Google Nexus One kaufen:
So klappt’s auch in Europa

Nunzio Mannino, 21. Januar 2010 16:32 Uhr, 26 Kommentare Kommentare

Googles Nexus One läutet kein neues Zeitalter der Mobilfunkindustrie ein. Aber das teure Superphone ist ein mehr als solides Spitzengerät. Wir zeigen, wie auch Europäer das sperrfreie UMTS-Smartphone kriegen.

Wie das Review zeigt, entpuppt sich das Gerät als sehr solide Alternative zu iPhone und Konsorten, welches keinen Vergleich zur Konkurrenz scheuen muss. Im Gegenteil – wir sind der Meinung, dass die technische Messlatte für Smartphones soeben ein Stück nach oben angesetzt wurde.

Wer nun deswegen plötzlich ganz kribbelige Finger kriegt und sich nicht bis zum Frühling gedulden will, bis das Handy voraussichtlich auf dem europäischen Festland ankommt, kann mit ein wenig Aufwand auf überteuerte eBay-Angebote verzichten. Warnung: Wir übernehmen keinerlei Garantie dafür, dass dieses Verfahren funktioniert und legal ist, oder dass die beschriebenen IT-Methoden harmlos sind. Nachahmung erfolgt auf eigene Gefahr. Für uns hat’s geklappt.

Eine gewöhnliche Bestellung eines Nexus One aus Europa scheitert bereits beim Zugriff auf die Startseite www.google.com/phone. Besucher mit IP-Adressen, welche nicht im Liefergebiet liegen, werden mit einem simplen «Sorry, the Nexus One phone is not available in your country» abgespeist. Aha, wenn wir nicht aus dem Ausland bestellen dürfen, dann wird auch nicht ins Ausland geliefert – die bekannten Ausnahmen UK, Hongkong und Singapur ausgeschlossen. Aber das kann man umgehen:

Demnach ist die erste Aufgabe, erst mal zu einer gültigen Lieferadresse in den Staaten zu kommen. Wer nicht über das Glück verfügt, auf Bekannte oder Verwandte in Übersee zurückgreifen zu können, dem wird dank nicht ganz kostenfreien, aber dennoch günstigen Weiterleitungsdiensten geholfen. Zu diesem Zweck wurde mir von einem Freund www.myus.com empfohlen. Es gibt auch andere Anbieter, welche Vorteile bieten, indem sie beispielsweise Geräte zu Adressen in Staaten wie Oregon liefern lassen, wo es keine Sales-Tax (Umsatzsteuer, in vielen US-Staaten über 10 Prozent, und dem Preis des Nexus One zuzurechnen!) gibt. Die Recherche nach einem passenden Angebot lohnt sich. Theoretisch liesse sich die Sales-Tax auch zurückverlangen, nachdem man beispielsweise die Deutsche Mehrwertsteuer bezahlt hat. Ob der Aufwand die rund 50 Dollar lohnt, ist indes fraglich. Eine Europa-Lieferung des Nexus One ist ohnehin eine relativ kostspielige Sache.

“MyUS.com” bietet drei Service-Optionen an. Die Budget-Version haben wir unbeachtet gelassen und uns direkt für die goldene Mitte entschieden, welche nach einer einmaligen Einrichtungsgebühr über 20 US-Dollar jährlich 60 Dollar von der Kreditkarte abzieht. Sie bietet auch die Möglichkeit, Bestellungen zusammenzufassen und diese in einem Paket jeweils einem von fünf frei definierbaren Empfängern zukommen zu lassen, was einige Versandkosten spart. Wem es aber nur nach dem Nexus One gelüstet, der kann sich auch durchaus mit der günstigen Variante zufrieden geben, zahlt aber leicht mehr für den Endversand.

Die Kreditkarteninformationen sind eingegeben, der Auftrag zur Zuteilung eines «Toten Briefkastens» abgeschickt, und schon ist man dem Wunschgerät einen Schritt näher: die Lieferadresse sowie Telefonnummer in Florida werden uns mitgeteilt. Diese Daten können nun auf www.google.com/checkout dem eigenen Account als Lieferadresse und Kontaktnummer hinzugefügt werden, damit es später auch mit der Lieferung klappt. Dass das künftige Nexus One mit einer europäischen Kreditkarte bezahlt wird, ist Google egal.

Die erste Hürde ist überwunden, der spannende Teil kommt aber erst auf uns zu. Man wird trotz US-Lieferadresse als Europäer wegen der IP-Adresse weiterhin aus dem Bestellvorgang ausgeschlossen. Das Zauberwort, um diese Schranke zu umgehen, lautet «Proxy».

