Apple TV im Test, Teil 3:
Multimedia nach Apple-Art
In den ersten beiden Teilen unseres Tests konnten wir feststellen, dass der Apple TV ein schönes Gerät ist und keine Mühe bei der Installation macht. Wie bewährt sich der jüngste Apple-Spross aber im täglichen Einsatz als Multimedia-Center?
Im Prinzip ist der Apple TV nichts anderes als eine Verlängerung für iTunes ins Wohnzimmer, und demenstsprechend bringt die kleine Box alle Vor- und Nachteile von iTunes mit. Als Vorzug wäre da sicher die einfache Bedienung zu nennen. Wer mit einem iPod umgehen kann (und wer kann das nicht?) kommt auch mit dem Apple TV sofort zurecht. Die Benutzeroberfläche sieht nicht nur super aus, sondern ist auch logisch strukturiert. Schöne 3D-Animationen an jeder Ecke machen Lust aufs Erforschen der Möglichkeiten.
Da die kleine Apple-Fernbedienung nur sechs Tasten hat, kann man auch kaum die falsche drücken. Das System macht eigentlich immer das, was man erwartet. Positiv fällt auch auf, wie schnell der Apple TV auf jedes Kommando reagiert. Leider ist das bei anderen Set-Top-Boxen nicht selbstverständlich. Ein Nachteil der simplen Oberfläche ist allerdings, dass man sich sehr oft sequentiell durch so manche Menüebene durchhangeln muss. Tasten für einen direkten Zugang zu einzelnen Funktionen gibt es nicht. Aber trotzdem ist man mit dem Apple TV meistens schneller beim Content als bei vielen Konkurrenzprodukten, die den Benutzer mit Dutzenden von winzigen Tasten verwirren.
Doch schauen wir uns genauer an, was der Apple TV an inhaltlichen Möglichkeiten bietet. Zuoberst im Menü finden sich Filme und Fernsehserien — eigentlich logisch für eine Video-Box. Leider haben die Käufer in den meisten europäischen Ländern gerade von diesen Features vorerst noch nicht viel, weil Apple Downloads von Filmen und Serien aus lizenzrechtlichen Gründen bisher fast nur für den amerikanischen Markt anbietet. Immerhin gibt es Gerüchte, dass schon bald auch der europäische Markt bedient werden könnte. Hier in der neuerdings.com-Aussenstelle Boston konnten wir aber immerhin schon mal ausprobieren, wie sich Fernsehen mit dem Apple TV anfühlt.

Arnie macht auch als Download eine gute Figur.
Das Angebot an Filmdownloads ist auch im amerikanischen iTunes-Store nicht berauschend. Derzeit sind es nur einige hundert Titel, und aktuelle Superhits sind kaum dabei. Erheblich besser sieht es bei den Fernsehserien aus. Da sind viele der beliebtesten Shows schon seit längerem verfügbar. Selbstverständlich wird man aber auch reichlich zur Kasse gebeten. Ein Film kostet zwischen $9.99 und $14.99, und für eine Serienfolge muss man meistens $1.99 virtuell hinblättern. Das kann mit der Zeit ganz schön ins Geld gehen. Immerhin gibt es für viele Serien auch einen “Season Pass”, wo man dann für zwischen $10 und $45 eine ganze Staffel kaufen kann.

Fernsehen bis zum Umfallen dank Apple
Gekauft werden müssen die Inhalte aber weiterhin am PC bzw. Mac, direkt am Apple TV geht das (noch?) nicht. Da die Synchronisierung nach dem erfolgreichen Download aber sehr schnell erfolgt, stört das nicht wahnsinnig. Trotzdem: “TV on demand” ist das weitem nicht, Fernsehabende mit dem Apple TV wollen geplant sein. Wenn man sich einen Season Pass gekauft hat, lädt iTunes aber immerhin die neusten Folgen automatisch herunter.

