Nokia E71 im Langzeit-Test (1/3):
Manager-Glanzstück

Nokias E71 (Affiliate-Link)ist für den Arbeitssüchtigen, was das iPhone für den Trendsüchtigen. Es kann nicht sehr viel mehr als das Vorgängermodell E61i – aber alles besser. Und es sieht sehr gut aus.

Ich sehe die “lebenswichtigen” Gadgets relativ nüchtern: Jene Geräte, auf die ich im Alltag wirklich angewiesen bin, müssen nicht gut aussehen. Sie müssen aber alles beherrschen, was sie versprechen. Mit einer anderen als dieser Einstellung kann man sich nicht wirklich mit einem Nokia E61i blicken lassen: Das Rechteck hat zwar einen praktisch grossen Bildschirm, aber eine Schönheit ist es nun beileibe nicht.

Der Nachfolger hingegen, das E71, ist eine Schönheit. Und zwar nicht nur zum Ansehen:

Es wirkt nicht nur wie ein massiver Metallkörper von zeitloser Eleganz, es ist einer: Die Front besteht aus poliertem Stahl, der Kern des Gehäuses aus etwas, von dem ich annehme, dass es Aluminium-Druckguss ist. Der Deckel auf der Rückseite wiederum ist wiederum Edelstahl.

Einzige Plastikteile sind die Tasten des Keyboards, und sie passen mit dem Metallic-Finish zum grauen Aluminium und der eingelassenen Glasscheibe vor dem Bildschirm. Alles in allem ist das Nokia E71 ein Hochglanz-Faustkeil des Informationszeitalters, und zwar im guten Sinne: Eindeutig ein Werk- und kein Spielzeug, zugleich aber von einer stromlinienförmigen Eleganz, die man bei solchen Geräten bisher bis auf wenige Ausnahmen vergebens sucht. Dabei ist das E71 deutlich schmaler und zumindest scheinbar dünner als das selbst für meine Pfoten zu breite E61i.

Technisch hat es, ausser dem Asissted GPS, der 3.2 Megapixel-Kamera mit Xenon-Blitz und Autofokus und dem integrierten FM-Radio, nicht grundlegend mehr zu bieten als das Vorgängermodell. Was das E71 dennoch zu einer empfehlenswerten Update macht, sind die konsequenten Verbesserungen aller Funktionen gegenüber dem E61i.

Für mich waren die, zusammen mit dem gelungenen Design, der Grund, das Nokia e71 als Kandidaten für mein Mobiles Büro zu sehen. Das E61i kann bereits unglaublich viel, von der integrierten Internet-Telefonie bis zu VPN-Tunnelung, und ist dabei dank der hervorragenden Tastatur ein halber Taschencomputer. Aber fast alles krankt noch an kleinen Einschränkungen, vor allem aber an zu geringem Arbeitsspeicher und dem zu langsamen Prozessor. Was sich hier mit dem E71 getan hat, werde ich in den nächsten Testteilen behandeln.

Zunächst aber zum Äusserden des Nokia E71. Das Gehäuse ist nicht nur elegant und verhältnismässig schwer, was es gut in der Hand liegen lässt. Es ist auch in Sachen Verarbeitung deutlich eine andere Klasse als die preiswerteren Handys mit Plastikdeckeln und -covern. Der Rückteil lässt sich durch gleichzeitigen Druck auf zwei seitliche Tasten abheben, und darunter kommt in erster Linie ein “riesiger” Akku zum Vorschein, der drei Viertel des Volumens des ganzen Geräts in Anspruch zu nehmen scheint.

Die physischen Schnittstellen des Nokia E71 sind rund ums Gehäuse verteilt, was ich mässig praktisch finde. So ist der winzige, runde Netzgerät-Anschluss (kompatibel mit den alten Geräten) weiterhin auf der unteren Gehäuseseite, wo er in Anbetracht von diversen Betriebsarten mit Netzanschluss, beispielsweise im Auto, auch unbedingt hin gehört.

Die Datenverbindung hingegen ist unter einer Gummiabdeckung auf der linken Gehäuseseite versteckt worden, was ich gleich aus zwei Gründen einen Rückschritt finde: Es macht das Design von Tisch-Dockingstationen ungleich schwieriger, und für jede Datenverbindung via Kabel muss zuerst der Deckel des USB-Anschlusses aufgemurkst werden. Dass dieser Anschluss noch dazu kein Standard-Micro-USB ist, nervt zusätzlich.

Dafür hat der Micro-SD-Speicherkartenschlitz einen Sprung gemacht: an die Gehäuse-Aussenseite, gleich über den USB-Anschluss. Damit kann jetzt die Karte (das E71 arbeitet im Gegensatz zum E61i auch mit Hochkapazitäts-MicroSD, derzeit mit 8GB, die in den USA bei Amazon für 23 Dollar zu haben sind). Wer also viel Musik oder Kartenmaterial und Musik getrennt herumschleppen will, kann die Speichermodule in Sekunden auswechseln. Beim E61i musste dazu der Gehäuserücken demontiert werden.

