Geht’s ein bisschen puristischer?
Wir bei neuerdings lieben Neuigkeiten, manche von uns lieben Autos und alle lieben wir unsere Sprache. Aber bei Audi wird zur Zeit das Fahrzeugdesign und die Sprache mit Füßen getreten.

Von diesem Schock müssen wir uns erst einmal erholen. Audi fährt zum Tunerfestival an den Wörthersee, präsentiert einen TT mit abgeschnittenem Dach und Macho-Accessoires und schreibt dazu:
Der Audi TT clubsport quattro vereint Fahrleistungen eines Sportwagens mit einer einzigartigen Designsprache. Der aufgeladene Vierzylinder leistet über 300 PS, die permanent auf alle vier Räder übertragen werden. Domstrebe und Rennluftfilter prägen den Motorraum, aus der Abgasanlage erklingt echter Rennsportsound. Eine Fahrmaschine reinsten Wassers.
Wird Audi jetzt die Aufsteigermarke für Leute, denen GTIs zu schlicht sind? Und werden wir auf der Audi-Website mehr Texte im Stil bunter Stadtrand-Möbelmärkte lesen müssen?
Denn auch in der Sprache wird geprotzt. Über den Sonderseiten zum clubsport quattro steht geschrieben:
TT in seiner puristischsten Form
Kann man puristisch steigern? Nicht wirklich.
Für manche Adjektive gibt es keinen Komparativ und schon gar keinen Superlativ. Ein Glas, das voll ist, läuft über, wenn man noch mehr Wasser hineinschüttet. Aus einem Glas, der leer ist, kommt kein Tropfen Wasser mehr heraus. Voller oder leerer geht also nicht. Wenn ein Auto puristisch ist, dann hat der Designer alles Überflüssige weggelassen. Mehr geht nicht. Um das zu erkennen, braucht es keinen Sprachpfleger.
Womit wir wieder bei der Designsprache wären: Audis erster TT ist eine Ikone des Automobildesigns, die mehr war als zur Schau getragene Potenz. Bis vor kurzem waren Fahrzeuge von Audi elegant bis zum Understatement und inspirierten viele Designer, wie etwa Jonathan Ive, der mit dem iPod wohl eines der elegantesten technischen Geräte der Gegenwart gestaltet hat.
Seit einigen Jahren erleben wir wieder verstärkt internationales Interesse am deutschen Design. Auch wenn ein Apple iPod jede Form haben könnte, weil ein Mikrochip keine Auskunft darüber gibt, welche Form für seine wahrnehmbare Gestaltung angemessen sei, wählte der britische Designer Jonathan Ive eine Formensprache, die dem Braun-Design eines Dieter Rams aus den 1960er Jahren verblüffend ähnelt. Vermutlich war der Audi TT von Peter Schreyer aus dem Jahr 1998 das erste Produkt, das die weltweite Designgemeinde wieder nach Deutschland schauen ließ. Schreyer ließ die Postmoderne von heute wie die klassische Moderne des vergangenen Jahrhunderts aussehen: Ein Auto, so radikal simpel aus Kreisformen aufgebaut, als sei es aus dem Zukunftslabor des Bauhauses geschlüpft.
Ob so etwas in nächster Zukunft noch über einen Audi geschrieben wird, ist fraglich.
Fünf Links zu Autos, Design und Sprache:
» Mehr lesen: Fortbewegung (125)
» Weitere Artikel der Kategorie "Kurioses" lesen
» Nächster Artikel: Die neue Palm-Klasse
» Älterer Artikel: Google lanciert Streetview
» Drucken
» Merken/E-Mail
1 Kommentar zu diesem Artikel
2 Trackbacks
- Der Blogbote
(30. Mai 2007 08:57) - Automotive News and Articles
(2. September 2007 20:35)
Einen Kommentar schreiben
Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com











Beiträge per RSS
blogwerk.com
rouge
Ja klar und weil Audi das Design so im Griff hat werben die auch jeden Chefdesigner von Alfa ab.