Sony Ericsson Xperia X1 im Test (2):
Viele viele bunte Bildchen

Das Xperia (Affiliate-Link) schlägt in der Reihe der Sony Ericsson-Handys aus der Art: Es basiert auf Windows Mobile. Damit der Anwender das nicht direkt merkt, versteckt es sich jedoch an vielen Stellen, zuallererst hinter dem “X-Panel”.

In der unendlichen Reihe “ich wär so gerne ein iPhone” hat sich Sony Ericsson dazu hinreißen lassen, dem Xperia eine Benutzeroberfläche mit Icons zu spendieren. Man stellt sich das richtig vor: Der SE-Chef ruft: “Die Kunden laufen uns davon. Vorschläge?”, und einer antwortet: “Wir verteilen bunte Bildchen!” – und schon war das “X-Panel” geboren. Vor einem Jahr noch als “iPhone-Killerapplikation” (also nicht für es, sondern um es…, Sie verstehen schon) gepriesen, ist es still geworden. Vielleicht weil gut gewollt doch nicht gleich gut gekonnt ist. Im “X-Panel” ist ein Raster von Icons, mit dem man auch verschiedene Hintergründe wählen kann. Doch auch bestimmte Anwendungen wie ein Musikplayer sowie ein UKW-Radio sind hier zu finden.

Kleine rechteckige Bildchen signalisieren, was nach Antippen in groß erscheint. Wahlweise können Sie die auch in eine “Blätteroberfläche” umschalten (iPhone lässt grüßen). Sieben “X-Panels” sind bereits auf dem Xperia vorinstalliert, weitere können die Anwender aus dem Internet herunterladen. Doch wer hier eine Fülle an Anwendungen ähnlich dem AppStore für das iPhone erwartet, dürfte bitterlich weinen: ganze sieben weitere Panels sind zum Stand heute online.

Ein weiterer Unterschied zum iPhone: beim X-Panel ist Entscheidungsstärke gefragt, denn nur neun Plätze sind vorhanden. Wenn alle belegt sind, müssen Sie also für ein neues ein vorhandenes löschen. Gehen wir mal durch, was den Kunden erwartet. Die X-Panel-Gesamtübersicht erscheint, wenn man auf die dreieckige Taste unten links drückt.

Mitgelieferte X-Panels

Die ersten vier Panels sind unterschiedliche Benutzeroberflächen für das Xperia, also “Heute”-Ansichten mit verschiedenen Elementen (siehe auch Bilder). Neben der minimalistischen und avantgardistischen Variante bevorzuge ich die beiden “Wimmel-Panels“, auf die man laden kann, was auch immer man als Information gerne hätte unterwegs. Sie sind das, worauf Generationen gewartet haben, die Uhrzeit wird ausreichend groß genug angezeigt. Ich habe direkten Zugriff auf die Aktivierung des Bluetooth-Moduls sowie der zuletzt gewählten Programme. Posteingang sowie entgangene Anrufe stehen sofort bereit.

Die schlanke Bauform des Handys finde ich angenehm, so habe ich nicht (wie noch beim Vorgänger oder auch beim iPhone) das Gefühl, mit einem Brikett zu telefonieren und es passt in alle “Handy”-Halterungen und Taschen, die ich besitze. Der Nachteil ist jedoch: Die Bedienung der Miooonen Funktionen auf der Benutzeroberfläche erfordert spitze Finger oder die Rekrutierung des (von Sony Ericsson zum Glück beigelegten) Stiftes. Und im Gegensatz zu der minimalistischen und der avantgardistischen auf den beiden Wimmelbildschirmen ist das Telefon (also die Wähltastatur) nicht direkt erreichbar, und so muss ich dafür extra die “Aufheben”-Taste drücken.

