Nokia N97:
Marktstart für die nächste Generation

Peter Sennhauser, 25. Juni 2009 19:40 Uhr, 16 Kommentare Kommentare

Nokia bringt das N97 in den nächsten Tagen in die Läden. In der Schweiz ist es seit kurzem erhältlicht. Ein erstes Anfassen verspricht viel.

Ende des letzten Jahrhunderts hatte Nokia ein Multitalent im Mobiltelefon-Sortiment, das “Communicator” hiess, eine grosse Klappe und eine Quer-Tastatur besass und dafür in der Grösse eines halbierten Backsteins daherkam.

Jetzt legen die Finnen das Konzept neu auf: Das Nokia N97 (Affiliate-Link) entspricht in vielem dem Communicator, bringt Tastatur und Touchscreen mit, liegt auf dem Tisch wie ein Psion (selig) und zieht das Konzept der multitalentierten Surfnmaschine vom iPhone noch eine Stufe weiter.

Das Nokia N97 ist ein echtes Multitalent, das fürs Surfen so gut geeignet ist wie das iPhone und fürs arbeiten wie das Nokia E71. Ausserdem bringt das verblüffend kleine (Nokia würde wohl “handlich” als Bezeichnung vorziehen) Telefon einige nette Gimmicks mit.

Widgets für Facebook & Co

Dazu gehört das Konzept der “Widgets”, die den vollständig individualisierbaren Home-Bildschirm ausmachen: Kleine Programme, die in der Regel auf einen Webservice zurückgreifen und dessen Informationen ständig auf dem Heimbildschirm anzeigen – Facebook, Wetter, Mail etc. Es handelt sich nicht um vollwertige Apps in der Sprache des Betriebssystem Symbian, sondern dank eigenem Entwicklerkit in Minuten zusammenklickbaren Frontends, von denen nach Erscheinen des N97 bald Hunderte für jede Website zu erwarten sind.

Technisch hat das N97 ungefähr alles unter der Haube, was Nokia zu bieten hat: automatische Ausrichtung des Bildschirms, GPS, Voip, FM-Empfang, aber auch Funk (zum Beispiel ans Autoradio), einen grossen 1500mAh – Akku, und in der Schweiz sind die Karten der Nokia-Routenplanung vorgeladen und im Preis inbegriffen (ich gehe davon aus, dass die Nokia-Experten damit das Routing meinten).

Persönlich gefällt mir der geschrumpfte Communicator: Die Tastatur ist grosszügig (und auch im Schweizer Layout erhältlich) und hat einen angenehmen Druckpunkt für die Daumen, der Bildschirm im 16:9-Format ist brilliant und der Touchscreen reagiert mit leichtem Feedback auf Klicks und Bewegungen – aber etwas träger als der des iPhones auf Befehle, wie die Journalistenschar an einer Präsentation zum Verkaufsstart in Zürich sogleich herausfand.

Das Gerät ist in den Abmessungen mit der üblichen Grösse etwa eines iPhones oder eines E71 vergleichbar, aber etwas dicker; der Mechanismus zum ausklappen der Quertastatur wirkt sehr solide und kann mit einer Hand bedient werden. Zum Surfen ist der Querbildschirm gut geeignet, auch wenn er sich nicht mit Gesten, sondern nur mit Druck auf ein bestimmte Stelle des Monitors Zoomen lässt. Der Bildschirminhalt ändert die Ausrichtung beim Kippen des Geräts, und das geht auch mit den frei platzierbaren Widgets. Bei aufgeklappter Tastatur bleibt er quer.

Zum Scrollen wird man bei aufgeklappter Tastatur schnell auf den 5-Richtungs-Navigator zurückgreifen, der für die linke Hand unten links eingerichtet ist. Insgesamt wirkt auf dem Nokia N97 alles eine Spur weniger flüssig als auf dem iPhone, aber das könnte teilweise auch am schlechten Mobilfunkempfang am Vorführort gelegen haben.

Wer ein bisschen mehr Wert auf ein unmfangreiches Technikangebot als das des iPhone legt, aber auf dessen Eleganz verzichten kann, dafür aber nicht auf einen grossen Bildschirm und eine Tastatur, wird mit dem N97 gut bedient.

