Die Weltraumspione:
Der kalte Krieg im All

Wolf-Dieter Roth, 19. August 2008 14:41 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Raumfahrt ist etwas Interessantes, streng wissenschaftliches? Nein, sie fing militärisch an. Arte zeigt mit “Die Weltraumspione” bislang Unbekanntes aus dem Kalten Krieg - in HD.

Wer denkt, der Weg zu den Sternen und der Flug zum Mond seien immer nur rein vom wissenschaftlichen Interesse an unserer Welt getrieben gewesen, ist ein Träumer. Nein, die Raketen wurden gebaut, um Bomben zu tragen - im II. Weltkrieg über London und später auch in den Weltraum - “Star Wars” wude zwar erst durch Ronald Reagan zum Schlagwort, doch die dahinterstehenden Konzepte stammen aus dem kalten Krieg im All der 50er und 60er.

Zum ersten Mal erzählen amerikanische und russische Spionageastronauten nun, fast 50 Jahre später, in der mittwoch abend 21.50 auf Arte in HD ausgestrahlten Dokumentation “Die Weltraumspione” ihre Geschichte, berichten über die geheimen Programme, ihre Unterschiede, Parallelen, Erfolge und Tragödien, die sogar vor und mit höherer Priorität, doch im öffentlichen Bewußtsein im Schatten der zivilen Raumfahrt stattfanden.

Die ALMAZ-Station wird begutachtet. (Bild: ZDF/MIC Administration/NPO Mashinostroenie)

1957, vor kaum mehr als 50 Jahren, löste der “Sputnikschock” einen Wettlauf zwischen der Sowjetunion und den USA um die Eroberung des Weltalls aus. Er erreichte 1969 seinen Höhepunkt, als mit Neil Armstrong der erste Mensch auf dem Mond landete und somit erstmals die USA vorne lagen.

Der Kalte Krieg im Weltraum ist spannender als bisher bekannt. Eine zufällige Entdeckung brachte im Sommer 2005 die in dieser Dokumentation behandelte Geschichte der Weltraumspione ans Licht. Danach haben USA und Sowjetunion jahrelang versucht, sich nicht nur über hochfliegende Flugzeuge wie die U2, sondern auch über bemannte Weltraumprogramme gegenseitig auszuspionieren.

Die wichtigste Verteidigung im kalten Krieg lag auf beiden Seiten darin zu wissen, über welche Möglichkeiten und Kapazitäten der Feind wirklich verfügte - und welche er nur vortäuschte. Daher war Spionage das beste, doch auch das gefährlichste Mittel, sich diese Informationen zu verschaffen.

Die ALMAZ-Kosmonauten Pavel Popovich (li.) und Yuri Artyukhin (re.) warten am 4. Juli 1974 auf ihren Flug ins All. Sie waren die ersten Spione im Orbit. (Bild: ZDF/MIC Administration/NPO Mashinostroenie)

Der CIA-Pilot Francis Gary Powers überfliegt am 1. Mai 1960 zu den Ural auf der Suche nach Raketenbasen. Seine Flughöhe beträgt 20.000 Meter - angeblich unerreichbar für sowjetische Luftabwehrraketen. Doch Powers wird abgeschossen. Er überlebt und wird als Beweis für feindliche Spionage in einem für die Amerikaner demütigenden Gerichtsprozess zur Schau gestellt.

Weil auch Satelliten im All zu jener Zeit keine brauchbaren Fotos liefern, entscheidet sich das US-Militär für ein waghalsiges Unterfangen: Die Konzepte “fliegender Spion” und “Weltraumsatellit” werden zusammengeführt und die Idee des höchst geheimen bemannten Weltraumlabors M.O.L. (”Manned Orbiting Laboratory”) ist geboren.

Mit gigantischen Teleskopen und Abhöranlagen ausgestattet, soll eine Raumstation im 90-Minuten-Takt die Erde umrunden, während Astronauten an Bord das feindliche Gebiet ausspähen, abhören, fotografieren und die Fotos auswerten. Diese Unternehmungen sind so geheim, dass selbst die dafür ausgewählten Astronauten erst sehr spät von dem Zweck ihrer Ausbildung erfahren.

Powers' Ausrüstung wurde in Moskau zur Schau gestellt. (Bild: ZDF/Gerald D. Morgan, Dwight D. Eisenhower Library)

Doch auch in der Sowjetunion wird die Problematik der Bildaufklärung erkannt. Unabhängig von den Amerikanern wird ein ähnliches Konzept erarbeitet. Zeitgleich zur M.O.L. entsteht die ALMAZ - eine ebenfalls bemannte Spionagestation, jedoch weit komplexer und ausgefeilter als ihr amerikanisches Pendant.

Heute mit Jahrzehnten Abstand freigegebenes Archivmaterial ermöglicht nun den Blick hinter die Kulissen der beiden Spionage-Programme der USA und der UDSSR und der Ausbildung der M.O.L.-Weltraumspione. Außerdem zeigt der Dokumentarfilm bisher unveröffentlichtes Material der ALMAZ-Raumkapsel, die von einem der Konstrukteure samt ihrem Waffensystem an Bord erklärt wird.

“Die Weltraumspione” ist ein verblüffender Film über die Gemeinsamkeiten der Kontrahenten des Kalten Krieges in den 60er Jahren und ihre fantastischen Erfindungen, die die Welt bis heute prägen, ohne ihre Herkunft zu verraten.

“Die Weltraumspione”, Dokumentarfilm, Deutschland/USA 2007, HD, 16:9, 52 Min., Erstausstrahlung Arte TV, Mittwoch, den 20. August 2008, 21.50 Uhr, Wiederholung: 26. August 2008, 10.45 Uhr

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. mal

    schrieb am 19. August 2008 um 17:45 Uhr (#)

    abgeschossenen abgeschossenen Spionageflugzeugs

    Soso die haben also ein abgeschossenes Spionageflugzeugs abgeschossenen ;)

  2. Don Dahlmann

    schrieb am 19. August 2008 um 19:11 Uhr (#)

    Na, ist uns doch mal was durchgerutscht. Danke für den Hinweis, wir haben es korig..karrig…. richtig gemacht.


1 Trackback

  1. neuerdings.com » Blog Archiv » Solarflugzeug Zephyr: Ökologische Bombendrohne
    (28. August 2008 16:36)

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