Test Asus Eee PC 1000H:
Netbook plus XP gleich Arbeitstier

Er ist ein Arbeitsmaschinchen. Den Asus Eee PC 1000H schnöde als Netbook zu bezeichnen ist eine Beleidigung. Dank Uralt-Windows, sonnentauglichem Display und einer Maus von Microsoft bewies sich der “Immer-Dabei-Rechner” als Traktor im Digitalzeitalter.

Der Eee PC 1000H von Asus ist natürlich veraltet, bevor er lieferbar ist. Das liegt aber weniger am Gerät, als an der merkwürdigen Ankündigungspolitik des Herstellers. In Schweizer Webshops wird akribisch aufgelistet, dass über 500 Käufer auf ein 1000H warten. Und zwar nicht auf irgendeinen US-Import, sondern ein Modell, das mit deutschem Windows und schweizerdeutscher Tastatur ausgestattet ist. Derweil schwirren durch das Internet schon Spezifikationen der Modelle Eee PC S101 (Designerstück), N10 (Günstig-Notebook mit HDMI) und Eee PC 701SDX (Billigstvariante). Soll man nun also bestellen und warten, oder lieber erst warten später bestellen und deshalb noch länger warten?

XP als geliebter Traktor
Das auch Neuerdings-Tester keine Vorzugsbehandlung kriegen, zeigt die Tatsache, dass nach längerer Warterei nur ein Eee PC 1000H mit US-Tatstatur und englischen Windows XP bei mir gelandet ist. Als Blindtipper habe ich einfach den deutschen Tastaturtreiber installiert, das englische Windows lässt sich allerdings legal nicht durch ein deutsches ersetzen. Es nervt insbesondere dadurch, dass viele Programme und Internetseiten automatisch englische Versionen für die Installation oder den Download empfehlen.
Ansonsten ist das Wiedersehen mit Windows XP aber schlicht ein Genuss. Selbst nach bald zwei Jahren Vista-Erfahrung macht das alte Windows einfach Spaß, weil man es im Schlaf bedienen kann und es wie ein alter Dieseltraktor zuverlässig mit sämtlichen geliebten Programmen und Treibern ohne weiteres zurecht kommt. Während die Luxusbolide Vista sinnlos Memory, Grafikleistung und Akku säuft, nuckelt XP ganz sparsam am 6600-mAh-Akku und bringt es so im Alltag auf 5 bis 6 Stunden steckdosenfreie Arbeitszeit.
Die Schattenseite der langen Laufzeit ist ein fetter Akku. Dieser ragt unten beim Eee PC hervor, was der Tastatur automatisch eine ergonomische Schräglage verleiht. Ferner steigt das Gewicht auf gut 1,5 Kilo, was für mich persönlich die obere Schleppgrenze ist.
Gegenüber dem ersten Eee PC verfügt der 1000H nun auch über eine Festplatte mit 160 Gigabyte, was ebenfalls die Gewichtszunahme rechtfertigt.

Alltags- und arbeitstauglich
Aufgerüstet hat Asus den Eee PC auch beim Bildschirm. Dieser misst nun 10-Zoll und löst 1024 x 600 Pixel auf. Besonders erfreulich ist, dass er nicht spiegelt und hell genug ist, um auch im Freien genutzt zu werden.
Während der UR-Eee PC in meinem ersten Test hauptsächlich als Internet-Knecht und als Arbeitsnotlösung zu brauchen war, ist der 1000H ein vollwertiges Arbeitsinstrument. In meinem Arbeitsalltag synchronisiert sich der Eee PC automatisch und regelmäßig mittels der Software SecondCopy mit meinem Desktop-Rechner. Hetze ich dann auf den Zug, schnappe ich mir den Kleinen und arbeite unterwegs an meinen gewohnten Dokumenten und Daten weiter. Nach der Heimkehr gleicht eine erneute Synchronisation dann wieder den Eee PC mit dem Desktoprechner ab.
Der Test des Eee PC war auch eine gute Gelegenheit, den Sprung zur neusten Version 3.0 von OpenOffice zu wagen. Microsofts Office ist damit, abgesehen vom leider meist unverzichtbaren Outlook, für viele “Normalarbeiter” Geschichte.

Dass die Grafikleistung des 1000H für die “wirklich wichtigen Programme” ausreicht, zeigte ein Test mit Zattoo. Das Internetfernsehen lässt sich auf dem kleinen Begleiter bei einer CPU-Auslastung von 40 bis 70 Prozent ruckelfrei genießen. Erst wenn man die kostenpflichtige “High-Quality”-Auflösung wählt, kapituliert der Atom-Prozessor.

