iPhone
– Schmuckstück mit beschränktem Nutzwert
Die “New York Times” hat schon eins – seit zwei Wochen. Ebenso das “Wall Street Journal”. Heute haben die beiden Blätter das iPhone nach ihrem Test öffentlich unter die Lupe genommen. Und beide sind begeistert. Wir hingegen sehen in ihren Berichten ein paar arge Kratzer an dem Schmuckstück.

Man könne fast sagen, der Hype um das iPhone sei vielleicht gar keiner. Sagt David Pogue von der “New York Times”, der das begehrte Objekt seit bereits zwei Wochen mit sich herumträgt, und vom Design, der Software und dem Handling ganz begeistert ist.
In all diesen Belangen erfüllt Job’s Neuerfindung des Mobiltelefons die Erwartungen, sagt Pogue. Und nicht nur in diesen. Apples Wahl ist auf den Telekom-Partner At&T gefallen, weil die der Computerfirma volle Freiheit gegeben hat, sich über Konventionen hinwegzusetzen. Zum Beispiel müssen Voicemails nicht abgerufen werden, sondern werden auf dem iPhone angezeigt und können einzeln angehört werden.
Und wer sich am Freitag oder vorher in die Schlange stellt (ich bin dabei, freue mich aber nicht besonders darauf) und sich ein iPhone kauft, wird nicht im Laden die mühsame Anmeldeprozedur für den (Zweijahres-)Vertrag über sich ergehen lassen müssen. Er kann das Abo nämlich bequem zu Hause via iTunes kaufen.
Der Magie erlegen…
Pogue ist der Magie der Software erlegen, die uns schon an Jobs’ Keynote “Ahs” und “Ohs” entlockt hat: weich scrollende Listen, simple Designs, keine Menus. Er schwärmt vom Aussehen von Videos auf dem Querdisplay. Er schwärmt von der Bildqualität der Kamera. Wenn das Licht gut ist und sich das Objekt nicht bewegt.
Und damit kommt er zu den negativen Bemerkungen – nachdem er uns überaus deutlich gesagt hat, dass die Magie des Apple-Phones funktioniert.
Viele andere Dinge funktionieren nämlich nicht. Zum Beispiel lassen sich die wunderschönen (Tageslicht-) Fotos nur per E-Mail, nicht aber per MMS versenden. Fotos in Gebäuden und im Halbdunkel werden damit zu pixeligen Rauschorgien.
E-Mail sei ebenfalls wunderschön gelöst, sagt Pogue, mit Grafik und allem drum und dran. Sogar Office-Dokumente zeigt das Programm an. Aber eben auch nur das: Editieren, Korrekturen anbringen und Zurücksenden ist nicht.
Das ist nicht so schlimm, denn Texteingabe mit dem virtuellen Keyboard sei ohnehin keine besonders erfreuliche Sache. Wir haben anderswo schon enttäuschende Gerüchte gelesen – Tippen mit zwei Daumen gehe praktisch gar nicht, es funktioniere nur das “System Adler” mit einem Finger. Da werden viele Teenager umlernen müssen.
Erst wenn man der “Wort-errate-Software” (kennen wir als “T9″ auf anderen Handies) voll vertraue, gehe es langsam besser. Walt Mossberg vom Wall Street Journal schreibt gar, nach drei Tagen sei er versucht gewesen, das iPhone aus dem Fenster zu schmeissen. Aber nach fünf Tagen habe er dann gelernt, so schnell zu tippen wie auf dem Treo.
Mossberg findet auch, der Webbrowser sei der beste, den er je auf einem Smartphone angetroffen habe. Er wurde ja auch von Jobs angekündigt als “der erste voll brauchbare HTML-Browser auf einem Telefon”.
Aber Mossberg ist ein älterer Herr, er surft wohl nicht auf Youtube & Co. Das werden die jungen hippen Benutzer allerdings auch nicht können – denn der Browser, so schön er auch aussehen mag, versteht sich weder auf Flash noch auf Java. Eine abgespeckte Youtube-Version wird allerdings laut Pogue unterstützt.
Die Kamera schiesst bei guten Verhältnissen gute Fotos. Aber sie hat weder ein Zoom noch kann sie Videos aufnehmen. Via MMS kann das EDGE-Gerät (langsame Datenanbindung im Telefonnetz, wenn keine WLAN-Verbindung besteht) die Bilder nicht verschicken, und für SMS ist das Keyboard, nun, gemäss Pogue und Mossberg, zumindest gewöhnungsbedürftig. Instant Messaging? Fehlanzeige.
