Das Kartenterminal für zu Hause

Peter Sennhauser, 10. Mai 2007 09:02 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Die Schweizer Postfinance macht auf sicher: Wegwerf-Codes fürs Online-Banking aus dem privaten Kartenleser. Das System ist flexibler als andere und wäre ideal für einen Standard der Banken, um nicht für jedes Konto ein anderes Gerät mitschleppen zu müssen.

blog1Nachdem sich auch die Streichlisten mit Wegwerf-Codes fürs Online-Banking als nur bedingt geeignet erwiesen haben, weil offenbar selbst damit Leute betrogen wurden, weil sie auf Phishing-Webseiten reinfielen (gefälschte Portale, die aussehen wie jene der Bank, aber nur das Passwort und die Codes abfragen, worauf der Cracker im Hintergrund Zugriff aufs Konto kriegt), hat jetzt auch die Schweizer Post Bank namens “Postfinance” (auf die ich derzeit nicht sonderlich gut zu sprechen bin) auf einen Code-Dongle umgestellt.

Wir kennen diese Geräte von andern Online-Banken und neuerdings von Ebay und Paypal in Europa: Kleine Geräte, die aufgrund der Uhrzeit alle paar Minuten einen neuen Passcode-generieren, der mit dem Schlüssel des Benutzers erzeugt wurde.

Postfinance hat einen andern Weg gewählt, der zwar ein etwas grösseres Gerät nötig macht, aber meiner Meinung nach ein paar Vorteile bietet (ich kann kaum glauben, dass ich den Laden lobe…).

Zunächst handelt es sich nicht um ein geschlossenes System, das mit dem digitalen Schlüssel des Benutzers ausgestattet ist. Es ist nur ein Kartenlesegerät. Der Benutzer erhält zusätzlich eine neue Automatenkarte, auf welcher sein digitaler Schlüssel und die gewohnte PIN für den Bargeldbezug und das Bezahlen an Kartenterminals gespeichert ist.

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Der Vorgang beim Online-Zugang ist ebenfalls zweistufig: Der Wegwerf-Code für jede Sitzung wird nicht aus der Uhrzeit generiert, sondern aus einem weiteren Code, den der Webserver vorgibt. Das läuft so ab:

Der Benutzer geht mit seiner ID und seinem fixen Passwort Online. Das System liefert ihm daraufhin einen sechsstelligen Zahlencode. Der Benutzer steckt seine Konto-Karte in den Leser und tippt den von der Webseite vorgegebenen Code ein. Das Lesegerät fragt daraufhin nach der PIN. Wird die richtige PIN eingetippt, so liefert das Gerät einen Wegwerf-Code von bis zu neun Stellen, den der Benutzer nun wiederum auf der Webseite eingeben muss.

blog3Zwar ist der Aufwand für den Benutzer ein bisschen grösser als mit den rein Uhrzeit-abhängigen Dongles, und das Lesegerät liegt schwerer in der Reisetasche als die winzigen Dongles anderer Anbieter. Dafür ist die Sicherheit meiens Erachtens noch höher. Zudem bietet das Gerät Zusatzfunktionen, die ich sehr schätze: Man kann damit jederzeit die PIN der Kontokarte verändern.

Vor allem aber liesse sich das Gerät zum universalen Dongle für ALLE Bankkarten machen, weil alle Informationen auf der Karte gespeichert sind. Wenn also mehr Geldinstitute auf dieses System umstellten, könnten sie sich die Ausgabe der Lesegeräte gemeinsam übernehmen und Geld sparen. Und die Benutzer hätten nur noch ein Gerät und die Kontokarten rumzuschleppen, die sie sowieso dabei haben.

Wenn ich das alles vergleiche mit dem, was die US-Banken an Sicherheit oder Bequemlichkeit anbieten, ist Europa ein Paradies. Ich habe bisher hier keine Bank gefunden, deren Online-System mehr als zwei Sicherheitsstufen aufweist. Die meisten fragen nach einer ID und einem Passwort – und das war’s. Ein Trojaner auf dem eigenen Rechner, und schon ist das Konto leergeräumt. Meine aktuelle Bank setzt zwar noch ein Cookie im Browser, und wenn ich auch nur mit Firefox statt Opera auf meine Konti zugreife, muss ich mich mit einem sofort per Mail verschickten Code neu identifizieren. Aber das ist auch nicht sonderlich vertrauenserweckend. Und wenn ich die PIN auf meiner Bankomatkarte geändert haben will, muss ich in einr Filiale vorbeigehen.

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6 Kommentare

  1. nasobem
    schrieb am 10. Mai 2007 um 10:00 Uhr (#)

    Vereinheitlichung… schön wär’s. Von der UBS nutze ich dieses System schon seit einigen Jahren. Da ich mit meiner Freundin noch ein gemeinsames Postkonto habe, schwirren jetzt drei Codeleser im Haushalt herum (ein gemeinsames Konto – zwei Kartenleser, sonst wäre es ja zu einfach).

  2. nasobem
    schrieb am 10. Mai 2007 um 10:03 Uhr (#)

    Mit der PIN-Änderung von zu Hause aus hast Du dich wohl getäuscht. Die FAQ sagt:
    “Auf dem Lesegerät kann nur der PIN-Code der grünen PostFinance-ID-Karte geändert werden. PIN-Änderungen mit der gelben PostFinance Card müssen auch auf dem Magnetstreifen und in den zentralen Systemen vermerkt werden. Dies kann nur über PostFinance-Geldautomaten erfolgen.”

  3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 10. Mai 2007 um 12:26 Uhr (#)

    Mist. Stimt. RTFM. Wär ja auch zu schön gewesen. Und ist eigentlich logisch. Ich hab mich schon seit je gewundert, wieso die mir eine neue Karte mit meinem alten Code drauf schicken können…

  4. Kasparoffski
    schrieb am 10. Mai 2007 um 17:36 Uhr (#)

    Die Sicherheitsvorteile dieses Geräts sind unbestritten. Bei der Umrüstung scheints mir aber bei der PostFinance gewaltig zu happern. Ich habe schon zwei Mal ein Lesegerät zugeschickt bekommen, jedoch ohne neue ID-Karte. Sogar bei der Support-Line kratzen sie sich am Kopf…

  5. mds
    schrieb am 17. Mai 2007 um 20:22 Uhr (#)

    Die Sicherheitsvorteile dieses Geräts sind unbestritten.

    Welche Sicherheitsvorteile meinst Du? Vorteile im Vergleich zu welchen anderen Lösungen?

  6. Chris
    schrieb am 11. Juni 2007 um 00:14 Uhr (#)

    Das schöne an dem Gerät ist: Man kann sich jederzeit noch weiter holen… Wäre doch mal was für Bastler und so. Die Geräte mal auseinandernehmen… irgendwie an den PC anschliessen, Dinge basteln und verbasteln. Mal ein paar modifizierte in Umlauf bringen oder so…
    Ist es wirklich so sicher??

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