Logitech MX Air im Test Fuchteln statt schubsen

Wenn der Bürokollege demnächst wild im Büro rumfuchtelt, sind weder Wespen noch Partypillen schuld. Der Kollege arbeitet. Statt aber eine gewöhnliche Maus auf der Pultplatte rumzuschubsen, versucht er sich in der Dressur der jüngsten Logitech-Kreatur: Die MX Air ist nämlich bewegungsempfindlich und setzt Lage- und Positionsveränderungen in Mauszeigerbewegungen oder Kurzbefehle um.

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Irgendwie kennen wir das schon alle: Die Spielkonsole Wii machte als erste drahtlose bewegungsempfindliche Steuerknüppel stubenfähig. Nun erobert die Technik auch Büros. Die Marketingabteilung von Logitech nennt das Ganze deshalb edel “Freespace motion control technology” und bezeichnet es als ein Zusammenspiel aus MEMS (microelectromechanical systems) Sensoren, DSP (digital signal processing) und RF (radio frequency) Funktechnik. Wer nicht alle Abkürzungen ohne Stottern über die Lippen bringt, darf die Maus trotzdem kaufen. Will man genau wissen, wie das technische Wunder funktioniert, findet sich bei Logitech ein technischer Backgrounder.

Pult oder Luft

Die MX Air kennt zwei Arbeitsmodi: Auf der Pultplatte verhält sie sich wie eine drahtlose optische Maus. Wird sie allerdings abgehoben, funktioniert sie eher im Stil eines Laserpointers: Man zeigt damit auf den Schirm und bewegt den Mauszeiger durch Lageänderung der MX Air. Je nach Arbeitstempo erinnert dieses Gestikulieren dann an Tai Chi, Aerobic oder einen epileptischen Anfall.

Augenweide an der MX Air ist das Design. Wir können zwar schwarzen Klavierlack schon bald nicht mehr sehen. Aber wenn Darth Vader in Star Wars schon eine MX Air statt seines hässlichen Laserschwertes besessen hätte, wäre seine Chancen bei Prinzessin Leia auch besser gewesen.

Die Maus schmiegt sich ferner dermassen in die Hand, dass man sie nicht mehr loslassen will. Blöd nur, dass sich die Tasten erst drücken lassen, wenn man die Umklammerung löst.

Neben dem gewohnten Rechts-Links gibt es an der MX Air vier Mitteltasten, die sich aber nur mit Fingerakrobatik bedienen lassen. Das übliche Mausrad hat Logitech durch eine Streichelfläche analog zum iPod ersetzt. Fährt man auf einem Mittelsteg mit dem Finger nach oben, scrollt der Bildlauf auf dem Computer in derselben Richtung. Ein simuliertes Ratschengeräusch sorgt für akustisches Feedback. Je schneller man mit dem Finger über das Sensorfeld streicht, desto mehr Tempo nimmt das virtuelle Drehrad auf. So scrollt es sich flink durch einen hundert Seiten langen Text. Die restlichen Drucktasten lassen sich individuell belegen, und sind mit den Funktionen “Zurück”, “Auswahl”, “Play/Pause” und “Lautstärke” beschriftet.

Mit der Tastenbeschriftung verrät die MX Air bereits ihren Lieblingsarbeitsort: Die Stube. Denn am meisten Spass macht das Mauswedeln im Sofa vor einem riesigen Flachdisplay und einem Mediacenter-PC. Denn je grösser die Zeigefläche ist, desto einfacher lässt sich der Mauszeiger kontrollieren. In multimedialer Umgebung imponieren auch die Maustricks am meisten. Soll beispielsweise die Lautstärke zurückgedreht werden, hält man den Volume-Knopf an der Maus gedrückt und “winkt” mit der Hand einfach nach Links. Man wird so also endlich zum Herrscher über seine Unterhaltung: Statt entnervt klickend mit einer Infrarotfernbedienung in der Stube rumzuzielen, fächelt man entspannt und stolz seiner Elektronik die Wünsche zu.

