Pinnacle Video Transfer im Test:
Retter der VHS-Kassetten

Kurt Haupt, 15. April 2008 13:42 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Der Pinnacle Video Transfer tut genau das: Er holt sich analoges Video ab (fast) beliebiger Quelle und pumpt es digitalisiert auf (fast) beliebige Datenträger. Das Beste: Die Lösung funktioniert ohne PC oder Mac.

Pinnacle Video Transfer: Vier Lämpchen signalisieren alle Zustände. (Bild: Pinnacle)
Mit vier Lämpchen signalisiert der Pinnacle Video Transfer alle Zustände. (Bild: Pinnacle)

In meiner Schublade verstaubten stapelweise alte Videokassetten. Die sind jetzt im Müll. Dank dem Digitalisierer Pinnacle Video Transfer (VT) (Affiliate-Link) Pinnacle Video Transfer (VT) habe ich in wenigen Tagen die analogen Bänder in PC-taugliche Digitalvideos verwandelt:

Pinnacle Video Transfer: S-Video Anschluss mit Scart-AdapterDer Pinnacle Video Transfer akzeptiert alles, was sich via USB anschliessen lässtBildPinnacle Videotransfer: Anschlüsse ohne ende
Videos gelangen per Cinch oder S-Video auf den Pinnacle Video Transfer (links), an der USB-Dose (mitte) konnektieren Sticks, Festplatten und Player. Ein SCART-Adapter ist dabei. Die einfache Lösung füttert auch iPods und PSP (rechts). (Bilder: Pinnacle)

Als 1-Touch-Recording bezeichnet Pinnacle ihren autonomen Videodigitalisierer. Genaugenommen hat er zwar zwei Knöpfe, aber in der Bedienung ist er wirklich simpel.

Die Videoquelle wird wahlweise über das mitgeliefert SCART-Kabel oder übliche Cinch-Buchsen angeschlossen. Die nötigen Kabel liefert Pinnacle mit. Wer ein Gerät mit S-Video-Ausgang hat, sollte sich ein passendes Kabel besorgen und die Umwandlerbox über diese qualitativ beste Variante anschliessen.

Nach dem Einstöpseln der Box wird die Videoquelle analysiert. Blaue Lämpchen signalisieren “Alles ok!”. Um diese Lämpchen ist man in der Praxis froh: Da es ja keinen Bildschirm gibt, muss man die Aufnahmen meist im Blindverfahren machen. Ist man also zu doof, am Videoplayer auf “Play” zu drücken, signalisieren blinkende rote Lämpchen das Versäumnis.

An der USB-Buchse schlossen wir als Erstes einen üblichen USB-Stick an, der mit FAT oder FAT32 formatiert sein muss. Auch hier signalisierte Blaulicht die Tauglichkeit. Über die Mode-Taste kann man nun noch zwischen drei Qualitätsstufen mit entsprechendem Platzbedarf wählen. Ein Druck auf “REC” startet die Aufnahme, was mit vielen roten Lämpchen signalisiert wird. Nach einigen Minuten drückte ich erneut auf REC, die Aufnahme wird dadurch beendet und die Datei auf dem Stick geschlossen.

H.264 – viel Qualität auf wenig Platz
Neugierig stöpselte ich dann den Stick sofort an den PC und fand im Ordner Videos eine Datei mit der Erweiterung MP4. Das Dateiformat ist H.264, auch MPEG-4 AVC genannt. Ein Doppelklick startete auf meinem Rechner den von mir favorisierten Media Player Classic. Sekunden später flimmerte die Aufnahme in recht ansehlicher Bildqualität und Stereoton auf dem PC-Schirm.

Wer eine reine Windows-Kiste hat, muss mindesten QuickTime oder einen anderen H.264-Codec installieren, der übliche Windows Media Player kommt nämlich mit dem modernen Videoformat nicht zurecht. Macianer – es sei neidvoll eingestanden – haben es da besser.

Je nach Aufnahmegerät zeichnet VT in verschiedenen Auflösungen auf.

Bei USB-Sticks oder Festplatten sind folgende Formate möglich:

  • Gut: 320×240 768kbit/s 64 kbit/s Audio 48 KHz
  • Besser: 640x 480 1.2 Mbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz
  • Am Besten: 720×576 PAL/Secam 720×480 NTSC 1.5 Mbit/s 192kbit/s Audio 48 KHz

Auf einer Playstation Portable werden folgende Formate erstellt:

  • Gut: 320×240 512kbit/s 64 kbit/s Audio 48 KHz
  • Besser: 320×240 768kbit/s 96 kBit/s Audio 48 KHz
  • Am Besten: 320×240 1 Mbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz

Auf dem iPod erzeugt VT letztlich folgende Formate:

  • Gut: 320×240 512 kbit/s 96 kbit/s Audio 48 KHz
  • Besser: 320×240 768 Kbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz
  • Am Besten: 640x 480 1,5 Mbit/s 128kbit/s Audio 48 KHz

Die beste Auflösung von 720 x 576 Pixeln erhält man also nur, wenn man als Speichermedium ein USB-Gerät anschliesst.

Zickig beim iPod Touch

Mein Versuch, den iPod Touch direkt an VT anzuhängen, scheiterte leider. Beim Touch und den iPhones hat Apple das Kommunikationsprotokoll geändert, was viele Drittprodukte ausschliesst. Mit einem iPod-Classic klappte aber die direkte Aufnahme problemlos. Diese war danach wie gewohnt im Video-Ordner zu finden. Via iTunes gelang es dann auch, auf Festplatte erzeugte Aufnahmen auf den Touch zu transferieren.

