Amazon Kindle2 im Test:
Auspacken und staunen
Amazon hat mit dem ersten E-Reader “Kindle” schon Aufsehen erregt – allerdings mehr wegen des Konzepts als des (hässlichen) Geräts. Der Kindle2 sieht deutlich besser aus. Wir haben einen.
Auspacken! Ich mach das für mein Leben gern, auch dann, wenn ich grade 365 Dollar für den inhalt eines Kartons rausgerückt habe. Der Kindle2 von Amazon kommt in den USA über Nacht, wenn man am Vortag vor Mittag bestellt. Ich habe heute erst nach 19.30 Uhr geduscht. Ich hätte ja sonst mit shampooniertem Haar den UPS-Pöstler verpassen können.
Zum Kindle2: Das Gerät ist deutlich kleiner, vor allem dünner, als der Vorgänger und liegt viel besser in der Hand. Das Display überzeugt genau wie alle andern E-Ink-Bildschirme – der fast schon unglaubliche Kontrast sticht ins Auge, sobald man den Kindle2 aus der geradezu Apple-mäßig gut gestalteten Verpackung hebt. Der Screen zeigt dann nämlich schon eine Anleitung an:
E-Ink braucht, wenn die Seite einmal aufgebaut ist, keine weitere Stromzufuhr, sondern hält das Bild auf immer und ewig (naja – auf lange Zeit. Es handelt sich um zweifarbige Kügelchen, die durch eine Spannung in einem feinen Raster gedreht werden, so dass sie entweder schwarz oder weiß nach oben zeigen. nach der Drehung verharren sie in der gleichen Lage. Aber ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie lange.)
Deshalb kann der Kindle2 auch, wenn man ihn ausschaltet, noch schnell das Porträt einer Schriftstellerin oder eines Schriftstellers laden, das dann wie ein Cover auf dem Screen stehenbleibt, während der Kindle2 im Ruhezustand ist. (Nein, eigene Bilder nachladen geht leider nicht.)
Ich habe natürlich sofort kurz die Funktionen des Kindle2 ausprobiert. Die Anlage der Knöpfe zum Blättern ist angenehm, ein kleiner Joystick dient zum herumscrollen in der Seite. Zwei Lautsprecher im Alu-Rücken des Geräts produzieren brauchbaren Klang. Ich habe ganz kurz die Vorlese-Funktion eingeschaltet und war hingerissen. Ich habe noch keine auch nur annähernd so gute synthetische Sprachausgabe gehört. Das klingt, als ob ein persönlicher Vorleser den Text läse, mit perfekter Betonung und nur da und dort etwas zu kurzen Pausen.
Die “experimentelle” Webbrowser-Funktion konnte ich natürlich auch nicht unerprobt lassen. Sie beherrscht neben HTML auch Javascript, aber keine Multimediafunktionen – für die Darstellung der neuerdings.com-Seite reichte es aber lange. Vielversprechend!
Die Verbindung über das rasend schnelle Verizon-Datenfunknetz (nicht GSM und deswegen leider nicht europatauglich) ist standardmässig eingeschaltet, und ich abonniere gleich mal die NewYorkTimes – die erste Ausgabe ist in 20 Sekunden auf dem Gerät. Das habe ich, wohlgemerkt, grade mal vor fünf Minuten aus der Verpackung genommen!
Die ersten Lesetests sind vielversprechend und machen süchtig – sei’s nun die Zeitung oder die ersten beiden Bücher, die ich aus meinem Amazon-Konto am PC (geht auch direkt am Kindle2) mit einem einzigen Klick gekauft habe: Anklicken, bestätigen, fertig. Meine Kreditkarte kennt Amazon ja schon, und die gekauften Bücher werden sofort und binnen Sekunden auf das E-Book geschickt – kein USB-Kabel-Gefummel, kein Verschieben von Dateien, kein gar nichts – einfacher als iTunes.
Ich bin sehr beeindruckt, auch wenn ich später noch ein paar Ecken und Kanten des Systems gefunden habe – ich habe auch noch ein paar tolle Zusatzleistungen gefunden. Aber das sparen wir uns für den richtigen Testbericht. Jetzt geht’s erstmal zu den Kindle2-Bildern.
- Amazon Kindle2 im Test: Auspacken und staunen (13. März 2009)
- Amazon Kindle2 im Test: Der Vorleser (15. März 2009)
- Amazon Kindle: Jetzt auch bei uns bestellbar (7. Oktober 2009)
- «Kindle2» von amazon in Europa: Erster Bote einer neuen Generation (17. November 2009)




















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Audio bitte! kleiner Clip, ja? Und auch gleich noch einen deutschen Text vorlesen lassen :)
“deutschen Text vorlesen lassen”. Das ist ja wie auf dem iPhone etwas tippen… Ok, ich probiers.
und ich bin gerade wieder dabei mir richtige bücher zu kaufen … ist einfach schöner . aber für fach und schulbücher könnte es wohl das richtige sein (wenn das display mal größer wird).
