Rollkabel von Seidio im Test:
Zweite Generation ist solide

Seidios Selbstaufroll-Kabel bewähren sich im Alltag. Das gilt nicht unbedingt für die Kopfhörer und Stecker an ihren Enden.

seidio rollheadset

Es ist eine so naheliegende Idee, dass man nur staunen kann, dass vor dem texanischen Handy-Zubehörhersteller Seidio niemand ein Riesengeschäft mit selbstaufrollenden Kopfhörerkabeln gemacht hat.

Vor rund einem Jahr habe ich mir Seidios System endlich gegönnt, nachdem ich eine ganze Busfahrt lang damit beschäftigt war, die Kabel-Sprechgarnitur zu entwirren. Statt dank Kopfhörern ein etwas weniger öffentliches, hatte ich, bis der Bus an meiner Haltestelle ankam, noch überhaupt kein Gespräch geführt.

sony headphonesEinem aufgeräumten System ist bisher noch die Kopfhörer-Dose von Sony am nächsten gekommen, in die man die Ohrteile einlegt und dann das Kabel mit einer Fingerspitze als Kurbel aufrollen kann. Noch nicht einmal das Super-Usability-Kloster namens Apple ist darauf gekommen, dass man wenigstens den iPod- und ganz bestimmt dem iPhone ein Kabelentwirrungs-System für das Headset spendieren müsste. Dessen butterweiche weisse Kabel sind nämlich ganz besonders verwicklungsanfällig.

Das damals rund 50 Dollar teure Seidio-System funktioniert denkbar einfach: In der Kabelmitte ist eine kleine, von einer Feder gespannte Rolle eingebaut, die mit einem Sperrmechanismus ausgestattet ist. Beim Auseinanderziehen an beiden Enden lässt sich die Feder jeweils nach rund zehn Zentimetern einrasten; um das Kabel aufzurollen, muss es lediglich erneut ein kurzes Stück auseinandergezogen werden.

Leider verhindert dieser Mechanimus ein ähnlich vollständig aufgerolltes Kabel, wie das bei der Sony-Box der Fall ist – das Ende mit den beiden Kopfhörern wird nämlich vom aufrollbaren Kabelteil durch das Mikrofonteil getrennt, das keineswegs so unauffällig winzig ist wie das des iPhones, dafür aber nicht nur den Knopf zum Entgegennehmen von Gesprächen, sondern auch einen Lautstärkeregler enthält, mit dem sich der Klang der Kopfhörer zusätzlich zur Volume-Regelung am verwendeten Gerät einstellen lässt.

Die so an den beiden losen Kabeln vom Mikrofon-Clip am Hemdkragen rund fünfundzwanzig Zentimeter herunterbaumelnden Kopfhörer haben die Tendenz, ständig gegeneinander zu prallen. In der Standardausführung sind sie aus Hartplastik gefertigt, und nach rund einem halben Jahr gab eine der beiden Membranen den ständigen Schlägen nach. Der ohnehin nur mässig gute Klang des Sets mutierte auf einem Ohr zu einem lästigen Flapsen bei lauten Bässen.

Inzwischen habe ich mir deshalb ein zweites Set bestellt, diesmal mit den In-Ohr-Kopfhörern. Der Aufroll-Mechanismus scheint etwas verbessert worden zu sein. Der Klang der winzigen Tonröhrchen, die mit drei Sätzen verschiedener Silikon-Polster für verschieden weite Gehörgänge geliefert werden, ist noch immer nicht restlos überzeugend, aber sie sitzen deutlich besser als die Standard-Ohrteile.

seidio palm

Eine massive Verbesserung hat hingegen das Palm-Synchronisationskabel erfahren, dass ich zusammen mit dem Kopfhörerset ebenfalls ersetzen musste. Dabei handelt es sich um ein USB-Kabel für den Datenabgleich des Treo 650 (zu dem auch die Kopfhörer-Mikro-Garnitur gehört – es gibt sie aber für diverse Geräte), das im Unterschied zum Palm-Kabel auch gleich ein Aufladen der Batterie erlaubt.

Seit ich die erste Version davon besass, fristete das Treo-Netzteil, das neben dem mitgelieferten USB-Datenkabel separat an den Hauptstecker zum Gerät angeschlossen werden muss, ein einsames Dasein in einer Schublade.

Kürzlich gab dann aber der Stromversorgungsteil des kleinen Sedio-Zubehörs aus unerfindlichen Gründen den Geist auf: Das sehr dünne, zweiadrige USB-Kabel funktionierte zwar nach wie vor für den Datenabgleich, aber es lieferte dem Treo zuerst nur noch Strom, wenn der gewissermassen auf dem Bauch lag, und dann schon bald gar nicht mehr. Ein vermuteter Wackelkontakt im Steckerinnern war nicht zu finden.

Das ist, genauso wie die im normalen täglichen Gebrauch gerissene Membran des Kopfhörers, ein ziemlich ärgerliches Ereignis – zumal wenn man sich grade im Ausland aufhält und angesichts des schlangen, alles auf einmal erledigenden Seidio-Kabels kein Netzteil zum Aufladen des Treo mitführt. Irgendwie habe ich aber aufgrund des täglichen Gebrauchs der beiden Zubehörteile eine erstaunliche Bereitschaft entwickelt, solche Defekte als Abnutzung zu interpretieren und entgegen meiner Natur noch nicht einmal versucht, sie auf Garantie ersetzt zu kriegen.

Der gleichzeitig bestellte Ersatz für das Synchronisationskabel hat denn auch mit günstigen 15 Dollar im Vergleich zu den 60 Dollar der Headphones deutlich weniger geschmerzt.

Als die Lieferung ankam, zeigte sich, dass ich allenfalls doch hätte auf die Garantie pochen sollen. Die neue Version des Kabels ist nämlich dreiadrig, und zugleich ist die Aufroll-Mechanik – im Gegensatz zu jener der der Kopfhörer – solider gebaut und mit einer stärkeren Feder ausgestattet worden.

Inzwischen habe ich zwar das Doppelte für die ganze Garnitur ausgegeben, aber ich würde sie – so sie denn ein weiteres Mal den Geist aufgeben sollte – trotzdem jederzeit wieder anschaffen.

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