ELV WS 3650 im Test:
Windmessung günstiger

Die ELV Wetterstationen können alles, auch Windmessung und Wetterloggen, haben aber auch ihren Preis. Die WS 3650 bietet viel und kostet weniger als das Spitzenmodell. Was ergab unser Test?

Wir haben inzwischen Wetterstationen von 10 bis 450 Euro getestet, einfache Thermometer, Geräte mit “Satellitenempfang” oder Designmodelle, die den Benutzer bei wirklich unangenehmer Kälte nicht mehr mit Meßwerten belästigen. Auch Windstärken, Sonnenscheindauern und Regenmengen werden gemessen.

Die WS 3650 von ELV bietet dabei wie das Spitzenmodell WS 550 Windrichtung und -stärke, Hintergrundbeleuchtung und Regenmenge zusätzlich zu den üblichen Temperatur, Feuchte und Luftdruck, kostet aber statt 450 € nur 250 €. Wo liegt der Unterschied?

Die WS 3650 ist dabei im Gegensatz zur WS 550 keine ELV-Entwicklung, sondern nur aus Fernost zugekauft.

Es gibt dabei viele Gemeinsamkeiten: Das Gerät arbeitet störsicher auf 868 MHz, hat einen Touchscreen, eine Hintergrundbeleuchtung und ein Netzteil. Allerdings ist bei der WS 3650 auch uneingeschränkter Batteriebetrieb möglich. Und die Hintergrundbeleuchtung kann nur wenige Sekunden bei Berührung aufleuchten – als dauerhafte Ablesehilfe wegen des die Anzeige etwas diffuser machenden Touchscreens kann sie nicht geschaltet werden, auch nicht bei Betrieb am Netzteil.

Auch einiges anderes war bei der WS 550 besser gelöst. So wird bei der WS 3650 für die Sensoren kein solch elegantes Montagematerial mitgeliefert wie bei der WS 550. Der Windsensor kann nicht frei aufgestellt werden, sondern ist an einem Geländer oder einer Wand anzuschrauben. Für den Test mußten wir ihn auf ein Brett schrauben, um ihn aufstellen zu können. Ebenso kann die Basisstation nur aufgehängt, aber nicht vernünftig aufgestellt werden.

Doch wie wird das alles verdrahtet? Dafür gibt es eine spezielle Kurzanleitung. Lesen wir doch einmal nach:

Im Allgemeinen werden die Bestandteile, einschließlich die niedrige Station, der Thermo-Hygro-Sensor und der Regen-Sensor, herauf zusammen das 868 MHz Radiogetriebe verbunden, das flexibler als Kabelverbindung ist. Jedoch sollte es gemerkt werden, daß die örtlich festgelegten Kabel für den Wind-Sensor benutzt worden sind, der an den Thermo-Hygro-Sensor angeschlossen wird, indem man ihn in die markierten Außenwannen verstopft.

Oje. Ich kenne mich zwar mit Elektrik und Elektronik bestens aus. Hier braucht es aber anscheinend einen Automechaniker und einen Klempner! Für verstopfte Waschbecken, Toiletten oder Wannen bin ich nicht so der Fachmann, das ist eher Frauensache – zumindest, wenn diese langhaarig sind. Dann verstopft in kurzer Zeit alles.

Wer auch Englisch kann, kommt bei ELV besser zum Ziel: Diese Sprache beherrschte der chinesische Übersetzer offensichtlich. Der Windsensor ist also mit einem Kabel mit dem Temperatursensor zu verbinden, in dem auch die Batterien und der Funksender sind. So hat man offensichtlich vermieden, einen vierten Satz Batterien zu benötigen – drei Mignon-Zellen sind in der Basisstation, zwei im Temperatur- und zwei im Regen-Sensor.

Doch so ist ein Kabelsalat die Folge: Der Windsensor muß ja möglichst frei stehen, während der Temperatursensor besser an einem Fenster zumindest leicht witterungsgeschützt montiert werden sollte. Das Verbindungskabel – Western-Telefon-Stecker – ist zwar fünf Meter lang, damit bekommt man das hin. Doch zieht sich dann ein Telefonkabel quer durch Garten, Terasse oder Balkon. Wozu hat man dann eigentlich eine Wetterstation mit drahtloser Übertragung gekauft?

Zudem erwies es sich im Test als gar nicht so einfach, das Kabel überhaupt an der vorgesehenen Gegenstelle – dem Temperatursensor – anzustecken, der den Funksender enthält: Dieser war ja bereits mit der Schutzglocke versehen – und diese saß sehr fest. Man mußt schon den Mut haben, etwas kaputt zu machen.

Der Anschluß des Regensensors ist dafür sehr einfach Dieser hat seinen eigenen Funksender. Man muß den Regensensor also nur so aufstellen, daß er vom Regen frei erreichbar ist – jedoch nicht von Kneipenbesuchern, die gerne auf halbem Weg nach Hause Ballast abwerfen.

Danach ist die Anlage in der richtigen Reihenfolge durch Einlegen der Batterien zu aktivieren. Angenehmerweise können diese in den Sensoren später auch gewechselt werden, ohne daß alles neu zu programmieren ist, wie bei billigen Stationen, und die Basisstation kann während eines Batteriewechsels oder generell ohnehin am Netzteil laufen.

Die DCF-77-Funkuhrzeit wird irritiernderweise erst nach über 15 Minuten angezeigt, weil das Gerät vorher noch in einer Art Testmodus (genannt: “Spielmodus”) ist. Dies ist insofern ungeschickt, als man schlechten DCF-77-Empfang so erst stark verzögert bemerkt. Dafür wird aber anschließend angenehmerweise auch das Tagesdatum angezeigt.

Ist erstmal alles aufgebaut und verdrahtet, arbeitet die WS 3650 unkompliziert. Einige spezielle Dinge wie der Taupunkt oder die “gefühlte Temperatur”, in die der Wind (Windchillfaktor) mit einfließen, zeigt allerdings nur die mitgelieferte PC-Software an. Diese benötigt einen RS-232-Port und liefert dann entweder (auch exportierbare) Tabellen mit Meßwerten oder eine dem Gerätedisplay nachempfundene grafische Darstellung der aktuellen Meßwerte.

Eine zweite Software verschickt die Meßwerte automatisch per E-Mail oder an Webserver. Wer will, kann so also sein Wetter fernabfragbar machen. Wenn die Innentemperatur nur noch 3°C beträgt, hat man also vergessen, das Fenster zu schließen oder Einbrecher im Haus!

Fazit

Die ELV WS 3650 bietet sehr viele Funktionen bei noch akzeptablem Preis-Leistungs-Verhältnis, allerdings ist der Aufbau etwas umständlich.

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