“Indoor-GPS”:
Lost in the supermarket?

Wolf-Dieter Roth, 19. Dezember 2007 16:45 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Eigentlich will man nur Milch, doch vor lauter Waschmittel und Hundefutter landet man schließlich in der Schuhabteilung. Solchen Alpträumen könnte Indoor-Navigation ein Ende bereiten. Vorläufig ist sie allerdings für Notfälle gedacht.

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In rauchgefüllten Gebäuden ist die Orientierung schwierig (Bild: pixelio.de)

Das französische Technologieunternehmen Thales hat ein “Indoor Positioning System” (IPS) entwickelt, das Menschen beispielsweise durch dunkle oder rauchgefüllte Räume lotsen kann. Klassische Anwender sind laut dem Entwickler Feuerwehrleute, deren Risiko, sich in brennenden Gebäuden zu verirren, durch das IPS gemindert werden soll. Des weiteren ist auch der Einsatz bei Polizeikräften oder kämpfenden Truppen denkbar.

Die Signale der GPS-Satelliten sind zu schwach, dass innerhalb von Bauwerken eine Positionierung möglich wäre: Wände, Decken und Installationen blockieren das Signal. Die von den Franzosen vorgestellte Lösung ist eine Indoor-Version des Satellitensystems und ermöglicht, die GPS-Daten auch in Gebäuden zu nutzen. Ähnliches war bereits für das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo angedacht.

Zum Einsatz kommen dabei Geräte, die Signale auf der Basis von Ultra Wide Band (UWB) aussenden und empfangen. Jede Feuerwehreinsatzkraft trägt ein solches Gerät bei sich. Die Basisstation des Systems befindet sich in einem Einsatzwagen, der am Einsatzort abgestellt und an einen GPS-Empfänger gekoppelt ist. Die Standorte der einzelnen Einsatzkräfte werden errechnet, indem ihre relativen Positionen zueinander und mit der zur Basisstation abgeglichen werden. Somit können die Stellen der einzelnen Feuerwehrleute exakt berechnet werden.

Das System hilft somit einerseits den Feuerwehrleuten im Einsatz, um sich in unbekannter Umgebung zurecht zu finden, andererseits aber auch dem Kommando, das über die Position der einzelnen Einsatzkräfte informiert ist und somit eine einfachere Koordinierung ermöglicht. “Genau zu wissen, wo die Mannschaft während des Einsatzes war, ist wichtig um sicherzustellen, dass Räume zweimal durchsucht und kein Opfer vergessen wurde”, sagt Mike Johns, Einsatzstratege bei der britischen Einheit Hampshire Fire and Rescue Service, wo das System getestet wurde, gegenüber dem NewScientist.

Einen etwas anderen Ansatz für die genaue Navigation in großen Bauwerken haben Informatiker an der Universität Saarland entwickelt: Die Forscher benutzen bei ihrer Lösung RFID-Chips, die im Gebäude verteilt sind. Mithilfe einer PDA-Software, die über einen 3D-Lageplan verfügt, können Personen exakt zu einem Raum gelotst werden. Die Signale der RFID-Chips geben dem Gerät Informationen über die aktuelle Position.

Auch die französische Thales-Entwicklung soll langfristig kommerzialisiert und beispielsweise in Einkaufzentren installiert werden, so die Vision der Entwickler. Aber es dürfte zu befürchten sein, daß auch dann die Milch nicht gefunden wird, sondern die Artikel, die das Kaufhaus gerne loswerden möchte…

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