Ü

ber den beiden abgedeckten Schnittstellen sitzt etwas, was immer weniger Geräte aufweisen und was ich bisweilen immer mal wieder vermisst habe: Eine Infrarot-Schnittstelle, eine der ersten kontaktlosen Verbindungstechniken vor Bluetooth. Keine dringende Notwendigkeit, aber nett zu haben, wenn man schnell mit jemandem Adressdaten austauschen will ohne Bluetooth-Fummelei.

Auf der Gehäuse-Oberseite liegt der überaus kräftige Lautsprecher und der unverständlicherweise in billigem rotem Plastik gehaltene Hauptschalter. Auf der rechten Seite liegt der Kopfhöreranschluss in 2.5mm Klinke (was die Auswahl zu benutzender Kopfhörer ohne Adapter leider einschränkt, aber bei Kleingeräten immer mehr den 3.5mm-Klinken vorgezogen wird), die Lautstärke- und die Spracheingabetaste.

Damit eröffnet sich ein Designnachteil, von dem wir zu Gunsten Nokias annehmen, dass er sich in dem extrem kompakten Gerät nun mal nicht umgehen liess: Wenn alle Kabelanschlüsse belegt sind – Strom, Datenverbindung und Kopfhörer/Radio-Antenne -, dann hängt das Nokia E71 mit drei von vier Geräteseiten an einem Draht…

Auf der Geräterückseite liegt die Autofokus-Linse der 3.2MP-Kamera neben einem Xenon-Emitter und einem Selbstporträt-Spiegelchen.

Die Front bietet neben der Tastatur, den acht Haupt-Tasten und dem 5-Wege-Schalter einen Lichtsensor und – eine zweite Kamera, die für Videotelefonate im UMTS-Netzen dient. Das grell weisse Alarm-LED des Nokia E61i ist hinter die Zentrale Wippe gerutscht. Es zeigt dort mit einem “atmenden” Lichtschein (langsames Pulsieren) an, dass das Telefon eingeschaltet ist oder dass eine Nachricht wartet.

Zur Tastatur: Dieses zentrale Geräteteil des Arbeits-Smartphones E71 kann mit gutem gewissen als eine der besten Mikro-Tastaturen bezeichnet werden, die ich je in Händen hatte. das muss sie auch, nachdem die praktisch gleiche Tastenbelegung des E61i auf vier Fünftel des Platzes zusammengequetscht wurde. Jetzt aber besitzen alle Tasten einen gut fühlbaren Druckpunkt und ausserdem über eine deutliche Wölbung, so dass die leicht zu treffen sind und ihre Betätigung durch ein leichtes Knacken fühlbar zurückmelden.

Eine Ausnahme ist die Leertaste, die offenbar mit zwei Mikroschaltern unterlegt ist und deshalb zweimal knackt, was mich anfangs beim schnellen Tippen mit den Daumen sehr verwirrt hat: Es fühlte sich jeder Leerschlag an, als ob zwei Buchstaben gedrückt worden seien.

Auch die Zentrale Wippe ist deutlich besser als die etwas schwammige auf dem E61i. Sie ist ausserdem grade soweit hervorstehend, dass man bei Klicks nach links oder rechts nicht zusätzlich den danebenliegenden Programmwahlschalter (Kalender links, Adressbuch rechts) mitbetätigt.

Das gilt leider nicht für die OK-Taste in der Mitte der Wippe. Sie ist grade so weit zu stark eingelassen, dass ich mit meinen Wurstfingern beim bestätigen einer Eingabe nur zu oft auch noch die Wippe in eine der vier Himmelsrichtungen drücke. Das geht, wenn man das Handy in einer Hand hat und mit dem Daumen Wippe und Ok-Taste bedient. Zur lästigen Zielübung allerdings wird es, wenn das Telefon im auto in einer Halterung sitzt und man beispielsweise das Routenführungsprogramm mit dem GPS steuern will, oder den Radiosender wechseln.

Insgesamt aber ist das E71 ein Schmuckstück, nicht nur optisch, sondern auch in der Bedienung – mit den üblichen Einschränkungen von Symbian S60, wie wir sehen werden. Jedenfalls hat mich noch niemand hier in den USA, wo fast die einzigen bekannten Smartphones mit Tastatur die Blackberrys und der Treo von Palm sind, nicht gefragt, was denn das für ein schmuckes Smartphone sei.

Und obwohl ich das Hochglanzstück fast so häufig am T-Shirt sauber reibe wie das iPhone, das ich zwei Wochen lang besessen habe: Die Stahloberfläche des Nokia E71 lässt Fingerabdrücke weit weniger wie die fettigen Schlieren aussehen, die sie eigentlich sind, und die das Glas des iPhones schnell unappetitlich aussehen lassen. Vielmehr sieht das Hautöl auf dem Edelstahl aus wie eine leichte Oxidation: Der Glanz wird vermischt mit einer ganz leichten Patina vom Aussehen alten Silberbestecks – die sich mit einem kräftigen Reiben am T-Shirt abwischen lässt.