Der Preis liegt bei 500$ für die 4-Gigabyte-Version, dazu gesellt sich ein Zwei-Jahres-Vertrag mit mindestens 59$ pro Monat.
Und hier, denke ich, beginnen die Probleme. Alles in allem scheint das iPhone so wunderschön und geschmeidig zu sein, wie man sich das von einem Apple-Teil verspricht.
Keine klare Zielgruppe
Aber für die Kids ist es schlicht zu teuer, und ausserdem zu wenig auf Chat und typische Webseiten ausgerichtet. Keine Video-Aufnahme, keine animierten Flash-Seiten und keine Java-Anwendungen – die angesagtesten Web-Unterhaltungsdienste scheinen auf dem iPhone nichts verloren zu haben.
Für die älteren Semester hingegen, namentlich die early adopters, die bisher ein Treo oder ein Blackberry besassen, ist es in der Produktivität arg beschränkt. Eine grossartige E-Mail-Funktion hilft mir nur etwas, wenn ich mit Anhängen umgehen, ein Dokument editieren kann – der passive Empfang von Informationen ist nicht die mobile Internet-Revolution, als die das iPhone hier in den USA von einigen Leuten gesehen wurde.
Mich persönlich stört derzeit aber vor allem das Fehlen einer echten Programmierschnittstelle und damit die Hoffnung auf Programme von Drittanbietern. So ist beispielsweise der Bluetooth-Anschluss vorerst dazu verdammt, als Kabelersatz für das Headset zu dienen. Mein Treo hingegen wird im Auto zum Routenplaner dank der hervorragenden Software von TomTom mit einem Bluetooth-GPS. Darauf kann und will ich nicht mehr verzichten, zumal sich die Lösung auch auf Fussgänger-Stadterkundungen hervorragend bewährt hat.
Mossberg und Pogue sind beide begeistert vom iPhone, auch wenn vor allem Pogue ein paar kritische Anmerkungen macht. Und beide finden, angesichts der Schönheit des Schmuckstücks würde man ihm die Macken wohl verzeihen.
Das mag für die Rezensenten der grössten US-Zeitungen gelten und für die Hardcore-Apple-Fans. Ob die grosse Masse sich aber ein derart teures Schmuckstück leisten wird, das nicht viel mehr kann als die durchaus erträglichen 100-Dollar-Cellphones, die es mit jedem Vertrag bei all den andern Mobilfunkanbietern der USA gibt, wird sich weisen. Nicht am Freitag, aber wohl schon nächste Woche.
Und noch einen Punkt gilt es kritisch zu bedenken: Steve Jobs hat so lange gewartet, das verlangte iPhone zu bauen, weil er es nicht ausstehen kann, die Kontrolle zu verlieren. Das beweist er jetzt mit der in sich abgeschlossenen Anwendung – noch nicht einmal via Java dürfen Hacker zusätzliche Anwendungen schreiben.
Aber im wesentlichsten Punkt des iPhones kommt Jobs nicht umhin, die Kontrolle abzugeben: beim Mobilfunkdienst. Das ist kritisch. Denn die Leute werden das iPhone im Alltagsgebrauch nach seiner Performance beurteilen. Wenn die den Erwartungen nicht entspricht, werden die wenigsten User einen grossen Unterschied machen, ob es nun an AT&T oder an Apple liegt.
Wenn ich Apple-Aktien besässe, ich glaube, ich würde sie am Freitag sicherheitshalber abstossen.
Blogwerk ist zweifach vor Ort
Was wir von Blogwerk am Freitag aber auf jeden Fall tun werden, ist, live auf die Events einsteigen. Zwei Mitarbeiter in den USA (der andere ist Andreas Göldi in Boston – drei Stunden vor mir – autsch) werden live aus der Warteschlange vor Shops bloggen (vorausssichtlich beide mit Treos – inklusive Fotos und Videos…), und so gegen Mitternacht MESZ werden die ersten Posts hier auf neuerdings.com zu finden sein.
Und am Samstag morgen werden wir Bilder vom Auspacken und erste Tests gepostet haben.
Ich hoffe, ich kann dann meine halbgaren Vorurteile allesamt wieder beerdigen. Denn anders als Mossberg, Pogue und Co muss ich das iPhone nicht nur für den vollen Betrag kaufen. Ich muss dazu auch ganz wie gemeine Apple-Jünger in die heute schon wachsende Warteschlange stehen.
