Kostbare Stille auf Knopfdruck

Peter Sennhauser, 23. Juli 2007 07:12 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Neuerdings hat vier Noise-Canceling-Kopfhörer vom billigen Philips “HN050″ über den preiswerten JVC “NA-HC100″, Panasonic “RP-HC500″ bis zum Bose “QuietComfort 3″ getestet. Teil I/III: Die Technologie.

Teil II: Preiswerte NC-Kopfhörer

noise cancelling

Wer hat sich nicht schon mal gewünscht, den Krach der typischen Alltagsumgebung – im Zug, am Arbeitsplatz gleich neben der Baustelle, auf dem heimischen Balkon in der Abflugschneise des Flughafens – einfach ausblenden zu können?

Nur wenige Leute wissen, dass sie das eigentlich könnten. Ausgerüstet mit dem richtigen Kopfhörer, ist die fast absolute Stille nur einen Knopfdruck entfernt. Wir haben vier der Wundermuscheln ausprobiert und sind von den Resultaten grösstenteils überzeugt.

“Noise Cancelling” heisst die Technologie, zu Deutsch “Lärmunterdrückung” – was eigentlich falsch ist, denn die Kopfhörer unterdrücken den Lärm nicht, sie verdoppeln ihn viel mehr. Aber eben nicht in der Amplitude, also der Lautstärke, sondern mit einer exakten Kopie der Schallwellen, die um genau eine halbe Wellenlänge versetzt ans Ohr des Trägers geschickt wird. Das Resultat ist – nichts, denn die beiden Wellen heben sich gegenseitig auf:

weisslärm

Als mein Bruder nach einem der recht anstrengenden Flüge aus der Schweiz nach San Francisco recht entspannt ankam und dies dem unterwegs am Londoner Flughafen Heathrow erstandenen Anti-Lärm-Kopfhörer zuschrieb, wollte ich die Technologie selber ausprobieren. Sie hat immerhin schon einige Jahre auf dem Buckel und sollte ursprünglich sogar dazu eingesetzt werden, ganze Jumbojets akustisch zum Verschwinden zu bringen – was sich in der Praxis als nicht umsetzbar erwies: selbst mit riesigen Lautsprechern gleich neben den Triebwerken würde im offenen Raum niemals eine exakte Übereinstimmung der versetzten Schallwellen erreicht.

In Kopfhörern allerdings lässt sich der “weisse Lärm” sehr exakt auf den “schwarzen Lärm” abgestimmt ans Trommelfell senden. Soweit die Theorie.

In der Praxis funktioniert dies, wie wir in den weiteren Testberichten sehen werden, am besten mit dumpfem, gleichmässigem Lärm. Das gilt für alle Kopfhörer (fast) gleichermassen: Sie wirken deutlich besser bei tiefen Frequenzen und konstantem Lärm, beispielsweise dem Dröhnen in einem Flugzeug. Die logische Erklärung liegt darin, dass lange Wellen (tiefere Geräusche) weniger exakte Überlagerung brauchen, um weitgehend “weggeputzt” zu werden, als hohe Töne.

Darin liegt denn auch – neben den Audio-Eigenschaften bei der Musikwidergabe – der grösste Qualitätsunterschied der verschiedenen Modelle.

Im nächsten Teil dieser kurzen Testserie werden wir zwei kostengünstige NC-Kopfhörer näher anhören.

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