Wacom Bamboo im Test:
Pen-Tablet für Einsteiger

Damian Amherd, 30. Juli 2008 10:13 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Das Bamboo-Tablet von wacom ist eines der hochwertigen und zugleich preiswerten Stifttablets für PC und Mac. Wir haben es einem Test als Mausersatz unterzogen.

Wacom Bamboo im Test

Beim Thema Ergonomie scheiden sich die Geister. Das haben wir gesehen, als wir vor einigen Wochen die HandshoeMouse getestet haben. Jetzt nehmen wir ein anderes ergonomisch geformes Gerät unter die Lupe, das vor allem für Grafiker nicht mehr wegzudenken, das zunehmend aber auch für Gelegenheits-Photoshopper von grossem Nutzen ist: Das Tablet, in diesem Fall das Bamboo von Wacom.

Das Prinzip ist schnell erklärt. Statt mit der Maus steuert man den Computer mit einem Stift sowie einem übergrossen Touchpad (dem Tablet), wobei letzteres 14.7cm x 9.2cm (also ungefähr A56) misst. Speziell an der Sache ist, dass das Bamboo den Stift bereits erkennt, wenn dessen Spitze maximal 5mm über dem Brett ist.

Berührt der Stift das Tablet, kommt das einer gedrückten Maustaste gleich. Im täglichen Gebrauch muss man sich einfach vorstellen, dass die Bildschirmanzeige auf das Tablet projiziert würde. Möchte man zum Beispiel in Windows auf die Start-Taste klicken, drückt man mit dem Stift auf die untere linke Ecke des Bamboo. Dies hat einen entscheidenden Vorteil: verglichen mit einer Maus legt die Hand deutlich kürzere “Strecken” zurück. Zudem muss man auch den Cursor nicht über den Bildschirm ziehen, da der Cursor automatisch an die Stelle springt, an welche man mit dem Stift hinzielt. Das Bamboo wird via USB-Port mit Strom versorgt – der Stift benötigt keine eigene Stromquelle.

Zu Beginn ist das etwas ungewohnt und man erwischt sich immer wieder dabei, wie man mit dem Stift über das Tablet fährt, wenn man zum Beispiel ein Fenster schliessen will. Dabei würde ein gezielter Click mit dem Stift auch ausreichen.

Nach ein bis zwei Wochen hat man aber allmählich den Dreh raus und arbeitet sehr zielgenau. Dank zwei Tasten auf dem Stift sowie vier Tasten auf dem Tablet selbst (zwei mehr oder weniger frei programmierbar, zwei als Vor- und Zurück-Tasten) kann man sich das Bamboo massschneidern.

So habe ich eine Stifttaste als mittlere Maustaste programmiert (zum Scrollen oder Öffnen von Links in Firefox) und die Tablet-Tasten so eingestellt, dass zum Beispiel der Desktop angezeigt wurde. Vor allem bei den vier Tasten auf dem Bamboo ist man als Mac-User jedoch ziemlich eingeschränkt. Ferner findet man auf dem Tablet ein Zoom-Rad vor, welches (auf Mac) in einigen Applikationen problemlos funktioniert, in anderen jedoch nicht.

Die Tasten und das Zoom-Rad des Wacom Bamboo
Die Tasten und das Zoom-Rad des Wacom Bamboo – etwas mehr Optionen würden hier nicht schaden.

Da es ziemlich nervig ist, wenn man oft zwischen Maus bzw. Tablet und der Tastatur wechseln muss (zum Beispiel, um Adressen in den Browser einzutippen), werden die Wacom Tablets mit einer Schrifterkennungssoftware ausgeliefert, bzw. greifen auf die im Betriebssystem eingebaute Schrifterkennung zurück. Die Schrifterkennung auf Mac (via “Ink” bzw. “Inkwell”) funktioniert dabei besser, als ich es erwartet hätte, für viel mehr als ein oder zwei Worte einzugeben taugt sie aber auch wieder nicht – mit dem Keyboard ist man einfach immer schneller und erst noch fehlerfrei. Dem Vernehmen nach soll die ganze Sache auf Windows Vista besser nutzbar sein (zum Beispiel in Verbindung mit Office) – testen konnte ich es mangels Vista jedoch nicht.

Wie gut alles im alltäglichen Gebrauch funktioniert, sieht man in diesem Screencast:

Jing screencast

Im Alltag ist die Bedienung des Bamboo sehr bequem und für die Hand angenehm. Ein Nachteil ist jedoch, dass das Tablet (vor allem, wenn man mit einem Laptop arbeitet) auf dem Schreibtisch ziemlich viel Platz in Anspruch nimmt und man etwas herumprobieren muss, bis man einen guten Platz (vor der Tastatur, auf gleicher Höhe daneben, …) gefunden hat.

Gemäss Wacom ist ein Tablet unter anderem ergonomischer, weil die Hand verschiedene Bewegungen ausführt und nicht immer bloss dieselben Muskeln beansprucht werden (wie dies bei einer Maus der Fall ist). In meinem Test hatte ich im normalen Gebrauch nie Schmerzen, einzig bei längeren Texten mit der Schrifterkennung begann sich die Hand zu verkrampfen.

Testbericht Wacom Bamboo
Einzige Stromquelle für das Wacom Bamboo ist ein USB-Port. Der Stift funktioniert ohne Batterien.