Nokia liefert übrigens zu dem E71 einen Tragriemen und eine schwarze Hülle mit, die aussieht wie Kunstleder mit rotem Plastik-Samtfutter (und womöglich aus echtem Leder besteht…).

Erstaunlicherweise habe ich mich dabei erwischt, wie ich diese Hülle, anfangs achtlos in die Schachtel zurückgeworfen, nach zwei Tagen rausgefischt und dem E71 mal probehalber übergezogen habe. Am dritten Tag schützte sie das Edel-Smartphone bereits bei jedem verlassen des Hauses vor Kratzangriffen durch Schlüssel und Münzen in der Jackentasche – und inzwischen sitzt das E71 eigentlich fast immer in der (Kunst-?) Lederhülle. Hat irgendwie etwas Metrosexuelles und ist überhaupt nicht mein Stil. Aber zerkratzte Edel-Gadgets mag ich auch nicht.

Teile zwei und drei folgen : Software, Verbindungen und Fazit.

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e71 neu
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10 Kommentare

  1. Katzhkau
    schrieb am 6. Oktober 2008 um 11:38 Uhr (#)

    Was sagste zum zu hohen Strahlungswert? Kopfweh?

  2. BenBuster
    schrieb am 6. Oktober 2008 um 17:46 Uhr (#)

    Kopfweh ? nein… headset !

  3. Alper
    schrieb am 6. Oktober 2008 um 18:41 Uhr (#)

    Ein sehr guter Bericht. Ich habe aktuell das E61 und bin damit auch schon ziemlich zufrieden. Der langsame Prozessor nervt und gegen GPS hätte ich nichts. Daher bin ich mal gespannt, wie deine anderen beiden Artikel aussehen :-)

  4. martin
    schrieb am 6. Oktober 2008 um 21:56 Uhr (#)

    …und wie darf man nun das mit dem

    Langzeit-Test

    verstehen? sind das einige woche, monate, …? es wird ja nur drei testteile geben. und ich nehme ja nicht an, dass du den nächsten erst in entfernter zukunft bringen willst. oder kommt zusätzlich zu diesem dreiteiligen test noch was längerfristiges?

  5. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 17. Oktober 2008 um 03:43 Uhr (#)

    Langzeit-Test heisst, ich habe – weil wir ja schon einen ersten Überblick über das E71 hatten – das Gerät zwei Monate im harten Alltagstest ausprobiert. Ich entdecke auch heute noch neue Funktionen, positive und negative Überraschungen.

    Kann auch sein, dass ich mich entscheide, einen oder zwei Testeile anzuhängen, nachdem ich gemerkt habe, dass man dem extremen Funktionsumfang in drei Teilen kaum gerecht werden kann.

    (diesen Kommentar habe ich mit Opera Mini auf dem E71 verfasst, mit dem ich auch problemlos WordPress administriere.)

  6. Mick
    schrieb am 28. November 2008 um 08:33 Uhr (#)

    Der Körper des E71 ist nicht Aludruckguss, sondern irgendeine stabile Polycarbonatmischung. Wie auch beim iPhone und allen anderen Geräten mit WIFI und Mobilfunk müssen zumindest die Antennen unter Kunststoff liegen. Das ist elegant gelöst beim E71 und beim iPhone 3G. Beim Original-iPhone und meinem Originial-iPod-touch klebt da noch diese Kunstoffecke im Design.

  7. Stefan Bornheimer
    schrieb am 6. Dezember 2008 um 17:28 Uhr (#)

    Hallo Herr Sennhauser, hallo alle anderen im Forum,

    auch ich habe den Langzeitbericht mit grossem Interesse gelesen und finde solche veröfffentlichen Erfahrungen wichtig, was die Kaufentscheidung anbelangt. Vielen Dank dafür.

    Ich fliege viel und interessierem ich daher sehr für einen sogenannten “Flugmodus”. Heisst, dass ich das E71 im Flugzeug anmachen kann, aber dass das E71 keine Signale sendet, die den Flugbetrieb stören könnten.

    Hat das E71 diese Funktion?

    Gruß
    Stefan Bornheimer

  8. Christian
    schrieb am 18. Dezember 2008 um 21:10 Uhr (#)

    Bei Nokia nennt sich das “Offline-Modus” – und als Businessgerät ist diese Funktion beim E71 selbstverständlich an Board…

  9. Pestalozzi
    schrieb am 4. Januar 2009 um 20:33 Uhr (#)

    wann gehts dann weiter mit dem dritten Teil?

  10. Bea
    schrieb am 27. April 2009 um 11:37 Uhr (#)

    Mein Mann hat das e71 jetzt auch und es sieht wirklich edel aus.
    http://tipblog.de/tipblog…a-pda-und-pocket-pc/

    Die Qualität der Bilder find ich gar nicht so schlecht, ist aber halt auch keine Kamera.

    Gruß
    Bea

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