iPhone im Test:
Multimedia

“Das iPhone ist der beste iPod, den wir je gebaut haben”, kündigte Steve Jobs im Januar vollmundig an. Ein mutiges Versprechen. Wie schlägt sich das iPhone mit seinem begrenzten Speicherplatz als Multimedia-Gerät?

4 bzw. 8GB, das ist nun nicht gerade viel Platz für umfangreiche Musiksammlungen, Videoplaylisten oder Fotoalben. Wer das iPhone als Medienplayer benutzt, kommt nicht um Selektion und Optimierung herum. Wohl dem, der sauber aufgeräumte Playlisten hat. Die Synchronisierung mit iTunes funktioniert genau gleich wie beim iPod, und mit vielerlei Parametern kann man steuern, welche Inhalte auf das Gerät kopiert werden sollen.

Wenn der Auszug aus der Mediensammlung mal rüberkopiert ist, fängt sofort der Spass an. Dank dem grosszügigen Display und dem neuen Touchscreen hat Apple der eingebauten iPod-Software eine ganz neue Oberfläche spendiert, die mehr mit iTunes als mit dem alten iPod-Interface zu tun hat.

Musik

dsc_0116.jpg

Schönstes Feature ist sicher Coverflow, das bereits von iTunes bekannt ist. Es macht einen Höllenspass, per Fingerschnipp durch seine Musiksammlung zu scrollen. Ein Fingerdruck wählt ein Album aus, und ein weiterer den Titel. Wer es etwas konventioneller mag, dreht das iPhone in die Vertikale und kriegt die gleichen Informationen als Liste dargestellt.

dsc_0119.jpg

Auch die weiteren Bedienung der Wiedergabe erfolgt per Fingerdruck. Es sind die üblichen Steuerelemente vorhanden, die man schon vom iPod kennt, aber dank Touchscreen kann man beispielsweise direkt an bestimmte Stellen in einem Song springen.

Wie sieht es mit der Klangqualität aus? Die mitgelieferten weissen Ohrstöpsel liefern wie immer keinen besonderen Hörgenuss, auch wenn sie nicht direkt schlecht sind. Wer höherwertige Kopfhörer anschliessen will, erlebt zunächst eine böse Überraschung: Die Kopfhörerbuchse ist so tief ins Gehäuse versenkt, dass die meisten Kopfhörer sich nicht anschliessen lassen. Im Zubehörhandel gibt es bereits Adapter hierfür, aber das ist ja wohl auch nicht gerade eine kundenfreundliche Lösung. Man kann nur darüber spekulieren, welcher Teufel Apple da geritten hat.

Aber davon lassen wir uns nicht abhalten. Nachdem ich meine Lieblingsohrhörer von Ultimate Ears kurzerhand mit der Nagelschere gemodded hatte, liessen sie sich ordnungsgemäss anschliessen. Wir tun bei Neuerdings schliesslich alles für einen gründlichen Test.

Das Klangerlebnis mit dem iPhone hinterlässt etwas gemischte Gefühle. Mit guten Kopfhörern fällt gleich schon mal ein leises Grundrauschen auf, auf das man gern verzichten könnte. Tiefer Bass und oberste Höhen sind nicht die Stärke der iPhone-Soundchips. Wer ein sehr analytische Musikwiedergabe mag, wird das iPhone nicht lieben, aber dafür stört das Gerät auch nie mit zischigen Höhen. Man kann dem iPhone stundenlang zuhören, ohne dass es nervt.

Die Stärken des iPhones sind ein homogenes und dynamisches Klangbild. Im Gegensatz zu den oft mal schwächelnden iPods lässt sich die Lautstärke am iPhone auf einen Pegel aufdrehen, der von Tonmeistern in der Fachsprache soviel ich weiss als “höllisch laut” bezeichnet wird. Schon bei drei Vierteln auf der Lautstärkeskala war mit den Ultimate-Ears-Stöpseln die Schmerzgrenze erreicht. Aber umso besser, dass man auch für leisere Stücke noch genug Reserven hat.

