TFA Astra plus Funk-Wetterstation Wettervorhersage per Pager

Wolf-Dieter Roth, 20. November 2007 14:15 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Seit der CeBIT gibt es neben den normalen mehr oder weniger aufwendigen Funkthermometern mit Wettervorhersage aufgrund des Luftdruckverlaufs auch “Satelliten-Wetterstationen”. Wie funktionieren diese eigentlich?

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“Satellitengestützt”? Kippt sie denn ohne um? (Bild: W.D.Roth)

Immer mehr Händler verkaufen sogenannte “Satelliten-Wetterstationen”. Wie sie funktionieren, weiß allerdings keiner der Anbieter. Und auch das Unternehmen, das auf der IFA 2007 das komplette Sortiment vorstellte, hatte keine Ahnung und keine Presseinformationen. Denn soviel ist ja klar: Den Wettersatelliten selbst empfangen können die wie ein elektronischer Bilderrahmen aussehenden Gerätchen nicht.

Man versprach, die Presseinformationen nach der IFA zuzuschicken. Dies ist “natürlich” bis heute nicht passiert. Anscheinend soll die Funktion ein Geheimnis bleiben. Also hat sich Neuerdings.com in Unkosten gestürzt und bei Pearl eine derartige Satellitenwetterstation geordert, die Astra plus für 59,90 Euro. Das Modell Galileo ist dasselbe in schwarz und das Modell ohne plus hat kein Display und keine Feuchtigkeitsanzeige am Außensensor. Das Display ist aber durchaus nützlich, wenn man wissen will, ob die Funkstrecke funktioniert oder das Display noch die Temperatur von vorgestern zeigt.

Das Gerät kommt in einer für den Versandhandel eigentlich überflüssigen aufwendigen Verkaufsverpackung mit etlichen Klappen, Guckfenstern und Aufklebern. Es soll sich über die Optik verkaufen, über die Funktion steht auf der Schachtel wenig.

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Läuft ja schon ohne Batterien? Nein, die Verkaufsaufkleber sind noch auf dem Display… (Bild: W.D.Roth)

Doch auch die trickreichste Verpackung ist irgendwann geknackt - mit etwas Glück bleiben Finger und Inhalt dabei heil. Zum Vorschein kommen ungewohnt dicke Batterien: angenehm, daß der Hersteller nicht wie sonst oft üblich die kleinstmögliche Bauform (Micro AAA) verbaut hat, die genausoviel kostet wie die größeren Zellen, aber alle paar Monate leer ist.

Der Batteriewechsel ist bei solchen Wetterstationen mit Außenfühler nämlich meist ein mittleres Drama: auch wenn nur im Fühler der Strom knapp wird, was an kalten Wintertagen regelmäßig auch mit noch halbvollen Batterien passiert, müssen beide Geräte neu aufeinander abgeglichen werden, und man darf erstmal eine halbe Stunde neu den aktuellen Luftdruck, den Standort und diverse andere Vorlieben neu einprogrammieren, wie beispielsweise nicht nachts um 2 geweckt zu werden, weil die Außentemperatur unter 3°C gefallen ist und Glatteisgefahr bestünde, so man jetzt fahren wollte…

Die TFA Astra plus ist hier angenehmer: Das Dilemma mit dem Neuabgleich zwischen Außenfühler und Basisstation besteht zwar auch hier. Sonst muß aber nach einem Batteriewechsel nichts wirklich Wichtiges neu einprogramiert werden. Und der Außenfühler sendet auf 868 MHz zuverlässig und ungestört, während andere Geräte teils 434 MHz verwenden, einen Frequenzbereich, in dem von Diathermiegeräten über schnurlosen Kopfhörer und Garagenfernbedienungen bis zu Amateurfunk alles Mögliche stattfindet und dann schon mal nur stundenweise eine Temperaturanzeige möglich ist.

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Ohne Folie und eingeschaltet: nach einigen Minuten erscheint das Wetter, bis zu vier Tage im Voraus, nach morgens, mittags, abends und nachts sowie Höchst- und Tiefsttemperaturen sortiert (Bild: W.D.Roth)

Aber wie kommen die Satellitendaten denn nun in das Gerät? Von “Wetter online” per “e-message”, so die Anleitung, nach 50 Standorten in Deutschland aufgegliedert.

Es handelt sich also schon einmal nicht um Satellitendaten, sondern um aufgrund von Satellitendaten und anderen meterologischen Messungen erstellte Wettervorhersagen. Und diese kommen - ebenso wie die Uhrzeit - per Pagerdienst in das Gerät. Genau, Pager - diese seit der Verbreitung der Handys fast vergessene Technik, die aber immer noch flächendeckende Funknetze bietet.

Andere Geräte nutzen auch mal den Langwellensender DCF 77, der üblicherweise Funkuhren versorgt. Da muß der Benutzer dann seine Region auswählen, kann dafür auch mal schauen, wie das Wetter am anderen Ende der Republik wäre. Bei den “Satelliten-Wetterstationen” empfängt das Gerät dagegen automatisch nur das Wetter der eigenen Region. Und die Uhrzeit kann bis zu zwei Minuten falschgehen, es ist ja keine echte DCF-Funkuhr.

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Der Vergleich: Online bietet der Wetterdienst auch ein Symbol für “Nebel” - und die Werte unterscheiden sich etwas, sind online genauer lokalisiert.

Tatsächlich bietet “Wetter online” auch im WWW dieselben Angaben - man kann sich also die Wetterstation sparen, wenn man schon ein Thermometer hat und onlinesüchtig ist. Auch im Netz werden die nächsten drei Tage angezeigt. Bei den Wetterstationen gibt es dagegen inzwischen auch Modelle, die noch ein paar Tage mehr anzeigen. Allerdings sind Wettervorhersagen über mehr als drei Tage nicht mehr besonders zuverlässig.

Zunächst verblüffend sind allerdings Abweichungen zwischen Wetterstation und WWW. Klar, das Nebelsymbol - das der Webauftritt kennt - fehlt der Wetterstation schon einmal. Aber auch die Temperaturen unterscheiden sich: Im Web steht für die nächsten drei Tage: -6°C/0°C, -4°C/0°C, -1°C/5°C, die Station zeigt dagegen: -7°C/3°C, -5°C/4°C, -2°C/8°C. Was ist hier los?

Nun, an diesen Unterschieden ist schuld, daß die Wetterstation nur 50 “Sendegebiete” kennt - und für Buchloe das Wetter aus Augsburg oder Kempten in Frage käme, beides bereits über 50 km entfernt: Augsburg 55 km, Kempten 65 km. Tatsächlich kommt das Wetter für Buchloe aus Kempten, wie ein Blick ins Menü mit Hilfe der nur online verfügbaren FAQs verrät. Dies kann man auch nicht ändern, da ja am Ort nichts anderes ausgestrahlt wird. In Grenzgebieten kann es allerdings passieren, daß auch einmal das Wetter einer anderen Region empfangen wird. Außerhalb Deutschlands ist mangels Pagernetz kein Betrieb möglich.

Die Bedienung dieser Art Wetterstation ist deutlich einfacher als die klassischer Wetterstationen, die ihre Voraussage nur aufgrund der Luftdruckauswertung erstellen. Sollten allerdings das Pagernetzwerk oder auch nur der Dienst von Wetter direkt eines Tages abgeschaltet werden, bleibt einem nur noch ein normales Funkthermometer, das dann allerdings beim verzweifelten Versuch, etwas zu empfangen, innerhalb weniger Wochen auch die dicksten Batterien leeren würde…

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