GM Volt:
Der Ami-Elektroschlitten

General Motors will mit dem “Volt” zurück in den Elektro-Markt. Das Konzept unterscheidet sich von einem Hybrid: Der Verbrennungsmotor wird ausschliesslich als Generator eingesetzt.

Der amerikanische Automobilhersteller General Motors hatte mal die Nase ganz vorn: Ab 1996 produzierte GM den EV-1, ein Elektroauto, das 120 km/h schnell war und eine Reichweite von 170 Kilometern hatte. Die Testkäufer waren von den Alltagsfähigkeiten des Autos begeistert.

Kurz darauf setzte Kalifornien sein Gesetz ausser Kraft, welches bis zum Jahr 2003 einen Anteil von 10 Prozent abgasfreier Fahrzeuge angestrebt und damit die Autohersteller unter Druck gesetzt hatte. GM zog alle EV1 wieder ein und verschrottete sie. Jetzt nimmt GM angeblich einen neuen Anlauf:

Denn etwas mehr als zehn Jahre später liegt die amerikanische Autoindustrie mit ihren Benzinsäufern und Offroad-Panzern anscheinend endgültig am Boden: Binnen eines Jahres sich verdoppelnde Benzinpreise liessen die Käufer auf Kleinwagen und Hybridfahrzeuge aus Japan umsteigen.

Nun will GM angeblich wieder in den Elektromarkt einsteigen. In zwei Jahren soll der Volt serienreif sein.

Der Benzinmotor ist noch nicht völlig daraus verschwunden. Aber anders als bei den aktuellen Hybridautos wird er beim Volt nicht für den Antrieb der Räder im Bedarfsfall, sondern ausschliesslich als Generator zur Stromproduktion eingesetzt. das hat ein paar Vorteile: Der Effizienzgrad steigt, die Batterien können während der fahrt aufgeladen werden, der Verbrennungsmotor kann auf verschiedene Treibstoffe und auf ideale Verbrennung optimiert und jederzeit durch eine Brennstoffzelle oder eine andere Stromquelle ersetzt werden.

Nach den ersten Prototypen hat GM jetzt ein Vorserienmodell vorgestellt. In den Handel kommen soll der Volt in zwei Jahren.

Tatsächlich mag erstaunen, dass GM nochmals zwei Jahre lang forschen muss, um das Antriebssystem zu perfektionieren – denn dass Batteriefahrzeuge alltagstauglich sind, ist seit mehr als zehn Jahren bewiesen. “Das Elektroauto ist kein Auto für jedermann – es deckt nur die Bedürfnisse von 90 Prozent von uns”, sagt ein GM-Kritiker.

Kritiker reklamieren, der Volt sei sei nur ein weiteres Ablenkungsmanöver und eine PR-Kampagne der mit der Ölindustrie verbandelten Autohersteller, die “uns seit fünfzehn Jahren sagen, die Brennstoffzellentechnologie sei in fünfzehn Jahren serientauglich”.

Chevrolet Volt

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6 Kommentare

  1. amade.ch
    schrieb am 22. September 2008 um 09:41 Uhr (#)

    soso, batteriefahrzeuge sind seit zehn jahren alltagstauglich? warum hat dann noch kein grosser hersteller ein auto auf dem markt? anstatt hier verschwörungstheorien zu zitieren, könnte man gm auch durchaus für die vorreiterrolle loben. schliesslich hält kein europäischer hersteller etwas ähnliches bereit.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 22. September 2008 um 09:57 Uhr (#)

    Im Einziehen und Verschrotten von rund zweihundert perfekt funktionierenden Elektromobilen, deren Mieter GM anboten, die Fahrzeuge zu kaufen, aber kommentarlos und teils unter Polizeibewachung zur Herausgabe gezwungen wurden, sehe ich keine Theorie, sondern eine die gewollte frühzeitige Beerdigung eines Konzepts – das sich vor zehn Jahren als alltagstauglich erwiesen hat. Von Verschwörung muss man nicht reden – Konzerne verhalten sich nicht moralisch oder unmoralisch, sondern immer so profitorientiert wie möglich.
    Ich persönlich mag keinen Konzern für etwas loben, was noch immer ein PR-Stunt sein könnte, bevor er irgendwas auf dem Markt hat. In diesem Punkt gebe ich Dir recht: Die Europäer haben auch noch nichts. Aber die haben auch in den letzten zehn Jahren nicht ausschliesslich auf Panzerfahrzeuge gesetzt, wie sie in den USA mit Vergünstigungen durch den Staat als “Nutzfahrzeuge” an Private verscherbelt wurden, denen jetzt bei verdoppelten Benzinpreisen plötzlich ein ziemlich heisses Lichtlein im Portemonnaie aufgegangen ist.

