Dell & Carrefour Dell kommt in die Supermärkte
Der Computergigant Dell hat bekanntgegeben, in Zusammenarbeit mit Carrefour in dessen Filialen ab 2008 Computer zu verkaufen. Damit ändert der bisherige Direktverkäufer seine Strategie massgeblich.

Dell war ja lange Zeit dafür bekannt, Geräte nur via Internet und Telefon zu verkaufen. Wer irgendwo mal einen Strategie-Kurs hatte, wird sicherlich gehört haben, dass Dell unter anderem deshalb einen Wettbewerbsvorteil hat, da sie so ihr Lager gering halten und für jeden Kunden “just in time” den gewünschten PC produzieren können.
Diese Strategie ist inzwischen jedoch Vergangenheit. So kann man in den USA zum Beispiel seit letztem Sommer sowohl beim Bürobedarf-Supermarkt Staples als auch bei Wal-Mart Dell-Computer kaufen. Nun kommt Dell zum ersten Mal auch in die (kontinental)europäischen Läden.
Der Dominator im PC-Markt hat nämlich bekanntgegeben, dass man sich ab Januar 2008 in 365 Carrefour-Filialen mit Dell-Computern (Desktops und Notebooks) eindecken kann. Zuallerst soll das in Frankreich, Belgien und Spanien der Fall sein. Später werden dann auch andere Länder dazukommen. Auf Anfrage konnte uns Dell Schweiz leider nicht sagen, ob Dell auch in der Schweiz in Supermärkten präsent sein wird. Dies dürfte nicht zuletzt auch mit der zur Zeit etwas unsicheren Situation wegen der Übernahme der Carrefour-Filialen durch Coop zusammenhängen.
Nichtsdestotrotz ist dieser Schritt ziemlich interessant. Nachdem Dell jahrelang Computer explizit nicht in Geschäften verkaufen wollte, bauen sie nun eben diesen Kanal kräftig aus. Zwar ist das nicht das erste Mal, dass Dell von der Direktverkauf-Stratgie abweicht – so gab es schon vor einige Jahren Versuche mit Dell “Kiosken” in Einkaufszentren und Warenhäusern. Mit der Carrefour-Partnerschaft wird aber deutlich, dass es Dell mehr als ernst meint. Wal-Mart ist der grösste Retailer der Welt und betreibt alleine in den USA über 3’800 Filialen. Carrefour ist Nummer 2 weltweit und mit über 1’000 Hypermarchés und 11’000 Supermärkten Marktführer in Europa. Insofern hat sich Dell nicht gerade kleine Fische als Partner ausgesucht und kann mit deren Filialnetz einen riesigen Markt abdecken.
Doch wieso macht Dell diesen Schritt? Darauf gibt es ganz einfache Antwort: um mehr Computer zu verkaufen (wer hätte das gedacht …). Es gibt immer noch einige Leute, die einerseits keinen Computer besitzen und andererseits, wenn sie sich dann einen kaufen wollen, lieber in ein Geschäft gehen und sich dort verschiedene Modelle anschauen. Diese Erkenntnis ist alles andere als revolutionär, aber dennoch hat Dell bislang mit dem Direktvertrieb einige potenzielle Kunden ausgeklammert, welche sich nun dank dem Deal mit Carrefour eventuell auch einen Dell zulegen.
Spannend ist dieser Schritt auch, weil sich Dell damit von seinem Geschäftsmodell, “built to order”-Recher herzustellen, entfernt. Um in den Carrefour-Filialen profitabel zu sein, wird Dell natürlich nicht die gesamte Bandbreite an Features anbieten können. Zudem wird der durchschnittliche Carrefour-Kunde nicht gerade den teuersten und besten Computer kaufen wollen. Gleichzeitig müssen die Jungs aus Round Rock aber aufpassen, dass ihre Produkte nicht das Image von Low-End Rechnern kriegen, zumal dies User aus dem deutlich profitableren High-End Bereich dazu bewegen könnte, zu einer anderen Marke zu wechseln.
Wie bereits gesagt, mit Wal-Mart und Carrefour hat Dell zwei Partner zur Seite, welche bereits über ein riesiges Filialnetz und Millionen von zufriedenen Kunden verfügen. Insofern dürfte es für Dell dennoch machbar sein, trotz sehrwahrscheinlich eher tiefen Margen Gewinn zu verbuchen. Spannend wird es aber allemal.



















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