Sony PRS-505 Ebook im Test:
Der alte E-Reader ist der bessere

Gastautor, 9. Dezember 2008 15:08 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

Sonys “Portable Reader System” ist seit einigen Wochen auch in Europa verfügbar. Wir haben die ältere (und bessere) Version des Ebooks, das System 505, ausgiebig getestet.

Von Michael Sennhauser

Dutzende von Büchern in einem einzigen, taschenbuchgrossen Gerät mit einem Bildschirm, der fast so gut zu lesen ist wie eine richtige gedruckte Seite, das bietet der Sony eReader. Endlich kann ich meinen Dickens, meinen Moby Dick, den ganzen Shakespeare oder auch (längere Zeit tote) Deutsche immer mit mir herumtragen.

Lebende Autoren sind auch verfügbar, aber kostenpflichtig und mit den üblichen unerträglichen Einschränkungen von DRM, darauf komme ich noch zurück.

Der Sony PRS-505 ist das zurzeit eleganteste und leichteste Gerät auf dem Markt – und schon nicht mehr ganz taufrisch, mit dem PRS-700 hat er sogar bereits einen hausinternen Konkurrenten erhalten (der sich allerdings kaum wird durchsetzen können, auch dazu später mehr).

Ein E-Reader, also ein Lesegerät mit einem eInk-Display, stand schon eine Weile auf meiner Wunschliste:

Allerdings sind die wenigen erhältlichen Geräte in Europa kaum verfügbar, nutzen unterschiedliche DRM-Systeme und haben prohibitive Preise. Der Kindle von Amazon, das derzeit das populärste und das am besten in seine Verkaufsumgebung integrierte Gerät, ist nur für den amerikanischen Markt verfügbar.

Ich wollte aber in erster Linie ein Lesegerät, das mir die tausenden von gratis verfügbaren klassischen Titel von Project Gutenberg und Konsorten mobil verfügbar machen kann. Also ein Lese- und Transportgerät für all jene Bücher, die nach Ablauf ihrer siebzigjährigen Schutzfrist via Internet frei zu haben sind. Ich habe darum die Gelegenheit wahrgenommen und mir in meinem Urlaub in San Francisco im hiesigen Sonystyle-Shop (der auch schon bessere Zeiten gesehen hat) die verfügbaren Lesegeräte angeschaut.

Der neue Sony PRS-700: Zu viel gewollt

Das neue Flagschiff, der PRS-700, steckt im gleichen schlanken Gehäuse und bietet in etwa die gleiche Hardware-Ausstattung, mit der auch noch MP3-Files und AAC-MP4 abgespielt werden können. Zusätzlich zu den Möglichkeiten des Vorgängermodells PRS-505 bietet er aber noch die Möglichkeit, über seinen Touchscreen Textstellen zu markieren und zu kommentieren.

Ausserdem hat Sony die LED-Screenbeleuchtung für das eInk-Display nun direkt ins Gerät integriert (für den 505er ist ein Beleuchtungssystem separat erhältlich). Leider aber setzt die zusätzliche Folienschicht für den Touchscreen und die Beleuchtung die Lesbarkeit des Bildschirms beim Sony PRS-700 Ebook massiv herab, im direkten Vergleich zum 505er ist das Display des elektronischen Buchs um etwa 40 Prozent schlechter lesbar.

Dazu ist die Eingabe von Notizen über die Bildschirmtastatur des ohnehin nicht sehr empfindlichen Touchscreens noch mühsamer als SMS-Schreiben beim iPhone (ja, ich hätte auch nie geglaubt, das das möglich ist), und die relative Trägheit des eInk-Displays hilft da natürlich auch nicht. Also habe ich das 399 Dollar teure Gerät verschmäht und mir den 299 Dollar teuren Vorgänger PRS-505 gekauft.

Auf das Beleuchtungscover (im Wesentlichen eine kleine Plexiglasscheibe mit seitlich eingelassenen LED, die man über das Display legt) und das Netzgerät, welche mir die Verkäuferin noch andrehen wollte, habe ich verzichtet. Ein einfacher stabiler Kunstledereinband mit Klickmechanismus liegt dem Gerät nämlich bei und laden lässt sich der genügsame eingebaute Lithium-Ionen-Akku auch direkt über das ebenfalls beiligende USB-Kabel, das man ohnehin für den Datentransfer ab PC braucht.