5 Megapixel, 42 GB und Standardanschlüsse

Die 5 Megapixel-Kamera mit Doppelblitz schiesst akzeptable Fotos und gute Videos, die Verbindungsmöglichkeiten via Kabel, Bluetooth und Wlan lassen keine Wünsche offen, und Nokia hats endlich hingekriegt, einen Standard 3.5-mm Klinkenstecker und eine Micro-USB-Schnittstelle einzubauen, über die das Gerät auch mit Strom geladen wird, und der Speicher ist mittels Micro-SD auf insgesamt 42 GB ausbaubar.

Ein Wermutstropfen ist das Gehäuse aus Plastik, welches deutlich billiger wirkt als beispielsweise die edle Metallhülle des E71. Trotzdem: Das N97 ist für Geeks mit hohen Multimedia- und Produktivitätsanforderungen eine gute Wahl.

(Affiliate-Link) Nokia N97[/a]

Nokia N97 Produktsite

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16 Kommentare

  1. Josef
    schrieb am 25. Juni 2009 um 20:51 Uhr (#)

    Als Nutzer des Commis seit der ersten Stunde werde ich nunmehr wohl meinen 9300i in den verdienten Ruhestand schicken und mir das N97 holen. Goodby Commi welcome N97 ;-)

  2. sennhauser
    schrieb am 25. Juni 2009 um 21:20 Uhr (#)

    Habe mich ja schon gewundert, was Du im Seefeld draussen gesucht hast … und nun fehlt mir nur noch die Vergleichsfoto mit dem E71 v.w. Dicke. Heimweh nach dem Psion selig habe ich auch. Und nach dem tollsten aller Klötzchen, dem HP 200LX.

  3. Martin
    schrieb am 25. Juni 2009 um 21:57 Uhr (#)

    hi, weiß jemand wann es das n97 bei vodafone gibt?

  4. Paxter
    schrieb am 25. Juni 2009 um 21:57 Uhr (#)

    Hai

    Netter Bericht aber das mit den düsteren Bildern ist nicht zu entschuldigen ein Photo Apparat mit nem vernünftigen Blitz ist ja wohl das mindeste wenn ich auf ne Vorstellung/Messe gehe. Jemand der dann auch weiß damit umzugehen ist natürlich auch nicht schlecht.
    Wirft ein ganz schlechtes Licht auf Online Photo/Journalisten.
    Will ich nicht nochmal sehen ;-)

    Aber ich denke auch das ‘N97 wird der Renner.

    Gruß

  5. Sabine
    schrieb am 25. Juni 2009 um 22:19 Uhr (#)

    Einen Vorabverkauf gab es ja schon letzte Woche. Also ein paar Nokialiebhaber kommen schon in den Genuss der hier beschriebenen Handyhighlights. Ich persönlich kann mich mit diesen Tastaturen nicht anfreunden. Wozu? 10-Finger-Tippen geht eh nicht. Und das Drücken der Tasten ist oft schwer, ich hoffe bei diesem Gerät nicht.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 26. Juni 2009 um 00:36 Uhr (#)

    @Paxter: Meinen Nikon SB600 habe ich letzte Woche fallenlassen und bisher nicht ersetzt, und wenn Du einen Handy-Bildschrim sinnvoll mit Blitz fotografieren willst, musst Du ins Studio. Die Aufnahmen sind mit einer Nikon D300 und 30mm Sigma-Objektiv bei Blende 1.4 entstanden -hab ich noch nicht oft an Messen gesehen… Mehr darüber gibt’s auf fokussiert.com

  7. Schtonk!
    schrieb am 26. Juni 2009 um 07:44 Uhr (#)

    Zu dunkel vielleicht nicht (man soll am Schirm ja was sehen, heller und er wäre ganz weiss), aber verwackelt und unscharf.

    Aber das liegt daran, dass der Autor das Gerät wohl nicht in die eigene Pfote bekommen hat, so dass er es mal ablegen und in Ruhe aufnehmen konnte.

  8. Denis
    schrieb am 26. Juni 2009 um 08:06 Uhr (#)

    neuerdings.com lud auf dem iPhone etwas schneller als auf dem Nokia N97.

    Welches iPHone denn? 3G oder 3GS?

  9. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 26. Juni 2009 um 08:19 Uhr (#)

    @S: unscharf? Brille putzen. Geringe Schärfentiefe ist nicht unscharf.
    @Denis: Ich würde behaupten 3GS, aber die Aussage ist ohnehin angesichts der unterschiedlichen Dienstanbieter und der lausigen Verbindung im Restaurant mit extremer Vorsicht zu geniessen.

