Leichenbeseitiger und Nasebohrer

Ein Wochenend-Zeitvergeuder: Nach aussergewöhnlichen Ansichten der Erde beschert uns Google teils sehr gewöhnliche Ansichten unserer Strassen. Und Fans sammeln Nasenbohrer, Halbnackte und Verbrecher.

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Dank Google Earth kennen wir unsere Erde aus der Satellitenpersepektive; wir haben aus hunderten von Kilometern Höhe Indianerköpfe mitsamt iPod-Kopfhörern in der Wüste gesehen, geheime Militäranlagen und Flugzeuge über dem Ozean.

Mit der lückenlosen Fassadenansicht “Streetview” (die wir anlässlich der Lancierung bereits berichtet haben) kommt jetzt eine neue Dimension in Google Maps hinzu: Der ganz normale Alltag auf unseren Strassen mit all seinem Wahnsinn. Den könnte man zwar auch draussen vor Ort angucken, aber wer hat denn schon in Berlin oder Zürich Gelegenheit, einem CHP-Officer beim Ausstellen eines Tickets zuzusehen, oder die Touristen an Fishermans’ Wharf zu beobachten, oder folgende Beseitigung einer Leiche in den Hügeln hinter Las Vegas?

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Offenbar haben Heerscharen von Surfern nichts anderes zu tun, als Stundenlang in den Millionen von Fotos der vor zwei Wochen gestarteten “Strassenansicht” in den Googlemaps nach Verrücktem, Abnormalem oder eben ganz normalem zu suchen. Und Verzeichnisse mit Links wie dieses lassen danach alle andern Voyeure an den gefundenen Schätzen teilhaben.

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Mehrfach gibts Hinweise, dass der Google-Fotovan etwas gar schnell durch die Landschaft braust – etwa hier im Golden Gate Park:

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Vielfach handelt es sich noch nicht einmal um Abnormitäten des Alltags, sondern einfach um witzige Fehler der Software, welche die unglaubliche Masse an Fotos zu einem ununterbrochenen Panorama zusammensetzen soll. Zum Beispiel stellt sich tatsächlich die Frage, ob jemand im erdbebengefährdeten San Francisco in diesem Appartmenthaus wohnen möchte.

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Oder es gibt nette Ansichten des kürzesten Porsche der Welt (der noch dazu im berühmtesten Hippie-Quartier der Welt steht).

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Bisweilen allerdings werden die Neugierigen enttäuscht: Google hat eine Meldestelle eingerichtet, über die Betroffene eine Verletzung ihrer Privatsphäre geltend machen können, worauf die fraglichen Fotos aus dem Strassenzug gelöscht werden. Geschehen ist das beispielsweise hier

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- der Beschreibung des Links nach zu schliessen liess diese Ansicht den Blick auf einen Menschen zu, der sich am Strassenrand in irgendeiner Weise erleichteterte, als der Fotowagen grade vorbeifuhr.

Selbstredend ist längst eine Diskussion über diesen Angriff auf die kollektive Privatsphäre in vollem Gange. Wir warten gespannt ab, was dabei herauskommt – sollten nämlich wirklich die Rechte der in aller Öffentlichkeit fotografierten Personen verletzt worden sein, müsste Google das gesamte Experiment wohl einstellen. Zugleich dürfte aber auch niemand mehr die Touristen-Bilder von seinem Besuch auf Haight-Ashbury im Internet veröffentlichen.

Dabei gilt doch längst ganz einfach diese Regel:

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Ach, und um mds gleich zuvorzukommen: Erstens wäre es verwunderlich, wenn Google die Rechte der Abgebildeten nicht verletzte, wir aber schon. Und zweitens handelt es sich bei allen hier gezeigten Ausschnitten um Zitate. Soviel zum presserechtlichen Teil.

Alle Beispiele stammen aus dieser Sammlung

Artikel in Spiegel Online über die Privacy-”Probleme” von Streetview

Weitere Sammlungen:

Linkliste ausgeliehen bei Googlekarten, dessen Betreiber sie seinerseits von google maps mania hat.

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2 Kommentare

  1. mds
    schrieb am 9. Juni 2007 um 07:42 Uhr (#)

    Und wie lautet dieses Mal Deine Ausrede fürs Verletzen der Persönlichkeitsrechte von anderen Menschen?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 9. Juni 2007 um 12:04 Uhr (#)

    OOOooooops, mds. Hab ich Dich etwa dabei erwischt, dass Du kommentierst, ohne die Beiträge zu lesen? Peinlich…

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