Insgesamt ist das iPhone ein angenehmer musikalischer Begleiter ohne High-End-Ansprüche. Die Bedienung macht sehr viel Spass, und man kriegt seine Playlisten sehr schnell in den Griff.

Video

Natürlich ist das iPhone auch ein Video-iPod, und zwar der erste mit Breitformatbildschirm. Leider ist das Display nicht ganz 16:9, aber nahe dran. Die Bildqualität ist dank der hohen Pixeldichte wirklich exzellent. Man kann sich problemlos vorstellen, auch ganze Spielfilme auf diesem Display anzuschauen.

dsc_0122.jpg

Wiedergegeben wird grundsätzlich alles, was auch auf einem Video-iPod läuft, also Videopodcasts, über iTunes eingekaufte Fernsehserien und Filme sowie auch vom User ins H.264-Format konvertiertes Material. Die Bedienung ist idiotensicher. Man kann zum Glück einstellen, ob Videos im klassischen 4:3-Format auf die volle Bildbreite gezoomt oder lieber vollständig wiedergegeben werden sollen. Apple gibt die Batterielaufzeit für Videowiedergabe mit etwa 5 Stunden an, wobei das von abgeschalteten Funkmodulen ausgeht.

dsc_0130.jpg

Das Display hat einen sehr grossen Betrachtungswinkel, aber für ein optimales Bild sollte man es im rechten Winkel sehen. Darum empfiehlt sich für längere Videosessions die Anschaffung eines der bereits erhältlichen iPhone-Ständer.

Youtube

Youtube? Jawohl. Zwar kann das iPhone mangels eingebautem Flash nicht Youtube-Clips vom Web wiedergeben. Die spezielle Apple-Version von Youtube, die auch auf dem Apple TV seit kurzem läuft, steht aber zur Verfügung. Als Format wird das höherwertige H.264 verwendet, was die Qualität gegenüber Flash Video deutlich erhöht. Allerdings hat Youtube noch längst nicht seine ganze Bibliothek umcodiert, aber arbeitet angeblich dran.

dsc_0107.jpg

Endlich kann man also zeitlose Youtube-Klassiker wie “Evolution of Dance” oder “Numa Numa” auch auf seinem Telefon anschauen. Zur Clipauswahl stehen die von Youtube bekannten Methoden zur Verfügung: Meistgesehene Videos, besonders empfohlene Clips oder Volltextsuche. Und selbst eine Weiterempfehlungsfunktion gibt es. Da steht dem mobilen Youtube-Vergnügen wenig im Weg. Hochladen kann man Clips über das iPhone allerdings (noch?) nicht.

Voraussetzung für die problemlose Nutzung dieser gestreamten Videos ist allerdings eine WLAN-Verbindung. Über die langsame EDGE-Verbindung des AT&T-Netzwerks klappt es nur gelegentlich, und dann in massiv schlechterer Qualität.

Kamera

Die eingebaute Kamera weist eine Auflösung von 2 Megapixel auf. Sie kann nur Standbilder machen, nicht filmen und auch nicht zoomen. Einen Autofokus gibt es auch nicht, und der abbildbare Kontrastumfang ist sehr mässig. Immerhin ist die Auslösezeit recht kurz.

Mit anderen Worten: Als Notnagel für spontane Aufnahmen reicht’s, aber das iPhone wird keine konventionelle Kamera ersetzen.

img_0004.jpg

Ein mit dem iPhone geschossenes Bild.
Volle Grösse

Anschlüsse

Auf den problematischen Kopfhöreranschluss wurde bereits hingewiesen. An die Stereoanlage lässt sich das iPhone über das mitgelieferte Dock anschliessen, das einen Line-Ausgang hat. Allerdings gibt es keinen Videoausgang, man kann sich Videos also nur auf dem eingebauten Display anschauen und nicht auf dem Fernseher.