Der Mediaplayer ist eine Sammeloberfläche für alle “Kirmes”-Inhalte, also Musik, Videos, Spiele und Fotos (außerdem kann man hier auch Kontakte abrufen). Zwischen den genannten Funktionen wechselt man mit einer Art Multitouch-Bedienung, die aber gewöhnungsbedürftig ist und nicht so federleicht funktioniert wie ich das schon auf dem iPhone gesehen habe. Die Bedienung ist sonst gut und auch per Finger möglich – angenehm ist, innerhalb kürzester Zeit in einem Stück hin und her springen zu können (etwa in einem Hörbuch). Stichwort Hörbuch: Die Kapitel sollten sorgfältig numeriert sein, sonst spielt der Player sie wild durcheinander ab.

Die Videowiedergabe ist ausgezeichnet – bei der hohen Auflösung des Displays auch kein Wunder. Der Prozessor des Xperia ist zudem stark genug, auch komplexe Inhalte wie einen James-Bond-Trailer ruckelfrei wiederzugeben. Das verspricht gute Unterhaltung für unterwegs (wenn die Inflight-Movies mal wieder nichts taugen). Die Spiele sind die gleichen, die auch über das herkömmliche Startmenü verfügbar sind.

Die Vodafone-Oberfläche ist für die Online-Angebote von Vodafone gedacht, also alles, was sich unter dem Stichwort “Live” abspielt. Interessant: als Standard-Browser (zum Beispiel für das Angebot Vodafone-TV) wird Opera angeworfen. Über die Inhalte des TV-Angebots werden wir in einem späteren Beitrag berichten.

Das Radio muss extra eingeschaltet werden und empfängt UKW-Sender, die terrestisch ausgestrahlt werden (analog) und zeigt sogar deren RDS-Kennung. Als Antenne verwendet das Gerät den Headset-Anschluss, und tatsächlich hat man unterwegs den besten Empfang, wenn man mit ausgebreiteten Armen den Headset-Adapter sowie das Kabel zum Kopfhörer von dem Gerät weghält. Sonst sind Störungen sowie die ständige Umschaltung zwischen Stereo und Mono an der Tagesordnung (das kann aber auch daran liegen, dass ich etwas weiter weg vom nächsten Funkturm wohne). Immerhin empfängt er alles, was ich sonst auch im Auto reinbekomme: WDR-Sender, SWR3, Radio Köln, BigFM, nur BFBS ist leider etwas verrauscht.

Nachgeladene X-Panels

Wer weitere Panels haben möchte, kann sie von der entsprechenden Seite bei Sony Ericsson herunterladen, entweder über den normalen PC, oder mit dem Handy, allerdings sollte dafür eine schnelle Flatrate vereinbart sein. Mit X-Panels Geld zu verdienen, davon haben sich die Firmen wohl verabschiedet, und deswegen sind dort wohl auch nur ganze sieben Stück zu finden. Das sind eine Facebook-Applikation, ein Programm für den Zugriff auf Windows Live, eine Diashow etc. Um sich die Büchse nicht zu voll zu laden, sollte man überlegen, ob das gewählte sinnvoll ist oder nicht. Denn weltbewegend Neues ist nicht darunter.

Natürlich – schließlich ist es ein Windows-Mobile-Handy – funktionieren die Mioonen Programme, die draußen in der Welt für Windows Mobile geschrieben wurden. Theoretisch jedenfalls. Praktisch hat ein großer Hersteller von GPS-Software verneint, sein Programm würde auf dem Xperia laufen, wegen der unterschiedlichen Auflösung. Kompatibel ist also in kompatiblen Sinne nicht immer ganz kompatibel. Wir bleiben da dran.

Fazit

Die X-Panel-Bedienung ist eine sinnvolle Benutzerführung. Ich wünsche mir für die Zukunft weitere X-Panels, denn das schnelle Wechseln zwischen nützlichen Programmen und Oberflächen ist unterwegs Gold wert, und ich wünsche mir, dass mehr als neun Plätze zur Verfügung stellen. Vor allem wünsche ich mir viele neue Programme. Aber ich bezweifle, dass Vodafone, Sony Ericsson oder andere noch viel Mühe in das Gerät stecken möchten. Schade.

to be continued…

Folge 1: Schmalhans und Küchenmeister

Folge 3: Wenn die Uhr runterfällt, ist sie kaputt

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