Zune 8GB im Test (3/3):
Elegant und kabellos

Der Zune 8GB schwarz. Klein, handlich, minimalistisch im Design.Der Zune 8GB ist ein eleganter, handlicher und funktionaler Pocket-Mediaplayer. Wer unterwegs Radio hören will oder eine soziale Ader hat (und in den USA lebt), kann ihn als Alternative zum iPod nano ins Auge fassen.

Über Microsofts iTunes-Konkurrenz “Zune” kann man denken, was man will. Am Player selbst – zumindest in der neuen, kleinen Nano-Version – gibts nicht viel rumzumeckern:

Optisch kann es das kleine, leichte Gerät beinahe mit den Apple-iPods aufnehmen. Mit nur grade drei Tasten und dem Slidepad, das auch auf Klicks reagiert, sieht es nicht nur ähnlich minimalistisch aus, es ist auch kinderleicht zu bedienen.

Klicks oder Fingerstriche seitwärts blättern durch die Menüs, Auf- und Abstriche scrollen durch Inhalte oder regulieren die Lautstärke; die Play/Pause-Taste schaltet das Gerät ein und tut sonst, was man erwarten würde, und der “Zurück”-Knopf ist ein guter Freund. Mehr braucht man nicht zu wissen.

Das Zune-Hauptmenü.Das Menü des Zune leuchtet wenige Sekunden nach einem Klick auf den Play-Knopf auf. Es besteht aus leicht lesbaren, grossen Menüpunkten in weisser Schrift auf schwarzem Grund. Auch im Auto oder zu Fuss unterwegs ist so die Ansteuerung der einzelnen Menüpunkte kein Problem.

Die Funktionen sind: Musik, Videos, Bilder, Sozial, Radio, Podcasts und Settings. Viel gradliniger gehts eigentlich nicht – ausser, dass Podcasts sowohl Audio-, als auch Videopodcasts umfassen, was man vielleicht eher bei Videos erwarten würde.

Der Musikplayer

Zune: Das MusikprogrammDer Reihe nach: der Musikplayer tut alles, was man von ihm erwarten würde: Er ordnet nach Alben, Songs, Künstlern, Playlists oder Genre; spielt ganze Sammlungen eines Künstlers oder albenweise ab etc. Playlists können am PC generiert werden, unterwegs gibts nur die laufende “Quicklist”.

Wenn man einen Song oder ein Album ausgewählt hat, steht aber neben “abspielen” und “zur Playlist hinzufügen” noch der Menüpunkt “versenden” – und das ist, was die Zune-Revolution hätte werden wollen: ein Klick auf den Menüpunkt bringt einen Bildschirm unter dem Titel “nearby” (“in der Nähe”) und das Wort “scanning” auf den Schirm – und das wars dann auch, in meinem Fall, denn es ist nunmal kein anderer Zune in der Nähe, zu dem ansonsten das ganze Album geschickt werden könnte. Offenbar klappt das nicht nur mit den kopiergeschützten Microsoft-Zune-Titeln (die der Empfänger danach genau drei Mal abspielen kann), sondern auch mit ungeschützten MP3-Dateien, die so kinderleicht zu tauschen sind.

Ansonsten ist zum Musikplayer zu sagen, dass er mit den mitgelieferten Kopfhörern und natürlich den mit 192KB codierten WMA-Dateien aus dem Zune-Store hervorragend klingt. Störend sind allerdings Lautstärkeunterschiede der Songs, die sich nirgendwo softwaremässig abgleichen lassen, wie das andere Player beherrschen.

Ausserdem fehlt mir persönlich ein wenigstens rudimentärer Equalizer, mit dem man gegebenenfalls die Bässe oder die Höhen anheben könnte.

Der Videoplayer

Ausgestattet mit der gleichen Auflösung wie sein grosser Bruder, der 80GB-Zune, oder der iPod Nano, weist der kleine Zune einen leicht kleineren Bildschirm als der Nano auf. Das Bild der Videos in einem kompatiblen Format (MP4, WMV) wirkt zwar gestochen scharf, aber eben auch sehr klein: Der animierte Comicstrip, der mit dem Zune ausgeliefert wird, weist Sprechblasen auf, die ein- und ausgeblendet werden – aber aufgrund der winzigen Abmessungen kaum zu entziffern sind.

