Test Spyder und Spyder TV:
Bessere Farben für Foto und TV

Wolf-Dieter Roth, 26. Dezember 2007 13:40 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

“Heller” – “Dunkler” – “Bäh, sind das miese Farben, typisch LCD!”. So ganz einig ist man sich selten über die richtige Einstellung des Fernsehers. Und auch Computerbildschirme sind oft falsch eingestellt. Spyder und Spyder TV können Abhilfe schaffen.

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Spyder krabbelt am Bildschirm herab…auf großen Bildschirmen gar nicht so einfach… (Bild: W.D.Roth)

Was hilft die zu Weihnachten bekommene neue Video- oder Digitalfotokamera, wenn der alte Röhrenmonitor alles grünlich zeigt – oder der neue LCD-Fernseher Oma im Schaukelstuhl zu deren Entsetzen in schweinchenrosa präsentiert. Doch Abhilfe für farbstichige TV- und Computer-Bildschirme naht:

Fernseher werden im Laden meist in “Verkaufseinstellung” präsentiert: alles bis zum Anschlag aufgedreht, um bunter zu wirken als das Gerät daneben. Mit naturgetreuer Wiedergabe hat das wenig zu tun.

Und bei Computerbildschirmen verhält es sich nicht anders. So werden Monitore gerne etwas blaustichig ausgeliefert, weil dies im Laden sehr scharf und frisch wirkt, doch zuhause oder im Büro ist ein derartiges Bild unangenehm, insbesondere wenn man am Abend oder ohne Fensterplatz bei Kunstlicht mit dem Gerät arbeiten muss.

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Menü von Spyder TV (Bild: W.D.Roth)

Helligkeits- und Kontrastregler am Monitor helfen nur begrenzt: Was zu dunkel oder zu hell dargestellt wird und in Schwarz oder Weiß verschwindet, lässt sich oft nicht so ohne weiteres retten; das Verstellen der Regler am Monitor führt dann oft nur dazu, dass alle hellen Stellen in Grau statt Weiß aufgehen oder die dunklen Stellen nicht mehr im Schwarz, sondern in Grau absaufen.

Mit der im Originalzustand teils katastrophalen Bildschirmdarstellung beispielsweise auf billigen Notebooks – um optisch beeindruckende Helligkeiten zu erreichen, werden einfach alle helleren Farb- und Grautöne auf “weiß” gesetzt – muss man sich mittlerweile nicht mehr abfinden: praktisch jede moderne Grafikkarte hat eine so genannte Look-Up-Table (LUT), eine Übersetzungstabelle, in der jedem Signalwert in Rot, Grün und Blau sowie Helligkeit in 256 Stufen ein individuelles Ausgangssignal zugewiesen werden kann, um Eigenwilligkeiten von Grafikkarte und Monitor auszugleichen.

Dabei bedeutet ein offensichtlicher Blaustich in hellen Bildpartien nicht einmal automatisch eine durchgehend falsche Bildfarbe; so können die Schatten beispielsweise eine gelbliche Tönung haben und die mittleren Werte grünlich schimmern. Hier hilft also auch keine Farbtemperatur- oder sonstige von außen zugängliche Einstellung am Monitor weiter.

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Menü von Spyder-TV (Bild: W.D.Roth)

Ebenso mangelhaft sind oft die Helligkeit- und Kontrasteinstellungen: dunkle Details “saufen ab” oder helle Stellen werden zu einem einheitlichen Weiß. Oder aber umgekehrt: der Kontrast ist mangelhaft und das ganze Bild grau in grau.

Viele aktuelle Grafikkarten werden inzwischen mit einem Hilfsprogramm geliefert, das es erlaubt, die Lookup-Table für die drei Grundfarben und die Helligkeit individuell anzupassen; ebenso bekannt ist das mit Adobe-Programmen mitgelieferte Gamma-Tool. Allerdings braucht man schon sehr geübte Augen, um eine schlechte Anzeige nicht noch zu verschlimmbessern und die Einstellungen, die man manuell vornimmt, werden immer etwas grob ausfallen.

Professionelle Kalibrierungstools waren ebenso wie professionelle Monitore bislang sehr teuer. Bei den Monitoren hat sich dies nicht geändert, wobei die besten Geräte inzwischen jedoch nicht mehr auf Röhrentechnik beruhen, sondern mit LCDs gebaut werden.

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Bei der Helligkeit war am Sharp LCD-TV kaum etwas nachzustellen (Bild: W.D.Roth)

Bei der automatischen Monitorkalibrierung hat der Schweizer Hersteller Colorvision mit seiner Spyder-Reihe die Situation jedoch deutlich verändert: die billigste Variante Spyder Express ist bereits für unter 100 Euro im Handel. Dafür erhält man einen Sensor, der wie eine Krake – oder eben Spinne – auf den Bildschirm gesetzt wird und dessen Output misst und eine Software, die entsprechende Testsignale auf dem Schirm ausgibt. Damit können auch problematischste Bildschirme in knapp sieben Minuten durchgemessen und die Grafikkarte dementsprechend kalibriert werden.

