere Frage) sind 75% aller Videoinhalte und 70% aller Browserspiele in der Hand eines proprietaeren Plugins. Eine Vorstellung, die mich nicht wenig unbehaglich fuehlen laesst.
    Ich bin froh, dass HTML5 bei Youtube und Vimeo Einzug gehalten hat und waere noch froher wenn flash es vom Markt verschwindet.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 29. Januar 2010 um 18:01 Uhr (#)

      Was man auch in dieser Quelle nachliest: “Flash ist der de facto Standard für Webvideos” und anderen Content.

      Ja, Adobe Flash ist eine proprietäre Software die das Web dominiert, MacOS X ist auch proprietär. Wer so argumentiert ist der beste Kandidat für Linux und seine quelloffene Gemeinde, der sollte OGG statt MP3 nutzen, ODF statt DOC und sich überlegen ob ein quelloffenes Tablet OS nicht besser geeignet wäre.

      Ich sehe das nicht so streng, deshalb argumentiere ich auch nicht damit. Für mein Weberlebnis gehört Flash zwingend dazu, weil ich sonst viele Dinge nicht sehen und erfahren würde. Natürlich kann ich auf Flash-Werbeeinblendungen verzichten, doch auf vieles Andere eben nicht.

      Wie gut das iPad ist, wird sich zeigen. Doch wenn selbst ein Smartphone (Nokia 5800) mit 364 MHz CPU Flash Videos abspielt, kommt mir ein Apple Tablet mit 1 GHz ohne Flash nicht ins Haus.

    2. matidio
      schrieb am 29. Januar 2010 um 18:19 Uhr (#)

      Flash mit OS X (oder Windows) zu vergleichen ist Aepfel mit Birnen vergleichen. Das eine wird benutzt um Internetinhalte fuer jedermann in einer bestimmten Form verfuegbar zu machen, das andere um einen Computer betriebsfaehig zu machen. Das hinkt an allen Ecken und Enden.
      “Für mein Weberlebnis gehört Flash zwingend dazu, weil ich sonst viele Dinge nicht sehen und erfahren würde”. Das ist ja genau die Krux. Du bist abhaengig von Flash, und nicht weil du es autonom gewaehlt hast, sondern weil man es dir vor die Nase gesetzt hat und gesagt hat ab jetzt brauchst du das, um die schoenen Webinhalte zu sehen. Das ist eben der Unterschied zu Konkurrenz und Wettbewerb und offenen Standards wie HTML5.
      Ich bin bestimmt kein rigoroser OpenSource- oder OffnenerStandard-Verfechter, aber aus verstaendlichen Gruenden stoeren mich Quasi-Monopole.

      Dass dir das iPad (oder das fehlende Flash darauf) nicht gefaellt, das haben wir jetzt alle verstanden. Meine Beitraege betrafen Flash. Ich hab mich mit keinem Wort zum iPad geaeussert.

    3. matidio
      schrieb am 29. Januar 2010 um 18:29 Uhr (#)

      Nachtrag:
      “Wer so argumentiert ist der beste Kandidat für Linux und seine quelloffene Gemeinde, der sollte OGG statt MP3 nutzen, ODF statt DOC und sich überlegen ob ein quelloffenes Tablet OS nicht besser geeignet wäre.”

      Du solltest etwas vorsichtiger sein wie du deine Leser ueber ein und denselben Kamm scherst, weil das kann nach hinten los gehen. Du weisst sehr wenig ueber mich und ob ich ein Kandidat fuer Linux und den Rest bin …

      Das Ganze wird mir hier zu persoenlich und ich verabschiede mich aus dem Thread.

  5. wowow
    schrieb am 29. Januar 2010 um 20:40 Uhr (#)

    sooo geil! Und wieder werden hier von German Bash Kandidaten Religionskriege ausgefochten! Macht weiter so , ich habe größten Spass dank Euch, lol!

  6. Jürgen
    schrieb am 30. Januar 2010 um 21:00 Uhr (#)

    Kann man beim iPad neue Termine in den Kalender eintragen oder geht das auch wieder nicht, so wie beim iPod Touch?

  7. Alex
    schrieb am 31. Januar 2010 um 15:28 Uhr (#)

    Hmm, entschuldigt mal meine Frage, aber ich bin kein Fachmann: Also ich frage mich, wieso man mit der standardmäßig installierten YouTube App die YouTube-Videos gucken kann aber andererseits keine Flash-Videos im Browser abgespielt werden können? Ich meine, entweder geht es oder es geht nicht, aber mal so und mal so verstehe ich nicht… Oder spielt die YouTube App keine Flash, sondern mp4-Dateien ab?

    1. clochard42
      schrieb am 31. Januar 2010 um 15:33 Uhr (#)

      Genau das. Und Flash ist ja “auch nur” ein Video- und Animationsplayer, der verschiedene Formate unterstützt. Und nachdem alle auf H.264 (im mp4 container) standardisieren kann Flash inzwischen das sogar auch – HD videos sind alle H.264. Und nachdem neue Browser wir Google Chrome und Apple Safari einen eingebauten player haben – video tag – braucht es gar keinen zusätzlichen Player mehr. Ist doch auch komisch: Zum Anzeigen eines Photos braucht man ja auch keinen JPEG-Player.

  8. steuerpirat
    schrieb am 1. Februar 2010 um 10:53 Uhr (#)

    Hinsichtlich Flash schafft Apple gerade Fakten. Und das Ziel ist dabei ganz klar, nämlich Flash auf lange Sicht zu beerdigen. Wenn das iPas ein Erfolg wird, und das ist nicht ganz unwahrscheinlich, ist das ein durchaus realistisches Ziel.

  9. robert
    schrieb am 1. Februar 2010 um 21:49 Uhr (#)

    Da Jobs heute richtig gesagt ‘Adobe ist zu faul was neues zu entwickeln’ denke ich ist es doch ein Politikum. Klar wird es neue Standarts geben, sicher auch bessere. Aber im Grund braucht man das nicht.
    Viel entscheidender ist, das man auf den iPad kein vollwertiges OS hat. Liegt zwar im Trend, wie bei GoogleOS, aber wieso soll sich den nun jede Software neu geschrieben werden?
    Hätte man einfach OSX auf das Gerät gepackt (sicher wäre die Performanz anders) dann wäre das wirklich sehr praktisch gewesen.
    Aber Apple will Geld verdienen und der App Store ist die beste Möglichkeit dazu. Den beim iPad werden alle Apps größer und auch teurer.
    Man denke nur, man müsse für Photoshop 10% Aufschlag an Apple zahlen und die würden auch noch prüfen ob die Software so verkauft werden darf.
    Soviel Macht, hat Microsoft nie gehabt!

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