Ärgerliches Touchpad
Zu bemängeln gibt es am 1000H vor allem zwei Dinge. Erstens sind die 600 Pixel horizontale vertikale Auflösung für die meisten Internetseiten zu wenig, man muss diese also permanent scrollen. Diese Einschränkung ist aber technologiebedingt. Mehr Auflösung auf dem kleinen Display würde schlicht die Schrift auf lupenpflichtige Größe minimieren.


Ein echtes Ärgernis ist aber das Touchpad, welches Asus als Mausersatz in den Eee PC eingebaut hat. Erstens “klickt” man beim Tippen durch Berührung mit dem Daumenballen unbeabsichtigt auf das Pad. Dadurch wird in der Textverarbeitung beispielsweise Text markiert und ersetzt. Zwar kann man das in der Konfiguration “Tapping when keying” deaktivieren, was aber nur eine Teillösung ist. Ferner sind die beiden Tasten am Touchpad auch in der Version des 1000H noch immer irgendwie billig und unergonomisch. Letztlich fehlt ein Mausradersatz. Stattdessen soll man mit zwei Fingern auf dem Pad rumrutschen, was in der Praxis einfach mühsam ist.

Rettung von Microsoft

Vom Asus Touchpad hat mich glücklicherweise Microsoft erlöst. Ihre Microsoft Mobile Memory Mouse 8000 ist zwar bejahrt. Aber gerade deshalb ist sie ein bewährter Alleskönner. Sie lässt sich per Kabel, mitgeliefertem Funkadapter oder Bluetooth mit einem Rechner verbinden. Im Falle des Asus Eee PC koppelt sie sich einfach über das im 1000H integrierte Bluetooth an den Minirechner. Und siehe da, plötzlich hat man eine vernünftige Maussteuerung und scrollt mit dem Drehrad flink durch Internetseiten. Der Akku in der Maus reicht für eine mittlere Ewigkeit, lässt sich durch eine herkömmliche AAA-Batterie ersetzen und über den beigepackte USB-Stöpsel aufladen. Dass der Stöpsel auch gleich noch ein Memory-Stick ist, macht ihn zur Datentransfer-Lösung für Notfälle. Das TouchPad ist bei mir nun deaktiviert. Es lässt sich übrigens auch ohne Maus und via Tastaturnavigation durch die Systemsteuerung wieder aktivieren.

Doppelt gereift
Der Praxistest mit dem Eee PC 1000H war erhellend – nicht nur wegen des hellen Displays. Es zeigt einerseits, dass Asus wirklich die meisten Mängel der ersten Eee PC für einen verschmerzbaren Mehrpreis ausgebügelt hat. Ferner erweist sich das “gute alte Windows-XP” auf diesem Kleinrechner als zuverlässiges und ebenfalls inzwischen ausgereifte Arbeitsoberfläche. Integriertes WLAN und Bluetooth machen die ganze Lösung kommunikativ, auch UMTS-Dongels lassen sich problemlos anschliessen. Noch nie hat man so viel Produktivität für so wenig Geld und Schlepperei erhalten.

Technische Daten Asus Eee PC 1000H (Schweizer-Version):

  • Prozessor: Intel Atom Diamondville N270 (1.6GHz), FSB 533, 512KB L2 Cache
  • Display: 10.2″ TFT, matt
  • Auflösung: WSVGA (1024 x 600)
  • Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte DDR II (bis zu 2GB erweiterbar)
  • Harddisk: 160GB S-ATA, 5400rpm
  • Grafik-Adapter: Intel GMA 950
  • Netzwerk: Wireless LAN 802.11b/g/n, 10/100 Mbit/s Ethernet LAN, Bluetooth
  • Sound: on board
  • Anschlüsse: 3x USB2.0, 1x VGA Out, 1x Line In (Mikrofon in), 1x Line Out (Kopfhörer), RJ-45
  • Kartenleser: MMC, SD, SDHC
  • Besonderheiten: Web-/Videokamera (1.3 Megapixel)
  • Betriebssystem: Windows XP Home
  • Akku: 6 Zellen Li-Ion Akku, 6600mAh, bis zu 7 Stunden Laufzeit
  • Masse: 26.6 x 19.1 x 2.9 – 3.8cm
  • Gewicht: 1,440 Kilo

Strassenpreis: 420 Euro (660 Franken)

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17 Kommentare

  1. geby
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 13:56 Uhr (#)

    Also was du da über das Touchpad schreibst, kann ich mal so gar nicht nachvollziehen.

