UMPCs:
Faszinierend, aber überflüssig?

OQO stellte an der CES gerade ein neues Modell ihres UMPC vor. Der Kleine steht in Konkurrenz zu vergleichbaren Modellen von Sony, HTC und Samsung. Fast drei Jahre nach unserem ersten OQO-Test fragen wir uns: Hat der UMPC noch Zukunft?

Teuer aber sehr schick - OQO Model 2+

Teuer aber sehr schick - OQO Model 2+

Die Idee klingt eigentlich faszinierend: Ein kompletter PC im Taschenformat, kaum grösser als ein gängiges Smartphone, aber mit ausgewachsener Windows-Power. Das bieten die UMPCs, die vor drei Jahren zur CeBit 2006 (als übrigens neuerdings.com seine Premiere feierte) vorgestellt wurden. Einer der profiliertesten Anbieter der Mini-PCs war seit Beginn die Firma OQO aus Kalifornien. Der OQO Model 01 konnte lange Zeit den Anspruch erheben, der kleinste Windows-PC der Welt zu sein. Und mit dem gerade vorgestellten Model 02+ setzt OQO einmal mehr Masstäbe in der Disziplin “Leistung pro Kubikzentimeter”: Mit seinem OLED-Display, 2GB Speicher und 120 GB Harddisk spielt der OQO in der gleichen Liga wie gehobene Netbooks, nur auf sehr viel kleinerem Raum (und zu einem viel höheren Preis).

Ist der neue OQO darum der Traum jedes mobilen PC-Users? Es klingt ja wirklich verlockend, auch unterwegs nicht auf einen vollwertigen PC verzichten zu müssen, ohne deswegen die übliche Laptop-Schlepperei ertragen zu müssen. Denn dass ein Windows-PC einem noch so tollen Smartphone enorm viel an Funktionalität voraus hat, muss man wohl nicht weiter erläutern. Sind der OQO und seine Konkurrenten aus anderen Häusern darum das Non-plus-Ultra der mobilen Computerei?

Ob der Atom des OQO Model 2+ mit Vista klar kommt?

Ob der Atom des OQO Model 2+ mit Vista klar kommt?

Vielleicht beantwortet man das am besten anhand konkreter Erfahrungen statt abstrakter Technik-Faszination. Vor knapp drei Jahren habe ich mir einen OQO Model 01+ gekauft, und zwar aufgrund genau dieser Wunschvorstellungen. Zu Beginn war die Begeisterung beträchtlich, aber mit etwas Abstand muss ich sagen: Das war einer meiner teureren Gadget-Fehlkäufe.

Zwar setze ich den OQO auch heute noch gelegentlich als kompaktes Wohnzimmer-Surfgerät ein, aber das Haus verlässt der Kleine eigentlich nie, obwohl das ja der Zweck der kompakten Bauform wäre.

Dafür gibt es ein paar einfache Gründe: Erstens sind der OQO und seine Konkurrenten zwar verblüffend kompakt, aber eben nicht klein und leicht genug, um wirklich ohne Probleme in die Jackentasche zu passen. Gegen einen UMPC wirkt selbst der legendär klobige Nokia Communicator noch grazil.

Zweitens ist die Batterielebensdauer arg beschränkt. In der Praxis kann man UMPCs kaum länger als zwei Stunden netzunabhängig betreiben. Das reicht vielleicht für einen kurzen Ausflug zum Starbucks um die Ecke, aber nicht für eine Tagesreise. Für jeden längeren Einsatz muss man also doch wieder das Netzteil einpacken, das im Fall des OQO fast so gross ist wie der Computer selbst.

Drittens gestaltet sich echtes Arbeiten aufgrund der kleinen Bauform doch sehr anstrengend. Die Bildschirmauflösung ist gering, der Screen zu klein, die Tastatur kaum grösser als die eines BlackBerry, und dazu sind die UMPCs auch noch recht langsam. Gefühlt liegt darum die Arbeitsproduktivität auf einem UMPC etwa bei einem Fünftel dessen, was man auf einem richtigen Laptop hinkriegen würde.

Klar, es gibt Lösungen: Eine grössere Batterie mit längerer Lebensdauer, eine externe Bluetooth-Tastatur und eine Dockingstation beispielsweise. Nur schleppt man dann ein Sammelsurium an Zubehörteilen mit sich herum, das in Volumen und Gewicht beinahe schon wieder einem normalen Laptop entspricht.

Der OQO Model 2+ - UMPC mit Intel Atom CPU

Der OQO Model 2+ - UMPC mit Intel Atom CPU

Unter dem Strich sind UMPCs vor allem eins: Faszinierend. Sie taugen primär als Statussymbol für Alpha-Geeks, denn die Bewunderung seiner technikbegeisterten Umgebung ist einem gewiss, wenn man einen OQO auspackt. Der praktische Nutzwert ist aber mehr als überschaubar. Vielleicht gibt es ein paar wenige Ausnahmen, beispielsweise Servicetechniker, bei denen jedes Gramm an Ausrüstung zählt, aber für den normalen User sind UMPCs nicht wirklich zu empfehlen.

Meiner Meinung nach hat bisher kein Hersteller die Lücke zwischen Notebook und Smartphone erfolgreich gefüllt. Bei jeder kleineren Bauform wächst schnell der Wunsch nach mehr Leistung und Komfort. Das ist derzeit deutlich an der Entwicklung im Netbook-Markt zu sehen. Die neusten Modelle stehen in der Leistung ausgewachsenen Notebooks kaum mehr nach, die Ur-Netbooks mit ein paar GB Flashspeicher, 7-Zoll-Screen und Linux verschwinden hingegen schon wieder vom Markt.

Die UMPCs werden darum wohl weiterhin ein Nischendasein fristen. In den drei Jahren UMPC-Geschichte gab es keine massiven Fortschritte hinsichtlich der grössten Nachteile dieser Produktkategorie, und mit der steigenden Leistung der neusten Smartphones verschwinden immer mehr Gründe für einen vollwertigen PC im Kompaktformat.

 

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2 Kommentare

  1. Ganz überflüssig sind sie nicht. Den es gibt in der Industrie durchaus Verwendung für kleine kompakte Geräte.
    Für den Privatgebrauch jedoch sind sie nicht geeignet.

  2. “Faszinierend, aber überflüssig?”

    das credo für neuerdings.com, oder!?! :D

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