Proxys sind Server, welche dem Ziel-Computer eine andere IP-Adresse des Users vorgeben. Sie werden üblicherweise für den VPN-Zugriff auf ein Firmen-Intranet angewendet. Damit die Verbindung auf die unternehmensinterne IT-Infrastruktur reibungslos klappt, gibt das VPN-Programm dem Firmen-Server vor, nicht aus den grossen Weiten des Internets eingeloggt zu sein, sondern vom LAN, oder zumindest aus einem erlaubten IP-Adressenbereich. Diese Möglichkeit werden wir uns nun zunutze machen, indem wir uns als US-Computer ausgeben.

Zuerst versuchten wir dies mithilfe der verschiedenen freeproxies.org-Server zu bewerkstelligen, was sich jedoch als untaugliche Lösung entpuppte. Der Zugriff auf die Hauptbestellseite erfolgte zwar erfolgreich, aber spätestens bei der Auswahl der gewünschten Bestelloption glänzten alle getesteten freeproxies.org-Varianten mit Versagen auf ganzer Linie, der Nerv-Faktor stieg kurzzeitig ins Unermessliche.

Ein kurzes Wühlen in der Internet-Trickkiste führte uns schliesslich auf den richtigen Pfad. Die Bedingungen für die Suche sind einfach: Es muss ein Proxy aus den Vereinigten Staaten sein, der zudem das Verschlüsselungsverfahren SSL unterstützt. Eine Google-Suche (sic!) nach «free transparent US proxy list» ergab brauchbare Resultate. Es sei aber Vorsicht bei der Verwendung angebracht. neuerdings.com übernimmt keine Verantwortung für misslungene Versuche oder Weiterleitungen zu Malware-gespickten Seiten! Zuerst empfehlen wir, bekannte, lokale Webseiten aufzurufen, um sich zu vergewissern, dass hier dem Benutzer keine bösartigen Inhalte untergejubelt werden. Ausserdem raten wir, vor der Verwendung des Proxys in Google Checkout einzuloggen, und nach Vollendung der Transaktion das Checkout-Passwort sofort zu ändern und erstmal die Kreditkarteninformationen aus dem Checkout-Konto zu entfernen. Das nur als zusätzliche Sicherheitsmassnahme. Mit dem Proxy schaltet man schliesslich den ominösen “Man in the middle” selber in seine Verbindung und gibt ihm Zugriff auf all seine übermittelten Daten.

Die gewünschten Proxy-Informationen gibt man im Browser in den Verbindungseinstellungen ein, und wenn alles klappt, sieht www.google.com/phone plötzlich viel einladender aus. Anstatt eines grauen Balkens begrüsst uns ein blauer Button mit «Get your phone».

Man muss sich teilweise ein wenig gedulden, bis die einzelnen Schritte der Bestellung verarbeitet werden. Die Daten werden schliesslich über den Proxy-Server umgeleitet und benötigen dafür auch länger. Da diese Dienste auch vergleichsweise häufig benutzt werden, kann eine erhöhte Serverlast auch Wartezeiten nach sich ziehen; Geduld bringt schliesslich sprichwörtlich Rosen – oder in unserem Fall: Nexus Ones.

Nun geht alles plötzlich schnell: Bestelloption auswählen – das Nexus One ist in allen Versionen simlockfrei, aber ein T-Mobile-Abo in den USA bringt nicht viel, also die teure, freie Version des Nexus One wählen – anschliessend wird nachgefragt, ob der Käufer auch eine Laser-Gravur wünscht, Auftrag bestätigen, und schon bald ist das Nexus One unterwegs zu unserem Briefkasten irgendwo in einer Kleinstadt in Florida. Unsere Konten sind um einige hundert Dollar erleichtert, und der gesteigerte Adrenalinpegel erschwert das Einschlafen beträchtlich – aber das «Superphone» ist unterwegs.

In der folgenden Nacht wird das Objekt der Begierde zum myus-Briefkasten versendet. Sobald die Lieferung von einer am Ankunftsort garantiert anwesenden Person unterzeichnet wird, erfolgt von dort schon bald eine Meldung per E-Mail, dass die Bestellung geliefert wurde, und eine Anfrage mit Optionen wie nun vorzugehen sei. Der geneigte Leser wird nun wohl den Befehl zur «Urgent delivery» wählen, und weiter geht das Paket, unterwegs in die Alte Welt, Tracking-Nummer inklusive.

Etwa zwei bis vier Arbeitstage später meldet sich der freundliche Mitarbeiter von FedEx an der Tür und übergibt das Paket. Die Rechnung der Zollgebühren und für die Mehrwertsteuer erwarten wir noch, aber das Nexus One ist in unseren Händen – Ziel erreicht. Übrigens ist das Netzteil mit 220 Volt Spannung kompatibel, so ist für die Benutzung lediglich ein Stecker-Adapter vonnöten.

