Philips WAC3500 im Test (I/II):
Von der CD-Sammlung zum Festplattenmusikant

Kurt Haupt, 9. April 2008 14:48 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Das Wireless Music Center WAC3500 von Philips vermag bereits beim ersten Tastendruck zu begeistern. Der CD-Player mit Festplattenarchiv ist auch Internet- und UKW-Radio. Auf Wunsch holt sich das WAC3500 seine Songs auch aus dem Netzwerk und von PCs – und verteilt sie im ganzen Haus mittels Satelliten.

Die Philips Stereoanlage kopiert CDs beim Hören auf die Harddisk. (Bild: Philips)
Die Philips Stereoanlage kopiert CDs beim Hören auf die Harddisk. (Bild: Philips) -> Zur Bildgalerie

Einstecken, CD einlegen und ab geht der Sound. So präsentiert sich das WAC35000. Aber was passiert wohl, wenn man auf diese kleine Record-Taste drückt?

Das Display ist eher klein und nur schwarzweiss. (Bild: Philips)
Das Display ist eher klein und nur schwarzweiss. (Bild: Philips)

Auf den ersten Blick passiert gar nichts. Der Song startet lediglich von neuem und am Display leuchtet das Record-Lämpchen. Der Effekt der kaum wahrnehmbaren Aktion ist aber verblüffend. Noch während die CD abgespielt wird, rippt das Philips-Gerät die Musik auf eine integrierte Festplatte mit 80 Gigabyte Kapazität. Dieser Platz reicht, so Philips, für rund 1500 Musikscheiben.

Gut weil simpel
Noch nie war also die Digitalisierung der eigenen CD-Sammlung so einfach. Jedes Album landet einfach “während des Anhörens” auf der Festplatte. Dort wird die Scheibe meist gleich sauber mit Albumtitel, Interpret und Musikstil kategorisiert und in der Datenbank eingetragen. Zuständig dafür ist eine Gracenote-Datenbank, die sich bereits auf der Festplatte des WACS befindet. Notfalls werden CD-Informationen zusätzlich im Internet gesucht, wo sich laut Hersteller Informationen zu über 15 Millionen Songs befinden.

Selbstverständlich kann man seine CD auch im Schnelldurchlauf auf die Festplatte transferieren, ohne diese parallel anzuhören. Dann landet eine Stunde Musik binnen 15 Minuten auf der Festplatte.
Nicht so einfach ist es leider, seine bereits vorhandene MP3-Sammlung von PC oder externer Festplatte auf das interne Archiv des WAC zu transferieren, doch dazu später mehr.

Einfache Verwaltung
Das WAC kümmert sich liebvoll um die Musiksammlung und sortiert diese sauber nach Interpret, Stil, Album und Titel. Man kann sich danach entweder durch seine Sammlung klicken oder eine rudimentäre Suchfunktion verwenden. Fernbedienung des WAC 3500 von Philips Die funktionierte in meinem Test aber eher “zufällig” und ist wegen ihrer SMS-Tipptechnik auf der Fernbedienung auch nicht komfortabel. Nett gelöst sind dafür die Funktionen “Gleicher Interpret” und “Gleicher Stil”. Drückt man während dem Abspielen eines Songs diese Taste, sucht das WAC die nachfolgende Musik nach diesen Kriterien zusammen.

Die Steuerung des HiFi-Centers via Infrarot-Fernbedienung ist simpel. Leider lässt das kleine Display am Gerät kaum einen Blick aus der Ferne zu. Wer also im Sofa sitzt, navigiert schnell blindlings. Ich oute mich hier also einmal mehr als überzeugter Verfechter von Fernbedienungen mit integriertem Display. Der grosse Bruder des WAC3500, das WACS7500, verfügt übrigens über eine Fernbedienung mit Display.

iPod-freundlich, USB-tauglich
Wer seine Musiksammlung auf einem iPod hat, kann diesen direkt in die mitgelieferte Dockingstation stöpseln. Dabei werden sogar die neusten Modelle – inklusive Touch – unterstützt. Leider wird durch das Docken das WAC nicht automatisch auf den iPod umgeschaltet. Aber nach wenigen Klicks auf der Fernbedienung tönt dann die Musik vom iPod aus den zwei Lautsprechern des WAC3500. Man kann nun entweder direkt am portablen Player durch die Songs navigieren oder die Steuerfunktionen des WAC nutzen, um von einem Lied zum nächsten zu springen.