Teuer, aber automatisch: Serien als Season-Pass
Das einzige Feature, bei dem der Content wirklich in Echtzeit geliefert wird, sind die Filmtrailer von aktuellen Kinofilmen, die man sich direkt von der Apple-TV-Box aus vom Internet runterstreamen lassen kann. Ein angenehmer Weg, um über das aktuelle Kinoprogramm auf dem laufenden zu bleiben und vielleicht ein Ausblick in die nahe Apple-TV-Zukunft.

Kinovorschau direkt auf dem Apple TV
Andere Videoformate als die Apple-eigenen und MPEG-4 kann iTunes derzeit nicht verwalten, und somit geht auch auf dem Apple TV nix mit DivX, AVIs und selbst QuickTime-Movies. Immerhin kann man mit QuickTime Pro und einigen anderen Programmen die meisten nicht kopiergeschützten Formate ins Apple-TV-Format konvertieren, aber dafür sollte man einen schnellen Rechner und viel Geduld mitbringen.
Was aber sehr gut funktioniert, sind Video-Podcasts. Es ist wirklich ein ungewöhnliches Erlebnis, oft gesehene Shows wie Rocketboom oder die Scoble-Show auf einem richtigen Fernseher statt einem Computermonitor bewundern zu können. Man könnte fast sagen: So machen Video-Podcasts überhaupt erst Spass. Besonders skurril wird das spätestens bei Diggnation: Man sitzt auf dem Sofa und trinkt Bier und schaut dabei Leuten zu, die auf dem Sofa sitzen und Bier trinken…

Für den kleinen Screen gemacht, aber auf dem grossen auch gut: Rocketboom
Natürlich kann der Apple TV auch Musik und Audio-Podcasts abspielen, und dabei gibt es ungefähr den gleichen Funktionsumfang wie bei einem iPod. Sehr cool sind die dreidimensional vorbeiscrollenden Albumcover.

Zuguterletzt kann der Apple TV auch noch Photoalben zeigen, und zwar als Slideshow mit den aus iPhoto bekannten Effekten. Dazu gibt es natürlich Musik aus der iTunes-Sammlung. Leider sind die Einstellungsmöglichkeiten ziemlich begrenzt, aber für die Unterhaltung der Verwandtschaft bei einem langweiligen Familienfest reicht es allemal.
Wie sieht es nun mit der Bild- und Tonqualität aus? Beim Sound kann man nicht viel bemängeln, auch wenn man für diesen Preis natürlich kein High-End-Niveau erwarten darf. Die Bildqualität hängt stark vom Ausgangsmaterial ab. Fotos gibt der Apple TV prachtvoll in HD-Qualität aus, aber bei downgeloadeten Videofiles macht sich auf dem grossen Fernsehschirm natürlich schnell die relativ niedrige Auflösung von 640×480 Pixeln bemerkbar. Das ist zwar theoretisch nicht weit von DVD-Qualität entfernt, aber durch die stärkere Kompression ergeben sich deutlich sichtbare Artefakte wie zum Beispiel grobe Farbverläufe. Was auf dem Video-iPod kaum sichtbar ist, fällt auf einem HD-Fernseher deutlich ins Gewicht. Darum: Ein Ersatz für einen DVD-Player ist der Apple TV sicher nicht.
Zwei Features sind beim Apple TV auffälligerweise abwesend: Das Gerät kann keine HD-Files abspielen (obwohl ein HD-Fernseher vorausgesetzt wird) und es kann nichts aufzeichnen. Darum gibt es auch schon wilde Spekulationen darüber, ob und welche Features in zukünftigen Softwareversionen hinzukommen könnten. Es wäre auch nicht völilg abwegig, an den eh schon vorhandenen USB 2.0-Port einen Fernsehtuner anzuschliessen, denn von der Rechenleistung her könnte der Apple TV allemal als digitaler Videorekorder dienen. Aber wie immer lässt sich Apple nicht in die Karten schauen.
Im nächsten und letzten Teil: Das Fazit.
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(27. März 2007 02:15)
(2. September 2007 22:22)
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