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26 Kommentare

  1. Flurin
    schrieb am 21. Januar 2010 um 17:54 Uhr (#)

    Das sieht ja sehr verlockend aus – aber ich sehe ein paar Nachteile:
    - kein Multitouch, die Europa-Version wird Multitouch haben
    - nach eigenen Erfahrungen sind die Zollgebügren in der
    Schweiz extrem, bis zu 200.- Fr. mehr

    und noch eine Frage: es steht ja etwas über nicht unterstützte UMTS-Frequenzen, sind die von Europa unterstützt? Danke für die Antwort!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Nunzio Mannino
      schrieb am 21. Januar 2010 um 18:37 Uhr (#)

      Hi Flurin
      Das mit dem Multitouch ist leicht ärgerlich, aber bisher habe ich (an die Benutzung des iPod touch gewöhnt) keine Probleme, das Tippen ist auch nicht speziell schwierig. Zum Glück gibt’s aber xda-dev. ;)
      Auf die Rechnung der Zollgebühren warte ich weiterhin, ich halte euch auf dem Laufenden.
      Die unterstützen UMTS-Frequenzen des Nexus One sind die Bänder 1, 4 und 8. Europa braucht gemäss http://en.wikipedia.org/wiki/UMTS_frequency_bands Band 1. In der Schweiz ist UMTS problemlos verfügbar und funktioniert tadellos.

    2. Flurin
      schrieb am 21. Januar 2010 um 20:49 Uhr (#)

      Danke für die Antwort! Wenn nun die Zollkosten nicht all zu hoch sind, werde ich mir auch eins ordern ;) Super Post

  2. Marco
    schrieb am 27. Januar 2010 um 09:47 Uhr (#)

    Hallo,

    ich habe das N1 nun auch über myus.com bestellt. Gestern um 18.30h habe ich die Info bekommen, dass dass Paket eingetroffen ist. Allerdings ist dort keine Aufforderung, was ich nun als nächstes machen soll. Das Paket liegt in der “Out Box”, erwartet hätte ich eigentlich die “In Box”. Abwarten & Bier trinken?

  3. andreas
    schrieb am 27. Januar 2010 um 10:05 Uhr (#)

    Hallo Marco, klick auf auf My Inbox bei New Shipment auf “Start Request >”…. dann sollte das Paket verschickt werden. Bei myus.com kannst Du Pakete sammeln bis du sie verschicken willst, um Porto zu sparen.

  4. Marco
    schrieb am 27. Januar 2010 um 10:13 Uhr (#)

    Hallo Andrea,
    danke für Deine Info. Das trifft auf mich so allerdings nicht zu, da ich nur die Standard-Mitgliedschaft habe. Wahrscheinlich wird es auch so sein, dass Pakete dann automatisch weitergeleitet werden, da es in der Mitgliedschaft ja nicht die Möglichkeit der Paketsammlung gibt. Ich werde noch etwas warten…

  5. Marco
    schrieb am 27. Januar 2010 um 10:30 Uhr (#)

    noch mal schnell ein s hinterher schieben… sorry Andreas :)

    1. andreas
      schrieb am 27. Januar 2010 um 11:07 Uhr (#)

      Kein Problem.. hab da halt ein Premium Abo und ich warte immer so 2-3 Sendungen ab um es dann en Bloc zu verschicken..

  6. Georg
    schrieb am 27. Januar 2010 um 15:37 Uhr (#)

    Verlockend aber ich hoffe lieber dass es nicht mehr allzulange dauert bis es nach Europa kommt.
    Was passiert wenn es DOA ist oder nach 1 Woche ein Problem hat? Dann zahlt man noch 2x Fedex, das wird dann richtig teuer und bevor man es wieder hat gibts es sicher bei uns auch schon.
    Das Milestone war ja sehr schnell bei uns, hoffentlich wirds nicht so viel länger dauern mit den Nexus One.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Nunzio Mannino
      schrieb am 27. Januar 2010 um 18:25 Uhr (#)

      Sehr verständlich. Schliesslich sind das aber auch die Risiken, die man als Early Adopter auf sich nehmen muss.

      Ich wünsche jedenfalls dem europäischen Markt auch eine schnelle, unkomplizierte Einführung.

  7. Marco
    schrieb am 27. Januar 2010 um 18:30 Uhr (#)

    Hallo,
    mein N1 ist nun auf dem Weg. Mit dem Standard-Konto bei myus.com muss man den Versand also nicht manuell anstoßen.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Nunzio Mannino
      schrieb am 27. Januar 2010 um 22:11 Uhr (#)

      Mit Glück wird’s Samstag. ;) Cool, viel Spass damit!

