BeamDVD im Test:
“Meine DVD liegt noch in der Videothek”

Online-Videodienste haben nur begrenzte Auswahl, Offline-Videotheken sind umständlich. BeamDVD will nun beide Welten kombinieren.

Eine ziemlich kuriose (und teilweise zweifelhafte, siehe Textende) Lösung bietet “BeamDVD“: Wenn man dort einen Film ansehen will, wird die gewünschte DVD in einen Computer gelegt und abgespielt.

Hä? Wieso wird nicht einfach eine Datei gestreamt wie bei jeder normalen Online-Videothek?

Das hat lizenzrechtliche Gründe:

Für viele Filme gibt es nur Lizenzen, DVDs zu verkaufen. Für andere gibt es das Recht, auch DVDs zu verleihen. Online-Streamingrechte gibt es dagegen nur für wenige Filme. Deshalb gibt es in der netten Vidothek um die Ecke auch eine größere Auswahl als im Netz, außer man läßt sich die DVDs schicken, was aber alles andere als “spontaner Filmgenuß” ist.

Wenn die Videothek nun also wirklich DVDs abspielt, die zum Verleih zugelassen sind, so kann sie die Rechte für DVD-Verleih verwenden statt für Online-Streaming, so der Gedanke.

Die GEMA hat gegen diese Geschäftsidee nichts einzuwenden, so der Betreiber. Warum sollte sie auch? Die GEMA ist in Deutschland schließlich für die Lizenzierung von Musiktexten und Kompositionen zuständig. Für Filme ist es dagegen die GVU. Sie ist für den Einzug von Gebühren für die Musik auf DVDs zuständig – und weil BeamDVD sich dafür angemeldet hat, prangt auf der Homepage ein “Siegel”, das aussieht wie eine Qualitätsauszeichnung der GEMA – was es, wie der Pressesprecher von BeamDVD selber bemerkt, nicht ist. Es soll deswegen geändert werden. Wie eine ganze Reihe weiterer Dinge, die uns – siehe unten – negativ aufgefallen sind.

Aber das sollte das Problem des Betreibers sein, der Zuschauer sollte nicht juristisch gefährdet sein, denn immerhin sieht er keine “Raubkopien”.

1200 DVD-Laufwerke und 1000 verschiedene Filme stehen aktuell zur Verfügung, so der Betreiber. Es können also bis zu 1200 Kunden gleichzeitig gucken. Und es gibt von jedem Film mehrere Kopien, weshalb auch mehrere Kunden gleichzeitig denselben Flm sehen können – nämlich von verschiedenen DVDs.

Soweit die Theorie. Wir testen so etwas natürlich auch praktisch. Leider erwies sich das System in der Praxis als sperrig.

Zunächst einmal muß man sich anmelden und dazu Kontodaten, Adresse und auch Telefon hinterlassen. Ohne Telefonnummer geht nichts. Die Telefonnummer ist für den Kundendienst gedacht, so der Anbieter, damit der bei Problemen zurückrufen kann, doch dafür täte es ja auch E-Mail oder ein Anruf seitens des Kunden. Angesichts der chronischen Plage mit Werbeanrufen (wenistens NKL und SKL dürfen inzwischen endlich nicht mehr anrufen) hinterläßt eine Website, bei der man eine Telefonnummer angeben muß, immer ein ungutes Gefühl.

(Bei mir persönlich beruht das Telefonspamproblem schließlich genau auf einem Test, nämlich auf einer Rezensionsanforderung eines Buchs, bei dem die Pressestelle des Verlags gerne noch die paar extra Cent mitnahm, die sie für die Weitergabe der Daten mit dem Vermerk “Herr Roth ist Journalist und interessiert an Gewinnspielanrufen” bekam. Da es meine berufliche Telefonnummer ist, kann ich diese nicht abschalten oder aushängen, was sie für Adreßhändler natürlich besonders wertvoll macht, auch wenn ich auch beim 50. Anruf nicht zu Günter Jauch in die Sendung fahren werde…)

Allerdings werden auch Eingaben wie 09001234567 angenommen, wenn man das Risiko nicht eingehen will, zu Günter Jauch ins Studio zu müssen. Um die Eingabe einer gültigen Telefonnummer kommt man allerdings trotzdem nicht herum: Es wird später eine SMS an ein Handy geschickt mit einem weiteren Zugangscode – zusätzlich zu dem, den man per E-Mail erhalten hat. Daß man zum DVD gucken im Besitz eines Handys sein muß, stand bei der Anmeldung nirgends – und spätestenes hier ist Otto Normalverbraucher überfordert, während Geeks nicht die Kunden dieses Dienstes sein dürften.

Aber zurück zum Filmvergnügen: Nachdem man die Anmeldung durchgeführt hat, kann man den einen Gratisfilm auswählen. Es wird ein Sortiment an DVD-Covern nach Genres sortiert angezeigt. Da jedes Filmcover leider mit einem dicken “GRATIS”-Aufkleber überklebt ist, muß man die Filme meist anklicken, um eine Inhaltsbeschreibung zu sehen und herauszufinden, um welchen Film es sich handelt.