Unsere Kollegen von fokussiert.com haben die Version 2 der Spyder-Express-Software bereits ausführlich getestet – dieser Tage kommt die Version 3 in den Handel, die wir uns ebenfalls vorknöpfen werden.

Die Software ist sowohl für Windows 2000/XP/Vista als auch Mac OS verfügbar, wobei die einfache Variante nur feste Einstellungen von Gamma 2,2 und Farbtemperatur 6500 K bietet, beides die Standardeinstellung für sRGB, also die übliche Bildschirmdarstellung von Fotos und Webseiten.

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Beim Kontrast war eine deutliche Erhöhung angesagt (Bild: W.D.Roth)

Übrigens unter Windows und Macintosh, denn der Gammawert von 1,8, der für Macintosh oft propagiert wird und dazu führt, dass Bilder und Webseiten auf dem Macintosh anders aussehen als auf einem Windows-PC, gilt nur für die lediglich in der Drucktechnik übliche CMYK-Farbdarstellung. Diese wird von Druckern und Layoutern benutzt, doch bei einem normalen User, der hauptsächlich am Bildschirm arbeitet, ist sie eigentlich fehl am Platze.

Die teurere Version Spyder 2 Suite bietet zwei Gammawerte und drei Farbtemperaturwerte zur Auswahl und kann auch Drucker mit abgleichen; die allerbeste Version Spyder 2 Pro erlaubt die völlig freie Wahl der Werte, misst auch das Umgebungslicht mit und kann auch zwei Monitore an einem Computer separat abgleichen, sofern es sich entweder um einen Macintosh handelt oder aber eine Grafikkarte mit zwei echten unterschiedlichen Ausgängen; bei sogenannten “Dual-Head”-Systemen kann dagegen nur ein Monitor optimiert werden, da diese Grafikkarten zwar zwei Ausgänge haben, aber nur eine gemeinsam genutzte Lookup-Table.

Auch ist beim Einsatz darauf zu achten, dass kein anderes Programm versucht, dazwischen zu pfuschen; ältere ATI-Grafikkarten haben hier beispielsweise Treiber, die Fremdzugriffe auf die Lookup-Table verhindern und deswegen durch aktuelle Treiber ersetzt werden müssen. Ebenso muss das Adobe Gamma-Tool stillgelegt werden.

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Bei der Farbsättigung stimmt die Werkseinstellung des Sharp LCD-TV wieder (Bild: W.D.Roth)

Im eigenen Praxistest konnte selbst einem für sein katastrophal schlechtes Bild berüchtigten Xeron-Notebook ein höherer Kontrast und eine wesentlich angenehmere Farbdarstellung entlockt werden. Der Abgleich läuft vollautomatisch in wenigen Minuten und kann alle paar Monate wiederholt werden, um die Monitoralterung auszugleichen.

Probleme gibt es nur mit älteren Rechnern, die noch unter Windows 98 und ähnlichen Versionen laufen – hier ist dann nur die ältere Colorplus-Software lauffähig. Und man muss normalerweise den Raum etwas verdunkeln, um nicht das Tageslicht mitzumessen. Außerdem ist der Sensor auf Röhrenmonitoren ohne Filter und mit Saugnäpfen aufzusetzen, wohingegen er für LCDs mit einem UV-Filter versehen wird, um im Blaubereich keine Fehler zu machen.

Erfreulich ist dabei die aus ganz Europa kostenfrei erreichbare Hotline, die nicht nur bei technischen Problemen, sondern auch beim Verständnis der Tücken des Farbmanagements und der Kalibrierung weiterhilft.

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Beim Farbton ergab sich ein deutlicher Unterschied zur bisherigen Einstellung – das LCD-typische “Schweinchenrosa” konnte hiermit und mit der Farbkreis-Justage des LCD-TV beseitigt werden (Bild: W.D.Roth)

Um 180 Euro ist inzwischen auch eine Version der Software erhältlich, mit der nicht Computermonitore, sondern Fernseher abgeglichen werden. Auf diesen kann natürlich keine Software laufen, die die Testbilder erzeugt, stattdessen ist eine mitgelieferte DVD abzuspielen, die entsprechende Testbilder enthält.

Der Abgleich erfolgt dann manuell, die auf dem Rechner laufende Software gibt Anweisungen, wie Helligkeit und Kontrastregler sowie Farbeinstellung am Fernseher zu justieren sind. Auf dieser Art tastet man sich langsam an die richtige Einstellung heran.

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Die Zusammenfassung von Spyder TV: Helligkeit und Farbsättigung waren ab Werk bereits passend, der Kontrast war noch stärker zu erhöhen, als es der Nutzer bereits vorgenommen hatte, und der Farbton war leicht anzupassen (Bild: W.D.Roth)

Dabei ist es übrigens egal, welche Zahlenwerte über die Fernbedienung einzustellen sind; die Software fragt einmal den Einstellbereich der Fernseher ab und kann dann angeben, auf welche Zahlenwerte Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung und Farbton einzustellen sind. Dies ist natürlich nicht in 256 Stufen möglich wie beim Computer, und es können lediglich Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung und Farbton verstellt werden.