Der Zune muss für den Videogenuss nach links gekippt werden, da sein Bildschirm im Musikgebrauch hochkant steht. Dabei passt sich angenehmerweise auch die Funktionsweise des Touchpads an, so dass die Lautstärke weiterhin mit Fingerstrichen nach oben und unten und die Sprünge im Video (von jeweils einem Viertel der Gesamtlänge und nicht einer festgelegten Zeitspanne) mit Wischen nach links- und rechts erreicht werden. Klicks auf dem Pad nach links oder rechts hingegen lassen das Video mit einem 10-Sekunden- und beim zweiten Klick mit einem Minutensprung vor- und zurückspulen. So findet sich jede Stelle in jedem Video sehr schnell.

Zune: Videos

Allzu viele längere Filme wird man allerdings kaum auf den Zune überspielen: Die Software bringt keinerlei Konversionsfunktion mit. Noch nicht einmal die TV-Aufnahmen des Windows-Mediacenters sind auf den Zune überspielbar, ohne dass sie zuvor in WMV umgewandelt werden. Das Bildformat hingegen scheint für den Player kein Problem darzustellen. Wir haben eine einstündige TV-Sendung aus DVR-MS in eine WMV-Datei umgewandelt (mit der hervorragenden und kostenlosen DVRMS-Toolbox, die auf jede Windows MCE gehört) und auf den Zune übertragen. Die Datei besteht zwar aus einem 720 mal 480 Pixel grossen Video von 800 MB, aber der Zune mit seinem 320 mal 240 Pixel Bildschirm kommt damit problemlos zurecht.

In erster Linie zielt Microsoft damit wohl auf den Musikvideo-Markt, um es allenfalls später Apple gleich zu tun und ins Film-Verleihgeschäft einzusteigen, wozu das restriktive Microsoft-Rechtemanagement ja die “besten” Voraussetzungen mitbringt.

Fotos

Die Funktion ist nichts besonderes, sie zeigt gespeicherte Bilder an und spielt Slideshows ab – geordnet nach Datum der Datei oder nach Ordnern, in denen die Fotos liegen. Dabei wird die Musik weitergespielt, aber weil das Slidepad jetzt zur Navigation dient, hat der Benutzer keine Kontrolle mehr über die Lautstärke. Dazu muss ins Musikmenü zurückgewechselt werden. Unangenehm, aber kein grosses Problem.

Social

Zune: Die soziale Inbox.Wer “sozial” sein will, kann das mit dem Zune auf zwei Arten: er kann das Gerät via Wifi seine Playlist an umliegende Geräte übermitteln lassen, und er kann Musik und andere Dateien aus jedem Menu per Wireless-Verbindung übertragen. Das Menü “social” zeigt dazu eine “Inbox”, wo übermittelte Musikstücke von andern Playern angenommen oder abgelehnt werden können, und das Scanmenu “Nearby”, mit dem die Playlists von Zunes in der nächsten Umgebung angezeigt werden können. Wer von den andern Fahrgästen im Bus AC/DC hört und wer Britney Spears, ist dem mitgelieferten “Zune-Tag” des absendenden Players zu entnehmen – oder mit gesundem Menschenverstand und einem Blick in die Runde der Fahrgäste…

Radio

Radio auf dem Zune 8GBRadio ist tot, es lebe Radio: Auch wenn Abertausende unabhängiger terrestrischer Sender in den USA ihre Rolle als Plattform für noch unbekannte Musiker zugunsten einer gnadenlosen Ausbeutung durch grosse Radio-Konzerne, Roboter-Playlists aus zentralen Studios und Werbung im 5-Minuten-Takt aufgeben mussten: Es gibt noch gute Sender. Und der Zune erweist sich als hervorragender Empfänger: Kein anderes meiner Radios trifft die Frequenzen, durch die es auf Fingerstrich durchhüpft, auf Anhieb so gut und in Sekundenbruchteilen auf der stärksten Frequenz. Sender-Kennung und Songtitel werden ebenfalls sofort gut lesbar und schnörkellos angezeigt, und die besten Stationen lassen sich in einem Raster auf Knopfdruck speichern – was nicht wirklich nötig ist, denn der FM-Scanner verrichtet seine Arbeit so schnell und sauber, dass man jede Station binnen Sekunden findet.

Wenn man die Kopfhörer angeschlossen hat, versteht sich: Das Kabel dient nämlich als Antenne, und ohne sie findet der Zune nahezu nichts im Äther.

