Digitalradio DAB VW Polo digitalisiert

Was erwartet einen, wenn man heute – 12 Jahre nach dem DAB-Pilotprojekt in Bayern – ein DAB-Radio im Auto möchte? “Hoffnungsloser Fall” meinen die einen. “Gar kein Problem” sagen die anderen. Sofern man das richtige Radio, das richtige Auto und die richtige Werkstatt hat. Ein Erfahrungsbericht.

Teil I: DAB: Wer dem Zukunftsradio auf der Leitung stand

Teil II: DAB: Der iPod der Rundfunktechnik

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Original-Werksradio “VW Alpha”: Machte schnell bewusst, dass das Rundfunkprogramm auf UKW, das 1995 Anlass zum Umstieg auf DAB war, 2007 immer noch unerträglich ist (Bild: W.D.Roth)

Wie sieht es konkret aus, wenn man heute ein DAB-Radio im Auto will? Mein 1995 angeschaffter Audi 80, Baujahr 1984, der sich nach dem Einbau des DAB-Pilotprojekt-Geräts seinerzeit schlagartig im Wert verdoppelt hatte, geriet Ende 2005 mit nun 22 Jahren in einen ernsthaften Konflikt mit dem TÜV; ein Ersatz musste her.

Den Grundig-DAB-Empfänger aus dem Pilotprojekt in das neue Auto, einen gebrauchten VW Polo, einzubauen, war wegen der Elektronikbox im Kofferraum zu aufwändig, doch der Verzicht auf die gewohnten DAB-Programme missfiel. Passend zum Auto war also ein neues DAB-Radio erforderlich.

Früher war es das Erste, was vor allem junge Autobesitzer machten: Der Kiste eine ordentliche Musikanlage verpassen. Der Auto-High-End-Markt zwischen Fuchsschwänzen und Spoilern ist auch heute noch ein großer Umsatzbringer – und sorgt nach längeren “Wer hat die lauteste Anlage”-Wettbewerben (typischerweise abends auf dem nächstgelegenen Aldi-Parkplatz) auch für leere Batterien.

In manchen modernen Autos kann das Radio des Autoherstellers jedoch gar nicht mehr ausgetauscht werden, BMW ist beispielsweise so ein Fall: Zuviele Funktionen werden über das Radio abgewickelt, wovon die Temperaturanzeige die bekannteste, doch unproblematischste ist. Eine Marken-Autowerkstatt kennt aber immerhin die Tücken “ihres” Herstellers.

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Tieferlegen, Spoiler ran, DAB rein? Vorführwagen von Geiger Cars auf der IFA 2007 (Bild:W.D.Roth)

Bei VW ist der Fremdradioeinbau bei den einfacheren Modellen dagegen nur dann ein Ding der Unmöglichkeit oder zumindest ein teurer Spaß, wenn noch nie ein Radio eingebaut war, weil dann die gesamte Verkabelung und die Lautsprecher fehlen. Mit Radiovorbereitung oder einem einfachen (und selbstredend ganz schön überteuerten) Radio ab Werk ist es dagegen machbar, zumal die deutschen Werksradios ohnehin von denselben Herstellern wie beispielsweise Blaupunkt kommen, die auch die eigenständigen Nachrüstradios herstellen. Es gibt auch Adaptersätze für die gängigsten Automodelle, die das Problem mit den verdrehten Stromanschlüssen lösen. Wirklich problematisch sind nur Importradios und Importautos, vor allem, wenn diese aus unterschidlichen Ländern kommen.

Die Auswahl an DAB-Autoradios ist in den vergangenen Jahren nur geringfügig angestiegen. Manche Hersteller wie JVC haben gar keine DAB-Autoradios mehr, weil nach einem Modellwechsel das neue, “bessere” Gerät im Gegensatz zu dem älteren, ausgemusterten kein DAB mehr empfangen kann.

Die Wahl des Radiogeräts

Schließlich fiel die Entscheidung auf den “Woodstock DAB 54″ von Blaupunkt, der mit dem für DAB notwendigen MPEG-Decoder außerdem MP3-CDs abspielt und, ungewöhnlich für ein Autoradio, digitale Sendungen auch auf MMC-Speicherkarten verlustfrei aufnehmen kann. Wer also plötzlich das Lied hört, das er schon lange sucht, braucht nur wie in alten Zeiten das rote Knöpfchen drücken – und muss dazu nicht mal ein Tonbandgerät haben.