Die bisherigen Kritiken:
Walt Mossberg im WJS
David Pogue in der NYT
Pogues witziges Video über seine geheime Vorzugsbehandlung durch Apple





















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*immernochwillhab*
wgal was für schlechte Eigenschaften es auch haben mag
iphone ist und bleibt ein tolles gadget, nicht gerade alltagstuaglich, aber sehr begehrenswert…
nächstes mal aber bitte den weiterlesen button nicht vergessen
So kann man natürlich auch gut Geld zum Fenster rausschmeißen. Der Unterschied zwischen Walt, David und dir ist, dass du nur auf ihren (und anderen) Berichten urteilst und sie es wirklich in den Händen halten. ;-)
Ich wäre überrascht, wenn es eine Innovation von diesem Ausmaß gäbe, und gleich alles dabei und alles perfekt wäre.
Ich warte mit einem endgültigen Urteil, bis ich es Herbst/Ende des Jahres selbst in den Händen halte – hoffentlich mit mindestens ebenfalls so guten Konditionen. Solange verlass ich mich auf First-Hand-Bewertungen.
Martin: Am Freitag weiss ich hoffentlich mehr… Und dann:
Da liegt doch der Hase im Pfeffer – welche Innovation denn? Ausser Wifi kann mein Treo alles, was das iphone kann, und deutlich mehr – von der Speichererweiterung über den schnell wechselbaren Akku bis zu MMS, Video, volle Office-Kompatibilität, Routenplanung mit eingebundenem GPS via Bluetooth und Abertausenden von Dritt-Programmen. Also was ist denn hier die Revolution, die den Mobilfunk oder das Internet verändern wird?
Steve hat Apple nicht zum Spaß als eine Softwarecompany bezeichnet. Im Prinzip ist alles in der Software und da kann dein Treo beileibe nicht alles, was das iPhone anscheinend kann.
Wie was denn, zum Beispiel?
Java? Flash? T9? FTP? VNC? VPN? IM? Alles vorhanden. Halt – php und Mysql hab ich auf dem Treo noch nicht ausprobiert. Und Apache…
seit wann hat denn apple was drauf…
es ist doch zu 50% der name und das Design
aber das “ich-kipp-iphone-nach-rechts-undschwup-effekt ist doch toll, das musst du zugeben
und touchscreen
nur obs positiv oder negativ is(vorallem die minitastatur) is relativ
Du zählst jetzt hauptsächlich Technologien auf und nicht die Software selbst welche d’rauf ist, deren Funktionalität, deren ergonomisches Design, die Bedienung. Ich bin gespannt auf deine direkten Vergleiche, a la iPhone-Browser vs. Treo-Browser, iPhone-Mail vs. Treo-Mail, etc.pp.
Flash, was im Moment ja anscheinend nicht drauf ist, lässt sich per Softwareupdate flugs nachschieben, das ist ja alles kein Problem. Auch die Öffnung für Drittsoftware, ist so schnell umsetzbar.
Nam, du hast offensichtlich schon seeehr viele Apple-Produkte genutzt *lach*
jetzt bin ich verwirrt! peter sennhauser ist ständig pleite und findet das iphone habe beschränkten nutzwert, sein treo ist sowieso viel besser und kann angeblich schon alles, aber er kann aber den schwanzvergleich trotzdem nicht lassen und gibt knapp 2000 dollar für ein iphone mit abo aus? ok ok ok, verschuldung ist sehr amerikanisch, und es wird höchste zeit, dass sich peter sennhauser in den staaten ein wenig wenig integriert.
viel viel spass am freitag trotz allem!
Peter hat schon recht: Nur wegen der Ausstattung braucht man sich kaum ein iPhone zu kaufen. Mein ueber ein Jahr altes Nokia E61 bietet bis auf eine Kamera (die erst in der neusten Version E61i erhaeltlich ist) auch alle Features des iPhone und noch mehr (z.B. 3G/UMTS, Java, Navi-Option, Sprachausgabe, physische Tastatur, …). Nur beim Speicher (Mini-SD gibt’s nur bis 4GB) und bei der Qualitaet des Mediaplayer muss man eindeutig Abstriche machen.
