Canon XL H1S und XL H1A:
HD-TV-Kameras für Profis

Mit den XL H1S und XL H1A bringt Canon zwei HD-Camcorder auf den Markt, die die Standards professioneller Fernsehleute erfüllen sollen.

Canon XL H1s front
Bitte lächeln! Sie sind im HD-TV! (Bild: Canon)
Canon XL H1A vorne seitlichCanon XL H1A schräg von vorneCanon XL H1SCanon XL H1S Zubehör

Camcorder? Das klingt eigentlich nicht nach Fernsehstudio, sondern nach Kindergeburstag. Doch Camcorder sind seit einigen Jahren auch bei richtigen Fernsehsendern im Einsatz, wenn auch eher für Außeneinsätze.

Mit HD ist das Fernsehen der Fotoqualität etwas näher gerückt, doch die Kameratechnik ist im digitalen Zeitalter offensichtlich billiger geworden: zwei vollwertige Studiokameras, beziehungsweise sogar Camcorder mit integrierter Aufnahmetechnik in Drei-Chip-Bauwese kann man jetzt unter 10.000 ? haben:

Profitechnik im Fernsehbereich, also Kameras, die für reguläre Fernsehsender und Fernsehstudios gedacht sind und nicht nur für den engagierten Amateur oder den VJ (Videojockey), kosteten früher Hunderttausende und waren Spezialgeräte, die außerhalb der TV-Anstalten gar nicht angeboten wurden.

Ein Videojockey ist das Äquivalent zum mit Mikrofon und Tonbandgerät (beziehungsweise heutzutage: MP3-Rekorder) durch die Innenstadt sausenden Radio-Reporter: Mit einer kleinen Videokamera, auch Semiprofi-DV-Ausführungen sind hier geeignet, sind sie kostengünstig Interviewer und Kameramann in einer Person, während traditionell für TV-Außentermine ein Kamerateam aus Interviewer, Kameramann, Beleuchter und Kabelträger loszieht.

Der XL H1S ist für TV-Kameraleute und Fernsehstudios bestimmt, ist also für den stationären Betrieb in einem Studio gedacht. Der XL H1A ist dagegen ein etwas abgespecktes Modell, gedacht für Fernseh-Reportage-Teams und unabhängige Filmproduzenten, mit einem Preis, der bei 2/3 des Studio-Modells liegt.


Beide Geräte zeichnen in HDV auf Bänder auf. An eine Aufzeichnung auf Festplatten oder gar Halbleiterspeicher scheint man sich im professionellen Bereich noch nicht heranzutrauen, doch der Unterschied zu den weit preiswerteren HDV-Camcorder für den Amateurmarkt liegt in der Verwendung von drei CCD-Sensoren mit 1/3 Zoll, deren Auflösung von 1,67 Megapixel also tatsächlich für die Kameraaufnahmen zur Verfügung steht.

Bei der in Consumergeräten zu findenden Ein-Chip Technik ist ähnlich wie bei digitalen Fotoapparaten ein sogenannter Bayer-Filter vorgeschaltet, der die einzelnen Pixel des Sensors verschiedenen Farben (Rot, Grün, Blau) zuweist. Damit ist die Farbauflösung geringer als die Schwarzweißauflösung und das Bild muss generell nachgeschafft werden.

In der Fototechnik ist dies bis heute abgesehen vom Foveon-Sensor die einzige übliche Bildtechnik, bei Videokameras war dagegen bei semiprofessionellen und professionellen Geräten immer schon die Drei-Chip-Technik üblich, die zwar erhöhten Abgleichaufwand mit sich bringt, damit die drei Bilder deckungsgleich sind, aber auch höhere Empfindlichkeit und besserer Farbwiedergabe. Aber natürlich auch die Kamera vergrößert und verteuert.


Außerdem ist auch die Audiotechnik angepaßt: Die beiden Canon-Camcorder haben XLR-Audio-Anschlüsse, wie sie in der Studiotechnik üblich sind. Das mitgelieferte HD 20fach-Zoomobjektiv XL 5.4-108mm L IS III enthält einen Bildstabilisator mit Vari-Angle-Prisma, es sind auch andere Objektive ansetzbar – auch ein Feature, das bei Consumer-Videokameras unbekannt ist.

Neben der Aufzeichnung im HDV-1080i-Format kann auf Wunsch auch PAL oder NTSC nachgerüstet werden. Der XL H1S ist ab Ende Mai für 9.363,72 Euro (CHF 15?498) im Handel, der XL H1A ab Ende Juni für 6.299 Euro (CHF 10?399).