Problemlos war die Aufzeichnung auf eine Playstation Portable. Hier ist allerdings der Speicherplatz ziemlich schnell aufgebraucht. Bei bester Qualität reichen 2 Gigabyte für rund 2 Stunden. In der schlechtesten Qualität sind es dreimal mehr.

In einer längeren Aktion archivierte ich meine Videosammlung auf eine externe USB-Festplatte in maximaler Qualität. Dabei fielen pro Stunde Videomaterial rund 1,4 Gigabyte Daten an. VT erzeugt für jede neue Aufnahme eine neue Datei, die Bezeichnung wird einfach aufnummeriert.

Wie schneidet man H.264?

Mit dem Essen kam dann natürlich prompt der Hunger. Ich hatte nun eine fette Videosammlung und hätte dabei aber einiges gerne zurechtgeschnitten. Leider bocken die meisten Freeware-Videoschnittprogramme, wenn man sie mit H.264-Material füttert. Halbprofi-Lösungen kosten gegen 70 Euro (100 Franken) und füllen den PC mit kaum zu handhabender Funktionsvielfalt. Pinnacle hält aber glücklicherweise mit Videospin eine simple Idiotenlösung für den Videoschnitt bereit, die man aber erst mal finden muss.

Pinnacle Video Transfer kommt ohne Schnittsoftware - die muss man erst auf der Website finden. Die Schnittsoftware Zum Pinnacle Video Transfer muss man herunterladen und später bezahlen.

 

Pinnacle packt die Editiersoftware nämlich nicht bei, sondern man muss diese auf der Videospin-Homepage herunterladen. Das Päckchen ist rund 150 Megabyte schwer und eigentlich kostenlos. Nach 15 Tagen deaktiviert sich aber leider der H.264-Treiber, wer also seine mit VT erzeugten Videos später bearbeiten will, muss 15 Euro für den nötigen Codec bezahlen. Hier sollte der Hersteller dringend nachbessern und Videospin inklusive Codec auf einer CD dem Kistchen beilegen.

Wer lediglich rudimentäre Schnittfunktionen benötigt, kann auch zum kostenlose MPEG-Streamclip greifen, das allerdings nur zusammen mit Quicktime funktioniert.

Fazit: Macht, was es soll

Das Fazit für Pinnacle Video Transfer fällt erfreulich aus. Das Kistchen macht, was es soll – und das einfach und in guter Qualität. Wünschenswert wäre eine rudimentäre Schnittsoftware und die Fähigkeit eines Aufnahme-Standby. Dadurch könnte man VT beispielsweise an einen programmierten Satellitenreceiver anstöpseln und so zeitgesteuerte Aufnahmen machen.

Ein Werbevideo von Pinnacle erklärt den Video Transfer mittels Animationen.

Preis: 129 Euro (199 Franken)

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3 Kommentare

  1. R.St.
    schrieb am 15. April 2008 um 17:26 Uhr (#)

    und wenn man dann schneiden will (werbepausen, etc. braucht man doch wieder einen Computer…
    dann doch besser gleich das Elgato TV 250 plus und einen digitalen und analogen Fernsehempfang hat man dann zusätzlich noch drin, inklusive Schneidetool.

  2. Mike
    schrieb am 3. November 2008 um 16:35 Uhr (#)

    Was ist das doch für eine tolle Idee, dachte ich, als ich als ich den hilfreichen Video Transfer Test entdeckte. Endlich mal eine geniale Lösung, um alte Videokasetten auf DVD zu retten. Vom Videorekorder auf den Video Transfer per USB-Stick aufnehmen – am PC das Video zurechtschneiden – auf DVD brennen – mit DVD Player am Fernseher abspielen… das wäre doch zu schön, um wahr zu sein… doch Halt!, dachte ich… ist da vielleicht noch ein Haken an der ganzen Geschichte? Und wie ich den Test weiterlas, kam leider schon die Ernüchterung. Die Videos werden nicht als meistverbreitetes Avi, sondern als MP4 abgespeichert und sind wohl somit kein Mpeg4 Xvid-Codec, mit welchem die meisten Mpeg4-fähigen DVD Player zurecht kommen. Da muss man wohl dann das Video erst noch als Xvid oder Divx umwandeln, um es mit einem DVD-Player nutzen zu können? Wenn dem so wäre, würde das die ganze Sache einerseits viel zeitaufwändiger gestalten und andererseits würde widerum durch das Umcodieren, die Bildqualität verschlechtert werden. Würde man gleich bei der Aufnahme ein “normales” Avi-Format vor sich haben, könnte man die Videos mit der berühmten Freeware-Videoschnittsoftware sogar so zurechtschneiden, ohne einen Bildqualitätsverlust zu erleiden. Die Idee an sich von diesem Gerät, finde ich super, aber dennoch wohl leider nicht für meine Zwecke geeignet. Sehr schade…

  3. Harald Schwarz
    schrieb am 6. Januar 2009 um 19:35 Uhr (#)

    Hallo!
    Habe vesucht eine externe Festplatte anzuschließen.
    Leider bekam ich nur eine rot blinkende Antwort vom Gerät.
    Die Festplatte war auf FAT32 formatiert.
    Irgendwelche Tipps ??

    Wäre dankbar

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