    Ich besitze auch nen 1000H und bin begeistert vom Touchpad.

    Die Multitouchfunktionen (Scrollen und alles andere) sind großartig! Die Lage der Maustasten perfekt.

    Einzig, dass die tasten eventuell etwas “billig” aussehen kann ich nachvollziehen.

    Kannst zu dem Thema doch mal eine Umfrage starten.

    Grüße
    Geby

  2. reidan
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 14:01 Uhr (#)

    also der 1000h, den ich angeschaut habe, hatte eine horizontale auflösung von 1024 pixeln. oder meintest du die vertikale?

  3. geby
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 14:09 Uhr (#)

    Der hat eine native Auflösung von 1024*600 Pixel.

    1024 Horitontal und 600 Vertikal natürlich. ;-)

  4. lmb
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 14:51 Uhr (#)

    Ein paar Fragen zu Second Copy:

    Ich bin seit längerem auf der Suche nach einer schlauen Software um die Daten einfach zu Synchronisieren. Dabei habe ich folgende Parameter:

    - Datenmenge ca 60 GB
    - 95% statische Daten
    - Viele Webprojekte mit tausenden kleinen Dateien
    - Begrenzte Zeit zum synchronisieren
    - Dateien die möglicherweise an beiden Orten geändert wurden

    Die Datenmenge könnte man mit Ausschluss von gewissen Ordnern minimieren.

    Wie sieht jedoch die Geschwindigkeit bei vielen kleinen Dateien aus?

    Was synchronisierst du mit Second Copy (Menge der Daten in Grösse und Zahl)?

  5. pmuc
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 14:58 Uhr (#)

    Frage an den Autor: Lohnt es sich für Second Copy Geld auszugeben?
    Bin schon länger auf der Suche nach einem Tool, mit dem ich ohne Tiefenkenntnisse auf ein NAS “backuppe” und bestimmte Verzeichnisse mehrerer PCs / Notebooks im Heimnetz synchron halten kann. Müsste ich dann bei Scond Copy für jeden PC / jedes Notebook eine eigene Linzen kaufen?

    Viele Grüße aus München,
    P.

    btw: Nutze den Medion Akoya und kann die XP-Einschätzung des Autors nur unterstreichen! Dass Vista nicht in Schwung kommt, wundert mich nicht… Beim Akoya / Wind 100 fehlt eben nur noch der große Akku

  6. Schreibt hier auf dem Blog Kurt Haupt
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 17:47 Uhr (#)

    @geby: Na ja, vielleicht habe ich einen überdicken Daumenballen.

    @reidan: Natürlich meinte ich vertikal. :-)

    @imb und pmuc: Die Lizenz ist pro PC. Es gibt aber natürlich auch Freeware-Produkte. http://www.allwaysync.com/, http://www.easy2sync.de/de/produkte/easy2sync.php?, etc

  7. Matze
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 19:33 Uhr (#)

    kann das mit dem touchpad bestätigen, des weiteren emfinde ich es als sehr unempfindlich, es reagiert manchmal nicht zu 100 % auf die gewünschten aktionen und springt stattdessen auf dem desktop herum…

  8. Marcin
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 23:48 Uhr (#)

    Was bisher allen Netbooks fehlt, ist ein GSM Modem. Das Dell Inspiron 9 hat zwar unter dem Akku eine Aussparung für eine Simcard, jedoch ist dies ohne Modul. Dies ist doch sinnvoller als eine 160GB HDD.

  9. geby
    schrieb am 18. Oktober 2008 um 08:19 Uhr (#)

    Das 901 gibts bald als Version mit HASDPA und dem ganzen Schnick Schnack.

  10. robert
    schrieb am 19. Oktober 2008 um 00:36 Uhr (#)

    Gibt es eigentlich auch ein Linux Version für diese Model, oder wenigstens Treiber? Würde mich wegen der Leistung schon interessieren.
    Und noch wegen Office… ich kann nur jedem raten Office ab 2003 und XP, finger weck! Ich hatte das auf zwei Rechner und bei beiden hat sich die Startzeit sowie die Performance dramatisch verschlechtert. Outlook allein schein aber kein Problem zu machen.

