Wochenende im Silicon Valley

Peter Sennhauser, 20. Mai 2007 13:19 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Die Bastler-Messe “Maker Faire” in San Mateo ist ein stilechter Geek-Anlass. 40′000 Siliziumtal-Bewohner lassen sich von den Werken anderer inspirieren: Bastler, Hacker, Erfinder und Spinner. Eine Bildstrecke.

Maker Faire (1 of 26)

Roboter, wohin das Auge schaut: In der Bot-Halle des San Mateo-Event-Geländes liefern sich Kids an Ständen mit kommerziellen Robotern und halbprofessionelle Teams in der Plexiglas-Arena mit ihren Eigenbauten Zweikämpfe der ferngesteuerten Homunkuli.

In einer andern Halle stellen die Raketen-Modellbauer ihre Werke aus, in einer dritten präsentieren Erfinder ihre computergesteuerten Fräsen für den Hobbykeller und die inzwischen allgegenwärtigen “3D-Printer”, die aus flüssigem Kunststoff (oder Käse, siehe unten) Millimetergenaue Protoypen aus CAD-Modellen herstellen.

Draussen präsentieren Tüftler allerlei neumodische Fahrzeuge, vom Rasenmäher- bis zum Gitarrenvelo, vom Elektro-Rollbrett bis zum iPod-Fahrrad. An der “Maker Faire”, dem “Macher-Markt”, ist ein Hauch vom Geist des Silicon Valley zu spüren, wie er mal vorgeherrscht haben muss, bevor die Dotcom-Ära die Energie in eine einzige Richtung drückte und die Venture Capitalists Einzug hielten. Ich habe mir einen Rundgang gegönnt und einen Haufen Bilder geschossen.

Maker Faire (2 of 26)

Jays’ “Quickup” ist ein geniales Konzept für einen Pickup-Truck-Wohnwagen: Wie eine russische Matroschka-Puppe falten sich die Hardtops am Zielort auseinander und öffnen einen Raum von ausreichend Höhe zum aufrecht Stehen, mit Küche und Tisch und Platz für zwei Betten. Jay sucht einen Lizenznehmer.

Maker Faire (3 of 26)

Dieser Erfinder präsentiert ein simples Gerät, um den nordkalifornischen (sprich eiskalten) Swimmingpool in ein bakterienverseuchtes Hottub zu verwandeln (oder das Wasser in einem Durchgang abzukochen): Sein Heizschlangen-System passt auf jeden gängigen Gasgrill. Das Wasser im Kinderpool war 35 Grad heiss.

Maker Faire (5 of 26)

Keinen konkreten Zweck, aber viel Spektakel bot eine Gruppe von Feuerzauberern, die ich ins Umfeld des Burning-Man-Festivals stellen würde (ein ganzwöchiges Kunst-Festival voller gigantischer nonsense-Maschinen, das im August jeweils ein paar Dutzend tausend partyfreudige Spinner in den Staub der Wüste von Nevada zieht). Das mit viel Geknatter feuerspeiende Alien-Ei war eine grosse Attraktion.

Maker Faire (6 of 26)

Elektronik gibts ander Fair natürlich überall und in allem drin. Dies hier ist ein Couchtisch aus Holz, der Bewegungen über der Glasplatte wahrnimmt und ihnen mit einer Art “Mausspur” aus Leuchtdioden folgt. Sehr nett!

Maker Faire (7 of 26)

Dad interessiert sich für diese Notebook-gesteuerte Holzfräse, die in die Garage passt und für rund 7000 Dollar zu haben ist. Herstellerin des CNC-Systems ist ein kleiner Familienbetrieb, der mit diesem und andern Modellen seit 10 Jahren im Geschäft ist. In den USA mit ihrem 300-Millionen Einwohner-Markt und Wohnhäusern mit Garagen von europäischer Turnhallengrösse geht sowas.

Maker Faire (15 of 26)

Das Intresse an Selbstbau-Raketen war nicht riesig, obwohl “Wired” grade den Raketen-Boom als Titelgeschichte bringt - allerdings gehts dabei mehr um die private Raumfahrt, und bemannte Raketen gehören noch nicht zum Inventar der Raketenbastler-Vereinigung “Lunar”.

Maker Faire (8 of 26)

Shannon Lile ist begeistert von frühen Benzinmotoren und hat dieses Modell einer landwirtschaftlichen Arbeitskraft mit einem sogenannten “Hit-And-Miss”-Motor nach dem Original gebaut, das sich in seinem Besitz befindet.

Maker Faire (9 of 26)

Ich hielt das Ding zuerst für eine Dampfmaschine, wegen des typischen Geräuschs: “Hit And Miss” bezieht sich auf die Zündung des simplen Viertakters: Er läuft auf rund 400-1000 Umdrehungen, zündet aber je nach Last nur jeden dritten oder vierten Zyklus. Der Auspuff (die goldglänzende Scheibe vorne rechts) saugt während der Leerzündungen Frischluft in den Motor, was ihn kühl hält. Clever, aber offenbar nicht sehr effizient.

Maker Faire (10 of 26)

Ein echtes “Stadtfahrzeug”. Ich konnte nicht erkennen, um welche Metropole es sich handelt, aber die Küstenlinie auf der linken Fahrzeugseite (hier im Bild nicht zu sehen) lässt auf Seattle schliessen - dann fehlt allerdings der Skyline auf dem Dach die Spaceneedle. Und angefahren werden möchte ich von diesem Auto als Fussgänger jedenfalls nicht. Auch nicht gaaanz langsam.

Maker Faire (12 of 26)

Es muss nicht immer Hightech sein. Dieses Fahrrad spielt unterwegs Gitarre, und dabei lassen sich…

Maker Faire (11 of 26)

..die Akkorde via Bremsmechanik steuern.