Auspacken und einschalten

Nach dem Auspacken reagiert das Gerät sofort auf das Einschalten mit dem kleinen Schieber an der Oberkante, der Akku wird offenbar ab Werk voll geladen ausgeliefert, und der Spannungsanzeiger zeigt zwei Drittel voll an (nach zwanzig Minuten via USB am PC war er denn auch voll geladen). Das eInk-Display ist nicht schneeweiss, sondern leicht grau, aber die Buchstaben (der Serifen-Font ist Times Roman, Sans Serif etwas Arial-ähnliches) wirken tatsächlich wie gedruckt, und das Display ist wie gedrucktes Papier einblickwinkelunabhängig.

Der Reader ist “preloaded” mit einer Reihe von populären aktuellen Bestsellern, allerdings ausschliesslich mit als “excerpt” bezeichneten Anreissern, in der Regel die ersten 40 Seiten des Textes. Dazu sind zu Demozwecken drei Schwarzweiss-Fotos vorgeladen, welche die erstaunlich ausgeprägte achtstufige Grauwert-Darstellung der eInk demonstrieren.

Warum sie zum Laden etliche Sekunden brauchen und dabei etwa drei Mal neu aufgebaut werden, erklärt erst, als ich die gleichen Bilder später auf dem PC anschaue: Es handelt sich um farbige JPGs, die Grauwertberechnung geschieht offenbar auf dem Reader und ist demgemäss nicht allzu clever implementiert (das langsame Display sollte keine Zwischenphasen darstellen müssen). Im Prinzip ist die Fähigkeit der Bilddarstellung auf einem Reader irrelevant, es sei denn man habe vor, illustrierte eBooks darauf zu lesen – die gibt es, gerade unter den kommerziellen Sachbüchern, tatsächlich. Die Auflösung entspricht übrigens theoretisch ca. 170 dpi.

Bedienelemente Hardware

Der 8 mm dicke Reader hat links einen leicht gerundeten Rücken, rechts eine sanft geschwungene Abdünnung mit zwei halbrunden, leicht erhöhten Tasten auf der Oberseite, die zum Vorwärts- und Rückwärtsblättern dienen. An der oberen Schmalseite liegt links der Einschaltschieber, mit dem man das Gerät auch ins displaylose Standby schalten kann. Das hat den Vorteil, dass dann auch alle Bedienknöpfe ausgeschaltet sind.

Will man das bisschen Strom sparen, das im Standby-Betrieb noch verbraucht wird, schaltet man das Gerät über die Software-Bedienung (dazu kommen wir später) ganz aus. Ein Kaltstart dauert danach allerdings mehr als eine Minute, während die Rückkehr aus dem Standby nur gerade die halbe Sekunde braucht, welche ein Seitenaufbau des eInk Displays eben benötigt. Neben dem Einschalteschieber auf der Oberkante befinden sich je ein Slot für den bei Sony-Geräten noch immer unumgänglichen Memory-Stick-Slot (Pro Duo), aber glücklicherweise auch einer für SD-Karten. Der interne Speicher reicht schon für rund 160 Bücher.

Auf der unteren Schmalseite schliesslich befinden sich von links nach rechts: Das kleine Einklickloch, mit dem man den Reader in die “Buchhülle” einklicken kann, ein versenkter Tragschlaufenbügel wie bei einem Mobiltelefon, der Mini-USB-Eingang, der 5.2 Volt DC-Eingang (an den man statt des offiziellen Ladegrätes wohl auch jenes der PS portable anhängen kann, oder jedes Fremdgerät mit 5.2 Volt Ausgang und passendem Minus-Zentral-3.5mm-Rundhohl-Stecker), der 3.5 mm Jack für die Kopfhörer und schliesslich eine Volume-Wippe.

Auf der oberen Fläche befinden sich links unter dem Display eine grosse runde Wippe zum Vorwärts- und Rückwärtsblättern mit der linken Hand, ein kleiner Knopf mit Lupensymbol, mit dem sich die Buchstaben auf dem Display in drei Grössen einstellen lassen, und ein weiterer kleiner Knopf, mit dem sich Buchzeichen setzen lassen (in Form virtueller “Eselsohren” oben rechts bei jeder “Buchseite”).