  8. Marco
    schrieb am 29. Januar 2010 um 10:28 Uhr (#)

    Hallo Nunzio,

    ich antworte Dir mal über den Blog auf Deine E-Mail. Irgend etwas scheint mit Deiner E-Mail-Adresse nicht zu stimmen, habe eine “Undelivered Mail Returned to Sender” Mitteilung bekommen.

    Status ist “With delivery courier.” in Hamburg, werde es wohl hoffentlich noch heute bekommen :) Hatte heute morgen auch schon mal bei DHL wg. der Einfuhrumsatzsteuer angefragt und habe mir gerade das passende Bargeld geholt. Die Mitarbeiterin sagte aber auch, dass keine Zustellung am Samstag erfolgen würde. Entweder also heute oder erst am Montag.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Nunzio Mannino
      schrieb am 29. Januar 2010 um 10:39 Uhr (#)

      Hallo Marco

      Kein Problem, kann passieren, wenn man kein “Regular” mehr ist. ;)

      Na dann sieht’s ja nicht schlecht aus, viel Spass damit! =)

  9. Marco
    schrieb am 29. Januar 2010 um 10:42 Uhr (#)

    Regular? Weiß jetzt nicht genau, was Du damit meinst.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Nunzio Mannino
      schrieb am 29. Januar 2010 um 10:44 Uhr (#)

      Ich bin aktuell nur noch Gastautor, deswegen funktioniert meine neuerdings.com-E-Mail-Adresse wohl auch nicht mehr. Ist aber nicht weiter tragisch.

    2. Marco
      schrieb am 29. Januar 2010 um 10:49 Uhr (#)

      es war eine @blogwerk.com Adresse

    3. Schreibt hier auf dem Blog Nunzio Mannino
      schrieb am 29. Januar 2010 um 10:50 Uhr (#)

      Either way… ;)

  10. andreas
    schrieb am 29. Januar 2010 um 11:02 Uhr (#)

    bei DHL sollte auch “Pickup” am Samstag möglich sein.. die sind in Regensdorf zu Hause..

  11. Alfred Bez
    schrieb am 2. Februar 2010 um 22:41 Uhr (#)

    Hallo zusammen,

    ich würde gerne mal wissen, wieviel alles in allem ungefähr kostet.

    Also das Gerät selbst, dann der Versand usw.

  12. dopefish
    schrieb am 5. Februar 2010 um 16:59 Uhr (#)

    Das wichtigste hast du vergessen:
    Was hast du denn jetzt dafür hingeblättert? Danke für die Anleitung!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Nunzio Mannino
      schrieb am 5. Februar 2010 um 17:02 Uhr (#)

      Zwischenzeitlich kam die Rechnung, wobei ich an dieser Stelle sagen muss, dass

      a) es eine Sammelbestellung mit anderen Gütern war, und die Lieferkosten dementsprechend kleiner sein könnten

      b) die MWSt. in der Schweiz um Einiges tiefer ist als im EU-Raum (7.6%)

      Summa Summarum gab’s für die gesamte Lieferung 90.- CHF, also 61 EUR Zuschlag. Akzeptabel, würde ich meinen.

  13. bleK
    schrieb am 6. Februar 2010 um 14:37 Uhr (#)

    also kostet es umgerechnet so um die 450€ richtig??? irgendwie will keiner was zum endpreis sagen ^^

  14. Marco
    schrieb am 6. Februar 2010 um 14:59 Uhr (#)

    Hier ist meine Rechnung:

    402,55 EUR Nexus One
    7,19 EUR MyUs Konto
    42,15 EUR Versand nach Deutschland
    70,40 EUR Einfuhrumsatzsteuer
    ===============================
    522,29 EUR

    Wenn ich mich noch mal entscheiden würde, dann würde ich es evtl. über Borderlinx UK statt über MyUS abwickeln. Da scheint man etwas günstiger bei weg zu kommen *und* man hat durch EU-Recht 24 Monate Garantie (… oder war es Gewährleistung.. kann das nie auseinanderhalten) statt nur 12 Monate

  15. Torsten
    schrieb am 9. Februar 2010 um 17:00 Uhr (#)

    Also wenn es noch lange dauert bis es in Europa ankommt könnte ich schwach werden. Es war ja von Frühjahr die Rede. Aber andererseits hätte ich doch gern im Notfall Garantie. Keine leichte Entscheidung

  16. wikinger
    schrieb am 10. März 2010 um 10:11 Uhr (#)

    Hallo Torsten,

    Bezüglich Garantie sollte es keine Probleme geben siehe Link

    Grüsse Wikinger

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