iTunes ohne Kopierschutz, dafür mit Benutzer-ID

Peter Sennhauser, 30. Mai 2007 22:10 Uhr, 18 Kommentare Kommentare

Apples kleines Geheimnis: Kopierschutz-freie iTunes-Songs sind “personalisiert” und rückverfolgbar: Wer sie online tauscht, dürfte rasch Post von den EMI-Anwälten kriegen.

iTunesPlus

Für deutlich höhere Preise als die DRM-geschützten Titel sind ab sofort auf Apples “iTunes Plus” die Songs von EMI Music ohne Digital Rights Management (Kopierschutz) auch in Europa zu beziehen. Apple Schweiz verkündet zudem den Start von “iTunes U”, einem Zusatzangebot im iTunes-Store für Bildungsinhalte wie Sprachkurse etc.

Gleichzeitig warnt TUAW (The unofficial Apple Weblog) davor, DRM-freie iTunes-Downloads in Tauschbörsen anzubieten. Wie sich nämlich rausstellt, enthalten diese im AAC-Format mit 256Kbs codierten Stücke die Benutzer-ID des iTunes-Kunden, der sie mit seinem Konto gekauft hat.

Damit wird erstmals klar, weshalb EMI dem Wechsel zu ungeschützten Titeln in iTunes zugestimmt hat: Wenn die Songs eindeutig zuweisbar sind, wird es für die Musikmultis noch einfacher, gegen Kunden und angebliche Piraten vorzugehen. namentlich in den USA, wo die RIAA seit Jahren Tausende von angeblichen Tauschbörsenbenutzern bisher ohne eine einzige Gerichtsverhandlung zur Ablieferung ihrer Ersparnisse gezwungen hat und noch kein einziger Präzendenzfall vorliegt, in welchem der blosse Verdacht auf Piraterie aufgrund einer IP-Adresse von einem Richter als zweifelsfreier Schuldbeweis einer Person anerkannt worden ist, dürften demnächst dank der “Hundemarke für Musikstücke” aus dem iTunes-Store neue Abmahnungswellen anrollen.

Auch wenn ich grundsätzlich gegen den Musikklau bin, solche Tricksereien nerven schond eshalb, weil sie von den Verantwortlichen nicht verkündet werden. Natürlich hat Apple kein Interesse daran, die Cracker mit der Nase auf das ID-Tagging der Songs zu stossen - sie werden früh genug Tools verteilen, mit denen die Markierung entfernt werden kann. das ändert nichts daran, dass Transparenz heute einfach erste Pflicht ist und die tatsache, dass die Songs personalisiert werden, den Kunden in Grossbuchstaben hätte mitgeteilt werden müssen.

Ausserdem: Wie ist gleich wieder der überhöhte Preis für die DRM - freien Songs zu rechtfertigen? Mit dem tausch innerhalb des persönlichen Freundekreises etwa, auf den zumindest in der Schweiz meines Wissens auch nach neuem und sowieso nach altem Urheberrecht ein Anspruch besteht?

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18 Kommentare zu diesem Artikel

  1. bklocke

    schrieb am 30. Mai 2007 um 22:32 Uhr (#)

    Bleibt abzuwarten wie lange es dauert bis das ganze auch geknackt wird…

  2. mds

    schrieb am 30. Mai 2007 um 23:36 Uhr (#)

    Bleibt abzuwarten wie lange es dauert bis das ganze auch geknackt wird?

    Was gibt’s da zu knacken? Ist ja bloss Text?

  3. Fraggle

    schrieb am 31. Mai 2007 um 11:22 Uhr (#)

    Ich find das gar nicht soo schlimm. Klaro sollte man die Kunden darüber informieren, aber hauptsächlich geht es bei den DRM-freien Songs doch darum, diese auf -jeden- beliebigen MP3-Player -von mir- zu kopieren und zu hören. Zuhause und im Büro.

    Ich kaufe sicher keine Songs im iTunes um die dann in der Welt zu verbreiten…

  4. mds

    schrieb am 31. Mai 2007 um 13:47 Uhr (#)

    Ich kaufe sicher keine Songs im iTunes um die dann in der Welt zu verbreiten?

    Vorbildliches Konsumverhalten, Glückwunsch! :->

    Zum Glück halten andere unsere Informationsgesellschaft am Leben?

  5. Fraggle

    schrieb am 31. Mai 2007 um 14:36 Uhr (#)

    Informationsgesellschaft = freies Kopieren geschützter Inhalte, oder wie?

    Dem ist (leider) nicht so.
    Welcome to the real world… ;-)

  6. viktor

    schrieb am 31. Mai 2007 um 22:59 Uhr (#)

    ich finds super, habe nämlich schon gerätselt, wie man im Zweifelsfalle beweisen kann, dass es legal gekaufte Musik ist! ALSO es ist nur zum Besten! für den, der es kauft.

  7. mds

    schrieb am 31. Mai 2007 um 23:02 Uhr (#)

    ich finds super, habe nämlich schon gerätselt, wie man im Zweifelsfalle beweisen kann, dass es legal gekaufte Musik ist! ALSO es ist nur zum Besten! für den, der es kauft.

    Wieso solltest Du das beweisen müssen???

  8. viktor

    schrieb am 31. Mai 2007 um 23:14 Uhr (#)

    na wie dann?
    Bei einer Audio CD hab ich die Originalität ja “eindeutig”. Brenne ich die EMI Songs auf CD, wäre diese ja nicht von einer aus Tauschbörsen geladenen CD zu unterscheiden?