Was mich an den Einschraenkungen des iPhone am wenigsten stoert, ist die fehlende Editierfaehigkeit fuer Dokumente. Das hab ich in gut 8 Jahren Smartphone-Geschichte bisher erst einmal gemacht, und das wahr kein Vergnuegen. Mobiles Flash ist weiterhin eine Phantasie, Youtube hab ich auch auf dem Nokia noch nie zum Laufen gekriegt. Aber fehlendes Java ist schon sehr schade.
Nun ja, in genau 51 Stunden wissen wir hoffentlich mehr…
Ich bin Schweizer und lebte lange im Raum Zuerich, arbeite aber nun seit 7 Jahren in den USA. Ich vermisse vieles an der Schweiz, wie zB die Alpen, die Szene in ZH, wie alles wie am Schnuerchen laeuft und wohlorganisiert ist.
Aber was ich nicht vermisse, ist das dauernde negativistische, schlappe, depressive Gewinsel dem man in der Schweiz dauernd ausgesetzt ist.
Ich weiss nicht, ob Sennhauser Mossberg richtig verstanden hat – Mossberg sagt, die anfaenglichen Tasturprobleme seien ein “non-issue”, dh. irrelevant. Es gehe um ein Umlernen und nicht um eine Mangelfunktion. Mossberg sei ein aelterer Herr, etc … Sennhauser hat wohl keine Ahnung, wie schwierig es ist, eine Stelle wie Mossberg bei einer fuehrenden Zeitschrift wie dem Wall Street Journal zu bekommen und zu behalten. Der Mann ist ein Profi; in den USA behaelt man nicht eine solche Stelle, wenn man sein Metier nicht versteht – insbesondere dann, wenn so viel Geld involviert ist wie beim Marketing des i-Phones.
Sennhauser’s schlapper Beitrag zeigt wieder einmal wie ein Waschlappen die Welt sieht: Ein kleines Woelkchen heute am blauen Himmel bedeutet hundert Jahre Regen ab morgen. Was fuer eine Pfeiffe !
Tom, jetzt mach mal halblang. Deine Kritik am Artikel lässt sich auch ohne den Autor persönlich anzugreifen schreiben.
Fazit ? Auf iPod Widescreen warten und ein gescheites Smartfone für vieeeel weniger Geld kaufen!
Youtube rendert derzeit das gesamte Videomaterial neu im h.264 format (oder so) um iPhone tauglich zu werden ;) routenplaner is integriert, man bewundere das 20minütige neue video auf der apple page :)
Das iPhone kommt mir vor wie ein 1984er-Mac, der heute lanciert würde. Kein UMTS? An einen Provider gebunden sein (in der Schweiz wirds ziemlich sicher der mit den grössten Abzockertarifen sein)? Ein Telefon, das irgendwie mit iTunes-Software verknüpft ist (what for?)? Kein Batteriewechsel möglich? Keine Videos aufnehmen? Keine Songs als Ringtones?
Nein danke, Steve. Da hab ich nicht mal Lust, das Gadget überhaupt in die Finger zu nehmen. Wenn Äpfelchenjünger Lust haben, sich tagelang an druckpunktfreies Tippen zu gewöhnen und herumzufuchteln wie Thomas Kreuzfahrt in “Minority Report”: Viel Spass – ich brauch das nicht, ich will einfach flüssig arbeiten.
Warum ist man mit den wurmstichigen Äppeln immer so nett? “… on the other hand, both the iPhone and its network will improve.” Lieber David Pogue: Das mag sein, aber gibts irgend einen Grund, schlaflose Nächte zu verbringen und zu hoffen, dass diese Improvements bald eingetreten sein werden, statt unterdessen die wirklich brauchbaren Geräte auf modernen Networks zu nutzen?
Ausserdem sieht mein Nokia 6233 fast schon so aus wie das iPhone, und das seit Juli 2006. Das Teil kann alles, was ich unterwegs können muss. Für alles andere hab ich ein leichtes Notebook, das für die meisten Zwecke weitaus praktischer ist.
“Negativistisches, schlappes, depressives Gewinsel?” – Nee, einfach der Wunsch nach brauchbaren Geräten mit zeitgemässer Ausstattung. Die wahren Pfeifen sind jene, die sich anno 2007 mit sowas wie iPhones zufrieden geben. Aber das kennen wir ja von den iPods: Viel Design, hohe Kosten, dafür wenig Features und Speicher.
Der neuerdings-Crew viel Spass beim Anstehen!