Maker Faire (13 of 26)

Faszinierend bunte Muster und sogar Blumen zaubert dieser LED-Speichencomputer mit drei Reihen bunter Leuchtdioden in ein Fahrrad-Rad. Ich brauche übrigens hier Hilfe. Ich kann mich nicht entscheiden, welches Bild das bessere ist: Das hier mit Daddy und Sohnemann, oder das…

Maker Faire (14 of 26)

…ebenfalls mit 400 ISO bei einer Zehntelssekunde aus der Hand fotografierte “Staun”-Bild. Für Hinweise für die bessere Wirkung in den Kommentaren wäre ich sehr dankbar (bitte Bilder in Grossansicht vergleichen).

Maker Faire (16 of 26)

Noch mehr Roboter, aber die hier sind eine spezielle Gattung: Allesamt mit Dampf angetrieben. Ihr Erbauer hat mit einem “Marschier-Modell” einen Robotik-Wettbewerb gewonnen.

Maker Faire (18 of 26)

Man entschuldige meine fotografischen Experimente in den stockdunklen Hallen (das hier ist bei ISO 800, einer halben Sekunde Belichtungszeit mit End-Blitz und einem gleichzeitigen Brennweiten-Wechsel von 80 auf 18mm aus der Hand geschossen). Es ist eine elektronisch gesteuerte Luftdruck-Elektro-Gitarre, die Midi-Computermusik wieder in echte Instrumentenklänge umwandelt. Zusammen mit dem Schlagzeug dahinter sowas wie die mechanischen Klaviere zu Wildwest-Zeiten.

Maker Faire (24 of 26)

In den von Rasenmäher-Traktoren, Laubbläsern und Gyms verseuchten USA finde ich eine Erfindung wie diese hier ausgesprochen angesagt. Vor allem mit dem wachsenden Umwelt-Hype hat das Teil zweifellos Marktchancen.

Maker Faire (19 of 26)

Apropos Global Warming: Diese transluzente Erdkugel wird von einem einzigen, rasend schnell rotierenden halbrunden LED-Streifen erzeugt und hat nicht nur mein Herz erwärmt. Wie so vieles hier: Absolut sinnlos, aber soooooo geil - tschuligung.

Maker Faire (20 of 26)

Auch wenn das Bild etwas gar impressionistisch geraten ist: Ich muss es zeigen. Ich habe endlich und zufällig Charles Benton getroffen, den Berkeley-Architekturprofessor, der diese wunderbare Webseite über Kite-Fotographie verfasst hat und sein Hobby hier an der Maker Faire präsentierte (ich habe ihn in diesem Beitrag über Video-Drohnen schon mal vorgestellt).

Maker Faire (21 of 26)

Auch bei diesem Bild hätte ich mir die Experimente besser gespart. Aber dennoch, zur Dokumentation: Dies ist ein Rig für eine gängige Point-And-Shoot-Kamera an einem Drachen, gesteuert über insgesamt drei Servomotoren an einer Funkvfernsteuerung (Winkel, Brennweite und Auslöser). Charles hat mir auch ein sehr viel einfacheres Gerüst gezeigt, das ohne RC auskommt: Ein Mini-Servomotor löst alle zehn Sekunden via Infrarot-Lämpchen vor dem eingebauten Empfänger einer Kompakten ein Foto aus. Diese Zeitschaltung hat meine (drei Kilo schwere) Nikon D200 sogar eingebaut, wagte ich zu scherzen, und Charles erklärte mir, dass sein nächster Drache gross genug sein soll, um eine Spiegelreflex zu tragen: Er will endlich qualitativ hochwertige Luftfotos…

Maker Faire (22 of 26)

Wie gesagt: 3d-Prototypen-Drucker sind “in” im Silicon Valley. Diese Dame zeigt ein Modell, das als Bausatz auf den Markt kommen soll. Im Demo-Verfahren “druckt” sie grade ein paar dreidimensionale Cracker-Auflagen - aus flüssigem Käse…

Maker Faire (25 of 26)

Zu den verrückten Fahrzeugen gehört dieses Gerät, das, wenn der Fahrer mal die Balance hat, sich elektrisch antreiben lässt. Dieser Besucher kriegte nicht nur die Balance nicht hin. Bei einem Abstieg klammerte er sich auch noch hilfesuchend an die Knopf-Fernsteuerung und riss damit das Kabel aus dem Elektromotor.

Maker Faire (26 of 26)

Alles in allem ein vergnügliches Familienfest für Bastler, Geeks und - andere Spinner: An diesem Stand konnte man lernen, mit einer einfachen Spindel aus Holzstab und einer alten CD Schafwolle zu Garn zu spinnen. “Wir lehren Dich diese alte Kunst - mit einem modernen Dreh”.

Maker Faire (27 of 1)

Gegen sechs habe ich mich wieder auf mein Moped geschwungen und bin nach Hause gefahren. Das hier ist NICHT mein Moped, meins läuft mit Benzin. Das hier läuft mit einem Satz Batterien aus einem zu Schrott gefahrenen Toyota Prius. Das Cockpit ist ein Asus UMPC.

(Bitte nicht vergessen: Per Kommentar das bessere Velospeichen-Bild wählen. Danke.)

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mick

    schrieb am 20. Mai 2007 um 14:03 Uhr (#)

    Das attraktivere Bild (und damit wohl das bessere) ist das mit dem kleinen Jungen allein.

  2. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 22. Dezember 2007 um 16:20 Uhr (#)

    Yep. Der grüne Widerschein ist der Reiz :-)


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