Philips WAC 3500 iPod-Dock Der iPod lässt sich via Fernbedienung steuern. (Bild: Philips)

Jeglicher Musiktransfer zwischen iPod und WAC3500 ist leider unmöglich, der iPod kann also weiterhin nur mittels iTunes gefüttert werden. Hier stösst man also bereits auf das erste richtige Ärgernis. Obwohl man seine Musik-CD ja bereits auf die Festplatte des WACS kopiert hat, muss man diese für die Nutzung mit dem iPod nochmals rippen. Sprich, nochmals jede Scheibe in den PC einlegen. Schuld an diesem Ärgernis ist ein “juristischer Kniefall” von Philips gegenüber den Plattenlabels. Die Musiksammlung ist nämlich auf der WAC-Festplatte “eingesperrt” und lässt sich nicht auf den PC transferieren.
Problemlos ist die Zusammenarbeit mit USB-Geräten. Ab “offenen” MP3-Playern, externen Festplatten oder USB-Sticks kann man direkt Musik abspielen. Werden passend formatierte (FAT) Medien angeschlossen, bietet das WAC die Inhalte in den Formaten MP3 und WMA zum Abspielen an.

Ich habe es allerdings nicht geschafft, Songs von einem USB-Gerät auf die WAC-Festplatte zu kopieren. Wenn man also bereits eine komplette Musiksammlung auf einer externen Festplatte hat, kann man diese nicht einfach direkt auf das WAC transferieren. Später fand ich dann für diesen Zweck eine “Hintertür” via Netzwerk. Funktioniert hat allerdings der Musiktransfer in der Gegenrichtung, also vom WAC zu einem USB-Gerät. Allerdings muss dazu jeder zu transferierende Song einzeln selektiert werden.

UKW- und Internet-Radio
Wer keine eigenen Konserven hören will, kann das WAC auch als übliches UKW-Radio mit 60 Programmspeichern verwenden. Spannender ist allerdings die Internetradio-Funktion. Hier kooperiert Philips mit BlueBeat, Live365 und radioio. Alle diese Dienste bieten vordefinierte Spartensender an. Ohne vorgängige Registrierung kann aber nur ein Teil der Dienste genutzt werden. Obwohl via Philips-Club eigentlich die Definition eigener Radiostationen möglich sein sollte, schaffte ich es auch nach zwei Stunden nicht, mein geschätztes ToxicFM mittels WAC3500 zu hören.

Wer also ein komfortables Internetradio sucht, findet bei der Konkurrenz einfachere Lösungen. Ferner scheinen die Philips-Entwickler selten Internetradio zu nutzen. Sonst wäre ihnen klar, dass man nach dem Wiedereinschalten des WAC normalerweise die zuletzt gehörte Radiostation wieder hören will. Beim Philips-Gerät findet man sich dagegen wieder am Start des Navigationsmenüs und klickt sich mühsam von neuem durch einen Menübaum.

Follow-Me und Broadcast
Nach der Meckerei ist es nun aber wieder Zeit für ein Lob. Das WAC ist nämlich nicht nur ein Musik-CD-Archivar, sondern eine vernetzbare Musikzentrale. Die Basisstation lässt sich dazu mit Satelliten erweitern, die dann drahtlos via WLAN aus anderen Zimmern auf das WAC zugreifen können. Mein Test-Satellit war ein WAS7500, das durch hübsches Design und Farbdisplay glänzt.
Wuselt man also in der Küche, startet man einfach das WAS und greift auf die Festplatte des WAC im Wohnzimmer zu. Ist fertig gekocht, schnappt man sich das Essen und drückt vor dem Verlassen der Küche die “Follow-me”-Taste. Der Küchenmusikant verstummt. Im Esszimmer drückt man bei dortigen Satelliten ebenfalls auf “Follow-me” und schon spielt dort die Musik weiter. Das funktioniert simpel und zuverlässig.

Philips WAS7500
Als Satellit diente die WAS7500 (Bild: Philips)

Hausfüllend ist dagegen die Broadcast-Funktion, die sich nur an der Basisstation aktivieren lässt. Drückt man dort die entsprechende Taste, spielen alle Satelliten dieselbe Musik im ganzen Haus ab. Die Zeitverzögerung durch die WLAN-Übertragung ist dabei kaum hörbar. Erste Broadcast-Lösungen ärgerten die Besitzer ja hierbei noch durch “digitales Echo”.

Schade ist, dass sich Follow-me und Broadcast nur mit Musik ab Festplatte nutzen lassen. Sowohl CD als auch angdedockte iPods sind davon ausgeschlossen.

Im 2. Teil: Das Philips WAC3500 als Unterhalter im Heimnetzwerk

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