Ich habe grössten Respekt vor Walt Mossberg, David Pogue und den andern, die von Apple mit einem Vorab-iPhone bedient wurden. Denn ich beneide sie keine Sekunde um den Job, in diesem unglaublichen Hype und unter den Argusaugen der Apple-Aktionäre (und Leuten, welche die mächtigsten Entertainment-Konzerne der USA kontrollieren) eine Kritik des mit mehr Erwartungen beladenen Produkts als jedes andere der letzten zehn Jahre abzugeben. Unter diesem extremen Druck ist ihnen ein Balanceakt der Kritik gelungen.
Wer nicht als Pfeife und depressiver Stänkerer verschrien werden und trotzdem Information und nicht nur Hurra-Gebrüll und die aus Marketingkampagnen bestens bekannten Vorzüge eines Produkts liefern will, muss auf diesem Seil tanzen können.
Wir bei neuerdings.com stehen glücklicherweise nicht unter dem gleichen Druck. Ich werde vesuchen, ein iPhone (das ich für das schönste Gadget aller Zeiten halte) zu ergattern, und ich werde es auf Herz und Nieren testen, ohne dass mir jemand über die Schulter schaut und ohne das Risiko, mit zu viel Ehrlichkeit Aktienkurse oder das Konsumentenverhalten zu beeinflussen.
Die “auserlesenen” Journalisten, die ein Vorab-iPhone erhalten haben, konnten sich diesen Luxus nicht leisten. Und wenn es ein Beispiel für Steve Jobs’ Meisterschaft im dirigieren der Medienkapelle gibt, dann ist es dies. Oder kann sich jemand vorstellen, was jener Zeitung widerfahren wäre, die als einzige drei Tage vor Verkaufsstart dem Hype zu widersprechen gewagt hätte? Und tun es, wenn man ganz genau hinschaut, Mossberg und Pogue nicht eben doch, aber sehr vorsichtig und zwischen den Zeilen (oder in den Frames von Pogues’ Video?).
Ihre Professionalität liegt darin, dass sie es grade so dezent tun, dass jene, die ausser Jubel nichts hören WOLLEN, es gar nicht merken – und alle andern die gewünschten Fakten erhalten.
Wer daran zweifelt, soll sich die Kommentare zu Mossbergs Text einverleiben.
UMTS und GPS stehen an Technologie weiter auf meiner iPhone-Wunschliste. Flash wäre auch ganz nett.
Aber stumpfsinnig Technologien aufzuzählen bringt einen auch nicht weiter ? es geht im Endeffekt darum, wie benutzbar das Gerät ist. Und (wie bereits vor mir gesagt wurde) heißt eine Gewöhnungsphase von ein paar Tagen nicht, dass das Konzept der on-screen Tastatur falsch oder schlecht ist.
Und, mal ehrlich ? benutzt hier jemand ernsthaft MMS? Auch mit meinem SE K800i verschicke ich manchmal Bilder per e-Mail, aber niemals via MMS. MMS ist ein viel zu eingeschränktes Format gegenüber e-Mail ? und das wird von Apple dann eben genauso behandelt wie 2000 der PS2-Anschluss (den man am PC ja immernoch sieht) und die weitaus elegantere Weise, per USB eine Tastatur/Maus an den Rechner anzuschliessen.
Das iPhone überzeugt vorallem durch das Bedienkonzept, nicht primär durch eine Liste von Technologien ? beispiel Konferenzgespräche: Könnte ich am K800i auch machen, allerdings ist es viel komplizierter (wie an jedem Handy/Telefon, das ich kenne). Die Folge ist, dass die meisten Leute gar nicht wissen, dass sie diese Möglichkeit überhaupt haben ? Apple macht sie einfach erreichbar.
Neben Innovationen muss man auch den Mut haben, zu erkennen, welche Technologie dem Nutzer keinen echten Mehrwert bringt ? siehe MMS ? und auf diese verzichten können.