Leider bietet das iPhone trotz Bluetooth 2.0 keine Möglichkeit, drahtlose Kopfhörer anzusteuern. Vielleicht kommt diese Fähigkeit irgendwann mal als Softwareupdate dazu, aber im Moment ist man auf drahtgebundene Ohrstöpsel angewiesen.

Insgesamt bietet das iPhone ein reichhaltiges Multimedia-Erlebnis mit einigen kleinen Schwächen. Ernsthafte Musikliebhaber werden sich an der begrenzten Speicherkapazität und der nicht uneingeschränkt tollen Klangqualität stören, aber die meisten User werden mit den Medienfeatures des iPhone wohl durchaus glücklich werden. Besonders für Video stellt es ganz klar einen massiven Fortschritt gegenüber den bisherigen iPods dar. Die Qualität der Kamera ist eher bescheiden, aber im Rahmen der üblichen Mobiltelefone. Ärgerlich sind die Versäumnisse bei den Anschlussmöglichkeiten.

Mehr lesen

Equinux tizi+ im Test (2): Mobiler DVB-T-Empfänger mit Videorekorder

7.4.2012, 2 KommentareEquinux tizi+ im Test (2):
Mobiler DVB-T-Empfänger mit Videorekorder

tizi+ ist ein DVB-T-Empfänger mit Videorekorder, der Bild und Ton an iPad, iPhone und Mac sendet. Im ersten Teil unseres Tests haben wir das Gerät vorgestellt, jetzt berichten wir darüber, wie es sich im Alltag bewährt.

Twelve South Plug Bug: Aus eins mach zwei durch Huckepack

3.11.2011, 2 KommentareTwelve South Plug Bug:
Aus eins mach zwei durch Huckepack

Tvelve South stellt nicht nur iPad-Hüllen her, die nach antiquarischen Büchern aussehen, sondern auch einen raffinierten Aufsatz für das Ladegerät von MacBooks, der dessen Nutzen verdoppelt

xqisit xqBeats: Bluetooth-Box mit Freisprech-Funktion

27.7.2011, 2 Kommentarexqisit xqBeats:
Bluetooth-Box mit Freisprech-Funktion

xqBeats vom Hersteller xqisit ist eine kleine schwarze Bluetooth-Box, die dank eingebautem Mikrofon auch als Freisprecheinrichtung verwendet werden kann.

Auf einen Blick: 11 Sound-Docks für iPhone, iPad und iPod

24.5.2012, 7 KommentareAuf einen Blick:
11 Sound-Docks für iPhone, iPad und iPod

Wie bekomme ich die Musik von iPhone, iPod oder iPad ins Freie, wenn nicht über einen angeschlossenen Kopfhörer? Sound-Docks sind hier die Lösung. Wir stellen euch 11 davon vor – von praktisch über schick bis kurios.

gTar: Lerngitarre mit iPhone-Dock ist der Hit auf Kickstarter

22.5.2012, 0 KommentaregTar:
Lerngitarre mit iPhone-Dock ist der Hit auf Kickstarter

Jeder kann Gitarre spielen – das ist die Grundidee der "gTar", einer E-Gitarre der besonderen Art. Bei ihr steckt man sein iPhone in das integrierte Dock und eine App führt den Nutzer durch mehrere Schwierigkeitsgrade zum Erfolg. Auf der Plattform Kickstarter ist die gTar schon jetzt ein großer Hit.

Gadget-Fundstücke: 4 ungewöhnliche iPhone-Hüllen von retro bis wasserdicht

12.5.2012, 0 KommentareGadget-Fundstücke:
4 ungewöhnliche iPhone-Hüllen von retro bis wasserdicht

Wenn ein handelsüblicher Bumper für das iPhone zu profan ist oder nicht genug Schutz bietet, schlägt die Stunde der ungewöhnlichen iPhone-Hüllen. Wir stellen vier davon vor.

