Test Ugobe Pleo II/II:
Wie dressiert man einen Dino?

Der Pleo von Ugobe ist mehr als ein niedliches Spielzeug . Mit speziellen Windows-Programmen kann man dem Dinosaurier neue Kunststücke beibringen. Dazu wird er eine neue Persönlichkeit einfach auf eine übliche SD-Speicherkarte kopiert und diese dann dem Pleo verfüttert.

Pleo sing
Wer Geduld hat, bringt Pleo das Singen bei. (Bild: Ugobe)

Im animierten Dinosaurier mit 14 Motoren sorgen zwei 32-Bit-Prozessoren für digitale Intelligenz. Im Bauch des Pleo findet sich neben dem Mini-USB-Anschluss und einem Akku-Fach auch ein Schlitz für SD-Speicherkärtchen. Beim Einschalten durchsucht der Pleo dieses nach bestimmten Dateien und lädt diese automatisch. Dadurch verändert er sein Verhalten.

Der Pleo basiert auf dem Betriebssystem Life OS, über das die Entwickler bei Ugobe die virtuelle Maschine PAWN gestülpt haben. Mittels PAWN-Skripten lassen sich nicht nur Sensoren abfragen, sondern auch die Motoren des Pleo in komplexen Abläufen steuern.

Lass den Pleo tanzen
Glücklicherweise muss man nun aber nicht selber in PAWN programmieren, sondern erhält mit MySkit eine kostenlose interaktive Lern- und Simulationsoberfläche. In MySkit kann man einfach auf einer Zeitachse die Motoren dynamisch ansteuern. Der Kopf wackelt beispielsweise langsam oder schnell von links nach rechts. Einige vorgefertigte “Positionen” erleichtern das Erstellen eines Bewegungsablaufes. Beispielsweise macht der Pleo so auf Mausklick “Sitz!”.

Pleo MySkit

Weil Rumwackelei allein noch wenig Spass macht, kombiniert MySkit die Bewegungsabläufe mit Sounds. Ganze Musikstücke können so einem Skript zeitsynchron hinterlegt werden können. Das Ganze kommt dann Karaoke ziemlich nahe. Man lädt beispielsweise einen Song in die Programmieroberfläche und versucht dann, dem Pleo passende Maulbewegungen zu verpassen.

Pleo Wauw
Können Dinos bellen? Mit MySkit schon. (Bild: Ugobe)

Mit MySkit rumzutüfteln macht Spass. Praktisch ist, dass man die Skripte bereits am PC ablaufen lassen kann, ein animierter Pleo wackelt dann auf dem Bildschirm entsprechend den Befehlen.
Schnell merkt man jedoch, dass das Tempo der Motoren im Pleo arg limitiert ist. Mit Lippensynchronität darf man also nicht rechnen.

Im Internet schwirren inzwischen Dutzende von solchen MySkit Bewegungsabläufen herum. So macht der Dino beispielsweise eine Art Handstand und wackelt dabei witzig mit den Hinterbeinen. Oder Pleo singt “One night with you” von Elvis Presley. Selbstverständlich kann er sich auch einfach “tierisch” aufführen, was von Krähen bis Wiehern reicht. Die Skripte aus MySkit laufen aber einfach linear ab und lassen sich nicht durch Interaktionen am Pleo beeinflussen.

Reaktion statt nur Aktion
Noch komplexere Programmierungen lässt das ebenfalls kostenlose YAPT (Yet Another Pleo Tool) zu. Hier kann jedem Sensor eine individuelle Aktion zugeordnet werden. Hunderte Aktionen sind bereits vordefiniert und manchmal auch mit dem passenden Sound unterlegt. Ferner lassen sich auch selber erstellte Aktionen aus MySkit verwenden.

Pleo YAPT Sensoren
1. Sensor wählen….

Pleo YAPT Aktionen
2. Aktion zuordnen…

Pleo YAPT Preview
3. Vorschau geniessen. So einfach dressiert man mit YAPT.

Mit YAPT kann man seinen Pleo richtiggehend dressieren. Allerdings löst ein Sensor immer nur eine Aktion aus, diese muss dann komplett ablaufen, bevor der nächste Sensor eine andere Aktion auslösen kann. Ferner lassen sich auch keine logischen Verknüpfungen, beispielsweise das Zusammenspiel von zwei Sensorsignalen, definieren.

Vollkommen brach liegen sowohl bei YAPT als auch bei MySkit die Kamera und das Mikrofon. Die zugrundeliegende Software scheint noch nicht reif für komplexere Bild- und Geräuscherkennungen. Der Pleo lässt sich nicht einmal dazu bringen, auf Zuruf seines Namens aufzuwachen. Bestenfalls erkennt er einfach “Geräusch” oder “Bewegung” und aktiviert sich dadurch. Diese Funktionen sind aber noch nicht einfach per Software zugänglich.

Fazit: Die Zukunft des Spielens?
Der Pleo ist ein Stück High-Tech aus über 2000 Teilen und 106 Zahnrädern, das sich als niedliches Spielzeug tarnt. Der Hersteller verfolgt bei der Software einen “offenen” Gedanken, viele Schnittstellen sind definiert. Allerdings kann man zurzeit nicht direkt in das Live OS eingreifen.

Pleo zeigt, in welche Richtung die Spielzeugindustrie geht. Mattel und Hasbro haben auch bereits entsprechende Dinos angekündigt. Aus dummen Plastikteilen sind hochkomplexe Geräte geworden, die ganz gezielt Emotionen ansprechen.

Ich jedenfalls bin froh, dass der Pleo nach zwei Wochen wieder zurück zum Hersteller musste. Endlich kriege ich nun wieder alle Streicheleinheiten meiner Liebsten selber ab.

Der Pleo kostet je nach Lieferant zwischen 299 und 449 Euro. Ein Lieferverzeichnis findet sich bei pleo-web.de

In der Schweiz wird er über die Joker AG für 599 Franken vertrieben. Diese stellte mir freundlicherweise auch den Pleo zum Test zur Verfügung. Bei Ugobe ist er für 349 US-Dollar zu haben, allerdings ohne Fracht- und Zollkosten.

Ausführliche technische Spezifikationen gibt es bei Ugobe selbst oder bei Aibohack. Spannend ist auch die technische Beschreibung des Pleo bei How stuff works.

Wer seinen Pleo nicht selber in Einzelteile zerlegen will, kann bei IfixIt.com sehen, wie man das macht.

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2 Kommentare

  1. Nell Leiner
    schrieb am 26. Mai 2009 um 23:23 Uhr (#)

    Ich habe gerade einen Newsletter von gesehen, das die einen Restposten PLEO haben für 229,00 EUR.

  2. Kapeller Gerhard
    schrieb am 15. Juni 2009 um 12:50 Uhr (#)

    Hallo
    Habe eine frage betr Pleo. Wie lange hält der Akku ungefähr, haben unserer Tochter einen gekauft aber der Akku ist nach ca 2 St leer, bzw Pleo macht nichts mehr und reagiert auf nichts, ab und zu hört man ein schnarchen ?

    Weiters wollte ich ihn registrieren, doch die Website http://www.pleoworld.com existiert nicht mehr bzw auch ugobe.com ist nicht zu finden?

    Kann mir hier jemand weiterhelfen ?
    Wäre sehr dankbar

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