Apples Multitouch-Zukunft:
SDK, B2B und Prognose
Eigentlich sollte das SDK zur Entwicklung von Drittanwendungen ja bereits diesen Monat erscheinen. Mit einer kleinen Verspätung wird die Software jetzt wahrscheinlich am 6. März eingeführt. Was bedeutet das für die bisherigen Touch-Geräte von Apple?

Long Road to SDK: Apples grobe Roadmap für die nahe Zukunft
Seit der Einführung des iPhones sind einige Dinge klar: Das Smartphone ist revolutionär, die Idee dahinter zukunftsweisend und die Vertragsbindung ein Dorn im Auge der Kunden. Ein nicht gerade kleiner Teil der iPhones ist “illegal” geunlockt, also für Drittsoftware geöffnet. Dadurch lässt sich nicht nur das iPhone mit anderen SIM-Karten aktivieren, sondern auch Drittsoftware installieren. Wie könnte also die Zukunft des iPhones und andere Multitouch-Geräte wie dem iPod Touch aussehen?
Ganz klar ist die Tatsache, dass Anwender mehr als die von Apple vorinstallierte Software verlangen und die zur Verfügung gestellte Plattform Möglichkeiten bietet, die weit über das bisher gezeigte hinausgehen.
Im oberen Bild lässt sich klar die nahe Zukunft für iPhone und iPod-Touch erkennen: Zunächst sollen Business-Anwender mehr an das Gerät und die Plattform gebunden werden. Es soll vor allem dem im Bereich der Smartphones dominierenden Hersteller RIM (Research in Motion) mit seiner erfolgreichen Blackberry-Plattform Marktanteile abgenommen werden. Das “Geheimnis” der Blackberrys liegt in der nahtlosen und einfachen Integration von bestehenden E-Mail und Organizer-Lösungen und deren direkte Verknüpfung mit mobilen Endgeräten. Hier wird Apple seine Chance nutzen, denn seit jeher bietet der Hersteller aus Cupertino “alles aus einem Guss”, bestes Beispiel hierfür ist wohl die enge Verknüpfung der Medienplattform iTunes mit dem iPod. Technisch gesehen ist das iPhone abgesehen von der virtuellen Tastatur jedem Blackberry überlegen und bietet somit die ideale Plattform für Business-Nutzer. Diese Ausrichtung lässt auch eventuell auf einen austauschbaren Akku in der zweiten Generation des iPhones hoffen.
Prognose: Im B2B-Bereich wird das große Geld gemacht, hier will Apple nicht nur eine führende Position einnehmen, sondern auch den Markt dominieren und somit ein neues Kundensegment erobern.
An zweiter Stelle steht das SDK (Software Development Kit), welches es Drittanwendern erlaubt, zertifizierte Software für iPhone und iPod Touch zu entwickeln. Wir haben in letzter Zeit oft über mehr oder weniger verrückte Anwendungen für die Multitouch-Geräte geschrieben, doch meiner Meinung nach sind diese Programme nur die Spitze des Eisbergs. Kennen Drittentwickler erst einmal die Plattform besser und verstehen Prozesse, die vorher eher schlecht als recht per Backtracking ergründet wurden, werden innovative und im Alltag nützliche Anwendungen entstehen.
Man darf aber nicht die Tatsache vergessen, dass Apple durch die Unlocks und ungewollten Aktivierungen auf Grund der hohen Nachfrage der User zu diesem Schritt “gezwungen” wurde und sich generell nicht gerne in die Karten blicken lässt. Somit bleibt Apple also die Option den Entwicklerkreis klein zu halten (teure Lizenzen für Drittsoftwareentwicklung).
Allerdings dürfte Apple auch klar sein, dass dieser Schritt zwar Gefahren, aber auch große Chancen birgt: Unabhängige Drittentwickler wie auch Hobbyentwickler könnten natürlich wesentlich bessere und innovative Programm entwickeln als wenige große und finanziell potente Unternehmen (Stichwort: Die üblichen Verdächtigen). Gerade die Open-Source-Gemeinde könnte Apple hier Rückenwind verschaffen, sind doch viele Entwicklungen der letzten Jahre aus eben dieser Szene (FreeBSD/Mac OS X, Safari…).