In der rechten unteren Ecke befindet sich eine grosse runde Vierwegwippe mit Enter-Knopf im Zentrum so wie ein kleiner Knopf, mit dem man ins jeweilige “Menu” gelangt, je nach Anwendungsebene das Hauptmenu des Readers, jenes des geöffneten Buches. Und schliesslich befinden sich rechts vom Bildschirm untereinander zehn Hardware-Buttons (1 bis 0), die eine schnelle Auswahl der von der Software angebotenen Menüpunkte oder der aufgelisteten Buchkapitel ermöglichen (ähnlich wie am Bankomaten).

Diese zehn Knöpfe sind auch darum eine gute Idee, weil das Navigieren durch die Menüpunkte mit der Navigationswippe nervtötend langsam abläuft: Das eInk-Display muss ja für jeden Schritt des Pointers/Cursors den ganzen Bildschirm neu aufbauen, das dauert jedes Mal fast eine halbe Sekunde. Da ist man sehr dankbar für die Möglichkeit, den gewünschten Punkt direkt anwählen zu können.

Auf der Rückseite des Gerätes befindet sich ein Aufkleber mit der Seriennummer und ein kleines Loch mit einem versenkten Reset-Knopf.

Bedienelemente Software

Nach dem Einschalten kommt zunächst ein Menu auf zehn Zeilen. Die oberste ermöglicht das Fortsetzen der Lektüre des letzten Textes an der Stelle, an der man aufgehört hat, dann erfolgt die Auswahl der Auflistung aller Bücher nach Titel, Autor, Datum, Sammlung, oder die Übersicht über die im aktuell offenen Buch gesetzten Buchzeichen. Darunter die Möglichkeit, die Audiofiles aufzurufen oder die vorhandenen Bilder, und schliesslich der Aufruf des Menus für die grundsätzlichen Einstellungen.

Alles in allem erinnert das Bedienkonzept an das Interface des iPod-Classic, mit der Erleichterung, nicht alles durchscrollen zu müssen, sondern eben über die zehn Hardware-Tasten die jeweils aufgeführten zehn Optionen direkt anzuspringen. Der Menu-Knopf führt im übrigen immer wieder auf die jeweils vorhergegangene Ebene zurück.

Hat man mal ein Buch ausgewählt und die Darstellungsgrösse in einer der drei verfügbaren Stufen angewählt, blättert man einfach mit den Seitenknöpfen vor- und zurück. Eine Statusleiste unter dem Text zeigt von links nach rechts den Batteriestand (nach Herstellerangaben reicht eine volle Ladung für das Umblättern von ca. 7500 Seiten – das ist nicht unrealistisch, denn eInk braucht nur beim Seitenaufbau Strom, die statische Seite bleibt bei dieser Technologie fixiert), danach folgt ein kleines Symbol, das die Vergrösserungsstufe anzeigt (S, M und L). In der Mitte unten stehen die Seitenzahlen, und zwar die aktuelle und das Seiten-Total, dynamisch berechnet aufgrund der jeweils eingestellen Vergrösserungsstufen (Buchzeichen bleiben erhalten beim Wechsel der Vergrösserung, können aber natürlich schon mal eine Seite früher oder später sitzen, wenn mitten in der Lektüre gewechselt wird).

Rechts in der Statuszeile schliesslich zeigt der übliche Dreieckbalken die eingestellte Lautstärke des Audioplayers an: Das Hören von Musik zum Lesen ist kein Problem. Allerdings, und Sony sei Dank dafür, nur über Kopfhörer, einen eingebauten Lautsprecher hat der Reader nicht. Die Firmware des Gerätes lässt sich über USB “flashen”, das heisst updaten; wenn die PC-Software entsprechend eingestellt ist, werden auf der Sony-Website regelmässig Updates gesucht.

Darstellung der Buchseiten

Der Reader kann eine ganze Reihe von Formaten darstellen. Das Sony-eigene, DRM-vernagelte Format des Sony eBook Store ist natürlich bei der Seitendarstellung im Vorteil: Die Paginierung erfolgt sauber, mit einem grosszügigen Weissraum um den Text herum und in einem relativ sauberen Blocksatz (so sauber das geht ohne Silbentrennung). Andere Formate wie MS-Word Doc oder RTF werden im Flattersatz und displayfüllend angezeigt. Text-Files von online-Sammlungen wie e-text.org werden am besten vor dem Transfer auf den Reader von ihren Zeilenumbrüchen befreit, dann kann der Reader sie perfekt umbrechen.

Auch mit pdf-Dateien kommt das Gerät erstaunlich gut zurecht. Wenn Sie nicht allzu komplex oder gar tabellarisch aufgebaut sind, umbricht der Reader die Text-Absätze so gut wie eben möglich für eine möglichst seitenfüllende Text-Darstellung.

