Weneo ID Smartcard:
Bahnticket zum selber laden

Die Weneo ID Smartcard könnte 2010 die herkömmlichen Bahn-Fahrkarten in Frankreich ersetzen: Online gekaufte “Tickets” werden per USB auf den Funk-Chip geladen.

Das bedeutet aber auch, dass man einige persönliche Informationen angeben muss, zum Beispiel den Namen, die Anschrift, und ob man Student oder Rentner ist, da dort die Tarife günstiger sind. Diese Informationen werden mit der Identifikationsnummer verknüpft und auf dem Webserver gespeichert. Zu dem ist es so zumindest für den Bahnbetreiber theoretisch möglich, ein Bewegungsprofil zu erstellen. Das ist durchaus bedenklich.

Zusätzlich bietet die Karte im “USB-Bereich” vier Gigabyte Speicherplatz an, um weitere Daten speichern zu können. Gedacht hat man dabei an Fahrplaninformationen, Routen oder Ähnliches. Auf dem RFID-Chip soll lediglich die ID-Nummer der Karte sichtbar sein.

Die Deutsche Bahn geht einen anderen Weg
Während man in Frankreich versucht, das Kartenverkaufssystem so weit wie möglich zu automatisieren, muss man sich im Gegensatz dazu in Deutschland im Vorfeld jeder Zugfahrt nach wie vor selbst um das Ticket kümmern – selbst bei dem mobilen Handyticketsystem der Deutschen Bahn. Dabei sind auch die technischen Hürden einigermaßen hoch.

Um eine mobile Fahrkarte zu erwerben, muss man ein MMS-fähiges Handy sein eigen nennen können, welches auch WAP-fähig sein sollte. Um den Handyticket-Service zu aktivieren, benötigt man zu dem einen Login auf dem Server der Deutschen Bahn. Dort kann man dann Fahrscheine für einzelne Fahrten erwerben. Der einzelne Fahrschein wird dann als MMS-Nachricht auf das Handy geschickt. Dort sind die Fahrtinformationen als “Barcode” enthalten, die der Schaffner mit einem entsprechenden Lesegerät entziffern kann. Um den rechtmäßigen Anspruch an diese Fahrt zu legitimieren, muss man dem Schaffner gegenüber noch seine BahnCard, EC- oder Kreditkarte zeigen – je nachdem welche Information man auf dem Server der Deutschen Bahn hinterlegt hat.

Kompliziert und viele Ausnahmen
Was wäre die Deutsche Bahn, wenn es auch hier nicht wieder Ausnahmen gäbe. Tickets kann man sich mit dem WAP-fähigen Handy nur für Fahrten erwerben, die länger als 51 Kilometer sind. Aktionspreise kann man genauso wenig erwerben, wie Tickets für den Nah- und Regionalverkehr. Das deutsche Bahnsystem setzt nach wie vor ausschließlich auf Schaffner, die im laufenden Betrieb die gültigen Fahrscheine überprüfen.

Bis zu zehn Minuten vor Beginn der Fahrt soll man sich ein Ticket kaufen können. Hier ist das französische System deutlich im Vorteil – denn wenn man eine Karte mit Guthaben hat, muss man sich um nichts Weiteres mehr kümmern, außer dass man die Karte vor den RFID-Scanner hält. Und ist nicht das größte Ärgernis bei Reisen mit der Deutschen Bahn, dass man bei Zeitknappheit vor der Wahl steht, entweder den Zug sausen zu lassen, oder beim Schaffner einen Aufpreis zu zahlen? In so einem Fall nützt das mobile Handyticketsystem nichts.

Im Gegensatz dazu klingt das System aus Frankreich einigermaßen vielversprechend, wenn auch Fragen nach Datenschutz und Kartenmissbrauch momentan unbeantwortet bleiben. Das neue Kartensystem befindet sich momentan erst in einer Testphase. Sollte die Kundenzufriedenheit gewährleistet sein, so könnte das USB-Kartensystem ab 2010 in Frankreich flächendeckend eingeführt werden.

Einige technische Details findet man im englischsprachigen RFID-Journal. Hergestellt werden die USB-Karten von Neowave.

[via Wired]

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