Mit Pironet in SecondLife
Am Stand der Kölner Agentur Pironet steht - einsam und verlassen - ein Monitor, auf dem “Second Life” läuft. Da muss man natürlich mal schnell nachfragen, worum es dabei geht. Der erste Mitarbeiter, den ich anspreche, wird etwas hektisch. Denn der Mitarbeiter, der sich so richtig auskennt (er hat es gemacht), ist natürlich gerade im Mittag. Immerhin kann mir der Chef von dem, der es gemacht hat, weiterhelfen.

Herr Kloss erklärt mir, dass sie “die erste deutsche IT-Firma mit Präsenz in Second Life” sind. Ich verstehe erst gar nicht, was das soll, denn ich dachte immer, Pironet würde irgendwie Branchensoftware oder Outsourcing machen, jedenfalls irgendwas, das mich nicht interessiert. Sie haben aber inzwischen auch eine Unit “Beratung und Creation“, die machen sowas wie eine Webagentur (falls zwischen den Beratern und Designern auch noch Techniker sitzen, sollte eine Gruppe mal der anderen sagen, dass /internet/html/de/606/index.html nicht die optimale URL ist - CMS machen sie ja auch); und diese Unit führt Herr Kloss, und die macht halt auch SL-Präsenzen, also als erstes mal die eigene.
Dort führt mich Kloss ein bisschen rum. Er kann auch nicht viel besser fliegen als ich, aber immerhin kann er’s überhaupt. Es fällt auf den ersten Blick auf - Kloss freut sich trotzdem, als ich es sage - dass die SL-Präsenz von Pironet genauso aussieht wie der Messestand (auch Kölsch vom Fass gibt es hier wie dort, wobei Kloss betont, dass die Fässer “Pittermännchen” heissen - soll noch einer sagen, man erfährt nichts Neues an so einer Messe :-)

Pironet-Ledersofas im Firstlife

Pironet-Ledersofas in Second Life (nachträglich von der Website geholt; ich vermute, das ist der Herr, der beim Mittagessen ist)
Bezeichnend fand ich den virtuellen Counter. Auf den Screenshots im Internet steht dort eine nette Dame:

Screenshot von der Pironet-Website
In “Wirklichkeit” (jetzt muss ich aufpassen mit den Realitätsebenen) stand in Second Life allerdings kein Mensch hinter der Theke, als ich am Stand war. Habe dann auch gleich gefragt: “Und wie soll das Business generieren?” Kloss meinte was von “Schaufenster”. (Das erinnerte mich urplötzlich sehr an 1995, als namics-Gründer Hans Meli Internetpräsenzen immer als “elektronisches Schaufenster” erklärt hat.)
War heute dann mal drin (Teleport-Link unter www.pironet-ndh.com/sl) und hab mir bei Pironet die Plakatwände angeschaut (siehe unten). Tja, da sieht’s natürlich schon wieder sehr schaufenstermässig aus. Kenne mich in SL nicht wirklich aus, aber im First Life stellt man doch solche Plakate in einer Lage auf, an der viele Leute vorbeikommen, und ich nehme an, in SL ist das keine (Gibt es sowas dort überhaupt, ausser Welcome Island? Wo man teleportieren kann, gibt’s eben auch keine Verkehrsknotenpunkte, oder?)

Ich vor der Pironet-Plakatwand
Pironet verlost sogar eine kleine SL-Präsenz. Ich hab mal meine Visitenkarte dagelassen; wenn ich sie gewinne, denken wir uns was Lustiges aus.
Soweit wäre eigentlich meine Besprechung gegangen. Meine Meinung über SL ist noch nicht fertig gemacht. Ich war insgesamt keine zwei Stunden drin, bisher kann ich wenig damit anfangen, und obwohl es mich reizen würde, habe ich zu wenig Zeit, tiefer einzusteigen - derselbe Grund, aus dem ich seit 20 Jahren keine Computerspiele mehr mache (ausser dem niedrigschwelligen Tetris 1991 bis 1993, statt für Prüfungen zu lernen :-).
Dann habe ich aber heute noch das hier von Mario Sixtus gelesen:
Das Auftauchen von Second Life muss zu einem kollektiven Aufatmen in den Marketing-Abteilungen dieses Planeten geführt haben. Endlich kann man auch im Internet so weitermachen wie in der guten alten Zeit vor dem Internet. Man kann Plakate aufstellen, Filialen eröffnen, Werbespots auf riesigen Leinwänden ausstrahlen und sogar Verkaufspartys veranstalten. Toll. Ganz, wie damals.
Sehr treffend. Wir wissen zwar nicht, was es soll, aber wir machen mal mit, gibt ja auch Presse. Die Parallelen zur heute erst besuchten Pironet-Präsenz sind geradezu zum Greifen.
Die Frage, die ich heute noch nicht beantworten kann, lautet also: Bin ich zu wenig visionär? Wird in kurzer Zeit jahrein, jahraus in Second Life CeBIT sein, und alle gehen einfach dorthin und informieren sich beim freundlichen Avatar wie ich bei Herrn Kloss? Und ich merk’s nicht, weil es noch pixelig ist, mein Laptop schrecklich laut lüftet und man tippen muss statt reden? Oder ist wirklich alles totaler Quatsch, weil diese doofen Plakate eben doch einfach nur ein müder inaktiver Abklatsch einer echten Website sind, und Second Life ist zwar super für die wachsende Zielgruppe der Leute, die früher Rollenspiele gemacht haben, aber eben auch nur für die?
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7 Kommentare zu diesem Artikel
2 Trackbacks
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(21. März 2007 14:56) - INDAL - blog - Jörg Friedrich
(21. März 2007 16:01)
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Marcel
Ich schnall das mit dem SecondLife auch nicht ganz - was das soll und so. peter - vielleicht sind wir dafuer halt einfach schon zu alt …
Peter Hogenkamp
Tja, manchmal denke ich das wirklich. Allerdings sind viele, z.B. Markus Breuer, so alt wie ich, und die kapieren es. Aber eben, das könnten diese Rollenspieler-Typen sein.
mds
Die «Jugend» scheint «Second Life» auch nicht zu stürmen, vielleicht weil sie jene Publikationen, die «Second Life» hochjubeln, gar nicht liest?
Apropos «Pittermännchen»: Ein Peter, der das Wort nicht kennt? ;)
Kate
“Ich vor der Pironet-Plakatwand”
Um ein Haar hätte ich Dich nicht erkannt. ;-)
leu
ju, man sieht eindeutig dass es sich um Peter handeln muss.
Peter Hogenkamp
Hehe. Ich hab mal eine halbe Stunde rumexperimentiert mit meinem Avatar und wollte ihm *etwas* schütteres Haar und eine *etwas* stattlicher Figur verpassen. Das hat überhaupt nicht geklappt, ich habe nur eine groteske Vollglatze hinbekommen und einen, der aussieht, als müsste er bald mit dem Kran aus der Wohnung gehievt werden. Also habe ich irgenwann einfach “alles zurücksetzen” geklickt. Natalie Balkow alias Siss Truss wollte mir mal einen etwas angepassteren Pit machen, aber ich hab’s dann nicht mehr so wichtig gefunden.
dirk
Hab mir Second Life vor einigen Monaten mal runtergeladen und ein bisschen damit rumgespielt. Kann den Hype auch nicht verstehen — abgesehen davon ist mir einfach die Zeit zu schade, die man dort sinnlos verbringt. Da les ich doch lieber ein Buch (wie altmodisch ;) ) oder man bringt eben Dinge im Real Life in Ordnung (”Es gibt immer was zu tun.”)
Dirk.