Zukunfts-Waffensysteme:
Mörderische Gadgets
Das britische Verteidigungsministerium hat Pläne für neue Waffen-, Transport- und Luftkampfsysteme vorgestellt. Die mörderischen Gadgets werden kleiner, leichter und raffinierter.
Es ist eine alte Banalität: Jede neue Technologie wird zuerst von zwei Industrien für ihre Zwecke eingesetzt: Von den Waffen- und den Pornoproduzenten. Während wir uns über die Gadgets der Sexindustrie amüsieren oder uns darüber freuen, stellen sich einem ob vieler Erfindungen der Waffenkonzerne nichts ausser den Haaren im Nacken auf.
Die Militärs indessen sind stolz: Die Britische Regierung hat jetzt an einer Pressekonferenz die Richtlinien und Pläne für neue Waffensysteme für den Fronteinsatz vorgestellt – komplett mit Computergrafiken der Hersteller.
Es sei das erste Mal überhaupt, dass das Militär langzeit-Strategien bezüglich der Ausrüstung vorstelle, erklärt das MOD (Ministry of Defense) stolz.
Die Bilder sehen allesamt aus wie einem Computergame entwichen. Teilweise sind auch klassische James-Bond-Technologien enthalten, wie etwa eine Tarnfunktion für leichte Panzer, die aus einer Aussenhülle als Monitor besteht, welcher ein Videobild der andern Fahrzeugseite anzeigt.
Eindeutig ist die Tendenz hin zu mehr Robotern, um die Infanterie zu “entlasten”. Kleine, autonome und dabei auch noch bewaffnete Roboter hat die US-Armee im Irak bereits im Einsatz – allerdings trauen die Militärs den Systemen selber noch nicht wirklich über den Weg, weshalb sie nur aus festen Stellungen schießen und nicht im Häuserkampf herumfahren dürfen.
Der Einsatz der amerikanischen Predator-Drohnen, die aus dem sonnigen San Diego ferngesteuert werden und in Pakistan und Afghanistan gezielte Tötungseinsätze durchführen, sind längst Stoff für ganze Bücher über den Wandel der Kriegsausrüstung – und die Auswirkungen auf die Soldaten, (Affiliate-Link) die nicht mehr in der Wüstenhitze der Kriegszone, sondern von neun bis fünf in einem klimatisierten Kontrollposten an der Pazifikküste “arbeiten” und abends – offenbar immer häufiger traumatisiert – zu Frau und Kindern in den Suburbs heimkehren.
Pressemitteilung: Hightech-Anforderungen für künftige Waffensysteme offengelegt (Britisches Verteidigungsministerium)


























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Diese (ferngesteuerten) Roboter haben natürlich auch den Sinn, den Tötungsakt auf ein anderes fast schon virtuelles Niveau zu verlagern. Die an den ‘Fernbedienungen’ sitzenden Soldaten haben etwas wie ein Videospiel vor sich. Es ist etwas anderes, ob man einen Menschen tötet, dem man in die Augen sehen kann, oder ob man ein Videobild sieht.
Das ist für Soldaten besser zu verkraften.
…was aber auch zu einer geringeren Abdrück-Hemmung führt und von den Gegnern als Ursache steigender Vorfälle mit getöteten Zivilisten angeführt wird.
Ich habe Singers Buch (siehe Link im Text) noch nicht gelesen, aber eine Sendung auf NPR mit ihm gehört. Er hat sich intensiv mit der Problematik beschäftigt und sieht zwei Trends: gezielte “Technokratisierung” des Kriegs, was zu mehr Opfern unter der Zivilbevölkerung führt, weil die Täter nicht mehr Soldaten sind, sondern eben Maschinen. Und eine Delegation der Verantwortung an die Maschinen (Argument bisher: es hat immer ein Mensch die Kontrolle – Tendenz an den real existierenden Waffensystemen: Der Mensch nimmt nur noch eine Veto-Funktion wahr – respektive eben nicht, weil er sich selber weniger traut als der Maschine.)
Stellt man die Kosten für Menschen und Roboter in den Industrieländern gegenüber, dann ist der Roboter billiger als ein Ingenieur, aber teurer als 5 Arbeitslose.
Letzt endlich geht es in Kriegen um Ressourcen, Amerika hat nach 4 Jahren Irak ein ganz gewaltiges Defizit. Hätten sie doppelt soviel schlechter ausgerüstete Soldaten geschickt, dann hätten sie mehr erreicht und viel Geld gespart. Bedenkt man das die meisten Soldaten, Arbeitslose waren, dann hätte man so noch viel mehr eingespaart.
@Robert
Falls Du mal einen Strick brauchst komme ich vorbei und bring auch noch einen Hocker mit zur Selbstbedienung.
Irgendwann werden auch die Remotepiloten in San Diego verschwinden. Dann wird auf Basis von abgefangener Kommunikation und ein Mashup von Google-Maps, Google-News und Twitter ein Konflikt automatisch erkannt und “gelöst”.
Wer will kann sich dann bei http://www.usaf.org einen Livestream dazu anschauen und sich seine Tagesschau selber zusammenbasteln. Der Pressetext wird natürlich wärend des Einsatzes vom entspr. aktivierten “Automatic Defence Swarm” generiert. Das ganze läuft dann so lange gut, bis jemand die Sicherheitslücke in der Informations-API der “Fortress A(tomic Version) Unit” entdeckt.
Ich finde das prinzipiell eine gute Sache. Mir geht das aber noch nicht weit genug.
Wenn es schon halb-virtuell geht, wieso dann nicht gleich komplett virtuell? Wenn es ein “Interessenskonflikt” gibt (bzw. unsere Alliierten wieder Rohstoffe brauchen) setzen sich beide Kriegsparteien an den PC und fechten eine Runde in Counterstrike aus. Hat den Vorteil das alle abends unbeschadet wieder heim können.
@ Waffenbeobachter:
Dieses Szenario gibts in einer Episode aus der Ur-Serie von Star Trek (“Raumschiff Enterprise”) – es stammt aus dem Jahr 1967. Allerdings mit der Konsequenz, dass auf dem Planeten, wo die beiden Parteien sich virtuell bekriegen, nach jedem Feldzug der Verlierer eine gewisse Anzahl seiner Bürger umbringen muss, weil der Krieg sonst einem reinen Vertragswerk ohne Auswirkungen gleichkäme. Darauf läuft es hinaus, den Zynismus zu Ende zu denken. Wenn man sich auf einen Vertrag ohne solche Opfer einigen könnte, käme es nicht zur “Fortsetzung der Diplomatie mit andern Mitteln”.
Und bitte nicht vergessen:es sind die maschinen die uns angreiffen und nicht die menschen die sie fernsteuern und bauen – sagt hollywood – allso wenn du die maschinen kaputt machst ist der krieg vorbei. :S (achtung sarkassmus)
Davon hab ich auch schon auf anderen Blogs gelesen, aber bei dir ist es zumindest Mal mit Bildern! Guter Artikel!