Das Ergebnis ist jedoch ein Bild, das bei einem Kinofilm garantiert, dass man auch in dunklen Szenen noch etwas auf dem Bildschirm sieht, ohne dass Schwarz nicht mehr Schwarz, sondern Grau ist. Da hier der Abgleich nicht automatisch, sondern von Hand erfolgt, dauert ein Durchlauf etwa 30 Minuten.

Für den kleinen Portabel-Fernseher eine Lösung, die mehr kostet, als der Fernseher, beim teuren Plasmabildschirm dagegen durchaus sinnvoll. Und auch Fernsehhändlern kann so geholfen werden, die Geräte gut einzustellen, wobei für diese eine spezielle Händlerversion für 1800 ? existiert, die Geräte bestimmter Hersteller automatisch abgleichen kann.

Colorvision Schweiz

fokussiert.com: Test Colorvision Spyder2express I/II
Monitorkalibration, Version light

fokussiert.com: Test Colorvision Spyder2express II/II
Ein Mausklick zur Kalibrierung

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8 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Feylamia

    schrieb am 26. Dezember 2007 um 17:45 Uhr (#)

    Das klingt definitiv interessant, aber ich kaufe natürlich nur alle Jubeljahre mal einen Monitor oder eine neuen Grafikkarte, da lohnen sich hundert Euro nicht wirklich. Allerdings ist das genau deswegen eine Anschaffung, die man sich evtl. mit mehreren Leuten teilen könnte. Für ein paar Euro für eine Stunde Ausleihen würde ich mir die Farbspinne aber auf jeden Fall mal. :)

  2. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 26. Dezember 2007 um 18:24 Uhr (#)

    Na ansich soll man ja alle paar Wochen nachabgleichen. Tu ich zugegeben auch nicht, schon gar nicht zum DVD gucken, aber wenn Du professionell am Computer als Grafiker oder Fotograf arbeitest, mußt Du…dann allerdings hast Du auch teurere Bildschirme…
    Wär ja was…www.spinnenverleih.com ;-)…

  3. Laszlo

    schrieb am 26. Dezember 2007 um 23:50 Uhr (#)

    Also ich finde,dass Gerät sehr interessant . Denn ich habe als Designer schon oft das Problem das Farben im entgültigen Druck auf einem Plotter anders waren als auf dem Bildschirm. In Sachen Helligkeit und Kontrast sowie Intensität. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass die Abweichungen, sehr stark sind, jedoch ist es für das geschulte Auge sichbar.

  4. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 27. Dezember 2007 um 05:10 Uhr (#)

    @Laszlo: Wenn Du professionell in dem Bereich arbeitest, kommst Du um Farbablgeich kaum herum. Wobei die Ergebnisse von Spyder an einfachen Monitoren nicht mit echten “Proof”-Monitoren vergleichbar ist – und es gibt wohl auch noch bessere Sensoren für den Monitor. Wenn man z.B. von NEC Monitore für den Adobe-RGB-Farbraum kauft, ist ein besserer Kalibrator im Kauf enthalten (der Preis ist aber dann auch vierstellig). Aber andere Lösungen sind deutlich teurer und z.B. Notebooks sind original fast nie korrekt in Farb- und Helligkeitsdarstellung, weil die Hersteller ihr Gerät unbedingt möglichst hell erscheinen lassen wollen. Bildbearbeitung – und sei es nur von Urlaubsfotos – auf einem Notebook ohne Farbabgleich ist eine größere Geldverschwendung, als wenigstens mal die 99 Euro für die einfachste Spyder-Version auszugeben.

  5. Laszlo

    schrieb am 27. Dezember 2007 um 06:44 Uhr (#)

    Ich sage ja nur,dass es mir schon oft passiert ist, das Plakate dich ich drucken ließ, leichte Farbschwankungen haben. Ich konnte aber erst durch den Blogeintrag erfahren, dass es solche Farbschwankungen durch Bildschirme entstehen können.

  6. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 27. Dezember 2007 um 09:49 Uhr (#)

    Wenn Du selbst druckst, ist es noch tückischer ;-)

    Wobei ein hauptsächlich auf Text basierendes Plakat vielleicht nicht so dramatisch ist. Aber eine Zeitschrift, die Du wunderschön layoutest und wo nachher alle Würdenträger plötzlich so knallrot aussehen, als ob sie zu tief ins Glas geguckt haben…

  7. Frank Brüning

    schrieb am 30. Dezember 2007 um 13:26 Uhr (#)

    Hallo.

    Die Frage ist für mich, ob man hier unfreiwillige Anwendungsfehler machen könntem, die technische Nachteil des Monitors oder TVs erbringen und die Garantie gefähren könnten. Wäre es ggf. besser einen geschulten Techniker zu beauftragen? Kalibrierungsprogramme gibt es diverse, auch ua. ISF und ColorFakts.

    Guten Rutsch aus MG

  8. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 30. Dezember 2007 um 15:44 Uhr (#)

    Solange man nur Helligkeit und Kontrast justiert bzw. beim PC die LUT justiert, kann man kaum etwas kaputtmachen. Extreme Werte gibt einem die Software ja nicht vor.


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