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10 Kommentare

  1. Engel
    schrieb am 9. Dezember 2008 um 21:02 Uhr (#)

    Netter und sehr ausführlicher Bericht. Wenn ich nicht mein iPhone als Reader benutzen würde, würde ich es mir glatt überlegen, so ein Teil anzuschaffen.

  2. EscoR
    schrieb am 10. Dezember 2008 um 08:09 Uhr (#)

    jawoll danke für den test aber ich glaube ich warte noch bis die dinger “besser” sprich dünner schöner billiger leichter und was weiss ich werden irgendwie stehe ich dem ganzen noch
    nicht so ganz positiv gegenüber :)

  3. Benjamin
    schrieb am 10. Dezember 2008 um 10:26 Uhr (#)

    Klasse Bericht. Schade ist nur der immer noch recht hohe Preis, das Gerät wäre sonst prima für Studenten einsetzbar.

  4. Michael Hillmann
    schrieb am 1. Januar 2009 um 23:05 Uhr (#)

    Vielen Dank für den spitzenmäßigen Erfahrungsbericht.

    Besten Gruß

  5. Mario
    schrieb am 13. Februar 2009 um 01:04 Uhr (#)

    Auch zum alten PRS 505 gibts ein Beleuchtungssystem. Nötig ist es allerdings nicht.

    Hmm, wie liest du denn im Dunkeln? Schöner und ausführlicher Test aber solche Aussagen sind absoluter Humbug und sind praxisfern. Ich glaube jeder hat schon mal abends im Bett gelesen und wenn der/die Partner(in) schlafen will, ist ein beleuchteter Bildschirm eben Gold wert.

    1. battl
      schrieb am 18. Januar 2010 um 12:48 Uhr (#)

      ein beleuchteter bildschirm frißt aber wieder mengenweise strom. ich habe zu diesem behufe eine flache leselupe mit licht, das funktioniert ganz gut, und ist auch für andere bücher zu benutzen

  6. Joel
    schrieb am 1. April 2009 um 17:50 Uhr (#)

    Ich habe mich für den PRS-700 entschieden.

    Das grosse Plus, was hier nicht erwähnt wurde: Der Prozessor des PRS-700 ist massiv schneller! Der Kaltstart dauert nicht über eine Minute (PRS-505), sondern nur etwa 30 Sekunden. Das Umblättern ist ebenfalls mit 0.7 Sekunden massiv schneller als beim PRS-505

    Es wurde ein grösserer Speicher eingebaut! Die interne Beleuchtung kann wahlweise auf zwei Helligkeitsstufen eingestellt werden.

    Beim direkten Vergleich wurde der PRS-505 massiv an Funktionen abgespeckt. Während bei diesem die Textgrössen S, M, L zur Verfügung stehen, erlaubt der grössere Bruder die Grössen S, M, L, XL, XXL, sowie eine Zoom-In-Funktion. Per Touchscreen kann man innerhalb der Seite auf den gewünschten Textabschnitt “fahren”. Es können Passagen markiert werden und mit persönlichen Notizen erweitert werden.

    Der 700er besitzt auch eine nette Textsuchfunktion. Beim 505 sucht man die vergebens.

  7. Flubi
    schrieb am 2. Mai 2009 um 21:39 Uhr (#)

    Guter Bericht.

    Bin selber Besitzer eines PRS-505.
    Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Habe bereits 7 Bücher mit ihm gelesen und mir fehlt nichts. Zuerst dachte ich auch, Netzzugang usw. wäre nicht schlecht. Ich persönlich will ein Buch lesen im Zug und nicht viel schleppen und genau für diesen Zweck ist er sehr gut.

    Gruss an Alle

    Flubi

  8. erwin
    schrieb am 21. Mai 2009 um 13:22 Uhr (#)

    wie sieht es denn aus bei der darstellung von zeichnungen in pdf s
    sind die gut zu erkennen?

  9. pootpoot
    schrieb am 23. Juli 2009 um 18:51 Uhr (#)

    Auf einer mutmaßlich von fleißigen Buchlesern frequentierten Webseite möge man mir folgende themenferne, aber immerhin sprachbezogene Pingeligkeit erlauben:

    “Der Reader umbricht die Text-Absätze” ist wie “Meine Frau aufregt mich derart – ich glaube, ich umbringe sie bald”.

    ;-)

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