The Owl 360: Das Kameraauge am Fahrradsattel

26.5.2012, 2 KommentareThe Owl 360:
Das Kameraauge am Fahrradsattel

The Owl 360 ist eine nach hinten gerichtete Kamera, die an der Sattelstange des Fahrrads befestigt wird. Der dazugehörige LCD-Monitor am Lenker zeigt dem Fahrer an, was sich hinter ihm abspielt, ohne dass er ständig den Kopf drehen muss.

TreadDesk: Gehtisch statt Stehtisch

23.5.2012, 1 KommentareTreadDesk:
Gehtisch statt Stehtisch

TreadDesk ist ein us-amerikanisches Unternehmen, dass sich darauf spezialisiert hat, Büroarbeitern Beine zu machen. Es liefert Laufbänder für Computerarbeitsplätze

Sony USB-Ladegerät CP-A2LAKS: Aufladen per Handkurbel

23.5.2012, 0 KommentareSony USB-Ladegerät CP-A2LAKS:
Aufladen per Handkurbel

Sony bringt eine Kombination aus Akku und Handkurbelgenerator, mit dem man seine Gadgets wirklich komplett unabhängig von Steckdosen mit Energie versorgen kann.

6 Kommentare

  1. Stefan S.
    schrieb am 1. Juli 2007 um 00:23 Uhr (#)

    meine stundenlange penible pflege der playlists (nur vollständige alben & co.) zahlt sich aus. YEAH :)

  2. Röne
    schrieb am 1. Juli 2007 um 08:11 Uhr (#)

    Die Kamera funktionen scheinen schon etwas schwach zu sein. Es muss ja nicht gerade einen richtigen Apparat ersetzten aber etwas mehr dürfte es schon sein. Ich hatte eine HTC 9600 mit dem war ich in Australien und habe via Yahoo Fotos und Videos auf eine Homepage geladen. So konnten meine Bekannten zu Hause unsere Reise etwas mitverfolgen. Die Fotos konnten auch bearbeitet und mit Effekten versehen werden.
    Hat es Selbstauslöser? oder Mehrfachauslöser?

  3. supeermario
    schrieb am 1. Juli 2007 um 10:32 Uhr (#)

    video per dockingstation (an anderen geräten) nicht möglich? echt?
    funktioniert denn das iphone am aktuellen zubehör (bosesounddock e.t.c)?

  4. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 1. Juli 2007 um 15:34 Uhr (#)

    @supeermario: Nein, kein Video aus der Dockingstation. Koennte aber theoretisch sein, dass sie spaeter noch ein anderes Dock nachliefern. Ich hab leider auch kein A/V-Dock fuer iPods und musste mich darum auf Aussagen verlassen, die behaupten, dass es mit diesen Docks nicht geht.

    An meinem Bose Sounddock laeuft das iPhone jedenfalls nicht. Man kriegt nur die ueblichen GSM-Stoergeraeusche zu hoeren, keine Musik.

  5. supeermario
    schrieb am 1. Juli 2007 um 17:06 Uhr (#)

    mmhh…schade :-(
    aber für irgendetwas müssen die “alten” ipods ja auch noch gut sein ;-)

  6. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 1. Juli 2007 um 17:20 Uhr (#)

    Ich muss mich korrigieren: Das Bose Sounddock funktioniert doch mit dem iPhone. Man musste das Sounddock erst resetten und den Strom erst anstellen, wenn das iPhone schon angedockt ist. Ausserdem warnt einen das iPhone, dass das Geraet moeglicherweise nicht voll kompatibel ist, aber ich hatte keine Probleme.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

  • Neuerdings auf Twitter

  • Über neuerdings.com

    Die tägliche Dosis Technik. Wir melden nicht nur das Erscheinen neuer Gadgets, sondern testen sie aus Anwendersicht.

  • Autoren