  3. Alper
    schrieb am 22. September 2008 um 10:06 Uhr (#)

    @Vorredner:
    Vielleicht, weil die Produktion von Speicherzellen noch ungeheuer aufwändig und teuer ist? Weil nicht jeder bereit ist, so viel Geld für ein Elektrofahrzeug auszugeben, was ein Vielfaches von dem kostet, was ein ähnliches Fahrzeug mit Benzinmotor kostet? Vielleicht, weil sich mit Elektrofahrzeugen noch nicht das große Geld verdienen lässt weil das Benzin noch nicht so teuer ist, dass sich viele Leute auf die Suche nach einer Alternative begeben?

    Weswegen wurde der Audi A2 aufgegeben? Nicht weil es ein schlechtes Auto war. Bis heute zählt es qualitativ zu den besten Fahrzeugen, die Audi je gebaut hat.

    Für GM ist das Projekt aktuell nicht mehr als PR. Gewinn wird das Unternehmen damit in der Anfangsphase sicher nicht machen. Aber es lenkt ab von den aktuellen Problemen und zeigt, dass das Unternehmen bereit ist, künftige Herausforderungen anzunehmen.

    Und neben den vielen positiven Aspekten ist ein Punkt besonders wichtig: GM machts vor – andere werden folgen. Ganz sicher…

  4. Alper
    schrieb am 22. September 2008 um 10:06 Uhr (#)

    Während ich meinen Beitrag geschrieben habe, rutschte noch ein anderer dazwischen ;-) Mein Kommentar bezieht sich also auf amade.ch

  5. amade.ch
    schrieb am 22. September 2008 um 15:32 Uhr (#)

    wenn es nur um gewinn gehen würde, wäre ein bugatti veyron nie entstanden. so einfach ist das nicht. ich finde einfach etwas gar zynisch, die amis für ihren volt zu belächeln und ihn als blossen pr-gag zu bezeichnen. und das mit den suv… würde ich nicht nur an den herstellern festmachen. aber der höhere benzinpreis wird den übergrossen fahrzeugen ein schnelles ende bereiten.

    naja… gm ist nicht nur mit dem volt daran, die taktik zu ändern. schau Dir mal die neuheiten der letzten jahre an. vieles geht in die richtung “kleiner, sparsamer und preiswert”. bei opel, saab und chevy wurde oder wird die palette massiv nach unten ausgeweitet.

    wenn gm tatsächlich so viele probleme hat, warum gelingt es denn keinem anderen grossen hersteller etwas wie den volt zu präsentieren? ich behaupte: insbesondere die deutschen haben sich zu lange auf ihren lorbeeren ausgeruht. aber mal sehen, was die nächsten zwei jahre so bringen.

  6. anonym
    schrieb am 12. September 2009 um 17:42 Uhr (#)

    @amade.ch
    Ja! Batteriefahrzeuge sind seit mehr als zehn Jahren alltagstauglich!

    Es liegt nur an der übermächtigen Lobby der Automobil-Industrie und den Ölmultis, dass wir nicht schon seit langer Zeit mit dieser vernünftigen Antriebsart fahren. Leider wurden so auch 15 Jahre Erfahrung und Weiterentwicklung ‘verschenkt’ – wer weiss, wo wir sonst bereits heute mit Reichweite und Effizienz wären…

    Ein in Deutschland entwickeltes, bildschönes und voll alltagstaugliches Elektroauto, das Elektro-Coupé AAA, könnte ohne diese Lobbyarbeit schon lange auf unseren Strassen fahren und wäre in der Anschaffung nicht teurer, als der “normale” PKW.

    Und die Verbrauchskosten für rund 6 kWh/100 km* liegen weit unter denen der Diesel-/Benzinstinker.

    Siehe:

    http://www.eCars.de.ms

    _____________________________________________
    (*) umgerechnet weniger als 1(!) Liter Diesel

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