Carbonite Backup im Test:
Der Daten-Airbag

Wolf-Dieter Roth, 16. März 2009 12:38 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Carbonite Backup ist ein automatisch arbeitendes Online-System. Wie zuverlässig ist es in der Praxis? Und wo versagt es?

Backups? Machen wir, klar. Täglich! Naja, öfters. Also ok, ab & zu, wenn mal grad nichts Wichtiges zu tun ist. Leider gehen diese blöden Daten aber auch immer kurz vor dem Backup verloren, statt danach…

So schaut es bei den meisten Compternutzern aus mit dem Backup: Man weiß, man sollte…aber dann denkt man doch nicht dran.

Schön, wenn in einem Firmennetz der Admin das Sichern der Daten übernimmt. Doch was zu Hause oder an Einzelplatzrechnern? Das Ganze auf einen Server schieben, wie im Büro, klar! Nur, wenn es keinen Server gibt?

Zumindest für Nutzer von Windows XP und Vista ist Globell Carbonite Backup die Lösung: Es schiebt alle ausgewählten Daten auf einen Online-Server. Und zwar, sobald der User eine Arbeitspause einlegt beziehungsweise die Online-Verbindung nicht selbst nutzt.

Besonders praktisch ist dies am Notebook, der ja üblicherweise über WLAN kabellos mit dem Internet verbunden ist, jedoch selten mit einem Server.

Vor ein paar Jahren klang sowas noch ziemlich absurd, doch mit modernen DSL-Verbindungen ist es machbar. Der Erstbackup kann allerdings schon einmal 14 Tage am Stück brauchen, auch wenn man selbst beim Notebook nicht die ganze Festplatte sichern sollte, sondern immer nur die Verzeichnisse, die Texte oder Fotos enthalten.

Danach werden nur neue oder geänderte Dateien auf den Backup-Server geschoben. Es gibt allerdings kein inkrementelles Backup: Wenn eine 1 GB große outlook.pst um eine neue E-Mail ergänzt wird, ist sofort wieder das ganze GB neu hochzuladen. Und “verhunzte” Dateien werden auch auf dem Backup-Server schnell ausgetauscht.

Lediglich verschwundene Dateien werden auf dem Server noch 30 Tage vorgehalten. Wer also eine Datei versehentlich löscht, kann sie sich 30 Tage vom Online-Backup zurückholen, wer eine Datei versehentlich überschreibt, nur wenige Minuten.

Die Software kann kostenlos geladen und dann 15 Tage getestet werden. Danach hat man noch weitere 30 Tage Zeit, ein Abo zu erwerben, bevor die angelegten Backups verfallen. 12 Monate kosten 49,95 €, wer gleich einen Zweijahresvertrag abschließt, bekommt 10 € Rabatt und zahlt 89,95 €.

Im Unterschied zu einer normalen Backup-Lösung wird der Online-Backup nicht einmal am Tag nachts angestoßen, sondern startet, sobald es etwas zu “backuppen” gibt und der Rechner frei ist. Der Benutzer merkt hiervon nichts – der Carbonite-Online-Backup geht nicht mit erhöhter Systemlast einher. Allerdings muß der Rechner eingeschaltet bleiben, sonst findet kein Backup statt.

Ich teste Carbonite Backup nun bereits über ein Jahr. Daß der Testbericht allerdings erst jetzt erscheint, liegt an einem üblen Bug: Carbonite Backup kommt nicht mit in den in Windows XP Professional möglichen EFS-verschlüsselten Dateien und Verzeichnissen zurecht.

Tatsächlich werden diese zwar (unverschlüsselt) gesichert. Doch dabei legt Carbonite Backup bei jedem Versuch, so eine Datei zu sichern, eine Testdatei in seinem Systemverzeichnis ab. Nach einem Jahr fanden sich dort etwa 15.000 0-Byte-Dateien. Diese zu löschen, dauert Stunden. Dabei sollte man auch gleich die Logfiles löschen, die nach einem Jahr ebenfalls bereits jenseits von 100 MB lagen.

Schlimmer ist allerdings, daß Carbonite Backup beim Sichern EFS-verschlüsselter Dateien das Windows-Dateisystem komplett zerschießen kann. Jedenfalls passierte dies bei uns durchaus mal: Sobald der Backup anläuft, erscheint die Meldung Die Datei oder das Verzeichnis \???? ist beschädigt und nicht lesbar. Führen Sie CHKDSK aus.

CHKDSK kann jedoch nie ohne vorherigen Reboot ausgeführt werden, weil die betreffenden Dateien stets “in Gebrauch” sind – klar, Carbonite Backup versucht ja schließlich gerade, sie zu sichern. Und beim Booten werden dann endlos fehlerhafte Dateisegmente wieder korrekt zugewiesen – das dauert dann schon mal 30 bis 45 Minuten, bevor der Rechner endlich wieder betriebsbereit ist, um dann, kaum daß nun gnädigerweise weitergearbeitet werden kann, erneut Die Datei oder das Verzeichnis \???? ist beschädigt und nicht lesbar. Führen Sie CHKDSK aus. zu vermelden.

Leider ist dieser Zusammenhang dem Nornaluser nicht ersichtlich: Es steht nirgends in der Anleitung, daß EFS-verschlüsselte Dateien nicht in den Backup aufgenommen werden dürfen. Wesentlich stärker mit Truecrypt verschlüsselte Dateien machen ja auch keine derartigen Probleme. Doch ein ständig korrumpiertes Windows-Dateisystem auf einem Arbeitsrechner ist ein massives Problem.