Podcasts

Podcasts und Videocasts stehen in der Zune-Software zu Tausenden zur Verfügung. Sie können einfach abonniert werden, und bei jedem Verbindungsvorgang werden die neusten drei Episoden auf den Zune übertragen und die bereits gehörten – je nach Einstellung – gelöscht. Sehr bequem und funktional – bisher neben dem Radio meine Lieblingsfunktion auf dem Zune.

Einstellungen

Zune (GB: Wireless-MenüDas Menü Settings schliesslich erlaubt die Einstellung von allerhand stinknormalen Funktionen, wie Sprache (Englisch, Französisch oder Spanisch), Ausschaltzeit des Displays, Systemklängen, Bildschirmhintergrund etc.

Ein Punkt allerdings ist speziell: Wireless heisst er und steht ganz zuoberst. Die WLAN-Verbindung kann ein- oder ausgeschaltet werden (was enorm Strom spart). Ist sie EIN, dann kann hier bestimmt werden, ob der Zune den aktuell abgespielten Song anderen Playern anzeigen soll.

Zune 8GB Wireless-SyncZune 8GB Wireless-SyncZune 8GB Wireless-Sync
Der Microsoft Zune synchronisiert im Heimnetz kabellos übers WiFi.

Vor allem aber gibts den einen Punkt “Jetzt synchronisieren”. Wenn der Player sich in Reichweite eines bekannten Netzwerks befindet, wird er sich einloggen, mit dem “Stammrechner” zu verbinden versuchen, dort die Zune-Software starten und alles herunterladen, was der Benutzer dort früher auf das Player-Symbol gezogen hat. In der Software lässt sich allerdings für jede Kategorie auch bestimmen, dass sie jederzeit vollständig synchron gehalten werden soll – dann gleichen sich Software und Gerät bei jeder Verbindung vollautomatisch ab. Bei grösseren Videosammlungen ist das weniger zu empfehlen.

Fazit

Microsoft ist mit dem Zune – Version 2 – sicher nicht der grosse Wurf gelungen, aber insgesamt eine gute Kopie des Apple-Systems mit iTunes und den iPods. Allerdings bleibt Zune wohl die Kopie des Originals und kommt schon deshalb nicht richtig vom Fleck. Die “Social”-Komponente ist eine sehr gute Idee, die gerade auf den Pausenhöfen der US-Schulen funktionieren müsste, aber angesichts der restriktiven Rechteverwaltung häufig enttäuschen dürfte. Nach dreimaligem Abspielen kann ein Song noch nicht mal von einem anderen Freund erneut auf den eigenen Zune geladen werden – er ist darauf so lange nicht mehr abspielbar, bis eine gekaufte (oder eine selber gerippte MP3-) Version davon via Software auf den Player geladen wird. Das ‘saugt’ doch sehr.

Als kleiner, leichter Player für unterwegs vermag der kleine Zune mich indes zu überzeugen: Die Bedienung ist angenehm simpel und schnell, das Design diskret elegant und die Grösse klein genug, um beim Joggen in der Hosentasche mitgenommen zu werden.

Die Wireless-Verbindung halte ich für unternutzt – damit könnte man weit mehr anfangen, als das Kabel beim Synchronisieren zu ersetzen, das ja dann und wann eben doch zum Laden des Akkus angeschlossen werden muss. Ein einfacher Webbrowser etwa wäre nett – auch wenn dazu wohl ein eigenes Webformat für Micro-Seiten erfuinden werden müsste.

Persönlich schätze ich die Radio- und die Podcastfunktion. Beides sind allerdings wohl eher Angebote für ältere Semester – und der Zune zielt insgesamt auf die Schoolkids ab.

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2 Kommentare

  1. blub
    schrieb am 18. März 2008 um 13:49 Uhr (#)

    [quote]auch wenn dazu wohl ein eigenes Webformat für Micro-Seiten erfuinden werden müsste.
    [/quote]
    nennt sich WAP, wollte aber keiner haben

  2. st
    schrieb am 22. März 2008 um 22:59 Uhr (#)

    Ich hab mir selber den 80er Zune aus den USA gekauft..
    Das Gerät an sich ist schon cool, besonders der große bildschirm ist cool, aber die Software auf dem Rechner ist das mit schlechteste und nervigste was ich kenne!! Itunes ist dagegen wirklich ein traum.
    Für mich hieß das Zune wieder verkaufen, jetzt bin ich glücklich mit nem ipod (bzw mit itunes)

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