Ich erinnere mich gut an ein Lexikon aus den 50ern, in dem zu lesen stand: “An der bemannten Weltraumfahrt wird eifrig geforscht.” Das las ich als Kind, in den 70ern, als Neil Armstrong seine Fußstapfen schon längst auf dem Mond hinterlassen hatte.
Ein bisschen komme ich mir bei eBooks in Deutschland auch so vor. Es wird eifrig geforscht.
Bei uns hadert man noch über Preise, über Rechte, über Vertriebswege, über den bösen, bösen Raubkopierer, der wir alle sind, während man sich in anderen Ecken der Welt längst 100 Bücher elektronisch unter den Arm klemmt und gut gelaunt an den Urlaubspool schlendert. Ach ja, und nicht zu vergessen: der Datenschutz. Wenn Staatsmacht und Marktforscher erstmal heraus finden, was der transparente Leser so an subversivem Material zu sich nimmt. In jedem populärwissenschaftlichen Buch zur Quantenphysik steckt nunmal auch ein bisschen Wissen um den Bau der Atombombe. Nein, das geht nicht. Anonym gekaufte, gedruckte Bücher kann ich wenigstens verbrennen oder aufessen, um keine Spuren zu hinterlassen. Aber meine IP…?
Fazit: was die Adaption neuer Technologien angeht, kann man aus Deutschland nur neidisch über den großen Teich und auch in andere Länder Europas blicken. Es ist wirklich eine Schande, dass sich viele Entscheider in Wirtschaft und Politik ganz offensichtlich nicht im Klaren darüber sind, wie sehr wir an dem Punkt hinterher hinken und uns mit all unserer typisch deutschen Bedenklichkeit selbst im Weg stehen. Man muss alles Neue kritisch hinterfragen, völlig klar. Man kann es aber auch übertreiben mit der (Selbst)Kritik und darin sind wir Weltmeister.
P.S.: Ich weiß sehr wohl, dass eBooks in 2009 auch in DE in voller Breite auf den Markt kommen. Bald 2 Jahre nach den USA halt.
Naja… dann muss man das aber auf das komplette Amazon-Programm bzw. alle Webshops anwenden, da diese ja allesamt, wenn sie gut sind, das Userverhalten analysieren (und z.B. Amazon ja das einem auf den ersten Blick angebotene Warenprogramm anpassen).
Wow! Dieses Gerät würde ich sofort kaufen. Na ja, wenn da nicht die bereits oben erwähnte deutsche Schwerfälligkeit wäre. Momentan sehe ich vor allem Probleme in der geringen Auswahl an deutschen e-Büchern und der starren Preispolitik. Das muss besser gehen, und dann nichts wie ran an die neuen Sachen.
PS: bin auf weitere Einzelheiten zu diesem Gerät gespannt.
Aber bevor ich mir den Kindle kauf, nehm ich lieber den PRS-505 von Sony. Zumindest in Österreich gibts den ja ab April. Da glaub ich ja doch, dass es den in Deutschland auch geben wird. Ausserdem hat man dann auch noch gleich einen eigenen e-Shop dafür, was zumindest Thalia angekündigt hat. Ausserdem ist das von Sony günstiger und hat eine bessere Bedienbarkeit.
Ich versteh das nicht: Wie kaufst du Inhalte bei amazon.com? Hast du Zugang zum Verizon-Datenfunknetz?
Man kann damit auch E-Books, die auf der Festplatte herumliegen, lesen, oder? Ich meine nicht-gekaufte PDF-Dateien (zum Beispiel selbst erstellte).
Das Gerät ist ein Wunderwerk der Technik, wie ich finde!
Wie kommt der Kindle denn mit PDF Dateien klar? Da sollen einige Geräte ja wegen des nicht für EReader optimierten Formates Probleme haben.
@Jan. Der neue, grössere Kindle DX soll scheinbar PDFs schlucken können.
Das Ding ist sehr schick und ich liebäugle schon länger mit dem Erwerb. Wenn es jedoch keine normalen PDF lesen kann, welche ich auf meiner Festplatte habe oder im Web ziehe und man nur bestimmte Datenformate laden kann, welche bei amazon erwerbbar sind, ist es wertlos. Ich hoffe sehr, dass Amazon hier eine offene Politik fährt…
Tobias
Der Kindle liest TXT, HTML und ein eigenes Format. PDFs muss man an eine spezielle mailadresse schicken, sie kommen dann in einem für den Kindle verständlichen Format zurück – hier in den USA via Mobilfunk direkt auf den Kindle (kostet aber 10 Cents pro mail) oder kostenlos an die eigene Mailadresse, von wo man sie via USB auf den Reader ziehen kann. Keine optimale Lösung – was Dateiformate angeht etc ist der Sony dem Kindle überlegen.