CeBIT 2007 – Mein persönlicher Rückblick
Die CeBIT 2007 – gemäss eigener Tagline “The leading business event for the digital world” – ist inzwischen Vergangenheit. Rund 480’000 Besucher konnte die Messe dieses Jahr anziehen. Ich war einer davon.
Auf einem riesigen Messegelände haben während einer Woche die insgesamt 6’153 Aussteller ihre neuen Produkte und Dienstleistungen präsentiert. Ich war zum ersten Mal an der CeBIT und habe mir natürlich hauptsächlich die Angebot im Consumer-Bereich angeschaut. Ein Grossteil der Ausstellungfläche war jedoch B2B-Lösungen gewidmet, welche ich natürlich überhaupt nicht einschätzen kann. Nichtsdestotrotz konnte ich mir einige interessante Sachen anschauen und allgemeine Trends erkennen – die Hammerneuigkeit gabs an der CeBIT jedoch nicht. In diesem Beitrag möchte ich auf die CeBIT zurückblicken und einige der oben genannten Themen aufgreifen.
Wohl das grösste Problem der CeBIT ist die etwas schwammige Positionierung irgendwo zwischen Fachmesse für Unternehmenskunden und Consumer-Event. Da mit 380’000 von 480’000 Besuchern der Grossteil zur Gruppe “Fachbesucher” gezählt wird, ist es eigentlich erstaunlich, dass noch so viele Firmen mit Endusern als Zielgruppe an der CeBIT ausstellen. Klar – Nokia, Apple, HP und Co. waren nicht mehr an der CeBIT präsent aber im Prinzip gäbe es für den Privatanwender immer noch viel zu sehen. “Gäbe” weils schlichtweg nicht so viele coole Neuigkeiten zu sehen gab. Zu den grossen Neuigkeiten gehörten die USB-Bildschirme von Samsung (bzw. DisplayLink), der UMPC Q1, welcher meiner Meinung nach massloss überschätzt wird (entweder will man einen richtigen Laptop und ist dann auch bereit, den extra mitzuschleppen oder man will einen Handheld, der bequem in die Jackentasche passt – ein UMPC ist weder Fisch noch Vogel) sowie das Sony Ericsson W660. Alle anderen Sachen kannte man bereits von der CES oder der 3GSM. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass man an der CeBIT nicht viel Neues gesehen hat, wenn man regelmässig neuerdings.com oder ein anderes aktuelles Gadgetblog liest. Dennoch war es interessant, mal auf dem LG Mobile PRADA Handy herumzudrücken oder einen ego-Laptop aus der Nähe zu sehen. Als normaler Messebesucher hätte ich dafür einfach nicht die ?38 Eintritt bezahlt.
Im Allgemeinen konnte ich bei den Herstellern drei Trends ausmachen:
- das digitale und vernetzte Wohnzimmer
- grössere Gewichtung des Faktors Design
- Angebot von kompletten Lösungen statt einzelnen Produkten
Vor allem bei den Networking-Firmen wie Linksys oder Netgear, jedoch auch bei den eher in Richtung Multimedia orientierten Unternehmen wie zum Beispiel Belkin oder auch klassischen PC-Herstellern wie Fujitsu Siemens geht der Trand ganz klar in Richtung vernetztes Wohnzimmer. Was Microsoft noch nicht so richtig gerafft hat, übernehmen nun die OEMs: niemand will sich auf seinem im “Home Office” stehenden Computer Filme anschauen – Media Center hin oder her. Schliesslich hat man sich ja einen riesigen Plasma-TV ins Wohnzimmer gestellt, also wird man dort ja wohl auch seine Filme, Musikfiles oder Fotos anschauen können. Netgear und Linksys bieten mit dem EVA8000 beziehungsweise dem KISS coole Lösungen an, welche Content von verschiedenen Quellen ins Wohnzimmer holen können. Eng damit verknüpft sind natürlich Technologien wie zum Beispiel 802.11n oder Powerline. Beim vernetzten Wohnzimmer wird wieder einmal deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel verschiedener Technologien ist. Auch wenn die “sauberste” Lösung immer noch das einfache Netzwerkkabel ist, sind die
meisten Leute schlichtweg nicht bereit, in ihrer Wohnung gross Kabel zu verlegen. Vor allem Powerline ist hier eine sinnvolle und effiziente Alternative (und da inzwischen Geschwindigkeiten von bis zu 200MBit/s möglich sind, gehts rasend schnell). Die Technologie ist definitiv da – nun gilt es nur noch zwei Probleme zu lösen: a) legaler Content und b) so wenige Formate wie möglich. Den einzigen Content, den ich zur Zeit auf meinen Fernseher streamen könnte, hat schliesslich keineswegs eine legale Herkunft (die neuesten Folgen “Lost” müssen halt einfach sein). Zudem gibt es einfach zu viele Formate und Codecs – dem durschnittlichen Normalo-User ist es egal, ob ein gewisses Format eine bessere Komprimierung hat als das andere, er will sich einfach Filme anschauen können – sonst nichts. Insofern gibt es sicherlich noch einiges zu tun, bis solche Lösungen wirklich zu einem grossen Markterfolg werden könnten. Dies dürfte aber meiner Meinung nach bloss eine Frage der Zeit sein, zumal die technischen Voraussetzungen eigentlich alle bereits gegeben sind.