    Es sei denn, man sammelt alle Rechnungen von iTunes?!

  9. mds

    schrieb am 31. Mai 2007 um 23:17 Uhr (#)

    na wie dann?

    Ich fragte nicht «wie», sondern «wieso»?

    Bei einer Audio CD hab ich die Originalität ja ?eindeutig?.

    Du könntest die Audio-CD gestohlen haben?

    Brenne ich die EMI Songs auf CD, wäre diese ja nicht von einer aus Tauschbörsen geladenen CD zu unterscheiden?

    Na und??

  10. mds

    schrieb am 31. Mai 2007 um 23:25 Uhr (#)

    Informationsgesellschaft = freies Kopieren geschützter Inhalte, oder wie?

    Dem ist (leider) nicht so.
    Welcome to the real world? ;-)

    Die Idee von geschützten Inhalten ist absurd und widerspricht unserem Informationszeitalter ? Informationen müssen frei fliessen können? einige Dinosaurier sehen dies noch anders, viele andere sind schon weiter, vgl. z.B. «Creative Commons» und «Open Source»? :)

  11. Fraggle

    schrieb am 1. Juni 2007 um 00:04 Uhr (#)

    Ich gebe Dir -halb- Recht… :-)

    Informationen sollten für jeden von überall und vor allem frei verfügbar sein. Da zeigt die globale Vernetzung auch deutliche Erfolge.

    Musikstücke halte ich aber nicht für Informationen. Wenn da jemand Kohle für haben will ist das sein gutes Recht und sollte nicht umgangen werden.
    Der Tischler um die Ecke macht Dir auch keine Tischplatte für umme nur weil Du ihn lieb anschaust.

    Wenn Musiker, Fotografen, Maler etc. ihre Arbeiten unter einer CC-Lizenz gratis verteilen - super. Find ich gut und sag ich weiter.
    Wenn einer Geld sehen will - auch OK. Oder arbeitest Du für lau? :-)

  12. Fraggle

    schrieb am 1. Juni 2007 um 00:07 Uhr (#)

    PS (Edit geht ja leider nicht…): DRM an sich ist allerdings eine andere Geschichte - und zwar eine doofe obendrein.
    Wenn ich mir einen Song KAUFE, dieser also zur Nutzung mir gehört, dann will ich besagten Song auch einen Non-Apple-Player anhören. Da geht’s mir gegen den Strich, dass mir diktiert wird, WIE ich die Musik anhören muss.
    Von daher ist nicht DRM “verseuchte” Musik der richtige Schritt. Auch gegen Bezahlung - und meinetwegen mit Fingerprint. Over & out… :-)

  13. Peter Sennhauser

    schrieb am 1. Juni 2007 um 00:13 Uhr (#)

    @ Viktor
    Ich kapier auch nicht genau, weshalb Du beweisen müssen sollst, dass Du was gekauft hast. In einem Rechtsstaat muss man Dir viel mehr nachweisen, dass Dus geklaut hast. Wir sollten der Gehirnwäsche der Musikindustrie ein bisschen mehr entgegensetzen.

    @mds
    Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen “Informationen” und “kreativen Werken”. Ich sehe nicht ein, weshalb mein Wissen und meine Arbeitszeit kostenlos sein soll, während die vom Schreinber nebenan 120 Franken die Stunde kostet. Die Idee des Schutzes kreativer Werke ist keineswegs absurd, nur sollte sie in einem ausgewogenen Verhältnis zum gesellschaftlichen Interesse stehen. Dass und warum das nicht mehr der Fall ist, beschreibt Lawrence Lessig in «Free Culture» (hier gratis, hier gedruckt gegen Geld) - er macht aber auch deutlich, dass er keineswegs der Anarchist ist, als den ihn die Monopol-Zwischenhändler gerne hinstellen.

  14. Peter Sennhauser

    schrieb am 1. Juni 2007 um 00:16 Uhr (#)

    hihi, Fraggle - fast gleichzeitig fast das gleiche und dann auch noch identisches Beispiel (ok, Tischler ist nicht gleich Schreiner). Nur blöd, dass ich nicht schneller gepostet hab. Jetzt steht mein Kommentar da wie ein Plagiat von deinem.

  15. mds

    schrieb am 1. Juni 2007 um 01:52 Uhr (#)
  16. Stefan S.

    schrieb am 1. Juni 2007 um 11:23 Uhr (#)

    unglaublich… wie vermisse ich die zeit wo ein lied einfach noch ein lied war :( heute weiss man als normal-user nicht mehr was sich alles darin versteckt. schade…

  17. mds

    schrieb am 2. Juni 2007 um 03:35 Uhr (#)

    Wieso solle man ohne Urheberrecht kostenlos arbeiten müssen? Die erwähnten Schreiner und Tischler arbeiten üblicherweise gegen Bezahlung, aber nicht aufgrund des Urheberrechts? dito bedeutet die Abschaffung des Urheberrechts nicht, dass beispielsweise Journalisten oder Musiker keine Einnahmen mehr erzielen dürfen und können.

  18. Peter Sennhauser

    schrieb am 4. Juni 2007 um 07:40 Uhr (#)

    @mds Weil ich mein Werk, wenn es frei kopierbar ist, im Gegensatz zum Tischler nicht verkaufen kann, da Ideen bekanntlich durch den ersten Transfer öffentlich werden und genau deshalb durch ein Urheberrecht geschützt werden müssen.
    Der Rest steht bei Lessig, lies ihn doch einfach.


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