Vermutlich ist das Filmsortiment größer, wenn man zahlender Kunde ist – das Gratis-Sortiment scheint nur etwa 200 Titel zu umfassen, nicht 1000. Und das DVD-Kontingent ist zu knapp bemessen: Man erhält erstmal fast durchweg die Meldung, daß leider alle vorhandenen DVDs bereits angesehen werden.

Hat man schließlich morgens um 5, wo die meisten Filmfans noch schlafen, doch eine verfügbare DVD erwischt, so ereilt einen die Frage, ob man denn die Beam-DVD-Software schon heruntergeladen habe? Nein, natürlich nicht – einen entsprechenden Menüpunkt gab es ja zuvor auf der Website nicht.

Also nun auch noch dieses. Eine Setup.exe lädt weitere Daten nach und installiert endlos irgendwelche Treiber und DLLs. Windows wechselt auf eine englische Benutzeroberfläche. Dabei kann es – so der BeamDVD-Pressesprecher, vorkommen, dass diverse Windows-Bibliotheken nachgeladen werden müssen, von denen einige auch nur auf Englisch verfügbar sind. Nach etwa 10 Minuten und einigen “OK”-Klicks ist das System wieder bereit und verkündet, man habe nun ein zusätzliches Laufwerk im System.

Auf diesem Laufwerk liegt später die ausgeliehene DVD, man sieht sie also nicht in einem Browserfenster an, sondern mit einem hoffentlich bereits installierten eigenen DVD-Player-Software. Na immerhin mußte nicht neu gebootet werden…

Nun kann man also seinen Film wählen. Und, tja, zu früh gefreut: Nun erscheint doch die Meldung, man müsse erstmal neu booten, damit das Laufwerk zugänglich ist.

Gesagt, getan. Ein Laufwerk erscheint in der Taskbar: “Nicht verbunden”. Mit der ausgegrauten Option, den Film vorzeitig zurückzugeben – normalerweise hat man 24 Stunden Zeit, ihn anzusehen.

Wie kann man nun dieses Laufwerk mit der DVD verbinden? Achso, Browser neu aufrufen und erneut einloggen – der Login ist durch den Reboot ja verfallen. Und den Film nochmal anklicken…

Tja, Pech gehabt: “Sie können im Moment noch keine Filme ausleihen”. Es dauere erstmal 5 Tage, das Bankkonto zu verifizieren. Der Gratisfilm ist weg, er ist im Kundenkonto nun als “gesehen” markiert. Und obwohl die 24 Stunden noch nicht abgelaufen sind, ist an ihn nicht mehr heranzukommen. Das Booten galt offensichtlich als “Rückgabe”.

Fazit

So gut die Idee ist, auf diese Art Filme für 99 Cent am Tag anzubieten, so tückisch die Umsetzung: Die Filme sind schlechter verfügbar als in Offline-Videotheken, die Softwareinstallation ist langwierig und erfolgt ebenso im falschen Moment – nämlich erst nach der Auswahl des Films statt beispielsweise direkt nach der Anmeldung – wie das Rebooten – nämlich erst nach dem erfolgreichen Einlegen der gewählten DVD statt davor.

Leider hat der Zwangsreboot dann auch noch den Verlust des Gratisfilms zur Folge. Das dann automatisch anlaufende Abo zu widerrufen/kündigen, ist umständlich: die FAQ verrät extra nicht die dafür zu verwendende E-Mail-Adresse. Dies gibt dann fast schon den Eindruck einer Abo-Falle. Kundenfreundlich wäre es, das Widerrufsverfahren in der Anmeldebestätigungs-E-Mail zu erläutern und so nur willige Kunden zu haben.

Was passiert, wenn einem unter dem Ansehen eines Films die Internet-Verbindung abbricht, möchte ich da gar nicht erst wissen – vermutlich muß er dann auch neu ausgeliehen werden.

Da die gesamte DVD zugänglich ist, hat man – wenn man denn zahlender Kunde geworden ist – auch Zugriffe auf Extras der DVD wie Takeout-Szenen oder “Making of”, worauf man bei Online-Videotheken verzichten muß. Auf einer zweiten Verleih-DVD gelieferte Extras kann man allerdings nicht ansehen. Doch das ist auch in normalen Videotheken nicht möglich: Die rücken diese Zweit-DVDs auch schon seit geraumer Zeit nicht mehr heraus, der Kunde soll mehr Filme sehen und nicht “Making of”, so die Begründung.

Ingesamt also eine gute Idee, doch mit mangelhafter Umsetzung. In dieser Form dürfte es selbst Technik-Freaks zu kompliziert sein.

Update – Bitterer Beigeschmack

BeamDVD hat uns über eine reguläre Presseaussendung von seinem Dienst informiert. Ebenso wurde für BeamDVD bei Pressetext.at getrommelt und vermutlich auch bei anderen offiziellen Presseinfoverteilern wie Press1.de (Hightext) und OTS (dpa).