Einen anderen Trend, den ich beobachten konnte war die zunehmende Bedeutung des Designs. Apple hats vorgemacht und die anderen Hersteller machens nun nach. Dieser Trend ist bei vielen Gadgets, jedoch vor allem bei Laptops erkennbar. Da die meisten Leute auf ihrem Notebook eigentlich eh nur MS Office benutzen und im Internet surfen, ist für sie “mehr Leistung” kein überzeugendes Argument. Stattdessen versuchen sich die Hersteller mit einem coolen Design oder edlen Materialien von ihrer Konkurrenz zu unterscheiden. Ein gutes Beispiel sind die Leder-Notebooks von Asus. So wies scheint, sind die Kunden eher bereit, für ein schönes Notebook einige Euro mehr zu bezahlen, als für 4GB RAM und eine 320GB Festplatte. Eng mit diesem Phänomen verknüpft ist der Trend, mit kleinen, pinken Geräten gezielt Frauen anzusprechen. Schon oft habe ich beobachtet, dass Frauen von
einem Gadget fasziniert sind, sobald es in pink angeboten wird. Insofern rate ich jedem Hersteller das erfolgreichste Gerät im Sortiment 20% kleiner zu machen, pink einzufärben und es dann explizit an Frauen zu vermarkten. Auch wenn dieser Trend rational eigentlich nicht erklärbar ist, glaube ich dennoch, dass die Hersteller in Zukunft immer wie mehr auf die Karte Design setzen werden.
Der letzte von mir ausgemachte Trend hat viel mit dem ersten zu tun. Viele Unternehmen konzentrieren sich nicht mehr bloss auf ihr Kerngeschäft, sondern weiten ihre Sortimente aus, so dass sie komplette Lösungen anbieten können, welche so viele Kundenbedürfnisse wie möglich anbieten können. So bietet zum Beispiel Linksys nicht mehr bloss Netwerkprodukte sondern auch Telefon- und Unterhaltungslösungen an. In diesem Zusammenhang finde ich interessant, dass die meisten Unternehmen aus eigener Kraft ihr Sortiment ausweiten und nicht wirklich Kooperationen eingehen. Ich also Kunde begrüsse es natürlich, wenn ich mir nicht alles bei verschiedenen Herstellern zusammen suchen muss und die einzelnen Produkte auf einander abgestimmt sind. Aber irgendwie glaube ich, dass bessere Produkte resultieren, wenn sich ein OEM auf ein Gebiet konzentriert. Aber auch hier gilt es, abzuwarten und zu schauen, wie sich die Sache entwickelt.
Vielerorts hat man gehört, dass die Leute (bzw. vor allem Journalisten) eigentlich froh waren, dass sie nicht an die CeBIT gingen bzw. gehen mussten. Ich persönlich ging gerne, jedoch mehr weil ich mir das auch mal anschauen wollte. Zudem konnte ich einige spannende Kontakte knüpfen. Aber (wie ich bereits gesagt habe) eigentlich habe ich in Hannover nicht viel Neues gesehen. Insofern wird die CeBIT wohl in Zukunft für die Consumer immer wie unbedeutender werden.


















Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
Foursquare
Flickr-Profil