Was stört mich an diesem Artikel? Einiges. Allem voran: Es klingt, als habe hier jemand ungefähr 3,5 Quellen gelesen/Videos gesehen und dann mit einer gehörigen Portion Missmut einen Artikel gestrickt. Was soll der Absatz über “Kids können sich das eh nicht leisten”? Was für ein Zufall. Können sich Kids vor dem iPhone eine UMTS-Karte mit Datenflat für den evtl. vorhandenen Laptop leisten ? in gleichem Maße ja oder nein, das hat überhaupt nichts mit dem iPhone zu tun! Und wenn man “erwähnt”, dass man den Treo mit einem GPS-Empfänger gekoppelt und mit installierter TomTom-Software so großartig als Navigationssystem nutzen kann, der sollte im gleichen Absatz auch ein paar Worte über die GoogleMaps-Features des iPhones verlieren, auch wenn hier wie im Treo kein GPS-Empfänger eingebaut ist. Keine Ahnung vom Routenplaner? Dieses Video sollte sowieso mal gesehen werden, damit man als Autor auch weiß, wovon man schreibt und nicht nur ein verzerrtes, unvollständiges Bild abgeben kann: http://apple.com/iphone/u…hone/guidedtour.html
Natürlich hat das iPhone auch Schwachstellen ? siehe den Anfang meines Kommentars. Aber diese Art, darüber zu berichten stösst mir auf, weil sie ein absolut falsches Bild erzeugt, wenn man sich als Leser nicht auch an anderen Stellen informiert. ein neutraler Bericht würde diesem Blog viel besser stehen als dieser “hate-rant” ? der mit der Ankündigung, sich ebenfalls ein iPhone zulegen zu wollen, ad absurdum geführt wird.
Julian: Faire, saubere und ausführliche Kritik – besten Dank.
Über die verlautbarten Vorzüge und die innovativen Ansätze des iPhones haben wir hier auch schon berichtet. Und keine Angst – der echte Test wird folgen.
Mit “Hass” (hate rant) hat mein Beitrag übrigens nichts zu tun. Im Gegenteil. Ich staune immer noch über die Emotionen, die solche Maschinen wecken können. und ich versuche, ihnen ein paar Fakten (aus zweiter Hand, zugegeben) entgegen zu stellen.
Nur ein Beispiel: Die Googlemaps im Video sehen grossartig aus, aber sie werden wohl übers Netz heruntergeladen. Wenn Du also mit WiFi-Anschluss zu Hause eine Route lädtst, funktioniert das wunderbar.
Aber wenn ich mit dem Auto im kalifornischen Hinterland von Fresno eine Adresse suche, werden die Karten per Edge geladen – wenn At&T grade erreichbar ist. Und wenn ich eine oder zwei Abzweigungen verpasse, nützt mir der Routenplan auf dem Bildschirm nur noch sehr bedingt.
Ich sage ja gar nicht, dass die Pläne schlecht oder unbrauchbar sind. Ich halte nur fest, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass auch nur in die Nähe des GPS-Systems mit Sprachausgabe kommen dürften. Sollte ich feststellen, dass ich falsch lag, werde ich das mit Freuden am Wochenende hier melden – dann wäre das iPhone (das ich als Journalist ganz einfach schon aus beruflichen Gründen kaufen muss) nämlich einen Riesenschritt näher daran, meinen Treo zu ersetzen.
@Peter: Genau, es stand nirgends, dass die Pläne schlecht oder unbrauchbar sind. Aber es stand eben auch nichts anderes da. Das ist mein Problem ;-)
Die Bezeichnung ?hate rant? nehme ich zurück ? allerdings ohne den Hinweis, wieso ich das so genannt habe: Ich finde, das im Artikel mehrfach Features künstlich ?verkleinert? werden. So wird dem GMaps-Programm ein Navi-System mit GPS-Empfänger gegenübergestellt, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, dass es eine Applikation für Routenplanung und das Finden von Orten auf dem iPhone überhaupt gibt ? der unbedarfte Leser weiß das nicht und erfährt es hier auch nicht. Genauso nehme ich auch an, dass die Worterkennungs/-errate -Software wesentlich mehr kann als T9 ? das meines Wissens keine Fehlerkorrektur hat ? und dass daher diese Analogie meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ist. Auf jeden Fall schlägt mir mein Handy beim Eintippen von ?ouzza? nicht vor, dass ich vielleicht ?pizza? meinen könnte (mir ist klar, dass dieses Beispiel nicht zum Tastaturlayout eines Handys wie des SE K800i passt, aber möchte das einfach mal übertragen).