Mit 550 Euro unverbindlicher Preisempfehlung ist der “Woody” zunächst etwas teuer, doch in der Praxis ab 370 Euro zu bekommen. Das Modell “Nashville DAB 35″ desselben Herstellers ist um einige Features wie die Aufnahmefunktion erleichtert, was dann zu einem deutlich niedrigeren empfohlenen Preis führt. Der Straßenpreis liegt jedoch nicht wesentlich unter dem des Woodstock DAB 54, es lohnt sich folglich nicht, hier zu sparen.

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Tja, von wegen: Sogar DVD-Gucken und DVB-T-Fernsehgenuss am geöffneten Kofferraum sind möglich, für Koffer ist allerdings kein Platz mehr und DAB bietet dieser orange Rennwagen auch nicht (Bild: W.D.Roth)

Mit dem Kauf und Austausch des Autoradios ist es bei DAB jedoch nicht getan: Normale Autoradioantennen können weder Band III noch L-Band brauchbar empfangen, schon gar nicht die heute üblichen Antennen mit integriertem aktiven Leitungsverstärker für Lang-, Mittel- und Kurzwelle sowie UKW. Spezielle DAB-Antennen empfangen wiederum nur die DAB-Frequenzbereiche: die bisher hörbaren Programme stünden nicht mehr zur Verfügung und beim Verlassen des DAB-Empfangsbereichs, beispielsweise bei Auslandsreisen, stünde man ohne Radio da.

Das Antennenproblem

Scheibenantennen für die zusätzlichen Frequenzbereiche sind einfach an die vorhandene Windschutzscheibe zu kleben und kosten nur 35 Euro, bringen aber nur ziemlich erbärmliche Empfangsresultate: wenig sinnvoll, erst in ein teures Radio zu investieren und dann an der zugehörigen Antenne zu sparen.

Kombiantennen, die DAB und UKW empfangen, sind ebenfalls von Blaupunkt und auch von Antenne Blankenburg erhältlich, wenn auch nicht billig. Leider muss dazu jedoch auch am Dachhimmel gearbeitet werden, was den Einbau kostspielig macht oder – bei Eigenarbeit – für Ungeübte riskant ist: Es muss die ganze Antenne ausgewechselt werden, nicht nur der Empfangsstab, weil der Antennensockel den aktiven Vorverstärker enthält, der eben auch die DAB-Bereiche verarbeiten muss. Zudem ist ein zweites Kabel einzuziehen: weder Antennen noch Audioradios schaffen es bislang, UKW und DAB mit einer Weiche über denselben Anschluss laufen zu lassen.

Schließlich fehlt dem Blaupunkt Woodstock DAB 54 im Gegensatz zu den VW-Werkradios die Funktion, den UKW-Teil der Antenne mit Strom für den eingebauten Verstärker zu versorgen, weshalb entweder noch ein drittes Kabel für die Stromversorgung der Antenne verlegt werden muss oder aber ein Adapter, der diese Funktion über die UKW-Antennenleitung bereitstellt. Nur wenige neue Autos haben bereits DAB-fähige Antennen ab Werk eingebaut, sodass lediglich ein DAB-Autoradio eingebaut werden muss.

Für den Adapter (Internet-Auktion, 2. Hand) fielen 12 Euro an, für eine Blaupunkt “GTI-FLEX DAB 3″-Antenne (ebenso Internet-Auktion, 2. Hand) 60 Euro, zuzüglich Versand für alle drei Teile. Die Autowerkstatt war zunächst jedoch überfordert, ignorierte die extra aus dem Internet beschafften und ausgedruckten Blaupunkt-Einbauanleitungen und sonstigen Tipps und vergaß prompt die zweite Antennenleitung für den DAB-Empfang. Ein dezenter Hinweis auf den fehlenden DAB-Empfang und den jungfräulichen SMB-DAB-Anschluss am Woodstock DAB 54 ergab dann einen verdutzten Blick des Werkstattchefs und einen neuen Termin sowie die Bitte, die Einbauanleitungen behalten zu dürfen, um fürs nächste Mal gerüstet zu sein.

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Blaupunkt LMKU-DAB-Aktiv-Kombiantenne GTI-FLEX DAB 3 (Bild: W.D.Roth)

Am Ende stellte sich der Einbau, der samt dem noch fehlendem Kabelmaterial etwa 200 Euro kostete, jedoch als wesentlich besser heraus als der von 1995 aus dem Pilotprojekt: alle heute üblichen Komfortfunktionen des Autoradios wie die automatische Koppelung mit dem Zündschalter, ohne deshalb einen gewollten Betrieb des Radios bei abgeschaltetem Motor zu verhindern oder die vom Tachometer gesteuerte geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeregelung (“GALA”), funktionierten einwandfrei.