Dennoch scheint der Dienst nicht nur technisch faul zu sein. So behält sich der Betreiber laut Geschäftsbedingungen vor, 15 Euro zu verrechnen, wenn man eine falsche Telefonnummer angibt, weil man nicht will, daß diese mißbraucht wird, siehe oben, obwohl die Telefonnummer nicht zur Benutzung des Dienstes erforderlich sein sollte.

Sobald man aber mehr als den Testfilm versucht anzusehen, oder den Widerruf vergißt, werden einfach so mal 90 € für “den Einbau des DVD-Laufwerks” abgebucht. Das allerdings steht klitzeklein ganz unten auf einer Seite, die man beim Anmelden überhaupt nicht aufruft , auf der die regulären Leihpakete beschrieben sind. Nirgends kosten DVD-Laufwerke heute noch 90 €, nicht mal in Düsseldorf.

Nun, mal schauen, was die GEMA dazu sagt, für so einen merkwürdigen Dienst ihren Namen hergeben zu müssen.

Wer seine Kontodaten eingegeben hat, sollte unberechtigte Abbuchungen anfechten ignorieren. Mehr dazu hier.

Update 2 – GEMA spielt nicht mehr mit, erste Abbuchung bei Blogwerk-Mitarbeiter

Inzwischen hat die GEMA gegen die Verwendung ihres Namens und der dazugehörigen Thesen in der Bewerbung von BeamDVD protestiert. BeamDVD hat mit einer Presseerklärung geantwortet.

Ein Mitarbeiter von neuerdings.com bekam außerdem 119,70 Euro abgebucht, obwohl er sich bei BeamDVD lediglich mit seinen Daten registriert hatte, um den Dienst zu testen. Dieser Test fand dann jedoch gar nicht mehr statt, weil ich bereits diesen Bericht geschrieben hatte, bevor er dazu kam. Ich behalte mein Girokonto weiterhin im Auge und habe BeamDVD hiervon auch in Kenntnis gesetzt.

Wolf-Dieter Roth, Blogwerk AG, Zürich, 24. Februar 2009

Update 3 – BeamDVD offline – 11. März 2009

Seit einigen Tagen ist www.beamdvd.de nicht mehr erreichbar und somit keine Neuanmeldung mehr möglich. Ob Bestandskunden noch auf ihre bezahlten Dienste zugreifen können, ist unbekannt, da neuerdings.com, um Kosten zu vermeiden, längst sämtliche BeamDVD-Treiber deinstalliert hat. Auch dann wäre es jedoch nicht mehr möglich, neue DVD auszuwählen.

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4 Kommentare

  1. Stefan
    schrieb am 15. Februar 2009 um 14:50 Uhr (#)

    Klingt für mich insgeamt nach einer Totgeburt… Außerdem denke ich, dass der Dienst ziemlich bald einen ziemlich schlechten Ruf haben wird durch die “Kunden”, die sich abgezockt fühlen und dies im I-Net auch verbreiten werden…

    Achja, meine Offline-Videothek gibt einem noch immer alle zugehörigen DVDs mit. So kann man in Ruhe auch in den Extras stöbern.

  2. Videothek Beobachter
    schrieb am 15. Februar 2009 um 17:23 Uhr (#)

    Bei “Gültige Telefonnummer eingeben” wäre für mich der Test schon zu ende gewesen.

  3. Thomas
    schrieb am 16. Februar 2009 um 01:47 Uhr (#)

    “Bei “Gültige Telefonnummer eingeben” wäre für mich der Test schon zu ende gewesen.”

    Zumindest bei Websites/Unternehmen, die einem irgendwie komisch vorkommen, ansonsten ist das ja nicht so wild heutzutage.

    Ich nutze lieber die klassiche Videothek, sinnvoll ist sicher auch der Filabruf im Pay-TV. Streaming-Videotheken finde ich aber auch gut.

  4. Hans
    schrieb am 16. Februar 2009 um 13:35 Uhr (#)

    Bei der immergleichen Masche der Onlineabzocker heute muss ich an den ersten(?) Otto-Film denken: “…das steht im Kleingedruckten. Aber das wollen Sie doch nicht lesen, das ist schlecht für die Augen.”

    Wenn man vor den Kadi geht, kriegt man sein Geld ja doch zurück, da diese Methoden gleich mit mehreren Gesetzen kollidieren. Aber viele Geprellte scheuen leider den Rechtsweg und verbuchen sowas als “Lehrgeld” – und das ist die Kohle, die dann doch bei den Betreibern hängen bleibt.
    Meiner Meinung nach müssten für planmäßige Abzocken einfach drakonische Geldstrafen in Höhe von mehreren zehntausend Euro verhängt werden, dann würden die Jungs es ziemlich schnell bleiben lassen und Nachahmer es sich dreimal überlegen, ob das wirklich so leicht verdientes Geld ist…

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