Nichts für ungut ? ich freue mich auf die Berichte aus erster Hand! ;-)
Pogue und Mossberg haben beide den Zune verrissen, als er erschien und man kann nicht behaupten, dass Microsoft weniger einflussreich sei als Apple. Basierend auf der Kritik von Tech-Journalisten ihrer Sichtbarkeit stehen oder fallen Produkte – daher kann man ihnen unterstellen, bestechbar zu sein (was Peter Sennhauser implizit in seinem ersten Kommentar ausspricht). Tatsache ist, dass ihr eigenes Ueberleben an ihre Glaubwuerdigkeit gekoppelt ist – daher wuerde ihnen ein Betrug am Konsumenten nichts nuetzen. Aus diesen Gruenden bin ich ueberzeugt, dass ihre Begeisterung am iPhone nicht erlogen ist, auch wenn es eine Leseweise gibt, sich nur auf ihre Kritikpunkte zu konzentrieren.
Apple ist erfolgreich, weil Steve Jobs verstanden hat, dass Computer die laengste Zeit Gebrauchsgegenstaende waren, aber nicht als Elemente des Lifestyles gesehen wurden. Warum soll ein Computer / Musikgeraet / Handy schoen sein ? Was nuetzt das ?
Das Apple-Design zeugt von sehr hohem aesthetischen Geschmack, ist gleichzeitig einfach zu bedienen, von hervorragender Verarbeitungsqualitaet und ist teuer. Die Funktionalitaet ist mindestens ueberdurchschnittlich wenn nicht ausgezeichnet.
Woran erinnert uns das ? Warum kaufen Leute Rolex Uhren, wenn es genauso genaue Digitaluhren gibt von Casio ? Warum kaufen Leute Jaguars, wenn ein Familien-Volvo fuer viel weniger Geld viel mehr Funktionalitaet bietet ? Warum zahlen Leute fuer Kleider von Yves Saint Laurent so viel mehr, wenn dieselbe Funktion von Kleidern im naechsten Migros genauso erfuellt wird ?
Apple stellt Produkte her, die gewollt teuer und von uebertriebener Verarbeitungs- und Designqualitaet sind. Apple Produkte sind Statussymbole; wer sich nicht einen MacBook Pro kaufen kann, kauft sich ein iPod. Apple ist intelligent genug, um Statussymbole fuer Kunden verschiedener Kaufkraft herzustellen.
Das erste iPhone ist mit dem ersten iPod vergleichbar. Wie gut war das Konzept iPod + iTunes vor einigen Jahren als man nur ein paar hundert Songs auf iTunes kaufen konnte ? Mittlerweile gibt es Miniversionen von iPod fuer jedes Portemonnaie.
Mit dem ersten iPhone wird zunaechst einer kleinen Kundschaft ermoeglicht, das Geraet zu kaufen – derjenigen Kundschaft, die es sich leisten kann, ein iPhone trotz aller jetzigen Schwaechen zu kaufen, um es als
Statussymbol zu besitzen. Damit definieren sie das iPhone als “upper class product” und Statussymbol. In einigen wenigen Jahren wird es ein Spektrum von Geraeten geben, die unter demselben Namen fuer die breite Masse erschwinglich sein wird – und dieselbe Konnotation von Status und Luxus wird auf diese vererbt.
Es ist wahr, das iPhone ist ein luxurioeses Schmuckstueck fuer Leute, die Standardanwendungen mit Minimalaufwand beherrschen moechten. Das ist genau die Absicht.
Wer ein Navigationsgeraet und einen Webbrowser mit allen existierenden codecs haben moechte, muss sich nach wie vor ein Navigationsgeraet kaufen und einen Computer.
@iphone-kritiker: das Apple nicht auf dem letzten technischen Stand sein muss, um geliebt zu werden, sollte mittlerweilen allen klar sein (der erste iPod war technisch seiner konkurrenz weit hintenrein und zudem überteuert). Das iPhone ist technisch kein Meisterstück: LG und HTC führen das eben mit ihren neusten SmartPhones vor. Aber: das iPhone wird durch sein GUI Massstäbe setzen (dies war auch das Erfolgsgeheimnis der iPods). Das sehen wir schon jetzt: HTC stückt sein TouchFLO bereits mit dem neuen WindowsMobile 6.0 aus und baut komplett auf iPhones-GUI-Philosophie auf. Technisch war Apple nie der grosse Innovator und ich kann mir gut vorstellen, dass das iPhone ökonomisch für Apple ein Desaster wird, jedoch für die Mitbewerber ein Katalysator für ihre SmartPhones sein wird. Ich wette, wir werden in 1 Jahr von Nokia und SE ein SmartPhone mit virtueller Tastatur bekommen.