Mac OS X 10.5 Leopard im Test (II/III)Neue und nützliche Applikationen

Mac OS X Leopard bietet neben Neben vielen kleinen Verbesserungen auch ein paar neue und aufpolierte Applikationen.

Teil III: Mac OS X Leopard – Fazit: Unspektakulär, solide

Teil I: Mac OS X Leopard – Viel Neues, wenig Spektakuläres

Mac OS X Leopard TimeMachine

Mac OS X Leopard TimeMachine


TimeMachine, das in Leopard integriertete Backup.

Bisher hatte Apple eine ziemlich nonchalante Haltung gegenüber Backups: Möge sich der datensicherungswillige Benutzer doch bitte eine Drittapplikation kaufen. Oder seine Daten von Hand kopieren. Während es in der Windows-Welt schon länger zumindest eine rudimentäre eingebaute Backupapplikation gab, musste sich der Mac-User seine Sicherungslösung selbst zusammenbasteln.

Das ist in Leopard nun buchstäblich Geschichte, denn mit “Time Machine” gibt es endlich ein eingebautes Backupprogramm. Apropos Geschichte: Time Machine präsentiert die Backup-Resultate, ganz seinem Namen entsprechend, in einer spektakulären 3D-Ansicht, die den Zeitverlauf der gespeicherten Fileversionen darstellen soll. Tja, trockene Listen sind was für PC-User, auf dem Mac darf es auch mal etwa spielerisch aussehen.

Nicht nur das ist schöner gelöst als in anderen Backupapplikationen. Time Machine zu aktivieren ist ausgesprochen simpel: Man schliesst einfach eine externe Harddisk an, auf die die Daten gespeichert werden sollen. Andere Medien werden nicht unterstützt, aber angesichts der ständig fallenden Plattenpreise ist das auch kaum mehr ein Thema. Nach einem Klick auf das Time-Machine-Icon fängt das System dann selbständig an, eine Kopie der lokalen Harddisk auf der externen Platte anzulegen. Diesen initialen Prozess sollte man aber eher über Nacht laufen lassen, weil das System dadurch gut beschäftigt wird.

Benutzeroberfläche von TimeMachine in Leopard Mac OS X

Benutzeroberfläche von TimeMachine in Leopard Mac OS X

Von da an kopiert Time Machine jedesmal, wenn die Backup-Harddisk angeschlossen wird, von selbst alle geänderten Dateien rüber, und zwar stündlich. Alte Versionen werden auch behalten, und zwar solange der Platz reicht. Wer eine gelöschte oder versehentlich geänderte Datei wiederherstellen will, fährt in der 3D-Ansicht einfach zum entsprechenden Zeitpunkt zurück, markiert die gesuchte Datei (oder den Ordner) und klickt auf “Restore”. Fertig. So einfach und schön kann Backup sein.

Natürlich gibt es auch da ein paar kleine Probleme. Bei mir wollte beispielsweise meine Windows-Instanz unter der Virtualisierungssoftware Parallels plötzlich nicht mehr richtig laufen. Des Rätsels Lösung: Jedesmal beim Start von Windows erkannte Time Machine eine geänderte Datei (nämlich die virtuelle Windows-Harddisk) und kopierte fröhlich die ganzen 6 GB auf die Backup-Platte. Das wiederum fand Windows nicht so toll. Der Konflikt liess sich schnell mit einer Einstellung in den Time-Machine-Optionen lösen, aber darauf muss man erst mal kommen.

Unter dem Strich ist Time Machine aber eine gute Sache. Es ist sicher nicht die leistungsfähigste und flexibelste Backuplösung auf der Welt, aber vermutlich die benutzerfreundlichste. Diese Einfachheit wird viele Benutzer ermuntern, überhaupt erstmals Backups ihrer Harddisks anzulegen, und das ist bei der Datensicherung ja bekanntlich die halbe (oder eigentlich ganze) Miete.

Auch neu fest eingebaut in Leopard ist Boot Camp. Dank dieser Software können Besitzer von Intel-Macs alternativ auch in eine Windows-Installation booten und haben so die Wahl zwischen beiden Systemwelten. Boot Camp war schon seit einiger Zeit als Beta-Software erhältlich, aber liegt jetzt in der endgültigen Version vor. Und das ist auch sinnvoll, denn die Möglichkeit, im Fall der Fälle immer noch auf Windows-Anwendungen zurückgreifen zu können, ist sicher ein wichtiges Argument für viele Umsteiger.