Ansonsten ist die ganze Geschichte halt eine ziemliche Gewöhnungssache. Leuten, die ähnlich arbeiten wie ich (haupstächlich E-Mail, Browser und Office-Programme) würde ich Tablets aber nicht empfehlen. Wenn man etwas tippen muss, ist es einfach deutlich bequemer, die Maus liegen zu lassen oder die Finger vom Touchpad weg zu bewegen. Sofern man aber mehr im grafischen Bereich arbeitet, wird ein Tablett schnell sinnvoll (auch wenn dies im Screencast wegen mangelnden Talents meinerseits nicht so sehr zum Ausdruck kommt). Eine Freihand-Maskierung geht mit Stift und Tablet natürlich deutlich einfacher als mit der Maus, keine Frage.

Zudem bieten Stifttabletts in grafischen Anwendungen eine Zusatzfunktion, welche keine Maus hinkriegt: auf zunehmenden Druck vergrössert die Elektronik in grafischen Programmen die Werkzeugspitze – je nach Hardware zwischen 512 und einigen Tausend Stufen. Damit wird es möglich, wie mit einem Filzschreiber oder einem Pinsel in Fotos und Grafiken zu arbeiten. Die 512 Druckstufen des Bamboo und seine Auflösungsgenauigkeit sind nicht für professionellen Einsatz geeignet, reichen aber für die Ansprüche von Einsteigern mehr als aus.

Das Wacom Bamboo kostet offiziell ?79 – bei einigen Online-Händlern kriegt man das Tablet aber auch etwas billiger.

Wacom Bamboo

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5 Kommentare

  1. Mark S
    schrieb am 30. Juli 2008 um 12:17 Uhr (#)

    Ich habe vor Jahren die Tablets für mich entdeckt und benutze seitdem kaum noch die Maus, obwohl es die bei meinem alten Wacom noch dazu gab. Auch beim einfachen Surfen und Mailen kommt bevorzugt der Stift zum Einsatz. Jeder Büroarbeiter, dessen Hand unter der Maus leidet, sollte ein Tablet unbedingt mal ausprobieren!

  2. Herr Schlauschlau
    schrieb am 30. Juli 2008 um 15:25 Uhr (#)

    nr kurze besserwisserei: 14.7cm x 9.2cm entspricht eher DIN A6 als A5, letzteres wäre 148 x 210 mm. so genug rumgemosert :)

  3. Snip-da-doo
    schrieb am 31. Juli 2008 um 04:21 Uhr (#)

    Ich benutze eben das getestete Tablet jeden Tag zum surfen und Office Arbeiten , sowie ab und zu für Grafikanwendungen. Für mich persöhnlich ist die Handhabung des Tablets wesentlich bequemer als die der Maus , ich muss aber zugeben dass mach sich erst ein paar Wochen eingewöhnen muss.
    Text tippe ich übrigens weiterhin auf der Tastatur , meistens sogar mit dem Stift noch in der Hand :D

  4. B.Durst
    schrieb am 31. Juli 2008 um 11:19 Uhr (#)

    Ich habe mir das Wacom Bamboo als Mausersatz gekauft um meine Armbeschwerden zu reduzieren. Das ist auch voll gelungen: Man kann mit vielseitigen, entspannten Haltungen arbeiten.
    Wie in anderen Kommentaren erwähnt, sind die ständigen Wechsel zwischen Stift und Tastatur allerdings gewöhnungsbedürftig; ebenso, dass man nicht durch walzenförmige Bewegungen an derselben Stelle des Schreibtisch verschiedene Lagen des Cursors erhält, sondern die linke obere Ecke des Monitors immer die linke obere Ecke des Tabletts ist.
    Das Zoom- und Scroll-Touchpad zwischen den Tasten ist manchmal sehr praktisch, funktioniert jedoch nicht in allen Programmen. Außerdem reagiert es z.T. mit Verzögerung. Dafür wechsele ich nur noch mit den Tasten zwischen Programmen – die Hand liegt ja bei Cursorbewegungen genau dort.
    Ich musste mich daran gewöhnen, dass die Stiftaktionen (z.B. Tastendruck) erst nach einer kurzen “Denkpause” im Rechner ankommen.
    Ein “Fehler” nervt mich recht häufig: Klickt man in einen Text zum Schreiben, wird die Tastatureingabe nicht erkannt. Manchmal reicht ein kleiner Schwenk mit dem Stift über das Tablett und die eingegebenen Zeichen erscheinen, manchmal werden die Zeichen durch die folgenden gelöscht, manchmal reagiert das Programm garnicht auf Tastendrücke. Abhilfe schafft ein kurzer Klick auf eine andere Stelle des Textes. Vielleicht hängt das Problem damit zusammen, dass Tablett/Rechner während des Wegnehmens des Stiftes vom Tablett irgendwelche Befehle austauschen.
    Im Übrigen halte ich das Bamboo für die preiswerteste und ergonomischste Alternative zur Maus.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Damian Amherd
    schrieb am 31. Juli 2008 um 14:26 Uhr (#)

    @Herr Schlauschlau: ja klar – ist korrigiert, danke

    @Rest: vielen Dank für die ausführlichen Erfahrungsberichte!

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