Technische Spezifikationen von XL H1S und XL H1A

  • 1080i-HD-Format (50i, 25F) in professioneller Qualität
  • Drei hoch auflösende 1/3-Zoll CCD-Systeme mit je 1,67 Megapixeln
  • 20fach HD-Videoobjektiv der L-Serie mit separaten Einstellrädern für Schärfe, Zoom und Blende – für die synchrone Steuerung
  • HDV-Aufzeichnung
  • Professional Jackpack (nur XL H1S): HD-SDI-Buchse (unkomprimierte 1920×1080, 4:2:2 Farbraum) mit Embedded Audio; Genlock-Anschluss und Timecode-Eingang/-Ausgang für Aufnahmesituationen mit mehreren Kameras
  • DIGIC DV II Prozessor für eine schnelle und präzise Verarbeitung der HD-Daten
  • Volle Bildsteuerungs- und Cine-Gamma-Funktionen; die auf der SD/MMC-Karte gespeicherten Einstellungen (Voreinstellung, Funktion und Anzeige) sind mit allen Canon Camcordern der XH-Serie kompatibel
  • 2-Kanal XLR-Tonaufzeichnung mit unabhängigen Limitern und Auto/Manual-Einstellungen
  • Optionale NTSC-Aufzeichnung (60i/30F/24F)

Produktseite Canon Schweiz zu XL H1S und XL H1A

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5 Kommentare

  1. Schlaumaier
    schrieb am 13. April 2008 um 17:29 Uhr (#)

    Das ist ein guter Beitrag.

  2. Dominik Eller
    schrieb am 27. Mai 2008 um 16:11 Uhr (#)

    Zur Begriffsklärung:
    Ein VJ ist entweder ein Video-Journalist oder ein Video-Jockey.
    Der Video-Journalist ist das Ein-Mann-EB-Team, wie beschrieben.
    Der Video-Jockey ist das Pendant zum DJ – Disk-Jockey.
    Darunter versteht man einen Moderator bei Viva, MTV etc.

    Was den Vergleich zu Fotoqualität betrifft, ist HDV noch weit entfernt von dem, was Bildmässig in der digitalen Fotografie möglich ist. Dazu sind die Chips immernoch zu klein.
    Die Einzige Kamera, die hier neu entwickelt wurde und das tatsächlich kann ist die RED ONE – und die kostet mit fast 20.000,- ? zwar deutlich weniger als die bisherigen EB-Mühlen, ist für Prosumer aber dennoch eher unerschwinglich.

    Ein großer Nachteil des vereinfachten Zugangs als Journalist zu digitalen Medien liegt weniger in der verwendeten Technik, denn in sorgfältiger Recherche.
    ;-)

  3. Axel H.
    schrieb am 28. Mai 2008 um 05:34 Uhr (#)

    “Ein großer Nachteil des vereinfachten Zugangs als Journalist zu digitalen Medien liegt weniger in der verwendeten Technik, denn in sorgfältiger Recherche.”

    Wie meinen?

    Dieser Satz grammatisch wirr.

    Du meinst, wenn jeder leicht drauf losfilmen kann, recherchiert keiner mehr orderntlich? Na das ist doch modern, am liebsten schrauben sie doch inzwischen einem Hund eine Kamera auf und zeigen dann die “Doggiecam”. Da schließt sich ja der Kreis zu den MTV-Jockeys, die uns solche Nulpen wie Stafan “schlag mich” Raab und Charlotte “ich bin so feucht am A….” Roche eingebracht haben, und den unsäglich miesen Musikvideos mit Schnitt alle Sekunde 2x. Da wird einem auch ohne HDTV schon schlecht, aber sowas dann auf einem 52-Zoll-Schirm, hui, wie schön schnell wird man dann erst kotzen???

  4. boller
    schrieb am 25. Juni 2008 um 13:22 Uhr (#)

    Naja, soo Professionell sind diese beiden Kameras dann nun auch wieder nicht. Sie zeichnen auf HDV, also kein FULL HD auf, so wie es zB. die PMW EX1 von Sony tut.
    Der Sucher bietet noch immer keine genügende Auflösung um die schärfe auch wirklich kontrollieren zu können.
    Und der Preis ist irgendwie ein Witz.
    Die XL H1 kostet nur wenig mehr als die H1a, bietet dafür aber HD-SDI, die XL-H1s ist viel teurer und bietet sogar noch embedded audio (für 3 tausend euro mehr?)
    Die Kameragrösse ist in Ordnung. Kompakt, stabil, mit EF-Adapter und Linse jedoch etwas schwer.

    Was die Bandlose speicherung angeht. Die gibt es bereits im professionellen Bereich. Sony bietet mittlerweile schon verschienste PRodukte an: Z7 mit Compact-Flash, EX1 mit SxS-Karten (sogar Expresscard-Slot kompatibel) oder Festplattenrekorder für die XDcams. Die neueren XDcams zeichnen ausserdem auf Professional Discs auf (bluray)

    so… genug klug gesch***en.

  5. mardeemo
    schrieb am 8. April 2009 um 10:26 Uhr (#)

    Das ist nicht richtig. Die Kamera zeichnet mit 1080 x 1920 Bildpunkten auf. Das ist Full-HD!

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