Ein weitere Besorgnispunkt besteht darin, inwieweit Apple die Plattform öffnet bzw. kastriert. Viele Entwickler sind mit der Programmierung von Mac OS X-Anwendungen vertraut und einschlägige Kreise behaupten, dass man nicht gezwungen ist von 0 anzufangen. Der Vertrieb wird übrigens mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit über den iTunes-Store abgewickelt.
Prognose: Wenn schon, denn schon. Eine kleine Öffnung der Plattform kann sich Apple sparen, hoffentlich wird den Entwickler hier der notwendige Respekt und das angebrachte Vertrauen entgegengebracht um neue, innovative Programme zu entwickeln.
Der dritte und letzte Punkt der Grafik “Software Update” lässt darauf schließen, dass zwischen der Veröffentlichung des SDKs und einer Nutzung der Programme auf iPhones und iPod Touchs einige Zeit ins Land gehen wird. Wahrscheinlich will Apple diese Zeit nutzen, um letzte Bugs auszumerzen und dem User somit das bestmögliche Ergebnis zu liefern. Ein ständig abstürzendes iPhone passt nicht zum generellen Image (”Ein Mac stürzt nicht ab!”) und sollte daher von Apple soweit wie möglich vermieden werden. Wenig spektakuläres also, schließlich werden in der Zwischenzeit mehr als genug Screenshots, Videos und Vorabtests kommender Software erscheinen. Wir sind gespannt.
Und sonst?
Immerhin lässt sich bereits erahnen, dass der iPod Touch nicht das Stiefkind sein wird (spätestens jetzt wischt sich Peter Hogenkamp den kalten Schweiß von der Stirn), sondern im Rahmen der Möglichkeiten (keine GSM-Fähigkeiten, kein Mikrofon, kein externer Lautsprecher etc.) gefördert wird. Dazu passt auch der gerade erschienene Werbespot “Everybody Touch”:
Hier wird der iPod Touch ausdrücklich als “mobile wifi platform” beschrieben. Meiner Meinung nach ein längst überfälliger Schritt, denn ein iPod ohne Tasten lässt sich nunmal schlecht in der Tasche bedienen, als Surf-Tablet oder mobile E-Mail-Maschine allerdings taugt der Touch hervorragend. Die gerade erst nachgelieferten Widgets samt E-Mail-Client sind also erst der erste Schritt den Touch als täglichen Online-Begleiter zu etablieren.
Aktuelle Stimmen aus Cupertino lassen auch darauf schließen, dass die Kopplung von iPhone und Netzbetreibern keine Heirat auf Dauer sein muss, aber auf Grund der Marktbeschaffenheit als notwendig erachtet wurde. Ob und wann Apple sein begehrtes Smartphone in die Läden bringen wird steht aber in den Sternen, verdient Apple doch auch an den Verträgen, nicht nur an den Geräten selbst.
Fazit
Wie so oft ist die Zukunft mal wieder spannend, gerade für bisherigen und kommende Multitouch-Geräte aus dem Hause Apple. Für Endkunden wird das SDK wohl den wichtigsten Schritt zur Ausbau der gesamten Plattform darstellen und neue, spannende Software bringen. Drücken wir die Daumen das Entwicklungslizenzen nicht zu teuer und die Eingriffe in das System nicht zu sehr kastriert werden!
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3 Kommentare zu diesem Artikel
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R.St.
Also ich bin jederzeit bereit 1000 ? für ein UMTS fähiges, netzunabhängiges offiziell erstandenes iphone zu zahlen, da sollte dann doch genug Gewinnspanne für Apple drin sein auch ohne “Mitverdienen am Vertrag”.
Stefan S.
1600 CHF für ein Telefon? Argh! Neenee, da hört selbst für mich als Riesen-Fan des iPod touch der Spass auf :-( Ich hoffe jetzt einfach mal auf vernünftige neue Software (die leider kaum kostenlos erhältlich sein wird)…
hoschy
alles meckert aber das iPhone ist und bleibt das beste hände auch in zukunft Nachmacher kommen nicht mal in die nahe des iPhone