Hervorragende Resultate über DAB hinaus

Der zuvor auch schon gute UKW-Empfang hatte unerwartet nochmals deutlich zugelegt – die UKW-DAB-Kombiantenne war nämlich nicht mehr modisch stark schräg geneigt wie die Antenne ab Werk, weshalb der UKW-Radioempfang nun auf einmal nicht mehr richtungsabhängig war; mit der Originalantenne waren schwache Sender nach dem Abbiegen oder auf dem Rückweg plötzlich nicht mehr zu empfangen.

Das äußerst ekelhafte Abbrechen des Empfangs der früheren DAB-Radios war nun ebenfalls nicht mehr zu beobachten: der Woodstock DAB 54 blendet bei nachlassendem Empfang sanft aus, ohne dabei ohrenbetäubende Piep- und Knackstöne auf die Lautsprecher zu geben. Er ist auch insgesamt deutlich empfindlicher, weshalb Aussetzer auch in zwecks Lärmschutz vertieft zwischen Erdwällen verlaufenden Autobahnstrecken selten wurden, bei denen zuvor mit DAB meist nichts mehr ging und auf einmal auch in Teilen des Ortes das Lokalpaket Augsburg aus immerhin 50 km Entfernung im L-Band empfangen werden konnte. Sogar der Klang der serienmäßigen Autolautsprecher hatte sich mit dem neuen Radio deutlich verbessert.

DAB erfüllt inzwischen tatsächlich die Versprechungen, mit denen das System vor vielen Jahren angetreten ist: im Gegensatz zu UKW gibt es praktisch keinerlei Empfangsaussetzer, auch nicht mit der momentan noch sehr schwachen Sendeleistung des DAB-Netzes und der Klang ist auch über jeden Tadel erhaben, solange die Sender nicht etwa auf die Idee kommen, die Bitraten zu sehr zu reduzieren, wie es in England inzwischen üblich ist, weil viel mehr Sender neu auf DAB wollen, als Kanäle frei sind. Dort wird DAB vom Hörer nicht mit UKW, sondern mit der traditionell immer noch gehörten Mittelwelle verglichen, weshalb dann auch noch Klangqualitäten akzeptiert werden, die mit HiFi nun überhaupt nichts mehr zu tun haben und womit man DAB keinen Gefallen tut.

Weitere DAB-Informationen:
http://pro-digitalradio.de

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Autoradio Blaupunkt “Woodstock DAB 54″. Zeigt auch die gerade gespielten Titel an. Es kann dann auch gleich digital aufgenommen und wiedergegeben werden. (Bild: W.D.Roth)

 

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  1. Automotive News and Articles

    I couldn’t understand some parts of this article, but it sounds interesting

  2. [...] mit Autoradios ausgerüstet, die nicht ausgetauscht werden können. Damit kann man kein DAB-Radio einbauen. Was [...]

  3. [...] Klar, Steve Jobs will ja auch, daß man im iTunes Music Store seine Songs einkauft und nicht einfach die ganze Musiksammlung beim Autofahren nebenbei und gratis aufnimmt. [...]

  4. [...] DAB gibt es dann noch mehr Programme. Aber auch nur aus dem lokalen Dunstkreis. Manchem reicht das noch [...]

  5. [...] der aber die meisten Werkstätten überfordern dürfte, da neben dem Auswechseln des Radios auch eine neue Antenne mit zwei Zuleitungen (DAB und bisherige Programme) notwendig wird. Diese Situation erfordert alleine schon, die analoge [...]

  6. [...] der aber die meisten Werkstätten überfordern dürfte, da neben dem Auswechseln des Radios auch eine neue Antenne mit zwei Zuleitungen (DAB und bisherige Programme) notwendig wird. Diese Situation erfordert alleine schon, die analoge [...]

  7. [...] aufnehmen, ohne Tauschbörsen und Abmahngefahr, und doch kostenlos! Blaupunkt hatte sowas auch als Autoradio im [...]

  8. [...] Flachwitze und das Wetter, nicht glücklich wird, muss CDs hören. Oder sich ein Radio einbauen, das auch DAB empfängt. Da gibt es nämlich statt der Musikmixe für jeden auch Spartenprogramme mit eigenen [...]

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