  10. Paxter
    schrieb am 26. Juni 2009 um 08:32 Uhr (#)

    @P.Sennhauser

    ist schon in Ordnung aber der Hinweis das die Bilder duster sind reizt mich immer “ungefragt” zu helfen. Du hast recht ist schon schwierig in so ner Situation vernünftige Bilder zu machen. Mit nem Blitz wär aber wenigstens die Schärfe da gewesen und das Bild nicht verwackelt. Ich hab immer nen kleinen Zweitblitz von Metz dabei, hat so um die 100€ gekostet, falls der große mal schlapp macht.
    Ich hoffe ihr macht noch nen richtigen Test, das hat das N97 verdient.

    Ach so ich bin Autodidakt hab also prinzipiell in Deutschland kein Recht andere zu kritisieren ;-)

    Gruß

  11. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 26. Juni 2009 um 08:40 Uhr (#)

    @Paxter: Danke für Deine Hilfe. Aber erstens ist ausser dem letzten Bild nichts verwackelt, das geht nämlich bei 1/200s und 30mm praktisch nicht, und die Bilder sind nicht “unscharf”, sondern aufgrund des lichtstarken Objektivs mit voll geöffneter Blende mit einer sehr geringen Schärfentiefe ausgestattet. Wenn man solche Geräte mit Blitz aufnimmt, ist vom Bildschirm nichts mehr zu sehen – und das Gehäuse allein kannst auf der Produktseite von allen Seiten angucken.
    Keine Frage, dass man die Bilder besser hätte machen können (abgeblendet in hellerem Teil des Restaurants und sauber aufgestellt), aber dafür fehlte gestern einfach die Zeit.
    Es wird einen ausführlichen Test geben.

  12. TheTeaser
    schrieb am 26. Juni 2009 um 12:36 Uhr (#)

    ist immer schön wenn man ein softwaremässig ausgereiftes produkt auf den markt wirft,dumm nur, das sich bei wLan mitlerweilen der n-standart festgesetzt hat,und bluetooth mit dem version 3 standart zu haben ist.
    ich hoffe nur das nokia dann die hardware überarbeitete version noch nachlegt.
    aber ansonst ist es natürlich das was nokia seit jeh her den erfolg beschert hat,grenzenlose komunikation die überall verfügbar ist und auch noch in die hosentasche passt.

  13. m0
    schrieb am 27. Juni 2009 um 14:41 Uhr (#)

    Um einen Erstatz für meinen Psion zu finden habe ich mir damals einen Zaurus SL C3200 gekauft. Der hat leider keine vergleichbare Tastatur und war so teuer dass ich ihn nicht überall mit nehmen möchte.
    Da mein N95 langsam aber sicher den Geist aufgibt werde ich jetzt mal das N97 ausprobieren.:-)

    mFg m.F.

  14. sennhauser
    schrieb am 18. Juli 2009 um 13:01 Uhr (#)

    Mittlerweile habe ich das Gerät ausprobiert, und nach zwei Stunden, vier unerwarteten Abstürzen und einigem Ärger über idiotische Usability-Fehler wieder aufgegeben. Das N97 ist schlicht und einfach ein Murx, eine wilde Mischung aus veralteter Symbian-Struktur mit aufgepfropfter Touch-Steuerung und einer Mischung aus Software-Elementen, die keiner Logik folgt. Dass man etwa die Navi-Karten nur bei aufgeklapptem Fon ins Querformat kriegt, ist idiotisch. Das N97 hat viele tolle Features, kriegt die aber alle nicht integriert. Ich bleibe beim E71 und warte auf das iphone mit Tastatur, allenfalls den Palm Pre.

  15. Denis
    schrieb am 19. Juli 2009 um 10:52 Uhr (#)

    @sennhauser:
    Ein iPhone mit Tastatur? Das Palm Pre gibts bei O2 Ende diesen Jahres ;)

    Aber interessant, wie stark doch ein Handy/Smartphone beworben wird, welches so oft abstürzt…

  16. Stephan
    schrieb am 17. August 2009 um 09:16 Uhr (#)

    @sennhauser:
    Danke für die Berichterstattung. Deine Erfahrungen (die auch einen Wandel im Urteil über das N97 zu erkennen gaben) haben mich in meiner Entscheidung bestärkt, das günstigere und praktischere E71 zu bestellen. Abgesehen davon: auch wenn mir das N97 schon gefallen hätte – in welche Hosentasche soll das Brickett denn passen?

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