Wer aber häufig Windows-Applikationen braucht, wird wohl statt zu Boot Camp weiterhin zu Lösungen wie dem oben schon erwähnten Parallels greifen. Solche Virtualisierungssoftware macht nämlich einen Reboot überflüssig und erlaubt die gleichzeitige Ausführung beider Betriebssysteme. Insofern ist Boot Camp eine willkommene, aber nur eingeschränkt nützliche Neuigkeit.

An grösseren Applikationen ist sonst nichts Neues hinzugekommen, aber die bekannten Anwendungen wurden alle etwas aufgefrischt. Apple Mail beherrscht jetzt endlich auch To-Dos, die sogar mit IMAP-Servern synchronisiert werden. Ausserdem kann es jetzt RSS-Feeds abonnieren, und auch die Integration mit der Spotlight-Suche wurde verbessert.

Augenfälligstes Feature sind die “Briefpapiervorlagen”, mit denen man seinen Messages ein eigenständiges Aussehen zu besonderen Anlässen geben kann.

Lprd Mail4

Lprd Mail4

Über den Nutzen dieser Funktionalität kann man sich wohl streiten, aber zumindest ist sie gut programmiert. Auf moderneren Mail-Clients und selbst auf dem sonst recht empfindlichen Gmail kam das Layout einwandfrei rüber.

Nützlich ist die automatische Erkennung von Adressen, Daten und Namen im Mailtext. Eine Adresse kann man sich beispielsweise in Google Maps anzeigen lassen oder gleich dem Adressbuch hinzufügen. Und zu einem Datum kann man automatisch einen Kalendereintrag generieren.

Lprd Mail1

Apples Instant-Messaging- und Videokonferenzanwendungen iChat wurde ebenfalls etwas erneuert. Selbst Filme können nun an die Gegenstelle live geschickt werden — sofern der Gesprächspartner auch einen Mac hat, versteht sich. Wer mit dem Rest der Welt chatten will, kann sich immerhin in das vor allem unter US-Teenies populäre AIM-Netz (AOL) einklinken oder auch in die offenere Welt von Jabber oder Google Talk.

Auch in iChat gibt es ein paar neue Spielereien. So kann bei Videokonferenzen auf wundersame Weise der Hintergrund des Sprechenden ausgetauscht werden durch ein beliebiges Bild. Und wer’s ganz lustig mag, kann sogar die diversen Verzerrungseffekte aus Photo Booth auf das Live-Videobild anwenden:

Lprd iChat

Lprd iChat

Mit anderen Worten: Apple versucht da wohl weniger, die Businesscommunity von den Vorzügen von iChat zu überzeugen…

Apples Webbrowser Safari liegt nun mit Leopard in der definitiven Version 3.0 vor. Auch da halten sich die Neuerungen eher in Grenzen. Der Umgang mit Bookmarks und der Surfhistory ist etwas schöner gelöst, und die Textsuche innerhalb einer Seite ist nun ausgesprochen effizient. Eingabefelder in Webseiten lassen sich vom User vergrössern, wenn der dösige Web-Programmierer wieder mal alles zu klein gemacht hat. Gerade für die oft komisch programmierten Blog-Pflegetools ist das sehr hilfreich.

Ausserdem kann nun jeder beliebige Ausschnitt einer Website in ein Dashboard-Widget umgewandelt werden. Das kann manchmal ganz praktisch sein, wenn man Web-Inhalte regelmässig mitverfolgen will. Hier beispielsweise die aktuellen Kommentare von neuerdings.com als Dashboard-Widget:

Lprd Dashboard

Lprd Dashboard

Trotzdem kann Safari mit der Flexibilität von Firefox nicht mithalten. Die unzähligen nützlichen Erweiterungsmodule für Firefox stehen einer ziemlich dünnen Auswahl beim Apple-Browser gegenüber. Und zudem laufen einige Web-Anwendungen (z.B. Google Docs) noch immer nicht auf Safari.