  11. TheTeaser
    schrieb am 19. Oktober 2008 um 14:25 Uhr (#)

    Also ich hab Windows Vista Home Basic auf meinem Asus eee 900PC,und was soll ich sagen – die CPU-Auslastung bei Zattoo schwankt zwischen 35-50%.
    Nur Windows live Messenger lässt sich nicht installieren da da scheinbar ein problem mit der Prozessorarchitektur auftritt (heisst es in der Fehlermeldung)

  12. TheTeaser
    schrieb am 19. Oktober 2008 um 16:20 Uhr (#)

    übrigens wer windows home bis ultimat schon auf seine asus eee 4g PC haben möchte macht das übrigens am besten mit http://www.vlite.net/

    für windows xp kann man http://www.nu2.nu/pebuilder/ nehmen

    das schrumpft dan das os auf kanapp 2,5 gb herunter
    die grösseren modelle haben das wegen der grossen festplatte nur bedingt nötig den rest kann mann dann sowiso auf eine sd kart nehmen

    viel spass beim installieren :D

  13. Gabriel
    schrieb am 26. Oktober 2008 um 16:29 Uhr (#)

    Also zum Problem mit dem erforderlichen scrollen. Als erstes würde ich mal die Taskleiste nicht permanent anzeigen lassen und die Symbolleiste für die Lesezeichen kann man ruhig deaktivieren. Dann gibt es schon sehr viel mehr Bild. Ausserdem muss man sowieso auf praktisch jeder Seite herunter scrollen.
    Das touchpad springt überhaupt nicht, ist jetzt etwas grösser als vorher, aber es ist von der Oberfläche her etwas unangenehm.
    Der Prozessor kapituliert bei Zattoo mit hoher Auflösung? Könnte es nicht eher daran liegen, dass das Display die höhere Auflösung nicht darstellen kann?

    @robert
    Wer Geschwindigkeitsprobleme mit XP und Office hat, der sollte sich vielleicht mal einen Grundkurs in Systemoptimierung absolvieren. Es gibt schon beim 701 G4 überhaupt keine Geschwindigkeitsprobleme (25 sek. aufstarten!)

    @TheTeaser
    Windows XP lässt sich voll auf die 4G SSD installieren ohne die Version abzuspecken. Danach einfach die Komprimierungsfunktion für die Festplatte aktivieren und es bleiben knapp 2GB übrig!! Funktion für die Windows Meldung “zu wenig Platz auf der Festplatte” einfach deaktivieren.

  14. Haru
    schrieb am 27. Oktober 2008 um 00:01 Uhr (#)

    PS: Das Teil ist mit Take Away Abo (Internet) bei http://www.digitec.ch für (unverschämte) 299 Fr. (zzgl. Abo) zu haben.
    PS: Ich habe dort keine Aktien – aber der Preis ist schon recht extrem – für den Fall, dass man sowieso ein mobiles Internet Angebot nutzen möchte – und wer das bei so einem Gerät nicht…

  15. moesu
    schrieb am 14. Dezember 2008 um 18:06 Uhr (#)

    zu dem platzproblem beim surfen: ich verwende nun aus diesem grund den chrome-browser von google. fürs arbeiten mit dem netbook finde ich den praktischer als firefox, auch mit speziellen firefox-designs nicht.

    sehr gewöhnungsbedürftig ist die rechte shift-taste. habt ihr damit keine probleme?

  16. Netbook Tester
    schrieb am 9. Januar 2009 um 23:09 Uhr (#)

    (Geschmackssache AN) Was mich (persönlich) an den meisten Asus Netbooks stört, ist die etwas billige Haptik, insbesondere der Tastatur. Das Netbook selbst ist ok, aber es wirkt nicht wirklich werthaltig. Ich glaube, das liegt zu einem großen Teil an dem besonderen weißen Plastik, welches Asus zu gern verbaut. Wer mal das neue Medion Akoya, das Dell Netbook, oder das Lenovo Netbook in der Hand hatte, merkt den Unterschied. Schade eigentlich. (Geschmackssache AUS)

  17. Peter S
    schrieb am 23. August 2011 um 10:55 Uhr (#)

    Ich kann nicht so recht verstehen, wieso du von einer “billigen Haptik” sprichst. Die Verarbeitung ist meiner Meinung nach wirklich in Ordnung für den Preis. Die Tastatur lässt sich sehr gut benutzen und hält auch ne ganze Menge aus.

    Selbst mit “Wurstfingern” ist diese nach ein bisschen Übung wunderbar zu bedienen…

    Wobei ich dir schon recht geben muss, dass die von dir angegebenen Netbooks ein wenig besser sind. Nur muss man sich auch mal mit dem zufrieden geben, was man für so wenig Geld bekommt :-)

    Viele Grüße
    Netbook Test

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