iPhone 3G in der Schweiz:
Orange verschläft den Launch
Während iPhone und Swisscom zur Zeit grösste Medienpräsenz haben (teilweise redaktionell, teilweise mit Werbung erkauft), hört man von Konkurrentin Orange gar nichts. Orange hat den Launch schlicht und einfach verschlafen.

Während Swisscom feiert, muss Orange draussen bleiben – hier versehentlich von einem Agenturfotografen abgebildet, der ein Orange-iPhone vor einem Swisscom-Logo ablichtete. (Foto: Keystone)
In den letzten Wochen und Tagen war das neue iPhone 3G in den Schweizer Medien omnipräsent. Werbung hat allerdings fast ausschliesslich Swisscom (und ihre Reseller) geschaltet. Konkurrentin Orange schaffte es gerade mal, die Abopreise einige Tage vor dem Erstverkaufstag bekannt zu geben, dann herrschte – bis auf die eigene Website und Mailing-Aktionen an bestehende Kunden – jedoch Funkstille.
Auch heute, am Tag der Veröffentlichung, bietet sich ein ähnliches Bild. Swisscom wird bei allen Aktionen fast überrannt: beim Mitternachtsverkauf (der aus arbeitsrechtlichen Gründen von der Geschäftsleitung bestritten werden muss), beim gleichzeitigen Mediending und vermutlich auch bei der Öffnung der Shops am Freitag, die mehrere Stunden früher stattfindet als sonst (wir haben gehört, in St. Gallen wird vor dem Shop campiert.) Währenddessen hört man von Orange – nichts.
Andreas Wetter, CEO von Orange Schweiz, hatte das in einem Interview mit der Handelszeitung sogar angekündigt:
«Sicher wird der Ex-Monopolist mit dem iPhone omnipräsent sein. Aber wir werden ebenfalls mit einem Paket aus Preis und Services punkten. Und wir wollen davon profitieren, dass die ganze Schweiz mit dem iPhone zuplakatiert wird.»
Das kann Orange natürlich machen, wie sie wollen, Trittbrettfahren kann durchaus eine valide Strategie sein. Nur: Welches Paket aus Preis und Services meint Wetter genau?
Die Preise sind einigermassen gleich, wie wir schon berichtet haben. Ja, Orange ist in manchen Aspekten besser, dafür Swisscom in anderen; wie immer schon kommt es auf das Nutzungsverhalten an, wo man besser fährt. Sicher scheint aus allem Feedback auch aus Kommentaren hier im Blog: Der Preis nicht das Argument, das Orange in Massen die Neukunden zutreibt.
Und der Service? Die Öffnungszeiten wurden wie gesagt kein Stück geändert, Visual Voicemail läuft bei Orange erst nächste Woche (wenn’s klappt), und ein grosser Zürcher Reseller berichtete halbwegs verzweifelt, er habe bis gestern Abend kein einziges Orange-Gerät für seine Kunden erhalten.
Ist es nicht etwas komisch, dass Orange (und Sunrise, aber die spielen hier nicht mit), sich immer wieder lauthals über fehlenden Wettbewerb im Schweizer Markt und das angebliche Monopol der Swisscom beschweren (wie im oben zitierten Artikel: «Der sogenannt freie Markt wird damit immer mehr zur Farce»), aber sich in einer Situation wie dieser keineswegs «angriffig» verhalten.
Hier spielt der freie Markt doch wunderbar, und wir sehen keinen Grund, warum Orange nicht auch mit Werbung, Mitternachtsverkauf oder weiteren originellen Aktionen hätte medial punkten können. Ausser einen: Phlegma.
Update von 5.58 Uhr: Drei Minuten nach dem Freischalten dieses Posts mailt Damian, dass heute Orange die «Mantelwerbung» im 20 Minuten hat, die gestern Swisscom hatte. Ich nehme gern morgen alles zurück, wenn ich das Gefühl habe, Orange hat nur auf den richtigen Moment gewartet, um zuzuschlagen. Bis jetzt glaube ich nicht, dass Orange medial noch aufholen kann.




























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Ist tatsächlich so: Ich habe (via Flash-Microsite auf Orange.ch) mein Interesse am iPhone bekundet und erhielt irgendwann letzte Woche ein Massen-Mail, wo man versprach, sich später mit einem interessanten Angebot zu melden. Darauf warte ich noch heute…
Preispläne gab Orange am Freitag bekannt, allerdings musste man auf Orange.ch danach suchen – sie waren nicht deutlich aufgeschaltet, sondern versteckten sich in einem PDF unter “Über uns > Presse”. Erst anfangs dieser Woche waren sie deutlich ersichtlich.
Zwei Telefonate (am Di) ins Call Center mit konkreten Fragen waren wenig ergiebig, die Agents gebrauchten vor allem Wörter wie “vermutlich” und “wahrscheinlich”.
Heute morgen wurde ich um zwanzig nach sieben beim Orange Shop am Flughafen Zürich weggeschickt – sie hätten zuwenig iPhones. Inzwischen lässt die Orange-Sprecherin via SDA ausrichten, es habe noch in allen Filialen genügend iPhones.
Hier ist in der Kommunikation also jede Menge falsch gelaufen. An sich schon peinlich genug für ein Kommunikationsunternehmen. Aber dass man Kunden, die sich aktiv darum bemühen, dem Unternehmen künftig mehr zu bezahlen, einfach im Regen stehen lässt, ist mir schlichtweg schleierhaft.