Bei den diversen Utilities gab es ebenfalls einige Verbesserungen. So sieht man im WiFi-Menü jetzt endlich, welche Drahtlos-Netzwerke passwortgeschützt und welche offen sind. Überhaupt wurde das Netzwerkhandling deutlich aufgebohrt und wirkt auch um einiges stabiler. Der Finder fällt nicht mehr in eine Identitätskrise, wenn ein Netzwerkshare plötzlich verschwindet. Entwickler und andere Freunde des Kommandoprompts werden sich sicher über das neue Terminal freuen, das endlich auch mehrere Fenster mit Tabs zusammenfassen kann. Und das Scripting-Tool Automator wurde nochmals um einiges benutzerfreundlicher. Lauter kleine, aber angenehme Verbesserungen also.

Im nächsten Teil: Das Fazit.

 

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4 Kommentare

  1. Du hast vergessen, den neuen Taschenrechner zu erwähnen ? da sich Apple definitiv nicht mehr an eine Käuferschaft richtet, die rechnen kann, wurden die Dezimalstellen kurzerhand eingespart! :->

    (siehe http://www.macprime.ch/ticker/article/hartneckiger-bug-im-schweizer-taschenrechner-von-leopard/ und http://macmacken.com/2007…ohne-dezimalstellen/)

  2. Natürlich gibt es auch da ein paar kleine Probleme. Bei mir wollte beispielsweise meine Windows-Instanz unter der Virtualisierungssoftware Parallels plötzlich nicht mehr richtig laufen. Des Rätsels Lösung: Jedesmal beim Start von Windows erkannte Time Machine eine geänderte Datei (nämlich die virtuelle Windows-Harddisk) und kopierte fröhlich die ganzen 6 GB auf die Backup-Platte. Das wiederum fand Windows nicht so toll. Der Konflikt liess sich schnell mit einer Einstellung in den Time-Machine-Optionen lösen, aber darauf muss man erst mal kommen.

    ? wobei «Lösung» hier bedeutet, dass grosse Dateien, die sich häufig ändern, von der Sicherung mit «Time Machine» ausgeschlossen werden. Ich hoffe, «Time Machine» wird früher oder später auch in der Lage sein, nur Teile von Dateien zu sichern.

    Apple Mail beherrscht jetzt endlich auch To-Dos, die sogar mit IMAP-Servern synchronisiert werden.

    ? bist Du mit der Umsetzung zufrieden?

    Wer mit dem Rest der Welt chatten will, kann sich immerhin in das vor allem unter US-Teenies populäre AIM-Netz (AOL) einklinken oder auch in die offenere Welt von Jabber oder Google Talk.

    ? leider entfallen dabei aber die meisten iChat-Funktionen und es bleibt im Wesentlichen wieder das Chatten per Texteingabe, so dass ich zumindest iChat nur selten verwende. Nutzt Du es häufig?

    Überhaupt wurde das Netzwerkhandling deutlich aufgebohrt und wirkt auch um einiges stabiler.

    ? leider wurde ? wieder einmal ? die Sicherheit vernachlässigt; ipfw wird nicht genutzt und die Personal Firewall ist eine Black Box, die nicht hält, was sie verspricht (siehe z.B. http://www.heise.de/newsticker/meldung/98152).

    Nun bin ich neugierig auf Dein Fazit! :)

  3. @mds: Ich benutze Apple Mail und iChat so gut wie nie. Fuer Mail gibt’s schliesslich Gmail, und was bei iChat der Vorteil gegenueber Skype sein sollte, hab ich auch noch nie verstanden.

  4. Ich habe das Leopard jetzt seit einem Monat und muss sagen, dass die Neuerungen sehr schlecht sind… vor allem die Time Machine, man braucht eine zweite Festplatte und man kann nicht eine Netzwerkfestplatte auswählen, und die Taschenrechner Applikation, die gar nicht richtig mit den Dezimalzahlen rechnen kann… more feature? na ja

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  2. [...] Mac OS X 10.5 Leopard im Test (II/III)Neue und nützliche Applikationen » This Summary is from an article posted at neuerdings.com on Monday, October 29, 2007 Mac OS X [...]

  3. [...] Leopard Mac OSX für unsere Kiste bereitsteht. Zum Glück, schliesslich wurde unser erster solider Eindruck von Apples voraussichtlich letztem Raubkatzen-Betriebssystem doch ein wenig von Schnitzern [...]

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