Präsentationen oder Entspannung

Dank einer Funkreichweite von immerhin neun Metern erweist sich die MX Air auch als gute Präsentationspartnerin. Man kann nicht nur durch seine Powerpoint-Präsentationen via Beamer klicken, sondern auch mit einem übergrossen Mauszeiger einfach das Wichtige hervorheben. Das funktioniert dank der Bewegungssensoren genauso einfach wie mit einem Laserpointer. Stimmen Zeigerichtung und Mausposition einmal nicht mehr überein, friert man den Mauszeiger mit einem Tastendruck ein und lässt diese erst los, wenn die Maus wieder auf die richtige Position zeigt.
Wer nach einem langen Arbeitstag schmerzende Handballen und Gelenke reibt, sollte der MX Air aber auch im Büro eine Chance geben. Statt in sturer Körperhaltung über die Matte zu mausen, kann man die mausbewehrte Hand nämlich gemütlich auf das Knie – das eigene natürlich – legen und mit kleinen Gesten oder gewohntem Klicken durchs Web surfen. Entspannte Schultern und gut durchblutete Karpaltunnel sind der Lohn für die kurze Umgewöhnungszeit.
Letztlich sieht die MX Air auch einfach gut auf dem Managertisch aus. Dass sie rot aufglüht, sobald man sie bewegt, schindet anfänglich Eindruck und verkürzt aber letztlich einfach die Lebensdauer des eingebauten Lithium-Ionen-Akkus. Dieser verträgt allerdings einiges: Auch wenn man mehrere Tage vergisst, die Maus in ihrer Dockingstation zu parken, arbeitet die kleine Schwarze zuverlässig weiter.

Stärken:
Hübsches Design und Doppelfunktion machen die MX Air zum Beeindrucker. An einem Mediacenter-PC ist die MX Air die perfekte Lösung. Im Büroalltag wird man sie dagegen meist wie eine herkömmliche optische Maus benutzen, kommt Besuch, spielt man sich zum Herrscher der Gesten auf. Dank guter Software lassen sich Tasten und Funktionen individuell für verschiedene Programme definieren. Dank Akku und Ladestation muss man ferner keine Batterien suchen.

Schwächen:
Es gibt Mäuse die ergonomischer in der Hand liegen. Das Streichelpad statt dem Drehrad ist zwar witzig, lässt sich aber nicht unbedingt zuverlässiger steuern. Klavierlack auf einem Gerät, das permanent betatscht wird, hat deutlich sichtbare Nachteile – Logitech liefert das Putztüchlein deshalb gleich mit. Die designbewussten Mac-Besitzer werden sich darüber ärgern, dass es das Teil nur mit Windows-Software gibt.

Fazit:
Logitech hat mit der MX Air ein wunderschönes Spielzeug geschaffen, das nebenbei auch viele vernünftige Funktionen hat. Da verzeiht man den Mäusezüchtern sogar den stolzen Preis von immerhin 229 Franken.

Bilder:

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Kein Walfisch, sondern Logitechs Wedelmaus im Anschmiege-Design.

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Sobald die Maus bewegt wird, glimmt die Tastenbeleuchtung auf. Das längliche Mittelfeld ist “streichelempfindlich”.

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Die Ladestation versorgt den LiIon-Akku mit Saft.

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Die MX Air bei Logitech online

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2 Kommentare

  1. Mick
    schrieb am 6. September 2007 um 20:22 Uhr (#)

    Hallo Kurt! Gut Dich endlich wieder bei einem Medium mit Zukunft zu lesen!

  2. Otto
    schrieb am 15. April 2009 um 13:09 Uhr (#)

    Hi! Kleiner Fehler entdeckt. Seit neuestem gibt’s auch Treiber für Mac.
    http://logitech.com/index…#038;cl=de,de?osid=9

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