Ohne Ahnung von der Ursache war ich davon ausgegangen, daß die Laptop-Festplatte defekt sei. Eine Neuanschaffung lief denn auch endlich ohne ständige CHKDSK-Aufforderung. Allerdings nur deshalb, weil sich Carbonite Backup automatisch deaktiviert, wenn es einen Wechsel eines Arbeitdatenträgers entdeckt.

Als ich dann nach 14 Tagen Carbonite Backup wieder einschaltete, um die zuvor gemachten Backups nicht zu verlieren, erwies sich dann auch die neue Festplatte als hardwareseitig defekt: “Schlechte Sektoren, Festplatte ist defekt und muß umgetauscht werden”, so die Auskunft der Carbonite-Hotine, die ich nun fragte, weil der Zusammenhang der stundenlangen CHKDSK-Orgien mit Carbonite nun offensichtlich geworden war.

Erst nach etwa 3 Wochen Diskussionen mit der Hotline kam heraus:

  1. “Carbonite Backup kann keine verschlüsselten Dateien sichern”Stimmt nicht: Es kann sie einwandfrei sichern. Nur kann dabei das lokale Dateisystem auf dem PC, von dem aus gesichert wird, gnadenlos zerballert werden.
  2. “Das steht nicht in der Anleitung, weil es allgemein bekannt ist, daß Carbonite Backup keine verschlüsselten Dateien sichern kann”Tja, wenn es in der Anleitung stünde, dann wäre es vielleicht allgemein bekannt. So bleibt es Geheimwissen der Cabonite-Entwickler. Ebenso, wieso Carbonite Backup sich dann nicht einfach weigert, EFS-Dateien zu sichern, wenn es zu blöd ist, dabei die Windows-Dateistruktur intakt zu lassen. Doch lt. Auskunft der Globell-Techniker ist das nicht möglich. Ebenso wenig wie ein Hinweis, warum immer wieder das Windows-Dateisystem korrumpiert war und das Reparieren 45 Minuten dauerte.

Die Hotline bot mir schließlich an, mir mein Abo zurückzuerstatten.

So gut die Carbonite-Backup-Lösung ist, die mir einige Male ermöglichte, verschwundene Dateien vom Carbonite-Backup-Laufwerk zurückzuholen, so alarmierend ist der rabiate Umgang mit dem Windows-Dateisystem. Eigentlich ist es nicht Sinn der Sache, seine Daten online zu sichern, sie aber dabei gleichzeitig im Original zu zerschießen. Zwar schien zumindest bei mir nichts verloren gegangen zu sein, doch ein ständig korruptes Windows-NTFS-Dateisystem auf einem Arbeitsrechner ist etwas extrem beunruhigendes.

Ohne EFS-verschlüsselte Dateien auf dem System ist Carbonite Backup allerdings eine komfortable und unauffällige Backup-Lösung, die minutenaktuell sichern kann. Und für den, der sich Sorgen um seine Datensicherheit macht: Die Daten werden verschlüsselt übertragen und abgelegt, die Server stehen in Massachusetts, USA. Die NSA kann also möglicherweise mitlesen, Schäuble dafür nicht.

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6 Kommentare

  1. Ulf
    schrieb am 16. März 2009 um 13:33 Uhr (#)

    Hi!

    Ich nutze http://mozy.com/. Ähnliches Konzept, allerdings mit inkrementeller Sicherung. Vorher hatte ich auch Carbonite installiert. Mozy scheint schneller zu sein, das Interface wirkt ebenfalls etwas professioneller.

    Einfach mal ausprobieren…

  2. Hans
    schrieb am 16. März 2009 um 14:03 Uhr (#)

    Und noch ‘ne Alternative: http://www.jungledisk.com – kenne und nutze ich seit 2007 und bin sehr zufrieden. Die größten Vorteile:

    - sichert auf Amazon S3
    - echtes Pay per Use mit fairen Tarifen
    (ich komme auf EUR 0,20 pro GB und Monat)
    - Clients für Windows, Mac, Linux
    - Einbindung als lokale Festplatte
    - sehr flexibel einstellbare Versionierung
    - inkrementelle Backups der geänderten Bytes
    - und, und, und…

    Es mag billigere Online Storage Anbieter geben. An Nutzwert, Zuverlässigkeit, Flexibilität etc. von JungleDisk kam keiner ran, den ich bisher ausprobiert habe – und das waren viele.

  3. Nils
    schrieb am 16. März 2009 um 21:01 Uhr (#)

    Ziemlich cool, werde aber trotzdem bei meiner alten Backup Methode bleiben > externe Festplatte

  4. Hans
    schrieb am 17. März 2009 um 14:38 Uhr (#)

    @Nils: externe Festplatte allein ist okay, externe Festplatte plus Onlinebackup is besser. Für die Paranoiker unter uns! :-)

  5. raptory.com
    schrieb am 20. März 2009 um 18:35 Uhr (#)

    raptory.com

  6. leo
    schrieb am 13. Juli 2009 um 17:02 Uhr (#)

    und wie wäre es mit dropbox?
    getdropbox.com ist ein versuch wert! (wenngleich der fokus nicht auf backup liegt)

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