PCASS Polygraph”Lügendetektor” für US-Soldaten

Peter Sennhauser, 10. April 2008 07:56 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Der PCASS, ein Lügendetektor auf Basis eines TDS Ranger Handheld Computers mit Windows Mobile 5, Schweiss- und Blutdrucksensoren und entsprechender Software, soll US-Soldaten in Afghanistan und Irak helfen, Verdächtige zu Befragen. Kritiker warnen vor verheerenden Folgen.

PCASS Lügendetekor / Polygraph im Einsatz: Rot steht für Lüge
PCASS Lügendetekor / Polygraph im Einsatz: Rot steht für Lüge (Bilder MSN)

94 Stück des Ad-Hoc-Lügendetektors namens PCASS hat das Departement of Defense bereits gekauft - zu einem Stückpreis von rund 7500 Dollar - und nach Afghanistan geliefert.

Der Name ist keine beschimpfung von PCs, sondern steht für “Preliminary Credibility Assessment Screening System” - ungefähr “vorläufiges Glaubwürdigkeits-Mess-System”.

Das Gerät dient nur einem einzigen Zweck:

Der Lügendetektor PCASS auf Basis von Windows Mobile und einem TDS-Ranger PDADer Lügendetektor PCASS auf Basis von Windows Mobile und einem TDS-Ranger PDADer Lügendetektor PCASS auf Basis von Windows Mobile und einem TDS-Ranger PDA

Es soll die Antworten Befragter auf “Ja/Nein”-Fragen mit einem Ampelsystem bewerten. Rot bedeutet, der Befragte lügt, Grün, er sagt die Wahrheit, und Gelb, dass die Software keine Entscheidung zu treffen vermag (Blau hingegen bedeutet, Windows mobile ist abgestürzt und muss neu gestartet werden).

Der Lügendetektor ist gemäss Recherche eines MSN-Reports weit entfernt von der Zuverlässigkeit Professioneller Polygraphen, die weit mehr Daten als den Finger-Blutdruck und die Schweissdichte eines Befragten erfassen und von Experten mit ausgeklügelten Fragekatalogen bedient werden.

Kritiker warnen deshalb, dass das Gerät Soldaten zu übereilten Aktionen verführen, dass sie nur auf “rot” und nicht auf Gesamtresultate der Befragungen achten und damit voreilig “Lügner” identifizieren werden.

Statistik-Professor Stephen E. Fienberg, der eine wissenschaftliche Studie über den Einsatz von Lügendetektoren in der nationalen Sicherheit geleitet hat, sagte:

Ich kann nicht verstehen, wie irgendjemand denken könnte, dieses [Gerät] sei einsatzbereit. Diese Instrumente ohne ernsthafte wissenschaftliche Begleitung ins Feld in Irak und Afghanistan zu schicken und von ungeschultem Personal zu benutzen zu lassen, ist purer Hohn angesichts unserer Studie.

Interessant in diesem Zusammenhang: Selbst professionelle Polygraphen sind an den meisten Gerichten der USA nicht als Beweismittel zugelassen; US-Personal darf mit dem PCASS keiner Befragung unterzogen werden.

Iraki oder Afghanen lügen offenbar sehr viel offensichtlicher als Amerikaner.

Ausführlicher Bericht über den Army-Lügendetektor PCASS bei MSN.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Tom

    schrieb am 11. April 2008 um 20:58 Uhr (#)

    Die Soldaten die jetzt vor Ort sind, haben schon ein sehr gutes Gespür ob sie belogen werden.

    Ich denke am Ende wird der psychologische Effekt der einzige Vorteil sein.

    Ganz nach dem Motto “Wir wissen das du lügst und werden es dir jetzt zeigen”.

    Wenn das Gerät einfach aus zu tricken ist, haben die Koalitionstruppen nur eine unsichere Information mehr welche sie verunsichern wird. So etwas ist kein Segen in einem Krisengebiet.

    Ich denke es wird eher als psychologisches Druckmittel verwendet werden.


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